Page
LMLSSNMMMvr-R 40
v/ien: Zum Abholen in der •
Spedition, IL.Taborstr. t—3,
r ,-h‘.r «n einerVerschleißstelfe
(Trafik) monatlich K 1000.
.MiLFostversand fürWien und
Oesterreich monatlich K1000.
Tschechow-Slowakei: Mon..
Kronen 20. Ungarn: Monatl.
Kronen 120. [ugoslawien:
VionaÖ.. Dinar 13. Polen:
Monatl. Mark 600. Deutsch-
Sand:" Monatlich Mark 25.
Frankreich: Monatl. Pres. 6.
Wiener
VI
- VLstts>Lkzs-§8o«ksSrsI
. ,(SjSh.:K. l i
Italien: Monatlich Lire W
Rumänien: Monatl. Lei 40.'
Schweiz und'das übrige
Ausland- monatlich Francs ^ 1
Redaktion u. Administration .
Wien' IL, Taborstrasse 1—3;;
Telephone: 44-0-38, 43-3-1:9,
ab 6,Uhr abends. 17^3^
Telegrammadressfe: J ,Mbfgö'n'-
zeitung“; Wien. ; : . :
Oesterreichiscfies .
Postsparkassenkahtol5{$593
kMWSWW
Wien, Sonntag, 1. Jänner 1922
Zs*. 10$0
/#?
4.
Der Stand der zionistischen
Sache.
> st. W ke n, 1. Jänner.
Die vorgestern beendete Sitzung des Zionistischen
Aktionskomitees stand unter dem Eindruck einer be¬
deutungsvollen Erklärung des Präsidenten der Organi¬
sation. Dr. Weitzmanh hat mitgeteilt’, daß die endgültige
Erledigung des, palästinensischen. Mandats durch den
Völkerbund aller Wahrscheinlichkeit nach noch im
Verlaufe des Monats Jänner erfolgenjwird. Die englische*
Regierung ist gewillt, die Angelegenheit durch ihren
Vertreter beim Völkerbund energisch betreiben zu
lassen. Die Vereinigten Staaten hüben dem Präsidenten
der Zionistischen Exekutive Sokölow durch .ihren
Außenminister die Erklärung übermitteln lassen* daß sie
ihre grundsätzliche Stellungnahme gfcgen . die Erteilung
von Mandaten durch den Völkerbund in der. Sache
des Palästina-Mandats nicht geltend machen werden.
Frankreich hat seine Bestrebungen, die zweite
Mandatmacht zu werden, als'- aussichtlichtslos
erkannt und wird keine ernstlichen Hindernisse be¬
reiten. Italien und die übrigen Mächte im Völkerbund
werden ihre freundliche Haltung .bewahren. ; Wenn
nicht unvorhergesehene Umstände eintreten, wird die
Mandatsfrage im Jänner erledigt." Das Schicksal des
jüdischen nationalen Heims Palä¬
stina wird dadurch endlich allen Zufälligkeiten
und Anfeindungen entrückt England, welches
sich durch die B a 1 f o u r-D,e k 1 a r a t i o n
unverbrüchlich, zur WahrungKj$ijer zionistischen
Prinzipien verpflichtet hat,.wird pfände.:den:Willen
aller Weitmächte vertreten, die J|pstistische Organi¬
sation als die vom Völkerbund Vertretung
des gesamten jüdischen Volkes NMWillen der, jüdi¬
schen Gesamtheit Diesen beiden wird die Leitung des
politischen un.d wirtschaftliche^ • Aufbaues „des natio¬
nalen Heims der Juden.anverirätit-s^n.’^Keiin’ Dritter
wird fortan den Gang c!6r iEfitwid^g’ stören .'können*
ohne dem eindeutig aüsgesprochefrenjörefrote der Welt-'
Mächte zuwider zu handeln. ‘
Die Beratungen im Aktionskomitee haben auch
zur Erkenntnis geführt, daß die EriÄgung nicht länger
hinausgeschoben werden kann, öHMddatz zionistische
Werk damit ernstlich zu gefähDW In San Rem o
wurde wohl den Juden Palästina^afii nationales Heim
zuerkannt, die Regelung der Bedingungen aber dem
Völkerbund übertragen. Die so geschaffene Pause
zwischen Beschluß und Ausführung hat . in
den Feindseligen und Unverständigen die
Hoffnung genährt, das Werk in letzter Stunde zer¬
schlagen zu können, und hat sie zur Anspannung aller
