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Nr. 1629 Wirk, GmMag Wiener Moegenzertung.
Fußball.
Der Start in der Meisterschaft.
An dem diesjährigen Meister sch asrsrennen ttciömcu nur
Aiebr Ätoölf Vereine teil, da um einen Klick mchr ab- als nup
gestiegen sind. 2(m Ende des konvmenden Jahres sollen wieder
drei Vereine in der Versenkung verschwinden, während nur
zwei Zweitklassige ins Oberhaus gelcmgen werden. Mithin
würden 'int Meisterschaftüjahr 192 t—1935 nur mehr elf Ver¬
eine der ersten Klasse anaehören. Diese Art des . Klassen¬
wechsels soll sich so langü wiederholen, bis die Liga ans zehn
Vereinen besteht. Unter den Erstklassigen machen sich nun
Siimmen geltend, da st eine weitere Verr-mgerüng der Mcister-
schaftskonknrrenten nicht >in ihren». Interesse liegt. Sie er¬
achten cs als vollkomnien entsprechend, wenn ständig zwölf
Klu-bs an der Meisterschaft des -Obechanses^ teilnehmen. Der
Spielansschnß der ersten Klasse ist auch gewillt, einen diesbc-
Mglichen Antrag bei der Generaldersaimnlnng des' Wiener
Fußbalckcrbandes eiwznbringen.^ Wind diese Eingabe berück¬
sichtigt. dann würden Heuer nicht mehr drei, sondern nur
zwei Vereine a-bsteigen. Wir sind der Ansicht, daß die kom¬
mende Meisterschaft durch die Aendernng des Klassenwechsels
niel an Schärfe verlieren würde. Alle Klubs find sich darüber
ttar. dass ein guter Start für das weitere Geschick in der
Meifterschakt von großer Bedeutung ist. Deshalb treten sie
»nch Heuer wohl vorbereitet in die Konkurrenz.
Auf dem renovierten Hertha-Platz
empfangen die Hausherren heute den Meister Rapid zu Gaste.
Die Iavoritener haben den Mtteldorfarn imaner viel aufzulosen
gegeben. Jur Vorjahr endete das erste Treffen 3:3 nnent-
/chieden, wqhre^nd -das zweite Spiel einen knappen 4:3-Sieg für
Rapid ergab. Heute scheinen di« Chancen des Meisters günstiger
zu stehen, da viele feiner Spieler durch die Auswahlkämpfe
in ihrer Form weit vorgchchritten sind. Hertha hingegen hatte
noch leine Gelegenheit, mit kompletter Mannschaft ein scharfes
Spiel zu bestreiten. Innnevhin dürften die Sommerreise und
das Soinmertnrni'er auf dem Rudolfshügel-tPlatz die Favori-
lener gelenkig gemacht l^ben. Berücksichtigt man noch, das; die
Festesfreude die Hausherren zu besonderen Leistungen an¬
spornen dürfte, dann erscheint ein UMrraschungssi-ea der
Vercha nicht ausgeschlossen. Gefühlsmäßig sollte der bessere
Angriff dein Meister den Sieg einb ringen. Schiedsrichter
Kienzl.
Die Kadtmich 5Mt heute um 8 lli)v im Cafe Baldiahof
eine Spiclerversammllnng ab.
Wettspiele in Prag. Samstag: Meisterschaft erste Klage:
«uselsky S. K.—Slavia. Meteor 8—C. A. F. C. Slavos 3-
Nnion Zizkov. A. F. K. Drsovice—A. F. K. Kolin. — Sonn-
Sportklub Hertha
Eröffnung des renovierten Sportplntzes
Heute Samstag den 2S, August, VsS Uhr
Meifterschafti-Wettspiel
RAPID—HERTHA
Im Falle es regnen sollte, findet das Wett¬
spiel Sonntag den LS. Angast, halb 5Uhr statt.
5onntag den 26. August, 10 Uhr vormittags
Ule Reserven und Jungmannschaftien
Copyright 1923 Nachdruck verboten.
R.L8wit-Verlag,Wien-Leiprig. (73. Fortsetzung.)
Sn Polens Wälder».
