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1. Jahrgang
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EinLudenblatt.
. Die Presse ist Ke scharfe» gewichtige Waffe, und
das Volk, welches Aster eine güte Presse verfügt kann
sich rasch und leicht zu seinem Rechte durchschlagen.
Man möchte glauben, daß. die Juden des alten
Oesterreich in dieser Hinsicht bestens versorgt sind,
well ein größer Teil des Pressedienstes hierzulande
von jüdischen Händen geleistet wird. Die österreichische
Großpresse wird aus diesem Grunde schlechtweg
LJudenpreffe* * genannt, und die Bezeichnung trifft
«rsoserne zu, als die größten Blätter von ungetauften
ßmd getauften Juden herausgegeben Und geschrieben
werden. Aber auf den Inhalt angewendet erscheint die
^Bezeichnung „Judenpresse" geradezu widersinnig, denn
ialles Jüdische wird von dieser Presse grundsätzlich
totgeschwiegen.
' DieAntrsemiten behaupten zwar» daß dies lediglich
jaus taktischen Gründen geübt und hinter dem un-
'iüdischen Schüde wacker' für jüdische Interessen ge¬
kritten wird. In Wirklichkeit aber hat man es hier
«nicht mit einer ausgeklügelten Taktik, sondern mit
»einem festgewurzelten Prinzip zu tun. Das Jüdische
»wird absichtlich und planmäßig, nicht nur äußerlich,
rsondern ^ auch innerlich unterdrückt. Man will nicht
fturr unjüdisch scheinen, man will unjüdisch sein. Die
Leute, welche in Wischen Bewegungen stehen, wissen
«in Lied davon zu singen, wie unendlich schwer es ist,
die kleinste Noch jüdischen Inhalts in die Spalten
»dieser von Juden gemachten Zeitungen einzu-
Mmuggelu. Wenn ein Jude stirbt und genügend Geld
»für eine Traueranzeige hinterläßt, wenn er einen
«Orden bekommt oder in einen Sensationsprozeß ver-
kwickelt wird, dann gibt es in diesen Zeitungen was
!«Mdllches" zu lesen, sonst nichts.
Die schon krankhafte Scheu der jüdischen
-Zellungsleute vor der Erörterung Wischer Themen
geht oft ms Groteske. Ein anschauliches Beispiel
Wtet. die AK wie die PZiener Großpresse das
KlvstrstisHe Problem beWdelt.
Kulturnationen, die Engländer, Amerikaner und
j Franzosen haben die Rechte des alten Judenvolkes
' auf Palästina feierlich und hinkend anerkannt und
beschlossen, an dem Wiederaufbau der jüdischen Heim¬
stätte tätigen Anteil, zu nehmen.. Die jüdische
Pälästinasrage ist in den Mittelpunkt der Welt-
diskussio« gerückt und die größten Organe des
Westens widmen ihr die eingehendste Behandlung.
Ein neuer großer Akt der Weltgeschichte ist einge-
leitet, aber die Wiener Blätter schweigen,' die Ansicht,
daß der Zionismus ein von zwanzig unmanierlichen
Judenbubm gehegter Wahn ist, bildet den eisernen
! Bestand ihrer Redaktionsweisheitz an welchem nicht
> gerüttelt wird. Ueber die Phantasiereiche unversorgter,
! größenwahnsinniger deutscher Prinzen, über Manien,
i Litauen, Finnland und Georgien haben sie in Lief-
l sinnigen Leitartikeln lang und breit geredet. Ganze
Bände des Konversationslexikons haben sie bei solchen
Anlässen abgeschrieben, um den Leser über die Ent-
j wicklung der Skipetaren, > Arnauten, Lappen und
> Grusinier zu unterrichten, von der Menschenfresserei
bis zum Stiefellecken in Potsdam. Ueber diese fatale
jüdisch-orientalische Sache in Palästina schweigen die
rsraelllischen Zunftschreiber. Damit aber der Leser doch
» ein richtiges Bild von der großen Frage des nahen
Orients zu sehen bekommt, haben sie das Operetten-
aastspiel des Wiener Carl-Theaters in Konstantinope!
sehr ausführlich geschildert, von den Strumpfbändern
der Soubrette bis zürn Schnurrbart Enver Paschas.
» -»
*
Die Großpresse, des ehemaligen Oesterreich wird
von Derlarvten bedient, von Juden, welche vertraglich
verpflichtet find, unjüdisch zu tun. Da müssen
Menschen, darunter hochtalentterte und gutgesinnte,
beständig gegen die Stimme ihres Blutes und gegen
die eigene Ueberzrugung schreiben. Das rächt sich und
schließlich erkennt das einfachste Gemüt, daß es da
nicht mit rechten Dingen zugeht; der harmloseste Leser
wendet sich ab. Er greift noch zu diesen Zeitungen,
MN die Neuigkeiten des Tages zu erfahren, nicht um
sich eine Meinung zu bilden. So ist es gekommen,
daß diese Presse trotz des gewaltigen Apparats und
der raffinierten Aufmachung den Einfluß auf den
Vetlauf des politischen und sozialen Lebens eingebüßt
hat. Sie hat für den bürgerlichen Freisinn gestritten,
er liegt auf dem Boden. Sie hat die Christlichsozialen
bekämpft, sie hasten gesiegt. Sie ruft nach politischer
Einigung des Mittelstandes, er zerfällt in Splitter.
