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Nr. 195Ö Wien, Sonntag
Abbau im Reichstag.
^ Berlin, 19. Juli. (Wolfs.) Nach der Meldung einer
Marlamentskorrespondenz ist der neue Gesetzentwurf über
M Parlaments re form dem Reichsrat zugegan-
g-n. In dem Entwurf ist ein Abbau der Reichstags¬
abgeordneten von 4 71 a uf 3 9 9 vorgesehen. ,
Aethleu auf Urlaub.
Budapest, 19. IM. Ministerpräsident Graf B e t h-
t e n tritt dieser Tage einen z w e i m o n a t i g e n U r-
la ub an und wird während dieser Zeit vom Minister
für Boltswohlfahrt Dr. Ba-tz vertreten werden.
Vor der Urteilsföllung im Prager Benzin»
Panama.
Ein dramatischer Zwischenfall.
Prag, 19. Juli. Die letzte Sitzung vor der Urteils¬
fällung gegen die in die Bonzimsfäre vevwickelten M i l i-
tärperfonen fand heute unter dramatischen Umständen
statt. Es ergriff nämlich unter allgemeiner Spannung der
Angeklagte Oberst A da m das Wort und sagte: „Hoher Ge¬
richtshof!" Gestatten Sie mir> vom Rechte des Angeklagten
einige Worte zu.seiner, Verteidigung zu sagen., Gebrauch zu
machen. Es bestehen gegen mich gar keine Beweise, Uoß
Jdizien bilden die Basis der Anklage gegen mich. Ich er¬
kläre Ihnen, jeder Wegelagerer, jeder Räuber, der am
Waldesrand auf einen Passanten lauert, um ihn seiner Uhr
zu Lemuiben, ist edler als dieser Nejedli. Jener begnügt sich
bloß mit einem Gegenistaind, nur mit einem Bestandteil von
dem 'Hab und Gut des Ue'berfallenen, mir will dieser
Nejedli alles nehmen. Meinen guten Namen, meine Ehre,
mein Familienglück, meine Freiheit."
: Mit tränenerstickter Stimme führ der Oberst Adam
fort: „22 Jahre diene ich der Gerechtigkeit, wie oft saß
ich in diesem Saale als Senatsvorsitzender, als Richter,
wie oft habe ich als MMtärauiwalt in diesem Saale für die
Unversehrtheit dör Gesetze geisprochen, wie oft als Verteidi¬
ger pllaidiert! Heute sitze ich in demselben Saale auf der An¬
klagebank, angeklagt ans Grund von Aussagen eines nichts¬
würdigen Menschen, 50.000 K. als Bestechung angenom¬
men zu haben. Glauben Sie denn ernstlich, meine Herren,
daß ich, ein alter Diener der Justiz, so'ganz ohne Ueber-
legung einen so riskanten, verhängnisvollen Schritt un¬
ternehmen würde, wie es die Annahme von Bestechungen
ist? Konnte denn mir, der ich vermögend bin, ein solcher
Betrag überhaupt imponieren?
Er schloß mit der Bitte um Freispruch. Die schlichten,
oft von Tränen unterbrochenen Worte des Obersten
machten auf den Senat und. das^Auditorium tiefen Ein¬
druck. Alte Jnstizsoldaten saßen nnt Tränen in den Augen,
den Verteidigern rannen die Tränen die Wangen herunter,
viele Damen aus den Auditorium verließen während der
Rede Adams, nicht mehr fähig, ihre Erwgung. zu meistern,
den Saal. Auch der Militärprokurator stand unter dem
Eindruck der Reue und verzichtete auf eine Erwiderung.
Södann erhob sich der Vorsitzende und erklärte mit einer
Stimme, hinter der sich die Erregung nur schwer ver¬
bergen konnte, daß die Urteilsverkündligung morgen cre-
folgen wird.
Theodor Herzl.
Bon I. I. David.