Roman von I. Opatofchn. , m
Autorisierte Uebertragung aus dem Jüdischen von Siegfried
' Schmitz.
Zwischen den Krüppeln saß Mordechai. Er flocht
seinen langen Rosenkranz wie die Arme einer Mcnorah
um die Hand, acht Arme um die Rechte, acht um die
Linke, und merkte nicht, daß von überall her hohe Tore
und Kirchenspitzen sich ihm näherten.
Die Turmspitzen kamen immer näher, von allen
Enden der Stadt kamen sie. Schmal rmd immer schmäler.
Sie erschütterten die Lust mit dem Ton ihrer Glocken und
verschlangen alles, was sie auf dem Woge trafen. Morde¬
chai hob unaufhörlich den göttlichen Funken empor, der
in jeder Unreinheit steckt, und brachte ihn zu seiner Wur¬
zel. Er ordnete die Funken und feurige Buchstaben ent¬
standen über den Armen, flammten aus und erloschen wie¬
der und spiegelten sich im Men Tibex ime in einem
Silberspiegel.
Ms die Buchstaben über den Armen noch stärker auf¬
leuchteten und sich dem Lichte des „Unendlich" zuwandten,
wie ein Kind der Mutter, als sie flackeren wie iveiß-
glühende Zungen, auseinanderflammten und sich dann
wieder vereinigten, der erste Arm mit dem letzten, jeder
mit sewem Genoffen, der Anfang mit dem
Ende, das Ende mit - -dom Anfang, männ¬
lich und weiblich, wie die Flamme sich mit der Kohle ver¬
einigt, da entstand ein Weinen. Das „Hej" der ersten acht
Arme und das „Nun" der zweiten sehnten sich nach Ver¬
einigung und jammerterr vor Schnfucht, aber sie konnten
nicht zusammen kommen, da das männliche der ersten
acht Arme sich mit dem weiblichen der zweiten vereinigte;
aber ihre Lebenskraft kam aus der Wurzel, aus dem „Hej"
und dem „Hun", und strömte in jedem Arm besonders,
ergoß sich in ihn und wurde eines mit ihm, wie eine
Mutter **«t ihrem Kinde eins wird, das sie aebären soll.
tag: Slovan (Wien)-—Slavia. Union Zizkov—D. F. C. —
Meisterschaft erste Klasse: Sparte (Kosire)—Viktoria (Zizkov).
S. K. Liben—Meteor (Vinohrady).
Bar-Kochba spielt morgen auf dom Viktoria 21-Platz mit
verstärkter Mannschaft gegen den S. C. Neubauer Kicker in
folgender Aufstellung: Singer 1; Prinz. Schwamm; Sigall,
Gekband, Kämmerling; Nagler, Kohen, Singen: 2, Fischer,
Rechter. Ersatz: Suischitzkv.
Eine vernichtende Niederlage des F. T. C. in Kopenhagen.
In Kopenhagen erlitt am Sonntag der F. T. C. aus Buda¬
pest im Kampfe gegen eine aus dem Koebenhavn Boldklub und
dem B. af 1898 kombinierte Mannschaft eine sensationelle
Niederlage von 0:8 (0:3) Toren. Die Ungarn hatten bereits ihr
erstes Spiel in Kopenhagen am Freitag mit 0:2 verloren.
Die Pretzbnrger Auswahlmannschaft besiegte das Bres¬
lauer Team 3:1.
Mir. Heule, 2 Uhr, Wettspiel einer kombinierten Mann¬
schaft gegen Minerva 11 auf dem Ostbahn-Platz (Linie 71.
Railtettstraiichgaf-sc). Folgende Spieler treffen sich um halb
1 Uhr beim Fevdinands-iKino: Brüll;' Ginsberg 2, Feinstem;
Sole, Isi, Schwarz 2; Straßborg, Hu-ti, OSoimnerstein,
Zinimernrann, Großmann, Panzer, Reichner. Hosen imd
Stutzen sind initMbrm-gen. Um 7 Uhr Vollversammlung und
Aufstellung für die niorgigen Spiele. Anschließend Begrüßungs¬
feier anläßlich der Rückkehr unseres verdienten Obmanms
Herrn Balaban. Berichterstattning über die (Karlsbader Reife
und über die bevorstehende dioise nach Zürich.
