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,. •'^£feffe'2 Wien, Sonrna^
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. Auffassung zu leiden wie das jüdische Volk. In
Oesterreich bis zum Jahre 1837 ausgeschlossen von
allen politisÜM und wirtschaftlichen Rechten — von
Freiheit und Gleichheit gar nicht zu reden — hatte
es in den letzten fünzig Jahren schwer zu Kämpfen, um
seine geistigen und wirtschaftlichen Fähigkeiten zu ent¬
falten. Politisch konnte es als Volk überhaupt nicht
zur Geltung kommew Nicht etwa allein von
den politischen Parteien, die sich Äuftecht-
■ erhcumng der'Vorrechte einzelner Klassen und Kon¬
fessionen gut Aufgabe machten, sonoern von der
Organisation des Staates selbst, von der „Allerhöchsten
Stelle" bis zum letzten Straßeneinräumer wurde die
Ausschaltung des „jüdischen Einflusses" als eine der
wichtigsten Angelegenheiten betrachtet. Jüdischen Ein¬
fluß rmmrte man es, wenn der Jude seine Fähig-
j keilen in den Dienst der Allgemeinheit stellen wollte.
Jüdischen Einfluß nannte man es, wenn die Juden
; an dem großen wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben
uJoUten. And daraus entspann sich ein unterirdischer
Kamps zwischen den kästen dieses so regsamen
Volkes und fernen Unterdrückern. Das Judentum
führte diesen Kampf nicht in geschlossener Front, nicht
: aus ein Ziel konzentriert, nicht von einenr einheitlichen
; Willen beseelt. Die Juden nahmen anfänglich in dem
' dunkelnDranae.fich politisch auszuleben,.1eil an den nativ-'
Malen Kämpftn zwischen Deutschen und Tschechen,
zwischen Bolen undRuthenen, wehrend sie in Ungarn
1 ganz in das Lager des Magyarentums abfchwenkten.
' Mit der fortschreitenden Politisierung der Oeffentlich-
; keit trat ein Teil der jüdischen Intelligenz in das
; sozialdemokratische Lager ein. An allem nahmen die
! Jrrden teil.. nur' nicht am jüdischen Leben; überall
.versuchten sie ihre Glerchberechttgung zu erzwingen, und
iwo dies nicht ging, beugten sie sich der aus dem
; Mittelaller überkommenen Auffassung, daß der Jude
-nur infolge seiner Konfession Fremder fei. Legten sie
\bk Konfession ab, so waren fiy voll- und gleich-
- berechtigt'. Die Tauffeuche hat dem Judentum viele
wertvolle und gute Kräfte genommen. Unerhörte Opfer
an Menschen hat das Judentum ftemden Interesien
gebracht, es hat fast Peine Kräfte verzehrt. Am Ende
'des neunzehnten Jahrhunderts begann sich eine innere
'Wandlung vorzubereiten. Die jüdische Jugend erkannte,
daß das Judentum, wenn es sich noch weiter als
bloße ReligionsgensAnschast betrachte, verdorren >
müsse, sie erkannte, doch die ürdividuelle Emanzipation
unmöglich sei, daß das Judentum als Nation feine
^Befreiung aus denr unwürdigen Sklavendasein fordern,
' erstreben und erkämpfen müsse.
Der Geist der Geschichte muß auch auf das
Judentum wirken. Seit dem Heüenenaufftand im
Jahre 1880 war die uaüonale Idee in der europäi¬
schen Entwicklung die beherrschende geworden. Den
^ Griechen folgten die Magyaren, ihnen die Italiener,
;damr die Deutschen, und jetzt nach diesem furchtbaren
> Krieg soll vor unseren Augen det Schlußstein zur'"
.Durchführung des Naüonalitätenprinzips Ln Europa
j gelegt werden. Ueberall entstehen einheitliche National-
Staaten, und wen» das Judentum die Süuation ver¬
kennt, dann kann es wieder geschehen, daß der Wagen
.der Geschichte über seine» zuckenden Körper hinweg¬
rollt, daß die Juden wieder in ihrer deutschen, tschechi¬
schen, polnischen Umgebung als Heloten weiter
eristierrn, an ftemden Mühlen mahlen, aus dem
bitteren Brunnen der Fremde trinken müssen. Das
i jüdische Problem steht auf der Tagesordnung. Wie
, immer sich die herrschenden Parteien verhalten, auch
; fie sind an der Lösung dieses Problems mitinteressiert,
auch die Entwicklung ihrer Völker muß leiden, solange
'Unklarheiten bestehen.