^ In der Woche nach Hevzls Tode erschien
dieser Ansiätz, der mit bewundernder Wärme das
Wesen _ Herzls zu ' analysieren sucht, in. der
Wochenschrift „Die Zeit", welche damals noch
neben dem ans ihr hevvorgegangenen gleichnami¬
gen TaHblatt bestand. Dieser' Aussatz ist nicht nur
durch fehw mit einer gewissen, emPoMickenden
Innigkeit geschriebenen Charakteristik Herzls und
• der zionistischen Bewegung bedeutsam, sondern
gerade inr Zuslanlmenhang damit auch durch die
.Person dessen, der ihn geschrieben hat; es ist der
aus Mähren stammende, durch seine Erzählungen
aus der Hannah berühmt gewordene Dichter
I. I. D avid, der als Jude geboren war und
aus dem Judentum oustrat, das jedoch stets eine
Gewissenslast ■ für ihn blieb.' David, der zwei
' Jahre nach Herzl in Wien starlb, war als Mensch
und Dichter von scheuem, geradezu mimosen¬
haftem Wesen. Er. konnte nie die glänzendeit Er¬
folge eines Herzl erringen, weder literarisch noch
persönlich. Dennoch war er. mit dem „ungekrönten
König der Juden" durch Schicksalsgemeinschast
verbunden: Beide litten schwer unter'dem Fron¬
dienst in der Zeitung, der sie beide angehdrten.
Herzl besaß die Kraft, allen Widerständen seines
Sklavenhalters zum Trotz der Führer der neuen
jüdischen Belvegung zu werden; David starb als
.stets unterdrückter, stets beiseite geschobener Zei-
tungs,fr>onllvbeiter. _
Man vergaß seiner nicht mehr leicht,, war turnt ihm
ün-nral irgendwo begegnet.
Exotisch-bedeutsam, etwa wie ein Scheit der Beduinen,
erschien er.vonAnbegiu«, da er .damals, wie die ganze
Begabung jener Zeit in der Studeutschaft ein Dentsch-
iraÄorwler, im „Cafe Aula" — seligen Angedenkens und
zawz nahe der alten Universität_sich bewegte.
Es -waren erregte Tage. Sie brachten uns Ereignisse,
wt denen die jungen Gemüter sich tüchtig erhitzten, die
leidenschaftlich; erörtert wurden. Es war nicht , leicht, sich
bemeMch zu machen, seine Geltung zu gewinnen und zu
behaupten. Theodor Herzl ist es geglückt. Denn damals
schon machte er den Eindruck einer geschlossenen Persou-
lich-keit und-eines Mannes.
. Er war- etwas über mittelgroß, schlank und kräftig
zebartt.' Gin sehr dnnNev Teint, schlvarzer, dichter und
Attener Morgen-ettMS.
MkilM
Seüts
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ÄP Schuhe!
mit eingebautem l *B 0 fSöil‘ < »Gummi*Äbsat*
Sie deutsche Soldemisfionsbank.
Eintreffen des Organisalionsskaluts Ul -er Reparations«
kommiffivn.
Paris» 19. Juli. Der „Temps" meldet: Der Reparations- -
koinmission ist heute der Entwurf des Organisationskomitees zur
Schaffung einer Go l d e m i ss ion sb a uk in Deutsch¬
land zngegangen.
Die letzten KM.
(Radiodienst der „Wiener Mortzenzeitung".)
London, 16. IM. D e v i s e rr s ch l u ff k u r s ti
Vraa 147 3 /,, New-Aork 4,87'«/,«, Paris 85.55. Brüssel Sh,SS.
Rom 101,56V 4 , Büricb 23,98*/,. Madrid 33,07'/,, Amsterdam
Kopenhagen. 27,20'/,. "Cliristiariia 32,60, HellingfotS
147Vs, Wien 311.500, Berlin 18'/, Billionen, Bukarest 970. *
Wechselkurse: New-York 4,38, Paris 85,70,
Brüssel 96, Berlin 18'/, Billionen, Wien 309,500. Prag U7%
Amsterdaut 11,53, Cbristiania 32,60, Stockholm 16,43, Kopen¬
hagen 27.20, Schweiz 24, Finnland 174 50, Rom 101,50, Warschau
22,75, Athen 261, Sofia 600, Bukarest S76, Konstantinopel 860,-
Budapest 340.000. Riga'22.62.