Ari spielt.morgen nm halb 10 Uhr gegen den Sport¬
klub der Ankerbwtwerke auf dem Fav. A. C.-Platz.
Hagibor spielt morgen um 5 Uhr auf dem Nenbauer-
Platz gegen Hellas.
Germania 14—I. A. C. 3:2. I. A. C. nntorlag in einem
imglücklich geführten Kampf. Man kann ruhig behaupten, daß
die Schuld an der Niederlage lediglich den Tormann traf, der
zwei leicht haltbare Bälle leichtsinnig passieren ließ. Die
anderen führtet ein schönes Spiel vor und vMsertigten den
guten Ruf de? Vereins. Vor dem Spiel überreichte der I. A.
C. dom inbil'ierenden S. E. International, auf dessen Matz
das Tvcffen ausgetragen wurde, ciueu Blumenstrauß mit einer
Widmung. . .
Da der Reichsbund-Platz wegen eines internationalen
Spieles nicht frei ist, muß das Freundschaftsspiel Hakoah-
Akademiker gegen Arminen abgesagt werden.
Die Nürnberg-Fürther konibinierte Mannschaft siegte in
Rotterdam gegen das dortige Städteteam mit 3:1, nachdem
sie vorher in Amsterdam gegen Ajax mit 4:0 gewonnen hatte.
In Amsterdam besiegte Blanw Witt den F. C. Wacker
(Halle) mit 2:1, dagegen gewann Arminia (Hannover) gegen
Go Ahead (Deventer) mit 4:3.
Singer 1, der tüchtige Tormann des S. E. Bar-Kochba,
der bei dem Nkeisterschaftsspiel gegen den S. C. Alemannia
eine Kn ö ch e lbeinvcrletzung -erlitten hatte, dürste bereits morgen
Sonntag für seinen Verein tätig sein.
Karp und Glücker, die beiden Torschützen .des S. C. Bar-
Kochba. haben sich eckgemeld'ci und beabsichiig»n. dem S. C.
Zentralveroin beizutreten.
Kraus (früher Marathon und Hakoah) 'debütierte beim
I. S. C. Iugendbund im Spät gegen Baden mit großem
Er so.'-.-.
Noxen.
Tie Boxkämpfe beim Weigl.
, Bei ausgezeichnetem Besuch und gutem Arrangement
nahmen die gestrigen Boxkämpfe folgenden Verlauf: Fred
Köhler gegen Hollek: Hollek gibt in der sechsten Runde auf.
Czerny gegen.Funke: Funke gewinnt nach Punkten.
Hana gegen Hirschberger: Hirschberger gibt in der
sechsten Runde auf.
Willy Gotz gegen Iurccka: Götz gibt nach der vierten
Runde auf. "
Ueber den weißglühenden Flanrmenzungen erhoben
sich in einer Reihe zweiundzwanzig verschwommene Buch¬
staben, die formten sich zu einer feurigen Röhre, blau wie
Saphirstein. Da lvarf Mordechai seine Schuhe ab, ivarf
sich in Furcht mit dein Antlitz zur Erde und lviederhalte
einigemale — Gedanke, Wort und Tat, all das ist ent¬
halten im Worte „Gott".
Aus dem Feuerrad schälte sich ein zweites, ans dem
ein drittes, und als ihre Zahl zehn geworden war, da be¬
gannen sie zu zittern, sprühten blaue Schwaden Feuers
und in dichtem Rauch erschien Gott, umgeben von den
Seraphim.
„Heilig, heilig, heilig, öffnet die Tore, bahnt einen
Weg, der Allnrächtige naht!" — Die Flügel der Sevaphin
rauschten. Je stärker die Flügel schlidgen, desto mehr
Sterne rissen sich vorn Firnmment los und blieben zwischen
den blauen Rädern hängen. Da wurde die Sehnstrcht der
Seraphim nach der Helle, die keinen Anfang imd kein
Ende hcit, größer, als die Sehnsucht nach der Helle, deren
Anfang und deren Ende das „Nichts ist.
„Heilig, heilig, heilig . . ."
