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Verzeichnisses angefcrtigten Zusammenstellung beim !
Beginn des SomincrscincsterS unter I 717 Botksschulcn ;
in der Pfalz 42 israelitische Stellen. !
nun. Stuttgart, 7. Juni. Die Gesammtzahl der !
Schüler an össentlichen GclehrtcnschulenWürttembergs bc- ^
trägt nach letzten statistischen Erhebungen 90<M; von diesen !
gehören *5030 der evangelischen, 2050 der katholischen, ;
3<;5 der israetitischcn, 19 anderen Konfessionen au. !
In den Volksschulen sind 302,-149 Schüler und zwar !
143 711 Knaben, 138 735 Mädchen, wovon 1151 !
Kinder Israeliten sind. ;
nun. Stuttgart, 10. Juni. Wenn ich am
Schlüsse meines jüngsten Berichtes über das israelitische
Waisenhaus ״ WilhelinSpflcge" den Wunsch anssprach,
es möge daS Projekt einer Adolf-Levi-Stiftung im
Interesse der hülflosen Kleinen eine recht wackere
Unterstützung finden, so kann ich heute diesen Wunsch
nur noch aus vollerem Herzen wiederholen. Wenn wir
früher den: Waisenhansc, wenn auch im Allgemeinen
seinen humanen Zweck nicht verkennend, doch etwas
indifferent gegenüber gestanden haben, und dazu mag
der Vorstand desselben, resp. seine uniüdischc AnschannngS-
weise, die wir auch als auf das Waisenhaus übertragen
dachten, die Schuld gehabt haben, so bekennen wir
heute mit Freuden, daß wir anderer, besserer Ansicht
geworden und bedauern nur, den alten, guten Satz .׳
א?* תדין את הברך עד שתגיע לנזקימו in dieser An-
gelcgenheit so gänzlich außer Acht gelassen zu haben.
Bor einigen Tagen nun holten nur das Bersäunne
nach und besuchte:: daS herrlich gelegene Indnslriestädtchen
Eßlingen, daS von hier in einer halben Stunde mit
der Bahn zu erreichen ist. Durch viele Kreuz- und
Querstraßen, sowie nrch schöne Anlagen wandelnd, an
alten, niittelalterlichen Thürmcn, die hinter ihren festen,
unzerstörbar scheinenden Mauern manches düstere, sicher
auch Juden betreffende (iu Eßlingen wurden 1318 die
Juden iu der Synagoge verbrannt) Gcheimniß bewahren
dürften, vorbeikommeud, gelangten wir endlich an das
an: äußeren Ende des Stäbchens, in gesundester Gegend
gelegene Waisenhaus. Es ist ein sehr schönes, zwei ׳
stöckigeS Gebäude, von einem großen Hofranm und
prächtig angelegten Garten uiugreuzt. ׳ Wir reisten schon
Morgens 0' 2 Uhr von hier ab und waren nicht wenig
von der pünktlichsten Ordnung, die bereits im ganzen
Hause cingezogcn war, überrascht und die trotz der
srühen Stunde, es war kurz nach 7 Uhr, als wir in
daS Waisenhaus cintratcn, unS ganz vergessen ließen,
daß die ruhige Nacht erst vor so kurzer Zeit den:
geschäftigen Tage die Herrschaft abgetreten hatte. Alles
lebte schon im Hanse! Es war gerade Ferienzeit. Die
Knaben saßen schon im Speiscsaal und beschäsliglen
sich mit Laubsägearbeiten und dergleichen Lieblings-
beschäjtigungcu der Knaben, die Mädchen halsen theil-
weise fleißig kleine Geschäfte der ״großen Haushaltung"
besorgen, andere nähten, strickten, stickten, häkelten :c.,
überhaupt schien Alles von einem guten Geiste getragen
zu sein und die Kleinen nichts davon zu vermissen,
daß ihnen jo früh die Liebe der Eltern entzogen ward.
Nun erschien die Hausmutter, Frau Stern, t-Verr
Lehrer Stern befand sich auf einer Erholungsreise) und
zeigte unS in znvorkonimendster Weise alle Räumlich-
keilen des Hauses. Ueberall erfreute uns die bis in'S
Kleinste gehende Pünktlichkeit und Ordnung, überall
sah :::an, daß hier eine tüchtige Hausfrau waltet, die
voll und ganz von ihrer hohen Ausgabe, die Mutter
vieler nnd noch dazu freunder Kinder zu sein, erfüllt
ist und sich ihrer Pflichten in bester Weise zu entledigen
weiß, und überall macht sich die weise, alles anordncndc
und kontrollircitde Hand nnd das große, komplizirtc
Hauswesen überschauende Auge des HauSvatcrS kuud.
(Schluß folgt !
O e st errei ch - U n g a r n.
* Pest, 6 . Juni. Der ״Pcster Lloyd" veröffentlicht
das den: Ryiregyhazaer Untersuchungs-Gericht zuge-
konunenc Gutachten des cheinischeu LandeSinstirutS,
den: die Kleider der bei TiSza-Dada aufgefundencu
Leiche, die man für jene der Ester Solymosi hält, zur
Untersuchung übergeben worden waren. Der Landes-
Eheiniker ]):־. Emil Fclletar erklärt in dem ans-
führlichen Aktenstücke, daß bei der Untersuchung der aus
den Kleidern des Leichnams Vorgefundenen Flecken aus
Blut nach der sorgfältigsten Prüfung nnd der nach
den neuesten und erprobtesten Methoden durehgeführteu
Behandlung nicht die geringste Spur von Blut vor-
gefunden wurde.
0. Pvostburg, 1l>. Juni. Folgender Erlaß vom
königlich ungarischen Minister ff!r Kultus nnd Unterricht,
an den Preßburger königlichen Schulinspektor gerichtet,
dürste den geehrten Lesern Ihres geschätzten Blattes,
zu erfahren nicht uninteressant sein. Der Wortlaut
desselben ist folgender: ״Ich habe sichere .Kcnulniß
davon, daß in die Preßburger Iesehiba, welche in:
Jahre 1.850 das Oesfentlichkeitsrecht erhalten hat, resp.
in deren Vorbereitungsknrs (Talmud-Thora) 14- bis
1 5 jährige Jünglinge ausgenommen werden, welche bloS
die Elementarschule absolvirt haben. Dieselben erhalten
weder in den: 4 Jahre währe1:den BorbercitungSkurse,
noch iu den: ebensalls 4 jährigen Ieschibakurse einen
Unterricht iu weltlichen Lehrgegenstäudcn, rvaS Zweifels-
ohne für die Nabbibildung, besonders von: Gesichts-
punkte der allgemeinen Bildung nnd weltlichen Erudition
der Rabbiner sehr nachtheilig ist In allen theologischen
Anstalten der christlichen Konfession und auch im Landes-
Rabbinen-Seiuinar wird als Vorbedingung der Auf-
nähme eine gewisser Bcrsirlheit in weltlichen Disziplinen