Wir haben oben gesagt, daß das Judentum
den Kampf um seine Existenz ohne einheitlichen Willen
.führte. Aber seine ttaurige Lage wurde auch noch
-durch einen mrderen Umstand mttgeschaffen: Durch die
Verständnislosigkeit, mit der die Staaten und Völker
dem Judenttnn gegenüberstanden und noch stehen.
iWas weiß unsere Umgebung von uns? Wir. sind
ihr Fremde, die religiösen Gebräuche des Judentums
erscheinen ihr bizarr oder mystisch, jedenfalls aber un¬
erklärlich. Unsere Umgebung hat mehr Interesse für
.'Eskimos und Azteken als für ein Volk, das in
. ihrer eigener Witte lebt. Und aus dieser Verständnis-
Glasigkeit, aus dieser Unkenntnis der jüdischen Art, der
jüdischen Seele erklärt sich drei Viertel jener bar-
' bauschen Strömung, die man Antisemitismus nennt.
Das letzte Viertel ist der Haß gegen das Fremde
überhaupt.
. ' Wir wollen Achtung für unser Völk, Respekt
vor seinen unleugbaren, großen geistigen Fähigkeiten.
,Wir wollen ehrliche, offene Aussprache mit allen, die
eines redlichen Willens sind. Kein Volk und kein
Staat hat mit dem „Hepp-Hepp" etwas anderes er*
zielr, als daß der Kampf gegen die Juden sich schlie߬
lich zu einem Kampf de'r einzelnen Klaffen erweiterte.
Aus den Pogromen in Rußland — ist diese Lehre
schon vergessen? — ist schließlich der Anarchismus
und der Nihilismus geworden. Die Judenhetzen in.
Rumänien führten letzten-Endes zu dem Bauernsturm
gegen die Schlösser der dldeligen. Wenn sich die
Völker und die Staaten mit, uns auseinandersetzen,
; wenn sie uns das Recht zuerkennen, unser Schicksal
selbst zu bestimmen, unsere Gemeinden in Volks-
i gemeinden zu vewandeln, wenn sie unseren Anspruch
sauf Freiheit und Land anerkennen, dann wird es für
! sie und für uns besser sein,
ü Zgs Judentum xoftd für sich arbeiten können,, es
Wiener Morge-rZsiLung'
wird im Bunde der Völker Kraft seines Genies sicher¬
lich nicht an letzter Stelle stehen die Resultate
seiner Arbeit werden eine Bereicherung der Mensch¬
heit sein. .. , , . \
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MW«
Ayl 14. Januar hat in der tschechoslowakischen National¬
versammlung in Prag Ministerpräsident Du.' Kramarsch die
HauptöestimMmgen eines am 28. September 1918 in Paris ab*
S eschloffenen Vertrage zwischen dem französischen Minister der
imßeren Mchonund dem Generalsekretär des tschechischen Nalional-
rates Dr.Benesch bekanntgegebeN,' der die Anerkennung bestschecho-
flowakischen Staats in .den historischen Grenze» seiner-ehe¬
maligen Länder durch Frankreich ausspricht. Zur gleiche« Zeit
veröffentlicht-die deutschösterreichische . Negierung eine Note des
französischen Ministeriums des Aeußern der deutschen Gesandt¬
schaft in Paris vom- 20. Dezember 1918/ in welcher erklärt wird,
daß die Frage der Grenzbestinnmmgen Deutschösterreichs nur
vom Friedenskongreß gttöst werden köffne. Inzwischen soll der
tschechö-slowakische Staat, die Gremlim« der historischen Pro¬
vinzen Böhm«, Mähren und Schlesien als Grenze bab«.
Zwischen diesen beiden Noten ist ein sehr großer Unterschied, da
ja die Zweite, die im ersten Vertrag gemachte Zusage als mrr pro¬
visorische hinstellt. Außerdem zeiat es sich, daß es sich nur in»'
eine Meinung der französischen Regierung handelt.