Slew-Bork, 19. Juli. (Rüdio.l D e v i s e n s ch l u.ß k ür s e:
Taggeld nominell, Wechsel auf London 4,88,87, 60 Tage-Wechs-l
4,35,37, Paris 5,10. Amsterdam 38,05, Berliner Schlußkurs 23 7 / s
bis 24, Silber 67. Prag 2.96V,.
- m m» — . — . i.i '■ ■ "m . .1 mmffVSjjmJSSa ä'
regierungen) angeMpmen. Die Bor'Wgn, wurde je'doi
Vvn: Nationalrat' nicht - • in Verhandlung, gezogen . Di e Be
züge tex A-bgeoMetzen und Mnifter chavetr bisuun durc
den fünften. Nachtrag Am Besoldungsgesetz geregelt. Diese!
sist nunmehr durch das Getzaltsgesetz außerKraft gesetzt
mnd mangels ein«*; . gesetzlichen Vorsorge ,, • könnten <m(
il. August weder de'n Abgeordneten noch den
be st Mi nistern die Bezüge ans bezahlt
^werden. Es ist daher anzunehmen, daß . -dev Natiomlwt
-noch vor . den .Somck^rferien die Angelegenheit lberemig^
MSher- waren .'die"'Abgeordneten mit ihren Bezügen den
. nuv erheirateten Hofräten gleichgestellt/
.näch. der vom Finanzausschuß beschlossenen Borlag-s wür-
fden^sie.jiedoch.'wäi-t'.Wender (6,2 Milllönen Kronen)^
.monatlich erhalten. Die Verabschiedüng des Diäten-
Gesetzes stieß ' hauptsächlich. auf den. W'i d er st a n d der
S o z ia l de m'o kva tän,. welche dagegen Einspruch er-
'hohen,' daß infolge bestehender. L-a-ndesgesetzr die M-tgjlieder
von ÄandesregierunUn in eiuzLl'nen ^ Bundesländern
BeMMmag drr ParlameUrseWn.
Trotz der letzten Dauersitzung''des Natioualrätes ist es
nicht gelungen, das ganze von der Regierung in Aussicht
genommene Programm zu erledigen. Ter Handelsimmister
wünscht mit Rücksicht auf den Abschluß der im Zuge be¬
st üblichen Handelsvertragsverhandlungen die Annahme
des Zolltarifes noch vor den Ferien. Täs' Finanzmini¬
sterium dringt auf die Gesetzwerdnug der Gebühren¬
novelle. Außerdenl soll , noch das K le i n r e n t n e r-
gesetz vor Monatsschluß geschaffen werden. Für Don¬
nerstag ist darum eine /Par.teiführerbesprechung eiivbe-
rusen, in der die vor der Sommerpause zu erledigenden
Geseetz vereinbart werden sollen. Jedenfalls ist zur Auf¬
arbeitung des restlichen Programms..', noch eine Na-
-tionälralssitzung für den 30. d. geplant. . i ■ ,
. Für die Beratung des Z o lla u s ch n sse s ist die-
morgen beginnende . Woche vcserviert.. Es wird sich aber
als notwendig' erweisen, daß über die Zollsätze ans
Lebens m i t t e l mit der Opposition eine Verein¬
barung geschlossen wird, da die Sozialdemokraten nicht
gewillt sind, das Gesk^ in s e in e r g e g e n w ä r t i-
g e n Gestalt Pa s s i e r e n 5 u la s f-c.it.'
Mit dem Gehaltsgesetz wurde, wie berichtet, vom
Finanzausschuß, gleichzeitrz eine Vorlage über die,Be-
z üg c der N a t i 0 nä l r a t e,. der.Bundesrate und'
Volksbeanstragten (Minister und Mitglieder der L-andes-
Doppelbez'nge ans
miltelu erhalten. ,
B n n d e s- n n d' L a n d e s-
M«denat.
