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MO-
7. ttafiraona
WW OWe« Mkn und
Ludnpeft, 31. Dtzember. Lmi Beschluß des Wal-
he«okrattsche» ParteianSschnffes vetSMlicht Wie
/ DNefttUtva- eine« Pakt, der vor drei Jahren zwischen
he« KaWett v e t h l e« und der' so zist l d«m o k r a ti¬
sche« Arbeit«rschast znstanve gekoulmen ist. Der
Pakt, der die Form eines Protokolls trägt, DM in zwei
Teile. Der erste Teil enthAt die versprechungen der Re-
Hiermrg, der zweite Teil die
! Versprechungen der Sozialdemokraten.
Pie RegWkNNg versichert darin, daß sie das Koal r-
Lronsrecht gegenijber den Sozialdernokrate« in der
Mchen Weist wie gegenüber he« Angehörige« anderer
Pittteie« handhabe« werde. Die Gewerkschaften
werde» wie der h erg estellt, habe» jedoch ihre Ber-
riuStÄigleU «nler Äusschlutz der Politik vurchMführe».
Die RWernng ist bereit, die politische Jnternie-
r u n s uur bei Terroristen, kommunistischen Agitatoren
«nd gemeingefährlichen Personen anzuwenden. Das
Protokoll konstatiert, daß die Presse¬
freiheit hergestellt ist.
Die Regierung gewährt unter gewissen Bedingungen eine
all gem ein e Am ne stie, stellt das vesDmnigte Ge¬
richtsverfahren ein und baut die An Sn ahm e-
verfügnn-enab.
Die Sozialdemokraten erklären . demgegen¬
über, daß für hie univerMey Interessen W LWes^ die
det
dir Arbeiter Opfer m bringe« Men Äe' spzialMokra-
tische Partei wich sich infolgedessen nicht nur jeder gegen
Re Interessen Ungarns gerichteten Propaganda enthalten,
fouderv vielmehr eine
! aktiv e P ro paganda z u g n nsten Ungarns
Sei de» an Ständischen sozialdemokratischen Partei-
keitnngen und Regierungen entsalten und zu diesem Zweck
mit de« v»garische« Minister deS Aeatzern
zusammenarbeiten. Andererseits gibt sie
Men jede Fühlungnahme mit den Emi¬
granten auf und bekämpft sie auch im Aus¬
land. Die Verbindungen mit den gemäßigten sozialdemo¬
kratische« Kreise» des Äuslandes werden dazu benützt, die
über Ungarn grundlos verbreiteten
Terrornachrichte« zu dementieren.
Die namhafteren Parteimitglieder werden trachten, in
der ausl8n d i s ch e n sozialbemokratischeu
Presse unser eigenem Namen über die zustande ge-
Wmmene Abm ach« n g Artikel zu schreiben.
Auf innerpolitischem Gebiet ist die Partei zu einer
Wirtschaftlichen Zusiammenarbeit mit den
vürgerlichen Klassen genügt, vermeidet un¬
bedingt PoWsche Streiks sowie die Unterstützung des libe¬
ralen BloK der bürgerlichen Demagogie und der ottobristi-
schen Elemente. Gegenüber der Regierung bedient pe sich
ehrlicher Waffen und treibt keine republikanische
Propaganda. Obwohl die sozialdemokratische Partei
aus eine Fortsetzunq der Tätigkeit der Feldarbeitergewerk¬
schaften nicht verzichten kann, wird sie ihre Agitation nicht,
wie im Herbst 1918, auf die landwirtschafkliche«
Arbeiterschichten erptecken.
