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Mid Kaufmann als synonyme Begriffe." — In seinem Werke „der Mensch"
(zweite Auflage 1894, Bd. II) sagt Professor Dr. Johannes Ranke unter Anderem:
„Die körperlichen Differenzen zwischen den Völkern sind geringer als die zwischen
den verschiedenen Ständen; sie sind mehr von der Beschäftigung als von der Ab¬
stammung bedingt . . . Die Inden in den russischen Ostseeprovinzen stimmen in
ihren Körperproportionen vollkommen mit den dortigen Ariern und Finnen überein,
weil sie zum Teil Handwerker und Bauern sind und sich in« Allgemeinen von der
Bevölkerung weniger als in Oesterreich durch den Mangel körperlicher Beschäftigung
nnterscheiden ... Im südwestlichen Rußland entspricht die Körpergröße der Inden
derjenigen der christlichen Bevölkerung, unter welcher sie leben; unter einer Be¬
völkerung von großem Wuchs sind auch die Inden groß. In ähnlicher Weise sind
blonde Inden in Deutschland nicht selten, noch häufiger in Polen und Rußland."
— In dem neu erschienenen Werke von Eberhard Gothein „Ueber Ignatius von
Loyola und die Gegenreformation" wird Polanco's erwähnt, des langjährigen Ge¬
heimschreibers des Ignatius. Polanco war des Ignatius Landsmann; er war aus
Burgos gebürtig, ein getaufter Jude, der an der Pariser Universität Philosophie
studierte unb dann als „seriptor apostolicus“ in den Dienst der römischen Curie
trat. Er hatte sich schon 1541 der Gesellschaft Jesu angeschlossen; als er seine
theologischen Studirn an der Universität Padua absolvirt hatte, ernannte ihn Ig¬
natius zu seinem Sekretär. Polanco behielt diesen Vertrauensposten, so lange
Ignatius lebte und blieb auch der Sekretär der nachfolgenden Ordensgenerale
Lainez und Franz Borgia. Ueber die Art, wie er Sekretär des Ignatius wurde,
wird Folgendes gezählt: Ignatius fragte ihn eines Tages, worin er die haupt¬
sächliche Aufgabe eines Sekretärs sehe, und Polanco antwortete unverzüglich:
„Darin, daß er Geheimnisse unverbrüchlich bewahrt." Das gefiel dem Ignatius
ausnehmend, und Polanco erhielt als Sekretär Gelegenheit, sein Wort wahrzu¬
machen. Ein ganzes Vierteljahrhundert lang ging die gesammte Korrespondenz des
Ordens durch seine Hand und nichts war ihm verborgen. Ignatius benutzte ihn aber
nicht blos als Schreiber, sondern besprach mit ihm alle Maßregeln und überließ
ihm auch einen großen Theil der laufenden Geschäfte. Es wird schwer festzustellen
sein, wie viel an den Entscheidungen des Generals, ja sogar an den Konstitutionen
auf Ignatius selbst und wie viel auf Polanco zurückzuführen ist, aber das steht
fest, daß Polanco der inneren Entwicklung und jin der ersten Leitung der Gesell¬
schaft eine weit größere Rolle gespielt hat, als die äußerliche Betrachtung seines be¬
scheidenen Auftretens vermuthen läßt. Die militärische Disziplin des Ordens war
eben auch bei ihm in Fleisch und Blut übergegangen, sonst hätte ihn Ignatius nicht
so gut brauche» können.