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Presse folgende Nachricht zu übermitteln: ״Das leitende
Blatt der Regierungspartei in Bukarest warnt energisch
vor Fortsetzung jener Agitationen, welche die Lage der
Judenschaft zum Gegenstände internationaler Verhand-
Lungen machen wollen. Das Blatt betont, daß die
Zunahme der israelitischen Bevölkerung der Stadt seit
1870 um 26,667 Seelen, gegenüber der Abnahme der
rumänisch-orthodoxen Stadtbcvölkcrung um 30,338
Seelen der beste Gegenbeweis gegen die angebliche Be-
drückung der rumänischen Juden sei." Die öffentlichen
Organe druckten diese Nachricht ohne Bemerkung und
Kommentar ab, und die rumänische Regierung hat ihren
Zweck erreicht, die europäische Lescwclt glauben zu
machen, als ob die Zunahme der jüdischen Bevölkerung
in Rumänien rapid steigt, wahrscheinlich weil die Zu-
stände so verlockend sind, daß die Juden der Nachbar-
Länder, in Rußland, Oesterreich und im Orient ihre
Heimath verlassen, um nach dem gelobten Lande
Rumänien stromweise einzuwandern. Nun muß man
die traurigen Zustände, welche die Negierungskunst des
jetzigen liberalen Ministeriums der eingesessenen jüdischen
Bevölkerung bereitet hat, den erfindungsreichen Scharf׳-
sinn, der angcwendet wird, um die Juden Rumäniens
in ihrer Freiheit und in ihren Menschenrechten zu
kränken und zu unterdrücken, ihnen ihr schwer erworbenes
Hab und Gut zu rauben und sic als Bettler zum
Lande hinauszudrängen — mau muß diese teuflischen
Negierungsstücke, welche au Raffinement der Unter-
drückung und Grausamkeit alle mittelalterlichen Ucbungeu
übertreffen, kennen und genau beobachtet haben, um
oie naurige Komödie zu würdigen, welche die rumü-
nischen Regierungsmänner Europa Vorspielen! Jawohl,
die israelitische Stadtbcvölkcrung'in Rumänien hat seit
1870 um 28,667 Seelen zugcnommcn! Das ist wahr!
Wie aber das gekommen ist, das wissen die rumänischen
Minister eben so gut wie alle Kenner Rumäniens in
Europa! Oder glaubt vielleicht die rumänische Negiermig,
daß man jene hartherzigen und unmenschlichen Maß-
regeln nicht kennt, welche getroffen worden sind, «m bic
jüdische Bevölkerung aus den Dörfern gewaltsam zu
vertreiben und die trauriger: Vorgänge der abscheulich-
stcn Art, welche die herzlose Ausführung jener drako-
!׳.ischcrr Maßregel begleitet haben? In den meisten
Dörfern Rumäniens ließ man die Juden zuerst ihre
Felder bebauen, die Accker gehörig bestellen, und als
die Zeit der Ernte kam, erschienen die Negieruugsorgane
und vertrieben die Eigenthümer bei Nacht und Nebel,
man inißhandelte die Unglücklichen, daß sic mit dem
nackten Leben in die Stadt sich flüchten mußten. Das
waren nicht vereinzelte Vorfälle, das geschah vielmehr
im ganzen ״liberalen" Königreich, so weit das rumänische
KöuigSszepier gebietet. Die gewaltsame Dcportirung
der Juden aus den Dörfern, wo sie ihr Eigenthum
herrenlos zurücklassen mußten, in die Städte, verursachte
naturgemäß ein unnatürliches Einströmen der christlichen
Bevölkerung von den Städten in die Dörfer. Die
wenigsten konnten der Verlockung wicdcrstchen, ohne
Mühe und Arbeit zu Grund und Boden, zu Häusern,
Stallungen und Vieh zu gelangen. Die christliche
Moral war kein Hindcrniß, so wenig sie eS für die
rumänischen Gesetzgeber ist, daruur ist der offizielle
Telegraph in der Lage, die schreckliche Thatsache zu
konstatircu, eine ״Abnahme der rumänisch-orthodoxen
Stadtbevölkerung um 30,338 Seelen!" Das soll ״der
beste Gegenbeweis gegen die angebliche Bedrückung der
rumänischen Juden sein. Das ist nichts Anderes, als
bn־ Betrug als Regierungskunst.
Druckfehler-Berichtigung. .
In Nr. 51 S. 604 (Kollektiv-Berichte aus Ungarn):
statt ״die 638314 jüdischen Bewohner des Landes" lies ״die
624 737 jüdischen Bewohner des Landes";
statt ״daß diese materielle Kraft" lies ״daß die materielle Kraft".
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