- Sie ist für die Vorherrschaft einzelner Nationen ein-
Fn Paris hak gestern die Fr? edenSkonferenz
endlich ihren Anfang genommen. Zu der ersten Sitzung
waren nur die Vertreter der Ententestaaten und ihre
Bundesgenossen zugelassen. Präsident P 0 inca r 6 hielt
die Eröffnungsrede, worauf Ministerpräsident CIs¬
men ee au zum Vorsitzenden gewählt wurde. Die
Hoffnung auf einen raschen Verlauf der Beratungen
ist nicht sehr stark, da zwischen einzelnen Staaten der
Entente sehr Liese -Meinungsverschiedenheiten bezüglich
der Behandlung Deutschlands, bezüglich der Freiheit
der Meere und bezüglich der jugoslawischen Frage be¬
stehen.
Die heute stattftndenden Wahlen zur deutschen Kon¬
stituante tverden sich sicherlich unter dem Eindruck des Be¬
ginnes der Friedenskonferenz vollziehen, deren Beratun¬
gen selbstverständlich für Deutschland wenig Gutes bringen
werden. Sollten die Wahlen durch die Unabhängigen
und durch die wegen der Ermordung Liebknechts und
der Rosa Luxemburg aufs äußerste gereizten
Spartakisten vereitelt werden, so hätte Deutschland
von den FriebenSverhändlungen allerdings eine noch
ärgere Behandlung zu befürchten.
Die Teilnehmer an der Friedenskonferenz.
Wir veröffentlichen nachstehend die Liste der Teil¬
nehmer an der Friedenskonferenz:
England: M. Lloyd Ge 0 r ge, Donar Law,
Balf 0 u r, ein Vertreter der Kolonien, lotvie ein Ver¬
treter der Arbeiterpartei, uud zwar M. Barnes oder
I. H. Thomas.
Amerika: Präsident Wilson, Lan sing, Henry
White; Oberst House- der gleichfalls in Aussicht ge¬
nommen war, ist in Paris, plötzlich gestorben.
Frankreich: Georges El 6m e nee au, Stephen
Pichon, AndrS Tardieu, L. L. Klotz, JuleS
SH'WL'öm. - ^
Malte»:. D'rli'a o°a st L n'v-
vago-Räggi.
Griechenland: Benizelos/PolitiO, Roma¬
nos.
Groß-Serbienr Paschitsch, Tr u m Vits ch, D e S-
nitsch. Zur Vertretung der jugofläwischen Ansprüche
wird eventuell noch ein weiterer Vertreter namhaft
gemacht werden.
Japan: Baron Makino, Vicomte Ehinba.
Belgien: Van den Heuve n, H u ySmanS,
Vandervelde.
Die einzelnen Mächte haben sich Vorbehalten, für
besondere Fragen weitere einzelne Vertreter namhaft
zu machen. So ist zur Behandlung der orientalischen
Angelegenheiten von seiten, Englands Sir Mallet,
der frühere Botschafter in KoHwntinopel, von Italien
der Marquis Salvag o-R a tztz »in Aussicht genommen.
getreten und diese Nationen haben ihre Macht stück¬
weise verloren. Sie Kann einem Börsenpapier, einem
Modedichter und einer Wärmestubensammlung zum
Erfolg verhelfen, aber sie übt keine politische und
soziale Wirkung aus.
Einzelne Mische Individuen und enge gesell¬
schaftliche und wirtschaftliche Zirkel, welche sich der
ForderungdurchdiesePresse erfreuen,mögen ihrenNieder-
gang beklagen. Das Mische Volk kann ihn seelen¬
ruhig miterleben. Die „Iudenpresse" ist als Waffe im
Kampfe um Wische Recht nie in Betracht ge¬
kommen. Sie leitet den Ruf nach der jüdischen
Freiheit nickt weiter, sie erstickt ihn. Sie hält sich vom
Dienste für das Judentum bewußt ferne, ihre Vorzüge
nützen dem Judentum nicht und ihre Fehler be¬
lasten es.
* *
»
Die „Wiener Morgenzeitung" wurde von Juden
gegründet und wird von Juden geschrieben welche
den geraden Weg gehen wollen, weil sie überzeugt
sind, daß.er allein zum jüdischen VolLsrecht und zur
heilsamen Verständigung mit den anderen Völkem
führt. Die Männer dieser Zeitung sind entschlossen,
von jeder Umhüllung und Umschreibung ihres Juven-
tums abzusehen, sowohl bei ihrer Arbeit für das Wische
Volk als auch bei der Arbeit für das Wohl des
Staates und der Gesellschaft. »Die „Wiener Morgen¬
zeitung" ist ein Jud enbl alt. Anderen brennt dieser
Rinne wie ein Schandmal auf der Stirn, sie will
ihn gerne tragen. Robert Stricker.