Der'Bündesrat genehmigte gestern die in den letzten
Tagen vom Nationälrat beschlossenen Vorlagen, darunter
das Fondskrankenanstaltengesetz und das Gesetz betreffend
die Höchstgrenze im § 51 der Konknrsordmmq (Ab¬
fertigung und.Gehaltssördernngen der Angestellten): Bei
der Beratung des G eh a l t s g e s e tz e s kam es zu einer
lebhaften Auseinandersetzung zwischön dem sozialdemokra¬
tischen Bundesiat Klein und dem,'christlich sozialen
Dr. Hügel mann. Klein bemängelte es, daß der Na¬
tionalrat über, die 78-Anträge der Opposition hinweg¬
gegangen, sei und meinte, die Art . der Behandlung der
Vovlage sei ein-charakteristisches, äber auch tieftrauriges
Symptom, wohin man konnnen müsse, wenn man sich in
A b h än g i gk e i t v 0 n au s I iiu.b t s ch e nr F in a nz-
kapital begibt. Bundesrat Hu gelmann wies den
Vorwurf des Diktats mit E n t r ü st u n g-zurück. Die Be¬
hauptung, daf^ sich die Mehrheitsparteien.- ein D-i k t et t
v 0 n Gen s geholt hätten, sei geradeztt eine ehrenrührige
Unterstellung. . ; .
-Das Haus beschloß, gegen das Gehnltsgesetz keinen!
Einspruch ztr: erheben, ebenso wurden das Telegra-
p h engese tz und die achte Novelle zunr I nv ali¬
ve n e n t s ch ä d i g n n g s g e s e tz santt den beiden dam
gehörigen Änsführuggsgesetzen gen e hmi gl.
Ler Handrlsvertrig mit der Tschecho¬
slowakei.
Prag, 18. Juli. Die dritte Lesung des Handels-
verimges zwischen' O e st e r-re i ch , und der - T s ch e ch 0 -
S l 0 ,w a k e i, dessen. zwei erste Lesungen in W'i e n
dnrchgeführt wurden, ist heute in Prag beendet wor¬
den. Es wurde für den größten Teil der Fragen die
E i n i g u n g' zwischen, den beiden Bertragsteilen erzielt,
und der VertragseMwurf von - Sektionsches Doktor
ß ch ii l l e r und Minister Dr. D v v r ae e ik p-araphiert.
Offen geblieben sind nur einige Zollpösitionen, deren
Erledigung noch Erhebungen und Entscheidrlugen der Re¬
gierungen notwendig machte. Ter Vertrag wird im
M o na t Septc mber f inalisier t. werden.
wohlgepflegter Bart, dann die Fülle schwarzen Haares.
Nkerkwürdige, tiefbraune Augen, voll eines gewissen Hoch¬
mutes, voll bewußter Fragen, denen man den Blick hinter.,
die Dinge und bis in ihr eigentliches Wesen zutraute. Eine
gewisse Eleganz der Erscheinung war ihm Bedürfnis^ wie
ei.ne gewisse Pose, die an ihnr niemand bespöttelte. Tenn
sie gehörte zu ihm.'
Qk kannten ihn alle und hatten eiye starke Meinu-ng
von ihm, ohne daß einer ihm eigentlich näher gestanden
wäre. Er -studierte fleißig und besaß ein tüchtiges und weit¬
verzweigtes Wissen, eine große Belesenheit, einen be-<
stimrnten Geschinack. So war er znnt Beispiel der erste, der
eines Heinrich Leutholds Lyrik nach ihrer Bedentfam-
-keit begriff und pries; oder, von allen Novellen Theodor'
Storms stand ihm des Dichters ,Mn grünes Blatt" am
höchsten, seine kleinste, schlichteste Erzählung, die nach'
Innigkeit u-nd Zartheit der Empfindungen allerdings ganz
unvergleichlich ist. ^
Er hat sehr ernst und sehr. zielbewußt an sich gearbei¬
tet. Seine Versuche verbarg.er, so daß nichts Unfertiges ,
von ihm zutage trat. So erregte'denn.schon sein erstes
Feuilleton großes Aufsehen in jenen Kreisen. Es hieß
„Cafe Birkenreis"; wenn ich nicht irre, erschien es in der'
„Allgemeinen Zeitung" und Mt eine Case-Aula-St>im-