Aus ein geweihter diplomatischer Quelle erfahren wir
hierzu^ Der Interalliierten - konferenz iu Paris liegen drei
Anträge vor, die sich teils mit dem Schicksal 'Deutschösterreichs.
teils mit dem Schicksal Deutschböhmens, also mit der Ab¬
grenzung dieser Gebiete besoffen. Der eme Antrag ist der der
ftnnzv fischen Regierung, die ihre cm Dr. Benesch gemacht,
. Zusage estilöf« will. Der zweite Antrag, der von englischer
Süte kornmt, verlangt das volle Selbstbestimmungsrecht ftir,
Drutschbohmen und die Ordnung der wirtschaftlichen Bezie-
^mgen zwischm Dentschböhnm» und s«ne» Nachbarn unter
der Kontrolle der Entente bezichnngSweise des Obersten
Schiedsgerichtshofes im Haag. Nach eme« dritte« Antrag soll
der Anschluß aller drutfchösterreichische» Gebiete au Deutschland
in der Weise erfolg«, daß Bayer», Nordtirol sowie die
Bezirkshmrptmamrschaftru Asch mrd Eger mit den ganze»
nordwestböhmisch« Kurort« und einem Teile des rwrdwrst-
böhmischen Braunkohleurwiers erhalten, Jnnerosterreich, also der
restliche Teil Tirols, Kärnten, die deutsche Steiermark, Ober» und
Niederösterreich, das deutsche SWrnährm uÄ> Westungar«, be-
, stehend aus den KountÄeu: Güns, Wieselbmg, Oedenburg mrd
Preßbmg (mit Ausnahme der Stadt Preßbmg, die der
-jfchecho-flowakffcheu Republik verbleibe« soll) solle» als «gen«
Bundesstaat an da§ Deutsche Reich augeschloffe» werde». Der
restliche Teil Deutschböhmens soll «r Sachsen, Sndetenland an
Preußisch-Schlest« cmgeschloff« werde». @8 besteht alle Aus¬
sicht, daß die Frage Deutschböhmens und PreßburgS in der
Wsffe jmWert wird, daß Frankreich iu den Anschluß Deutfch-
böhmenS an Deutschland emwilligt, wahrend die Entente wkeder
die Stadt Preßbmg der tschecho-slowakischen Republik zuspricht.
Maßgckeud Kr die Haltung der Juterallnertm-Konfermz
gegenüber Deutschböhmen war in letzter Linie die Flucht, der
deutschböhmischen Landesregierung und LmrdeSvrrsammümg nach
Wien. EK dadurch' sah sich dieGntevte bezogen, ihre ein-
seittge Orientierung auszugeben und" deu tatsächlichen Verhält-
niffe» Rechmmg M wage». WaS den Anschluß Deutschösterreichs
au Dentschlaud betrifft, so ist die ob« ssizzierte Pariser An-
mchme noch rächt das letzte Wvrt, da auch der Vorschlag der
derüschosterrrichischeu Regierung auf Vornahme einer Volksab-.
stümmmg in Erwägung stcht. Einen außerordentlich günstigen
Eindruck hat es bei allen Ententestaate» hervorgerufen, daß es
der Wiener Koalitionsregierung gelungen ist-' die Ruhe aufrecht
zu erhalten und daß die Bevölkmmg Wiens, trotz der großen
Hungersnot, sich bisher jeder bolschewistischen Agitation als
mtzugauglich erwiesen hat. Große Wichtigkeit kommt auch den
für die nächste Zeit in Aussicht genommenen Besprechungm deS
Landeshauptmannes Dr. von Lodgmau mit Bertrrtem der
Entente in der. Schweiz zu.
Soweit Msere Jnformatronvr. Ihre Richtigkeit voraus¬
gesetzt, wolle« wir beton«, daß -er der Errtscheidmg über
Derüschosterreich anch die jüdische Frage nicht Übergang« werd«
darf. Wir müffm . daraus bestehen, daß der in das Staats¬
bürgergesetz ,. hinemgelangte deutschradikale ' Antrag, der die
in Dentschösterreich wohnmd« Leute, bie aus Galizien stamm«,
von der Staatsbürgerschaft und damit vom Wahlrecht anS-
schließt, außer Kraft gesetzt wird. Es gcht nicht an, daß ein der-
arüges Grundrecht ganz offensichtlich und geradezu provokatorisch
antisemitisch zugeschnrtt« und damit das der au« Friedens-
schlüsieu so wichtige Prinzip der Option zu rächte gemacht wird.