. . ' ' ri-
Lange haben sich die Fü hrer der ungarischen
Sozialdemokratie gestckuHt, ihre Schande ein-
zubekenn^n. Man wußte Wohl überall, wo man die unga¬
rischen politischen Vorgänge genau abzuschätzen verstand,
daß \bie sozialdemokratischen Mhrer vor drei Jahren die
Arbeiterschaft Ungarns an die Hovchy-Regievung v e r-
käuft und verraten hatten. Wn sprach auch ganz
offen davon, daß die Mhrer diesen Kuhha-ndel nur zu dem
Zwecke'abgeschlossen hatten, um .ihre eigene Person und
ihte Stellung zu Veiten und sich im günstigsten Falle einige
M a n d a t e. für ^ die Nationalversa>mmlung zu' sichern;
trotzdem^ wirkt die unter dem Drucke des linksstehenden
Mgels^ >de'r ungarischen Sozialdemokraten und der im
Ausland, lebenden ^mi-MNten' echolgte VeGffenMch-ung
dieses berüchtigten ^ Paktes mit voller Wucht. Man erfährt
aus diesem Dokument, daß. die Buda'pester Sozialdemo¬
kraten sich bewuHt KM Politischen Mitator und EommiS
Voyageur Horthhs, BethlenS •.und des we'ßen
Terrors erniedrigt hatten; Jetzt begreift man erst, weshalb
seit vier Jahren der Kamps Men . das Horthy-Regime in
Ungarn sein Ziel verfehlen muß. Es wird auch verständ¬
lich, warum der von uns unzählige Male gebraudmarkte
englische Gesandte Hohler mit seinen Berichten bei seiner
Regierung trotz aller gegenteiligen Nachrichten Gehör
finden konnte. Haben doch die sozial-demokratischen Führer
Peidl und Genossen in dem schmählichen Pakt die Ver¬
pflichtung übernommen, die lügenhaften Berichte Hehlers,
wonach es in Ungarn keinen weißen Terror gab, durch
ihre Versicherung zu bestätigen. Da natürlich hatte es die
damalige Baldw in-Regierung, als Mae Donald
seinen denkwürdigen Bericht über di« Zustände in Ungarn
dem englischen Unterhaus vorlegte, leicht zu antworten,
daß die Berichte, die, wie wir nun klar sehest, nicht nur
von Hohler, sondern auch von den Führern der
Arbeiter stammen, da's Gegenteil bescheinigen. Ohne
diesen Pakt hätte die Bettelregierung nimals so lange «be¬
stehen Statt, hätten Horthy und seine Mochgesellen nie¬
mals noch frei hevunvgchen könnon.' Hunderte *von Juden
und Arbeitern mußten es mit.ihrem Äben, ihrer Freiheit
und ihrem Ver-moaen büßen. Das verschulden die sozial-.
DiiHrer.'ckt. Ungar», die um persönlicher
VörtÄke. Wen' das' Ausland irvegesührt und wisftnNch,
aHÄWstmH' bÄc^nH'he^'!' v ’ ^
- Hetzte Wd .die .WMu-
gen, sich mit den Mrg^Äich demoHMschsn Gru'Den^zu
vereinigen, um ihre eigene Stellung.Whcmpten zu Wunen.
Auch diese werdest wahrscheinlich nach dieser Veröffent¬
lichung Bedenken' ivagetr. W Beihlens Hörigen geMin-
sam« Sache zu machen. BeMen hät den Pakt nicht ge¬
halten, hatte es auch nicht notwendig einer Gruppe von
Mnschen gegenüber, die Pre eigene Gvsinnung verraten,
den Loyalen zu spielen. Die sotzialdemokratffchen Mhrer
haben aber, wie die Ereignisse seit diesem Pakt zeigen, Ihre
Bethlen gegenüber eingegangene Verpflichtungen leider zu
genau eingehakten rntb damit dett unerhörtesten Verrat an
jenen Ärbeitermssen, die sich ihnen anvevtvaut haben,
begangen.
Um den parlamentarischen Burgfrieden.
Budapest 31. Dezember. Wie die Blätter melden, ist
der Präsident der NationaHersammlung Scitovszky
zu dem Entschluß- gekommen, die Führer der Parteien auf
den 7. oder 8. Mnner zu einer Konferenz eitWbe-
vufen, um den parlamentarischen Frieden
wiederherzusiellen. Obwohl die Anregung zu Vieser. Kon¬
ferenz nicht vom Mimsterpmsidenten ausgeht, wird sich
auch Graf Bethlen an der Konferenz 'beteiligen. In
oppositionellen Kreisen sicht man den Bemchungen des
Präsidenten Scitc^Wy mit wenig Zuversicht ent¬
gegen,
Ae tztjtergtt'Mkdek «och in
Nach einer Meldung-des Budapester „Az Eft" haben
sich, im Arbeitsraum des Chefredakteurs des ,M^szat"
zwei junge R e i ch s d e u t s ch e einqurrtiert, von denen
„Az Eft" an'mmmt, daß. sie mit den Erzherger-Mördern
Schultz und Thhlessen identisch seien. „Szosga^
gibt deurgegenüber an, daß die beiden jungen Leute deut¬
sche Studenten wäret:, die Mer..regelrecht ausge-
st el l t e Reise pä s s e verfügten und aus B u d a-
Pest bereits wieder abgereist seiend
i« Mauen.
. Kowno, 30. Dezember.'(I. T. A.) Aus dem Städt¬
chen Gal man '(in der- Nähe von Wilkomi) wird mit-
geteilt, daß die Kommission zur Verteilung von Acker¬
land .alle.-jüdiischen 'GMche hat. Auch der jüdi¬
schen SWe wurde -der beanspruchte' Boden verweigert.
—7. W i e n, 1. ZLnuer.