mnng mit einer erstaunlichen Sicherheit, selbst mit einer
gewissen Grausamkeit fest...Derr Mann/.der das geschrieben
hatte, -konnte man nicht mehr übersehen in einer Stadt, in
der das Feuilleton immer geblüht und 'starke, ja stärkste
Talente, in seinen Dienst gezogen-hatte. So übernahm er
denn bald hernach das Fmülleton desselben Blattes, bei
dem'er debütierte.' Er ging hernach für die „Neue Freie
Presse" tmch Preis; als ihr FeuillctonredaktOur- ist er nun,
wenig über vierundvierzig Jahre alt, vor der
storben.- '
Was er' in Paris vollbracht, ist zunt Teil in se-inem,
Buche „Aus dem Palais Bourbon" niedergel-egt. Er kaut'
in eine bewegte Zeit, voll stürmischer und trauriger
Gärnngett. Das Ende GrevyS hak er milgesehen, den Ber-
fllch des '- unseligen Wilson, wieder e'inen Platz in der
Kammer zu gewinnen; das Feuilleton, -das ihn den
we-ila-rtd Schwiegersohn,, dm Schtoiegevsphn der Republik,
als eine arme. Hom Regen durchnäßte Fledermaus 'shmbo--
lisiert, die sich fürchtet, vom trockenen Plätzchen, das sie
kaum mühsam gewonnen, wieder hinweggescheucht zu -
werden, ist ein Misterstück harter, wähvhäftiger und den¬
noch erbarmender Michologie.
Mitten im-Gottesgarten Frankreichs sah er sich plötz¬
lich den Höllensnmps- Pananta auftu«,' drehend, die ganze:
dritte RepnMk zu verschlingen. Seine Berichte, aus jener
Zeit veralten nicht; und wer die Begebenheitett jener Lage
studieren will,- der -kann nicht ohne sie fein. Sie sind von
einer -wunderbaren Klarheit und Anschaulichkeit und durch
die vollendete Form cillün der Vergänglichkeit entrückll Dia
in ihrem Innersten aufgewühlte Weltstadt selber läßt er
Zu. Worte kommen; zwei Cam-elot's, Chorus "nrtd öfsientliche
Meinung, gröhlen auf den Boulevards ihr Hohnlied:
,Hei, dem Wirbel der Millionen — Sind.verdammt wir ^
beizuwohnen."' Den sicheren Takt, mit dein- strenger^.Be¬
richt, Ratsonnement, Fmillerott in der lebendigsten Weise
abwechselten, ganz besonders aber das Fenilleton von
den beiden Stvaßvnsängern, habe ich immer als einfach
genial empfunden.
Es hat sich auch in diesem Falle wie immer heraus-
gostellt: für' den. Alltag und feine Bedürnisse genügt der
Berichterstatter, der fein Handwerk gelenkt hat, sich. Ver¬
bindungen zu schassen und. sie ;n nützen weiß, -der zuver¬
lässig ist und Takt hat.'Uebvigeus schon eine-ganze hübsche
Liste wichtiger Eigenschaften u-nd Gaben, -die der moderne ,
Journalismus als selbstverständlich bei denen voraus-
setzt, die ihm in.wichtigen Dingen dienen wollen. -Für
größere'Ansgä-Än. aber reicht das lange nicht. Da muß
das Auge sicher ittch" brstinmrt Wesentliches'ltnd Unwesent¬
liches scheiden; Symptome 'deuten, ' die! gröberen Sinnen
^belanglos erscheinen;. Znsatnmenhänge erkentlen. Histori¬
scher -Sinn für das Dauernde, dichterisches.Bevstän-dnis
für das.unfaßbar Entscheidende tun alsdann not.
. Herzls eigenste Begabung aber lvnr feililletonistisch.
Er hat — sehr jung noch — allerdings gemeinsam mir
Hugo -Wittman einen sehr hirbchen und nachhältigair
Bürgiheateperplg :'m: ,-Wilddiebe" gewonnen.' Er 'blieb
ziemlich isoliert. -Er hat sich mit „So-lon in Lydien"'auf
das Göbiet .^e's" Ge-d-aüken- und Lehrdramas gewagt, mit
„Das - neue Ghetto" die Jndenfrage ans die Bühne ge¬
bracht. .Hitzr aber -widerfuhren ihm leicht Geschutacklosig-
' ketzG,. die eben ihm sonst pj wM it.