Wir würdm es begtüßck, w«u der dtutschösterreichrsche Staats¬
rat Md die Nationalversammlung im eigenen Interesse dieses
Unrecht gutmachm würd«.
Was. die Frage: Anschluß cm Deutschland 'oder Donau-
Föderation anlangt, so erklär« wir, daß wir das Selbst-
oestimmMgsrecht des deutsch« Volkes in jeder Weise acht«. Um
dies zu beweis«, verlang« wir die UrabstrnMMg etwa nach dem
Muster d«S Refermdmns, wobei jeder Wahlberechtigte enrfach mit
„io oder „nein" antwortet. Dem Maioritätsbeschlrch wird sich
daM jeder vhm Widerrede zu füg« Hab«.
Herr K e m e t t e r, Bürgerschuldirektor in Horn, ist
vor einigen Jahren durch den Irrtum einiger Wahl-
berechttgter in den Reichsrat gelangt. Dort führte er
längere Zeit in der chnstlichsozialen Partei ein be¬
schauliches Dasein, bis er sich dem Deutschen Naüonal-
verband anschloß und hier die hohe Schule der PolM
genoß. Als er genug gelernt hatte, begab er sich in die
Unabhängigkeitspartei Hummers und machte all ihre
Wandlungen bis zur Partei der NationaldemoKraten
mit. Nun konnte er endlich fein Talent zeigen. Inder
Nattonalversammlung fiel< er sofort durch seine Ver¬
besserung des Staatsbürgergesetzes aus, da er für die
^8^erkennung des Staatsbürgerrechtes die Zugehörig¬
keit zur deutschen. Nation forderte. Die National-
versmnmlung siel auf diesen Scherz hinein und mußte
sich dann, durch den Protest der Oeffeptlichkeit ge-
.19. JarrnerMh -' /#ET¥\
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zwungen, dazu bequemen, den Antrag 'Kemetter zuj
stteichen. Aber Kemetters Tatendrang läßt sich nicht so
leicht' nndämmen. ■ Er hat jetzt einen Anttag fertig-!
gestellt, der die „Wesenhett Deutschösterreichs als?'
deutscher Nationalstaat" bestimmt. Außer der deutschen?
Amtssprache soll die deutsche Unterrichtssprache für)
alle Schulen obligatorisch werden, nur Leute deutscher^
Nationalität sollen von Staat und Land angestellt
werden, alle finanziellen Gesellschaften und Vereine
sollen nur in deutscher Sprache verkehren. Der Ver¬
fassungsausschuß konnte mit diesem Antrag nichts an¬
sangen.. Da man fich aber vor dem Chauvinismus
fürchtet, so lehnte man den Antrag nicht ab, sondem
setzte ihn aus formalen Gründen von der Beratung
ab. Das ist ehenso charakteristisch für den Ausschuß/!,
wie der Airtrag für die Beurtellung des Niveaus/
unserer Gesetzgeber. .
Die Unzulänglichkeit unserer N
die bin letzten Rest Altösterreichs Darstellt und sich?