„Wer bist du?" — so ivar's zu hören und nicht zu
hören von Ost, West Nord und Süd. — „Der Mensch hat
sich zum Gott gekrönt, dich mit Donner und Blitz ausge¬
stattet und dich zu einem Gott des Erbarmens und der
Gnade und auch der Rache und Vergeltung bis ins vierte
Geschlecht gemacht, deine Glieder abgemessen und dir ein-,
geredet, daß man dir Tag mrd Nacht lobsingen muß. Wer
bist du denn? Und auch du, du nrit deinen blutigen Füßen
und Händen, der du des Menschen Sünde lösen wolltest
durch dein eigen Blut, tver bist du?" Dein Leben, dein Tod,
dein Mtleid, das sich auf den sriiimmern der hölzernen
und steinernen Götter ansiedeln wollte und noch bis
heute durch die Welt iist genau so vergänglich wie
diese Götter, wer bsit du also? Selbst die schönste deiner
Taten, daß ein Gott ein sündiges Weib zu sich erhob, ist
auch nicht mehr als menschlich, was willst du also? Winde
und krümme dich so viel du willst, du, den der Mensch,
das Stück Lehm, zu -mein Gatt gekrä-z hat. de- er hieb
25. August 1923
9üiwm.
Internationale Amateur-Mngramps-
konkurrenz.
~ Unter dem Protektorat des Polizeipräsidenten veranpÄ»
ten heute um halb 8 Uhr abends im Monte Emcko-Saal des
Vergnügungsparkes die Hakoah und die Mener Pokizei-Sport-
vereinigung internationale Mannschastskämpfe, die in sechs.
Gewichtsklassen ausgetragen werden. Den BemWungen der
beiden Vereine ist es gelungen, zwei hervorragenoe auswär¬
tige Mannschaften als Teilnehmer zu gewinnen, und zwar
werden der A. C. 1892 (Nürnberg) und der Grazer Ring«
und Stemmklub autreten. Die Nürnberger, die ganz hervor¬
ragende Ringer in ihren Reihen haben, zählen zu den besten
Mannschaften Deutschlands. Zahllos sind ihre Erfolge, trotz¬
dem mußten sie sich vor einigen Monaten in Nürnberg durch
die Hakoah geschlagen bekennen. Selbstverständlich suchen die
Süddeutschen nun die Gelegenheit, um an der Hakoah Revanche
zu nehmen. Der Grazer Ring- und Stemmklüb ist in Wien
rein seltener Gast. Bisher erlmes er sich allen Wiener Vereinen
überlegen, was am deutlichsten dadurch zum Ausdruck kommt,
daß er Mannschaftsmeister von Oesterreich ist. Uebcr die
Leistungen der Hakoah-Ringer sind Misere Leser hinlänglich
informiert. Ihre Erfolge reihen sich würdig, denen der Fuß-
ballsektion 'an. Die jüdischen Ringer zählen zu den besten Tech¬
nikern Mitteleuropas. Der vierte Teilnehmer, die. Wiener Poki-
zei-Svortvereinrgung, befindet sich derzeit in hoher Form, so
daß sämtliche Konkurrenten als glcichwcrt bezeichnei werden
können. '
Die heutigen Kämpfe werden nach dem Cupsystem aus¬
getragen. Vorerst treten in der Vorrunde je zwei Klubs
gegeneinander an. Dann ringen die Unterlegenen und zum
Schluß die siegreichen Klubs. Mit Rücksicht auf die Gleich¬
wertigkeit der 'Mannschaften ist der Sieger nicht voranszu-
sehen.
Da die Veranstaltung in einem Saale stattfindet, wird
dieselbe selbstverstänolich auch bei ungünstiger Wittenmg ab-
gehalten. Nach Beendigung der Ringkämpfe findet zu Ehren
der Gäste eine Tanzunterhaltung statt. Jede Eintritskarte be¬
rechtigt auch zugleiH zu freiem Eintritt in den Vergnügungs¬
park. Es empfiehlt sich, wegen, der beschränkten Anzahl der
noch vorhandenen Karten, diese rechtzeitig zu besorgen in den
Vorverkaufsstellen: Cafe Atlashof, 1. Bez., Aspernplatz, Sport-
Haus „Stadion", 2. Bez.) Franzcnsbrückenstraße 24, und
Wilhelm Baltaxi und Söhne, 6. Bez., Mariahilferstraße 128.