Kräfte veranlaßt Eine kleine Gruppe arabischer Hetz¬
politiker hat es verstanden, Palästina als durch die
Juden gefährdetes Nationalheiligtum, als den bedrohten
Kernpunkt arabischer Macht hinzustellen. Nie zuvor
hat die arabische Politik dem von einem winzigen
Splitter der arabischen Nation bewohnten tmd > unter
den wenigen arabischen, Händen. brachliegenden
Palästina irgendeine Bedeutung für die Araber bei¬
gemessen. Nun, da es nach zwei Jahrtausenden seinen
jüdischen Kindern zurückgegeben. 1 , werden’ soll, unter
den weitestreichenden Garantien für; das Wohl seiner
' arabischen Bewohner, bricht ein Sturm los und, eine
reichlich mit Geldmitteln versehene Propaganda stiftet
blutige Unruhen im Lande und wirbt in aller
Herren Ländern antizionistische Förderer. Wer mit
den Verhältnissen im arabischen yolke nur halbwegs
vertraut ist, der muß erkennen,'daß fremde Hände im
Spiele sind. Hinter den drängenden Arabern stehen
die Agenten des päpstlichen Rom und des reaktionären
Hügels der französischen Politiker.'. Es ist sicher,' daß
die definitive Erledigung der . Märtdatsfrahe diese
Propaganda wird verstummen machen.
Die Verzögerung der Mancjäfserteilung hat aber
auch die Gegner innerhalb des Judentums ermutigt
und die Zuversicht der im zionistischen Glauben noch
Schwachen erschüttert. Eine, Gruppe von Assi¬
milationsjuden in London und Paris intrigiert und
der antizionistische Teil der Orthodoxie ist
so weit gegangen, die Mächte und den Völker¬
bund gegen die verantwortliche Trägerin <e
jüdischen Mandats, gegen, die zionistische Organi¬
sation. aufhetzen zu wollen. • Diese böswilligen, selbst¬
mörderischen Bemühungen sind wohl gescheitert Aber
der Kampf von außen und von innen her hat manch
neuen Freund der zionistischen Sache eingeschücHtert
Er hat in Palästina selbst eine verhängnisvolle Wirkung!
ausgeübt, er hat den' Mann, welcher heute Palästina
verwaltet, den jüdischen Obefkommissär Herbert'
Samuel, von der Richtlinie zionistischer Politik ab¬
gedrängt. Herbert Samuel hat sich gegenüber, den
arabischen Uebergriffen und den sönstHmi An¬
feindungen nicht fest erwiesen. Er hat He u -dem
'ferror und den Intrigen weichend, zur Preis^aje der
wichtigsten Postulate bequemt. Seine Politik, die nun¬
mehr in offenem Gegensätze zur Balfourschen • De¬
klaration steht, bedroht das zionistische Aufbauwerk
Die Rettungsaktion für Europa.
Internationale Wirtschaftskonferenz.
Paris, 31. Dezember. Philippe Mi 1 let
schreibt im „Petit Parisien", daß die Statuten
der osteuropäischen Gesellschaft, wie
er das neugeplante Konsortium nennt,-noch heute
fertiggestellt tmd von den Delegationen aller be¬
teiligten Staaten beschlossen werden dürften. Es
soll . eine große i n t e r n a t loyale W i r t-
schaftskonferenz einberufen Herden, der
die Aufgabe zufallen würde, die notleidenden Re¬
gierungen über die Garantien zu befragen, die
sie zu geben imstande seien, und zwar Garantien
allgemein juristischer Art für die Sicherheit der
Person und des Eigentum s, ferner solcher
wirtschaftlicher Art, namentlich hinsichtlich der
Ausgabe von P a p i e r g e 1 d. Diese Bürgschaften
könnten nicht von Privaten, sondern nur von den
Regierungen selbst gegeben werden. An der
Wirtschaftskonferenz werde vermutlich auch
Rußland teilnehmen.
Pertinax berichtet im „Echo de Paris",
daß als Sitz des geplanten Konsortiums für die
Wiederaufrichtung Europas ursprünglich eine
Insel im Aermelkanale ins Äuge gefaßt
war, doch hätten die Delegierten später diesen
Plan fallen lassen. ' Man erwartet nicht, daß die
deutsche Regierung selbst das notwendige Ka¬
pital zur Verfügung stellen werde, doch könne
die Hälfte des deutschen Anteils vom Siaats-
schätz gezeichnet werden. Die Aufgabe des .Kon¬
sortiums bestände dann darin, in ; jedem not-- .
leidenden Lande eine Organisation zu schafren,
die das Kapital und die interessieren Kreise
zur Mitarbeit an dem Rettungswerk heränzrtzhenj
solle. Das offizielle Geld des Konsortiums werde'
das englische Pf und . sein. * *" j
Für eine gemeinsame Anleihe der
Sukzessionsstääten.
Paris, 31. Dezember. (Havas.) Im „Excelsior*
entwickelt der* ungarische Staatssekretär für Finanzen
• Elemcr Han tos einei Finanzplan zur Lösung der
Wirtschaftskrise Mitteleuropas. Danach sollten' alle':
’ Staaten, die aus der Donau-Monarchie ■hervor¬
gegangen sei eh, ohne auf ihre / eigene Währung* zu'
Verzichten, sich vereinigen, um im Ausland e i n e-
Anleihe aufzunehmen und für sie Deckung- zu
bieten. Die entsprechende i Gegenwerte sollten * al&
‘Deckung in einer neutralen Statt- hinterlegt werden.
Um die -Valutaschwankungen zu vermeiden, sollen die
Banknoten jedes Staates durch den Staatsschatz aller
übrigen Staaten angenommen werden. ■ -
Die Hilfe für Oesterreich.
Auf gutem Wege.
Pari?, 31. Dezember. Tu dMWeMtupgSN;
•äfer Fiaanzdelegjerten schreibt; »Petit JöuriiäEf,,
man könne nicht genug wiederholen^ >diese
Wirtschaftskonferenz nichts gemeihpm habe
mit der allgemeinen Konferenz zur Wiederauf¬
richtung Europas, von der seit der Washingtoner
Konferenz so viel gesprochen wird. Man werde
besser verstehen, um was es sich handle, wenn
man sich die verschiedenen Besprechungen und
Konferenzen in Erinnerung bringe, die seit einem
Jahre zur Rettung Oesterr eich s abge¬
halten werden. Jetzt handle es sich/ um das
gleiche Problem, das man auf äjle notleiden¬
den Länder erstrecken wolle. Man könne heute
sagen, daß die R e 11 u ng O es t err ei c h s
auf gutem W e g e sei und daß man b a 1,d
ihre Wirkungen sehen werde. Die Zusammen¬
arbeit der internationalen, an Oesterreich inter¬
essierten Finanzgruppen sei bisher auf zu be¬
scheidenen und daher ungenügenden Grundlagen
aufgebaut gewesen. Immerhin aber habe sie
schon genügt, ein wichtiges Ergebnis zu erzielen,
nämlich d a ß , d i e Oesterrei che r sich
selbst geholfen und ihre wirtschaftliche
Lage derart gebessert haben, daß sie nur mehr
einer leichter zu beschaffenden, relativ beschränk¬
ten Finanzhilfe bedürfen.
Der Eisetibahnerstreik in Deutschland
beigelegt.
Berlin, 31. Dezember. (Wolff.) Die Verhandlungen
zwischen den drei Eisenbahnerorgmisationen und dem
Reichsverkehrsministerium über die Lohnforderungen der
Eisenbahner haben zu einer Einigung geführt.
Die Organisationen haben sich verpflichtet, mit allen
ihnen zur Verfügung stehenden Mitteig, auf die sofortige
Wiederaufnahme der Arbeit hinzuwirken.
Der tschechische Außenhandel.
Prag, 31. Dezember. (Tel.-Komp.) Im Monat Juli 1921
wurden nach der Tschechq-Slowakai 359.846 q und 29.383
Stück Ware eingeführt. An der Einfuhr sind beteiligt Deutsch¬
en l mit 38 36°/» und Amerika mit 18*58?/ 0 . Die Ausfuhr
aus der Tscheche-Slowakei betrug im genannten Monat
9,795.635 q und 459.957 Stück Ware. Der Hauptkonsument
für tscheche-slowakische Waren ist Oesterreich,
das 40 , 03 0 / o bezieht, dann folgen Deutschland mit 32*33°/ 0
und Ungarn mit 12*89°/*o.
Das französische Budget angenommen.
FK^PMls, 3U öezember. (Hävas.) Die letzte Sitzung
des Senats, in der,das Budget zu En e, beraten
würde, dauerte von gestern 3 Uhr nachmittags, bjs
heute 7 Uhr früh. Schließlich wurde das Budget niil
296 gegen 7 Stimmen, a n g e n o m m e n.
Tschechisch-russischer Handelsvertrag«
Prag, 31. Dezember. (Tel.-Komp.) Die Verhand¬
lungen über den t s c h e c h i s c h - r u s s i s c fron
H a n d e 1 s v e r t r a g, die über einen Monat lang
unterbrochen waren, wurden nunmehr wieder aufge*
nonimen. Es gelang, die russische Mission zu; über¬
zeugen, daß die Klausel des t s c h e c h i s c. h-
p o 1 n iseben Vertrages,, die eine w o h 1 w o l len d e
Neutralität im Kriegsfall festsetzt, nicht gegen
Rußland gerichtet sei. Die Unterzeichnung des Ver¬
trages dürfte in den nächsten Tagen erfolgen. :* ,
Hochverratsanklage gegen einen
Gesandten.
Belgrad, 3J. Dezember. (Eigenbericht der „Wiener
Morgenzeitung 0 .) : Die Regierung hat gegen den Ge¬
sandten in Aegypten Dr. Bogicevic, der. vor
dem Kriege der Berliner serbischen Gesandtschaft zu¬
geteilt war, die Hochverratsaiiklage erhoben. , Er ist
von seinem Posten in Kairo nach der Schweiz ge¬
flüchtet , und hat hier seine Aufzeichnungen unter dem
Titel-„Kriegsursachen“ herausgegeben. Er erklärt/ daß
die Schuld am Weltkrieg Rußland und England treffe»
Das Buch enthält auch geheime diplomatische Akten.
Nansens Mitarbeiter gestorben.
. London, 31. Dezember. (Funkspruch.) Am 29. Dezembet
ist in Moskau Dr. Farrar, der englische Mitarbeiter
Nansens, an Typhus, gestorben, den er in Ausübung; seines
Hilfswerkes erworben hat
Verschiebung der Neuwahlen in Ungarn*
Budapest, 31. Dezember. (Eigenbericht der
„Wiener Morgenzeitung“.) Die scharfe Tonart, c er
Opposition, welche- auch die Erledigung des Budget- *
Provisoriums aufhäl\ erklärt sich aus der Absicht der,
Regierung, die im Februar ablaufende Legislaturperiode
der Nationalversammlung zu verlängern. Die Regierung
fürchtet die Neuwahlen und will deshalb deren Termin
auf-, den; Juni hinausschieben.
und muß in ihrer Fortsetzung unheilbaren Schaden
stiften. Die Verhandlungen irq* Großen Aktionskomitee
haben klär sehen lassen, daß unter dein gegebenen
Umständen wenig Hoffnung besteht, Herbert Samuel
vom Irrweg abzubringen. Die Erledigung der Mandats¬
frage wird auch da gesunden Wandel schaffen.
Die Erteilung des Mandats wird auch den wirt¬
schaftlichen Aufbau entscheidend beeinflussen. Das
Aktionskomitee hat die Ueberzeugung gewonnen, daß
der Stand der zionistischen Sache in politischer Hin¬
sicht gesichert ist. Es mußte aber feststellen, daß’ die
jüdische Gesamtheit, als Trägerin der wirtschaftlichen
Entwicklung des nationalen Heims, bisher versagt hat
Der. Kreis derer, die in dar Schicksalsstunde dias jüdi¬
schen Volkes erka nt haben, daß jetzt die größten
Opfer gebracht werden müssen, ist allzu klein. Noch
hat der gewaltige Ruf an das Judenvolk sein Echo
nicht gefunden. Es ist zu hoffen, daß das letzte und
entscheidende Wort, vom Völkerbund gesprochen, die
jüdischen Seelen und Geister aufrütteln wird,