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vp.amoucr, OCH 27 Dezember 1883.
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zur Föwernng jüdischen
und jüdischen Lebens
in Hans, Gcmeiilde und Schille.
ßcgriimlci vo» Stimsvn Naphael Hirsch, ^alii'iiikr tl. Jsrncfilififini (iMgioiisgefcffjlfmjl 511 drraiiRfuri a.Ä.
Nene Folge. - Erster Jahrgang.
Hercmsgege.bm unter Mitwirkung des Begründers und bewährter Genossen von AslMc KirsH.
Diese Wochenschrift erscheint jeden-Donnerstag mindestens 2 Bogen stark. — AbonnementSpreis bei allen Bostanstalten
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Dlis W!!!ll!crst׳!l!jk 1 l des CijiiintiMfücs.
In gewissen Kreisen, welche sich dein Iudenthume
längst entfremdet haben, hat man während der lcyten
Jahre dein Chanucknfeste wicdermn eine größere Be-
achtnng zngeweudet und dasselbe in ostensiver Weise
mit einer besonderen Feierlichleit zu umgeben sich bc-
müht. Angesichts der Verunglimpfungen, welche dem
jüdischen Rainen zugefügt wurden, suchte man das
Selbstgefühl zu heben durch die Erinnerung an die
hcldemnüthigen Makkabäcrkämpfe und gefiel sich gern
in dem Gedanken, die glanzvollen Gestallen eines
Matatias, eines Inda Makkabi und seiner Brüder
mit Stolz die Seinen nennen zu können. Tao An-
denken der glorreichen Vergangenheit unseres Stammes
sollte uns trösten über das Leid der Gegenwart: unsere
-Ingcnd" sollte wissen, daß sic nicht nur Schacherer und
Hausircr, wie eine schcelsüchtige Zeilgcuosseuschast bc-
hauptet, zu Ahnen hat, daß die jüdische Geschichte auch
Feldherren und Sieger aufweisen kann, welche selbst
den Blättern der griechischen nnd römischen Geschichte
nicht zur Unchre gereichen würden; cs sollte ihr zum
Bewußtsein gebracht werden, daß der Jude in der Ge-
schichte nicht immer in der Lcidcnsgestalt eines ohn-
mächtigen Dulders austrete, daß es auch Zeiten gab, j
1 in welchen er das Schwert zl'.r Vertheidigung seines
; Landes und Glaubens ruhmreich geführt und den Sieg
an sein Banner zu heften vermochte. Mari that sich
ungemein viel auf dieses Wicdererwachcn des jüdischen
Selbstgefühls und ans diese zeitgemäße Vcrwerthung
des Ehauilckafcstes zu Gute. Hier und dort beorderte
man sogar am ersten Abende den Obcrkantor mit seinem
Chore in die Synagoge, um in künstlerischer Weise das
Ehannckalicht mit Gesang zu begleiten, und der Prediger
hielt wohl am Freitag Abend beim Scheine der Fest-
lichter eine schwungvolle Rede, in welcher die ״Legende
von dem wundersamen Oclkrüglein" in gemüthvollcr
und sinniger Weise homiletisch verwendet wurde. Daß
nun aber auch das Ehannckalicht nach der Vorschrift
des Gesetzes acht Tage lang im Hanse entzündet werden
: müsse, daran hat man in diesen Kreisen kaum gedacht.
! Mit besonderer Geuugthnung ward indessen ans diese
! angebliche Wiedergeburt des religiösen Geistes hinge-
! schaut, und man biuittc sich unendlich ״fromm" und
j von ächtcr Religiosität erfüllt.
! Die sich in solcher Sclbstbcspiegelnng gefallene An-
! schauung findet aber in allem Anderen eher ihre Be-
rechliguug. als in der jüdischen Lehre, und eine solche
Ehänuckaseier hat mit der jüdischen Chanuckaseier nichts
gemein. Denn nicht dem für Gott und Sein Gesetz
in heiligem Eifer erglühenden Heldengreise aus Modin,