auf Wahlen im Jahre 1911 beruft, sott jetzt fcomgtert]
werden. Die Wähler sollen an die Urne. Aber die
Zeiten haben sich geändert. Standen früher die Bürger
ratlos in dein Lärm der auf sie eindringenden poli-
ttschen Programme, so verbringen fie jetzt in Wien,
einer Stadt mit etwa 800.CXX) Wählern, ihre Zeit
daheim in trübem Nachdenken über alle die Probleme,
zu deren Lösung an sie appelliert wird. Es gibt abends
kein Licht, also keine Versammlungen, keinen Watzl-
lärm. Der politische Kampf lebt sich in Affichm an
den Anschlagtafeln aus. Wahlbewegung mit Ausschluß
der Oeffentlichkeit! Diese Erfindung komrte nur in
Wien gemacht werden, einer an fich völlig unpolittschen
Stadt, die brav und fromm alles hinnimmt, was über
sie verhängt wird, Krieg, Hunger, Dunkelheit und
Wahlen. I
In Berlin ist äußerlich Ruhe emgetreten. Die
radikalen Sozialisten sind nach einem einwöchigsen
Kampfuntertegen,LiebknechtundRosaLuxemburgwurden
durch Mord beseittgt, die Regiemng Ebert-Scheidemattn
hat mit Kanonen, der „ultima ratio regis“ gesiegt
und die Herrschaft der Mehrheitssozialisten vorläufig '
wenigstens gesichert. Nun droht ihr aber ein noch
schwererer Schlag: Die Entente will den Goldschatz
Deutschlands nach Frankfurt überführen, um ihn vor
den Spartakusleuten zu schützen. In Wahrheit wohl,
um ihn selbst zu kontrollieren und Deutschland wirt¬
schaftlich ganz niederzuhalten. Das ist sicherlich gegen
den Geist eines jeden Friedens, aber auch ein wohl¬
verdientes Schicksal für jene Sozialdemokraten, die
am 4. August 1914 Wilhelm H. die Hand reichten
und alle Auswüchse eines wlld gewordenen Chauvi¬
nismus verteidigtem Sie haben die Verantwortung
übemommen und muffen fie ttagen bis zum bittem
Ende. Es ist viel Tragik in dem Stmz des. einst soj.
mächtigen Riesew ^ ' . ' ' -. '
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Viereinhalb Jahre lang haben wir alltäglich zu?'
hören bekommen, daß wir in einer großen Zett leben»
die einm ganz besonders hohen Aufschwung der Seele
zur Folge hat. Jetzt am Kriegsende sieht, diese große
Zeit mit dem Aufschwung etwas anders aus, wie
folgende Einladung des Obmanns der Deutsch-
naüonalen Partei Abgeordneten Dr. Waldner, eines
Unioersitätsvrofeffors, an seine Kollegen zeigt: „Können
wir in dieser geschichtlichen Wende ohne Abschieds¬
trunk auseinandergehen? Ich bitte jene Herren
Kollegen, welche am 23. Januar, dem Tage unserer
letzten Nationalversammlung, an einem Abschiedsaoend
teilnehmen wollen, dies mir rechtzeitig bekärmt zu
geben. Mit deutschem Gmß Dr. Waldner." Hoch der/
Abschiedsttunkl Hoch die geschichüiche Wendel
* •
* )
Die Prager tschechische Nattonalversammlung ist
eine weitaus temperamentvollere Körperschaft als
unsere deutschösterreichische. Sie bietet ein ge¬
treues Spiegelbild der tatsächlichen polittschen Der-
hältnisse in dem jungen Staat, und zwar dadurch,
daß sie durch ausreichende Koopttemngen die längst
veralteten Mandate von 1911 aufgefrischt hat. Ihre '
Debatten find ungemein lehrreich.- Es dreht sich im
Wesen mir den Kampf zwischen der kleinbürgerlich-
sozialen und der agrarischen Bevölkerung. Selbst¬
verständlich spielt auch der Bolschewismus, der vo»
allen Parteien wie der Teufel gefürchtet wird, eine
große Rolle. Die Redner aller Parteien verlangen von
der Regierung eine größere Energie in bezug aus die
Lebensmittelversorgung der armen Bevölkemng, ein
Einschreiten gegen den Wucher des Agrariertums und
die Sicherung der Demokratte. Der Bolschewist
Muna, ein ehemaliger Proßnitzer Arbeiter, der als
Kriegsgefangener in Rußland die tschechisch-nattona-
listischen Legionäre bekämpfte, reist jetzt durch die.
Jnoustriestädte Böhmms uno versucht für seifte Idee,
der Diktatur des Proletariats die Mafien reif zu
machen. Angesichts der Vorgänge in Berlin ist es
selbstverständlich, daß sich die junge Republik mit
allen Mitteln gegen diese Agitatton wehren wird und
daß auch von vielen Seiten die Verhaftung Munas |
gefordert wurde, den man mit dem Attentat des j
Eisenbahnschreibers Stiastny auf Dr. Kramarsch in Ver¬
bindung bringt. Es ist nun interessant, daß es jedes¬
mal in der Nattonalversammlung zu großem Lärm'
kommt, wenn man den Namen Muna nennt. Daraus \
geht hervor, daß die Ideen MftftsiS auch in der: