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mit dem Iudenthum gebrochen hat, mit einem ge-
wissen Mißtrauen betrachtet werden. Es wäre sehr zu
wünschen, wenn der Verein Machasike Hadaß, wenn die
anerkannten bedeutenden und frommen Männer, weiche
das galizische Nabbinat zieren, diese Sache in die Hand
nehmen wollten. Erweiterter Wohlstand und gehobenere
Bildung sind schätzcnSwerthe Güter, aber höher noch gilt
uns die Treue gegen unsere Religion, und wir wollen
diese nicht gefährdet scheu irdischer Bortheile wegen.
Das ist die Ansicht eines großen Thcils der galizischen
Juden. Derselben einen öffentlichen Ausdruck zu geben,
ist der Zweck dieser Zeilen, welchen Sie, geehrter Herr
Redakteur, gütigst die Spalten Ihrer Zeitschrift, welche
das gesetzestreue Iudenthum vertritt, nicht verschließen
wollen. — אמתי p.
Holland.
-z- Amsterdam, 27. Oktober. Dem angenehmen
Vernehmen nach wird vom hiesigen Herrn Louis
Prinz e. 8. innerhalb kurzer Zeit dahier eine koschere
Dampf-Eacaopulver- und Chocoladc-Fabrik errichtet
und geöffnet. Für unsere gesetzeStreucu Glaubens-
genossen, die sich auch für eine unverfälschte Bereitung
interessiren, wird diese Mittheilung eine erfreuliche sein.
* Antwerpen, Oktober. Es haben sich hier,
wie dem ״ Hamagid" berichtet wird, einige 50 jüdische
aus Rußland stammende Familien niedergelassen, welche
eine besondere Gemeinde bilden. Sie haben sich eine
Synagoge, eine Talmud-Thoraschule und eine Mikwe
eingerichtet, einen Rabbiner und Schochet engagirt und
befinden sich in auskömmlichen Verhältnissen. Möge
diese kleine Gemeinde zu einer recht bedeutenden er-
starken und eine Pflanzstätte werden für תורה und יראה .
Rumänien.
ש Die in Czeruowitz erscheinende ״ Bukowinaer
Rundschau" berichtet über einen unerhörten Fall von
Mißachtung der völkerrechtlichen Beziehungen, besten
sich ein offizielles Organ der rumänischen Negierung
vorige Woche gegenüber einem österreichischen Staats-
bürger schuldig gemacht hat, wie folgt: ״ Ein orthodoxer
jüdischer Bürger, der 55 Jahre alte Leib Rosen-
?ranz aus Tremblowa bei Tarnopol ist in Geschäfts-
angelegenheiten nach Herza in der Moldau gereist. Er
war im Besitze eines legalen österreichischen Passes,
den er auch von rumänischen Zollbeamten in Mar-
mowitza ordnungsmäßig vidiren ließ, und meldete sich
bei seiner Ankunft in Herza auf der Polizei, um seinen
mehrtägigen Aufenthalt vorschriftsmäßig zur amtlichen
Kcnntniß zu bringen. Der Herr Polizeimeister findet
eS aber angezeigt, das Vidi der Präfektur in Dorohoi
aus den Paß des österreichischen Staatsbürgers setzen
zu lasten, läßt den Kaufmann 24 Stunden im Arrest
sitzen und schickt ihn in Ketten unter militärischer
Eskorte zu Fuß nach Dorohoi, woselbst dieser das Vidi
der Präfektur persönlich abholen soll. In Dorohoi
wurde der Mann drei Tage im Kerker gehalten, täglich
geprügelt, dann wird unter Anwendung von Martern
Kopf und Bart rasirt, und zuletzt wird er wieder mit
Eskorte an die österreichische Grenze abgeschoben." —
Hoffentlich wird dieser schauderhafte Fall eine Inter-
ocntion der österreichischen Regierung veranlassen.
י Jassy, 18 . Oktober. Man müßte einen Folianten
anlegen, um alle Greuel zu verzeichnen, welche hier zu
Lande an Juden verübt werden. Nur einige Thal-
fachen von der namenlosen Tyrannei und Grausamkeit.
Herr Markus Lobet und andere Juden in Seveni
hat der Subpräsekt im Gesäugniß, wo sie wegen keiner
anderen Schuld als dem bekannten Protest gegen die
angebliche Lügenhaftigkeit der verübten Unmenschlichkeitcn
schmachten, den Mund verstopfen und hierauf barbarisch
peitschen lasten. Einem anderen Juden wurde nach
empfangenen Schlägen der halbe Bart abrasirt. — Der
Porumbar von Bakau hat bei einem jüdischen Wein-
Händler nächtlicher Weise das Magazin erbrechen und
achtzehn Fässer alten WeiuS fortuehmen lassen, an-
gcblich weit dafür keine Akzise bezahlt worden sei. Der
Wein ist aber bereits vor mehreren Jahren versteuert
worden! — In Botuschan wurde ein jüdischer
Fuhrmann furchtbar geprügelt, weil der Herr Beamte,
für den er etwas zu befördern hatte, den Frachtsatz zu
hoch fand! u. s. w., u. s. rv.
Mcherschlln.
Das Buch Al-Cstazari (Kusari) im arabischen
Urtext, sowie in der hebräischen Uebersetzung
des Jehuda ibn Tibbon. hcrauSgegeben von
Dr. Hartwig Hirsch selb. Leipzig. Otto
Schulze.
Der gelehrte Herausgeber fordert im Verein mit
dem Verleger zur Subskription auf die in der Ueber-
schrist genannte neue Ausgabe des Originaltextes und
besten hebräischer Uebersetzung auf. Beide sind sorg-
sättigst, ersterc nach der einzig vollständigen Handschrift
der Boedlejana zu Oxford, letztere nach dem Originale
selbst rcvidirt und mit fünf Handschriften von Paris,
Berlin und München kollationirt, festgestcttt und mit
textkritischen Noten versehen worden. Dr. Hirschfeld
erfreut sich in der Gelehrtenwelt eines zu guten Rufes,
als daß man ihn nicht als einen der Berufensten zu