Amerika wird sich in diesen Fragemdürch den bekannten
Zionisten führer Brand e r Svertreten lassen.
Ger Ausschluß -er Oeffentttchkett.
Paris, 17. Januar. M«e amtliche Mitteilung
besagt: M , M ",.,
Der Präsident der Bereinigten Staat« «»»
Amerika sowie die Ministerpräsidenten «ick Minister
für auswärtige Angelegenheiten der alliierten und
assortierten Mächte traten heule varrnittagS im Mini»
ste inm des Aentzer» zu einer Sitzung zusammen, die
drei Sturcken währte.
Zunächst verlas Ministerpräsident Elementes die
Bedingungen für die Vrrreuerrrng -es Waffenstill¬
stände? mit Deutschland. Sodann beschloß die Kon¬
ferenz, Velgen «ich Serbien je drei Vertreter auf' We
Fr edenskonftrenz zuzugestehrn. Der König de- HetzschaS
wird durch zwei Delegierte vertreten sei«. Damit M
die Frage der Bestellung der Bevollmächtigtek. für
die verschrienen Mischte endgültig gelöst. Hierauf
wurde die Tagesordnung für die SröffMMgSstßwkg
her Kr^denSkonferenz festgesetzt.
. Schl e;lich erörterte die Versammlung die Frage
der Oefsentlichkeit der Kouferenz-errlunse« ürch Wm
einstimmig eine an die Presse zu richtende MittellünI
an, dr der der Ausschluß der OefstnIliDett ft-rechts
fertigt wird.
Präsident Wilsons Aufgabe.
Neuerungen -es Staatssekretärs Laue.
New York, 18 . Januar. Zur Erläuterung -er
Mfgabe die Präsident Wilson anf seiner Gnropareise
auSzuftzhren habe, machte Staatssekretär des Inner»
Lane der Vereinigung der Kaufleute nähere MitMnn»
kM. Der Völkerbund, sagte Lane, wird kein AufWe»
^/WiGvoe-DvdW.^ schließ, sonder« W sina
' praktische Forderung, öGrr BNker der,Welt,--er MrWtr-.
und Kauflenw, und sei auch vM führende« Geister»
ernschlietzlich Lloyd George, Lord Mi« Mtz Lock Gr^tz
befürwortet worden. Der in Aussicht genommene
Völkerbund sehe die Einrichtung^ eines Gerichtshofes
vor, der Streitfälle gegen irgend ein DE nmh Unter¬
suchung durch daS Schiedsgericht zu entscheiden habe.
De? Ausspruch des Gerichtshofes könne von der SfsiNt-
sichen Meinung -er Wett unterstützt werde».
Laue schilderte sodann den internationale« Vsykstt,
der wirksam wirken werden ohne daß «nm znm Krieg«
z« greifen Srauche, und sagte weiters: Wir Wune« »»»
jedes Land einen Kreis zielM, es von jchrr Pöstvmckin-
dnng «Sschueiden, iin jeglichen Verkehr, AuSsAhr und
SchMverkehr unterbinden, ihm alle Eisenbahnverbin¬
dungen an -er Grenze avschneßden, sowie j^>en diplo¬
matischen Verkehr abbrechsrr und cs so isolieren.
Was wir wollen.
Don Julius LLmy.
Die schweren Kämpfe, unter denen sich jetzt ganz
Europa in Schmerzen windet, deuten ach daß wir uns
an der Schwelle einer neuen Zeit befinden. Wen»
einmal nach Jahrhunderten die Geschichte Europas
geschrieben werden wird, so wird eine Äenderung der
Epocheneinteilllng erfolgen müssen. Das Mittelalter
wird nicht mehr reichen bis zur Entdeckung Amerikas,
bis zum Fall Konstantinopels, bis zur Ausweisung
der Juden aus Spanien, sondern es wird sich er¬
strecken bis zum Jahre 1918, das den Fall,der letzte»
Bollwerke mittelalterlichen Denkens und Fühlens, des
Zarismus in Rußland und der Militärmonarchien in
Mitteleuropa brachte. Eine neue Zeit ist da, ein neues
Ideal dämmert herauf» das der Selbstbestimmung der
Völker, über das noch vor einem Jahre die mittel¬
europäischen Staatsmänner gespottet und gelacht Haben.'
All das Weh und Leid, das jeder Einzelne dürchzv-
machen hat, soll einst reichlichen Lohn finden in dem
Bewußtsein, zur Erreichung dieser Ideale beigeträgen
zu haben. Aus dem Leid der Völker soll sich das
Glück der Menschheit formen, die sich aus einer
Familie der Völker züsammensehen soll.
An das Tor, das zu dieser lichten Zukunft führt,
pocht jetzt auch das Wische Volk, das eine Phase
seiner Geschichte vollendet hat. Es hat bisher versucht»
vie Frage seiner Emanzipation länderweise für seine
einzelnen Glieder zu lösen. Dieser Versuch ist mi߬
lungen. Kein Volk hatte bisher so sehr unter -«
Bedrückungen und den Ketten der mittelalterliche»