Das Kalenderjahr ändert seine letzte Ziffer. Dis
Menschen feiern dies, als wäre in der Zeitmaschine ein
Ruck geschehen, der einen Entwicklungsabschnitt ab-
Meßt, cchs träte wirklich ein neues Jahr ein, das die
Ereignisse der vergangenen zwölf Monate spurlos be-
grW. Daß dem nicht so ist, weiß jedermann. Aber er tut
doch so, weil er in dieser grauesten aller Zeiten Mn An¬
laß zur Freude gerne wahrnmtmt und weil ihn alter
Brauch dazu erzogen hat, neue gute Vorsätze zu fasten,
neue HoffMngen zu spinnen und an eine Wende der Zeit
zu glwubon. Aber das Rädergetriebe schnurrt seelenlos
und ohne Stocken fort, mahlt Menschen, Völker, Staaten
klein und wirft sie als unnütz in das große Massengrab
der Geschichte. Ävig lebt nur der Gedanke, die Idee, die
zwischen BeMngenheit und Zukunft die verbindende
Bciicke schlägt, unter der die schicksalsdunkle Kluft der
Gegenwart auf die Abstürzenden lauert.
. *
Wer sich der herkörnmlichen Sitte anbequemt, und
die Begriffe des alten Md des neuen Jahres akzeptiert,
dem bietet das eben vorschreitende Datum keinen Anlaß
zu sonderlichem Optimismus. Die Ereignifle, die dom
scheidenden .Fahr 1924 den Stempel atrjdrücken, bedeu¬
ten nichts gutes, schließen nicht ab, sondern wirken, BHes
nur gebärend, fort. Bor einem Jahre trat die Ävheiter-
regierun-tz in Engjland auf den Plan und verließ ihn voll
R?ignatwn Amerika nahm in dem Einwanderungs-
Metz iMfchich von seinen TraditionM der' Freiheit und
MWDiWt. ^ M Garung in der Meli Jes DrrWs
schlägt weiterhin flieAetM -FuMn^ hie das dürre Gebälk
des Mrdirschen' Emwpp. m Hvar» - $r setzen dvöhest, :
Die hoffnungsvolle WaÄüng, die Jopn England
aus den Kontinent zu heVlerk öersprvchHtt, yrelt nicht vor..
Ihr Atem war zu kurz und' ße lief wieder auf die ent- '
gegengesetzte Bahn.» Vieles war angestrebt, einiges', schon
erreiH worden. Der Streit Mischen Frankreich und
Deutschland war den Sachverständigen zur Schlichtung
übeMiesm worden, mit Sowjets war ein^AkkolÄ
heraestellt Aber diese Entwicklung ist mit einem Schlag
abgeschnitten worden und es war keine Aenderung der
weltpoliüschen Elemente, die-dies verursachte, fotchern
er? einfacher Brief, der, ob echt, ob fatsch, doch in seiner
Wirkung einem Krieg gleichkommen mußte. Mac Do¬
nald fiel und seine lachenden Erben sind wieder die Tod-
fe-nde des Friedens Die deutsäie Reaktion konnte sich bei
den Wahlen behaupten, die-französische Demokratie ringt
um Ihre. Existenz, Sowjetagenten peitschen den Hunger
der arbeitslosen Masten in die Richtung ihrer Wünsche.
Und da d^r so junge und lungenkrästige amerikanische
Natiom«lismus just dieses Fahr um die Freiheitsstatue
den ^tacheldraht spannte, konnten die Pfuscker und
Stümper, i^nen die Schicksale der Völker in die Hand
gelegt find, neues. Unherl weben und die einzige gute
Schöpfung, die der Krieg gebracht hat, den Völkerbund,
zum Kinderspott machen. Die Frage der Mrüstung und
des Weltschiedsgerichtes wurde Zerpflückt und zerrissen.
Die Londoner Konferenz der Entente und Deutschlands
hatte einen Schritt nach vorne getan. Er ist nun wieder
retardiert und ein neuer Konflikt der Pvotökollmächte
steht vor der Tür Die Genfer Vereinbarungen über den
Weltfrieden sind Papier geworden und cille HoffnungV»
ziehet: gesenkten Blickes in die Archive.
Es ist keine Zeit, den Tontahawk zu begwben. Denn
die Mächte, die rm Weltkrieg den Sieg erringen konnten,
stöhnen unter der Last des Friedens. Das Erdbebengebiei
hat sich erweitert und seine Schwankungen erschüttern
Gebiete, di« stets für sicher gegolten hatten. Der Boden
des Orients zittert unter den Wellenstößen des Krieges.
Unterworsene, in den Staub getretene Völker, die nur
zwangsweise an dem großen Morden ' teilgenommen
haben,' lehnen' sich stuf und mfen nach der Freiheit. Sie
haben von Europa Waffen erhalten und. kehren fie tum,,
gegen Europa, dessen einziges Glück nur noch darin liegt, ,
daß die Sklaven zum Bewttßtsetn ihrer Lage, aber noch
nicht zur Erkenntnis ihrer Macht gekommen sind. Sie
haben itoch nicht den Giganten gefunden, der ihr Seh-
ersnaren Sie beim Einkauf von Stoffen für Herbst und Winter,
Damen- ttnd Herrenwäsche, Leinenwaren, Strick* ünd Wirk¬
waren, Teppichen, Vorhängen usw. fffljr IHi War*nhau*
II. TaborstraBe 48
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