Die restlichen Karten sind an der Abendkasse des Vergnügungs¬
parkes erhältlich.
Bisher haben die jüdischen Sportinteresseuten von den
Ringern der Hakoah herzlich wenig Notiz genommen. Wie un¬
recht erstere handeln, ersieht inan aus den großen Erfolgen
der Hakoahner. Sic verdienen in ihren Bestrebungen jede
Unterstützung, weshalb wir erwarten, daß sich auch das Fuß-
ballpublirmn im Monte Carlo-Saal einfinden wird. Der Preis
der Sitzplätze bewegt sich zwischen 6000 und 16.000 K.
Wie wir noch erfahren, haben Polizeipräsident Schober,
Bürstermeister Reumann, Oberbaurat Stricker. Gemeinderat
Dr. Plaschkes und mehrere Stadträte ihr Erscheinen zugesagt.
«eute halb 8 Uhr abends
Internationale Amateur-
Ringkampf
Konkurrenz
im Monte Carlo -Saal des Vergnügungsparkes
Teilnehmer:
A. C. 1892- Nürnberg (süddeutscher Meister),
Grazer Ring- und Stemmklub (Österreich. Meister),
Wiener Polizei-Sportvereinigung und Hakoah
aus Rom — Jerusalem zu machen, wffse, deine Stunde
hat geschlagen, dein Tag geht zu Ende, zu Ende . . .
Der feurige Himmel verlosch, die Wellen des großen-
Lichtes breiteten sich aus und brüllten wie hungrige Löwen,
verbrannten alles ringsum, Wolkenmassen wälzten fich von
allen Seiten her und brachten Dunkelheit herbei. Zwischen.
den Kolken schwebte Reb Jffche, bleich, ohnmächtig, und
klamnrerte sich an Rabbi Mendele mit dem verwilderten
Bart, den vor Alter ^krümmten Greis. Mordechai sah
sie laufen; sie sahen sich mcht um, liefen verzweifelt und
bekümmert, als wären sie von irgendwo vertrieben wor¬
den. Mordechai brach in Tränen aus, er haderte mit der
UneMichkeit. Durch seine tränenden Augen sah er von
allen Seiten Krüppel auf sich zuströmen. Sie hetzten ein
Mädchen auf ihn, die im Gesicht, dort, wo einst eine Nase
war, ein Loch hatte, damit sie ihn berücke; sie hetzten ein
Mädchen auf ihn mit verdorrten Händen, an denen an
Stelle der Finger klapprige Knochen baumelten. Die Mäd¬
chen begannen sich im Tanz zu drehen, hoben ihre Linnen,
kamen näher, faßten einander bei den Händen. Die Krüppel
klatschten dazu mit den Händen und den Krücken, und die
Mädchen umringten Mordechai, zogen in ihren Reigen
Magdalena, Temre, tanzten, drehten sich schneller, immer
schneller — plötzlich fallen sie über ihn her und quälen ihn
bis zu Tränen, unanfl)örlich. Mordechai schrie auf und
öffnete die Augen. ■
Er saß bei der Türe. Seine Beine, die ihm cingc-
schlafen. waren, schienen nicht ihnr zu gehören. Es begann
zu tagen. Er wollte sich an seinen- Traum erinnern,' aber
er konnte es nicht; nur Müdigkeit fühlte er. Er stand auf;
seine Füße stachen wie Nadeln; hink.'nd ging er im Zim¬
mer auf und ab. So wandevte er eine Zertlang hin und
her, plötzlich blieb er beim Tisch stehen und blickte lange
auf ein offenes Buch; Einige Male las er den Titel: ,)Buch
der Phantasie". Mt einem Atnle sah er seinen ganzen
Traum vor sich; es überraschte ihn nicht, nur eine leise
Trauer durchzog ihn und erfüllte sein Herz, ohne zu
schmerzen, ohne zu erregen.
(Fortsetzung folgte