Seite
P»n» ZOareml
Oi««r Z«n Abholen tfi der
Etpedttion, ft Taboritr. 1A
öd® in (tecfVincliiiliitdli
(Trafik) «onatt K 50.000
Straaaeavarkanf in Wien
durch die Kolporteure der
Firma Gotdccfimied, 1. Be«..
Wollfette 11
MH Poftreraand fär Wien ti
Oeaterr. mdnatl. K 50.00»
T« c h e e h o-S I owa bei
Mo«. K 22. larcilawili
Mon. Dinar 60. Polen: Mon
4 Zloty, Dentaehlead
Mon. Goldmark 4, Frank,
Belgien! Mon. Frea. 18
«b NatKaahlnay«« MW
M PnlMrhaiittBfcii varMialtM
W lener
orgeiyejümg
fpreT<iROTÖi>|
Kngiandt Mon.4 Schilling»
Italien: Monatl. 18 > irr,
R n m a n i e n Mon. 1701 ei,
Bulgarien Mon.80 Lewa,
Schwelt and das übrige
Ausland monatüeh Frea. 5.
cdahtion ii. AdnHnlatfaHon
Wien. II., Taftorstr. 1—8
relephone: 44 * 0 - 58 , 43 - 3 - 19 ,
Rr. 2137
Wien. Samstag, 31. giinner 1925
AS6Uhr ßbda. 21-102,25-282
IX. Univeraitätaatraaae 6—8
(Druckerei Steinmann)
Oeaterreiehiaehea Poatapar-
<r*Men -•Conto Nr. 150.698
I.TitfoWM
Die jüdische Ratio«
str. Wien, 31. Jänner.
^ov-wfk’rii ist im österreichischen Parlamente nach
viertau se»»djährigem leid- und freudvollen' Löben die
jüdische Nation selig im Herrn entschlafen. Der sozial-
demokratisclx Abgeordnete Leuthner — sein Name
sei gepriesen— hat die alte Dame in ein besseres Jen¬
seits befördert. Er hat erklärt, daß die jüdische Nation
nicht _ eristiert, sondern Nur als blödsinniges Hirn-
■ aespinst t»t den Köpfen der österreichischen. Groß-
deutschen uub Zionisten gespenstert. Durch diese Fest¬
stellung hat .Herr Leuthner ein Problem aus der Welt
geschafft, das Ströme von Blut-und Berge von Parier
verschlungen hat. Mit einer einfachen Geste hat er es
von der Tafel der Weltgeschichte weggolöscht. Leuthner
ist numnehr ein ganz Großer, geworden. Wenn er der¬
einst in den Himmel kommt, werden Alexander der
.Große. Eäsar und Napoleon, rufen: „Servus, Kollege!"
und roerden znsammenrücken und Platz machen,
kleine (Gymnasiasten werden künftig lernen nüisien,
wann Leuthner geboren, - wann 'ihm dev Minddavnr
genonimen wurde und welche Kragennmmner er trug.
Wer's nicht weiß, muß Schuster tverden.
Rechts an der Bahre der Dahingeschiedenen stehen
freudestrahlend die mit dem Geburtsfehler der jüdischen
.Abstannnung behafteten Genossen , des großen Leuth-
ncr. Austerlitz, Pick, Gisler.Dvnnoberg und alle, die
»nühselig germanisch tun und 'schwer beladen sind mit
Geburtsscheinen. mährisck)er, slpjväftscher und ungari¬
scher Judengemeindön. Ptzr kgrm. HttöN nünMehr ab¬
streiten,. daß sie unverfälschte den tsch'eMän,ter und
Arbeitersiihret sind? Was. sollen sie denn sein, tvönn
es eine jüdische Nation nicht 'mehr gibt? Die jüdische
Elation spielte in ihrem Leben die- gleiche Rolle wie
die Tante aus Drohobycz im- Leben des getauften
Bankdirektors. Was nützt das ganze dtobelsein, Getauft¬
sei»» und Arischtun, wenn die alte Judeuvettel jeden
Moment von der OsOahn her . erscheinen kann? Nun
ist sie tot. Leuthner hat sie erschlagen. Morgen wird sie
begraben. Doppelt süß untschnreichelt nunmehr ger¬
manisches Waldweben die Ohren denlsch-österrcich-isväe-
litischer Sozialdemokraten und doppelt stark leuchtet
ihnen die deutsche Sdnne.E Strahlend rufen sie: „Wer
kann uns jetzt etlvas nachtvevsen?!"
Links an der Bahre der von Leuthners geschwol¬
lener Zunge erschlagenen jüdischen Nation steht eine
Gr»»ppe verschüchterter, blamierter Europäer mit un-
säglich dummen Gesichtern. Die Vertreter der Mächte
des Völkerbundes, tvelche die jüdische Nation nicht nur
anerkannt, sondern ihr auch ein Land gegeben haben,
die Vertreter der sozialistischen Internationale, welche der
jüdischen Station einen Sitz in der Internationale einge-
räumt haben, und noch einige Dutzend ähnlicher Jammer-
gestalten und minderwertiger Kreaturen, welche gleich¬
falls dem blödsinnigen Schwindel von der jüdischen Na¬
tion hereingefallen sind. Einstein, Mac Donald, Balfour
»ind Cecil sind auch dabei. Mieß ist ihnen zumute. Recht
lieschieht ihnen: Warum haben sie nicht zuerst den
Lertthner gefragt? Man soll überhaupt nie ettvas unter¬
nehmen, bevor nian .Herrn Leuthner um seine'Meinung
gefragt hat. Denn Herr Leuthner ist der größte und ge¬
scheiteste Mann auf der Wett. Diese Tatsache, welche
bisher leider unbekannt war, darf nunmehr nicht ge¬
leugnet werden. Die österreichische Sozialdemokratie ist
entschlossen, jeden Zweifel an her Nebergescheitheit des
Genossen Leuthner mit den schärfsten gewerkschaftlichen
Mitteln zu bekämpfen .
Ler Präsident von Shkna derhaagert.
London, 30 . Jänner. (Tel.-Komp.) „Daily Expreß"
meldet aus Peking, daß die gegenwärtige chinesische Re¬
gierung den früheren Präsidenten der RcpuMik. Tsao-
K u n, langsam verhungern sirffe> Es wird dann der
Erfolg dieser Hinrichtung nach chinesischem Brauch in der
Weise bekannt gegeben werden, haß man sagen wirb, der
Gefangene fei ,Mang«ts Behandlung gestor¬
ben".
Herriöts Mißtrauen gegen
^ ♦
Set rnffifch-afiatisÄe Mock.
(Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".)
Paris, 30. Jänner. Der „Matin" verösfeE.ch-t Er¬
läuterungen zur Mittwochrede Herriols. Das Blatt
führt eine Menge Ereignisse au, die Herriot veranlaßt haben
sollen, zu warnen. Europa, so habe er gesagt, sei heute
kein Kanton für sich
mehr. Mau müsse die gesamte Wett betrachten, u»n jedem
Konflikt vorzubeugen. „In Europa", sagt das Blatt, ,^-cbe
es ein Land, näinlich Deutschland, bas an den Krieg
denke und ihn vorEereite. Dassei eine um so beklag" ns-
werteve Sache, als Europa es demnächst.'Notwendig haben
werde, alle seine Hilfsquellen für einen Krieg zusammem
Kurasfen, der '
an den Ufern des Stillen Ozeans
ausbrechon könne. Dieser Krieg werde, tvenn. man den
Sowjetzeitungen und gewisien Nachrichten aus IaPa n
Glauben schenken dürfe, eine jener Eventualitäten sein, die
jede Regierung zu prüfen, die Pflicht-'habe. „Jswe>stija"
halben vorgestern geschrieben, daß ' ;
der russisch-japanis^e Bertrq^ z
dessen Text man mit Lngrdulh erwarte, mur'Vvrläufvr'für-
e i we Al lia nz zw i scheu 'Ja'pä nj 'N u ßla n d,
China und Deutschland, sei. -, Das Organ der
Sowjets habe sogar gesagt, daß Deutschland noch
schwanke, aber demnächst sich darüber Rechenschaft ablegen
wü-rde, daß seine Interessen beim asiatischen Block
lägen. Mehrere Zeitungen von Tokio und Osaka und einige
Mitglieder des japanischen Parlaments hätte»! wiederholt
derartige Hoffnungen ausgesprochen.
Der .Hauptgedanke in Herriöts Ne.de/sei gewesen, man
müsse um jeden Preis verhindern,
daß Deutschland den Versuchungen nachgede
und sich ei »»er regen die europäischen Mächte gerichteten
feindlichen Koalition aris-chl-ieße."
Die Londoner „Times" melden aus. Paris, es könne
kein Zweifel darüber sein, daß Herriöts Kammerrede
seine Stellung sehr gestärkt 'habe. „Mor»ü>n,g
Post" sagt, Herriot habe einen parlamentarischen Sieg
davongetragen, wie ihn wen 'ge seiner Freunde erwartet
hätten. Die ;,We>stmintster Gazette" schreibt: Herriot habe
gestern versucht, seine Behauptung z»r erklären, daß die An¬
wesenheit Frankreichs an! Rhein „wesentlich" fei. Es könne
jedoch nicht der geringste Zweifel darüber herrschen, daß
seine im ganzen Lande angeschlagene Rede in ihrem buch¬
stäblichen Sinne werde genonkrnen werden. Dies sei ein«
erstaunliche Politik uub zeige, -daß Frankreich nichts gelernt
habe.
Herristr Mehrheit.
Paris, 30. Kärrner. (Tel.-Komp.) Das revidierte Ab-
stlmuru-ligoorgi bu-is für den M a u e r a »»s ch l a g der
Rede H e r r i o 1 s lautet wie folgt: Abgegebene Stimmen
660; 529 Stimmen dafür, 31 dagegen.
Dagegen haben gesti-mmt: 26 Komni'u»»isten, 3 uni-
tarische Konmmniste» uub 2 Natwrialister». 13 Abgeordnete
ha'ben sich der Stirn-n»enabgabe enthalten, 11 Abgeordnete
tvaren abwesend. Alle anderen Abgeordneten haben dafür
gestimmt, darunter alle Mitglieder des.nationalen Mocks
nd sogar die Royalisten.
Lathen Antwort an Herriot.
(8 i.zendienst der „Wiener Morgenzeitung".)
Berlin, 30. Jänner. Reichskanzler Dr. Luther ant¬
wortete heute auf einem Empfang der auswärtigen Presse¬
vertreter. in der Reichskanzlei auf Herriöts große Rede in
der Kammer. Er führte unter.anderem qus: Die Alliierten
beschuldigen Deutschland dce- B c r t r a g § b r tt dfe § und
ziehen daraus Folgerungen von größter Tragweite. Ich
»nuß immer »vieder darauf hi»»weiscn,. was es bedeutet,
einen Vertragsbruch zu behaupten und damit derartige
Maßnähnren zu begründen, wenn man es nicht einmal für
notwendig hält, durch Substanziernug dieser'Beschuldigung
uuserern Lande die Möglichkeit- der Verteidigung-und der
sachlichen Auseinandersetzung zu geben. Die Alliierten, die
noch vor »venigen Monaten »vichtigc Probleme-mit-Deritsch-
land am Verhandlungstisch,.auf dein allein richtigen Wege
sachlicher Verhandlungen erörterten, nchrnen^ in einer
Frage von so vitaler politischer Bcdc»»tnng wie es die Räu¬
mung der Kölner Zone ist,-bas Recht für sich in Anspruch,
Deutschland gleichsam vom R i ch-t c r t i s ch k aus wie
einen Augellägten zu behandeln und es sogar nach gefäll¬
tem Urteilsspruche noch in Unkenntnis des Anklage- und
Beweisinaterials zu halten. Ich kann dies nicht für eine
Politik halten, die den gemeinsarnen Zielen-der Völker
dient. . :
Tie vorgestrige Rede des französischen'Mluslerpräsi-
dcnten verflicht den Vorwürfen gegen DetttscylmldiL-pMWs
-in e h r S u b st a n z .zu geben. Herriot warf.' unbpox, haß
wir durch die Ansbildttng von Pf a.lz-Fpe-iw i lchi.g^n
Ncscrvctrnppen geschaffen hätten. .Wenn nW in TcütsD
land damals, als die iuuerpolitischen Vethälinisse eine
besonders gefährliche Spannung zeigten, wirllich e in ig e
tausend Stu den.t'en für einige Wochen, zu Ucbun-
geu heranzog, ivas bedeutet das für das Allsland ange¬
sichts der Tatsache, daß es in ganz Dcutschlaild die für die
Kriegführung allein ausschlaggebenden modernen Kampf¬
mittel nicht.mehr gibt. Gegenüber einer Entwaffnungs-
äktion von so riesenhaftem Ausmaße fallen die von Herriot
erwähnten Funde nicht ins Gewicht. Kein ernsthafter Mi¬
litär wird derartigen Dingen, irgendwelche militärische Be¬
deutung beimessen, aber die Reichsregierung ist fest ent¬
schlossen, die von den Alliierten nachgewiesenen oder sonst
zu ihrer Kenntnis gelangten Entwaffnungsverstöße zn be¬
seitigen. Man gebe uns zu diesem Zwecke endlich den
Bericht der K o n t r o l l k o m m i s s i o n über die
mehr als 1000 Besuche und wir werden beweisen, daß kein
Nlnlaß vorlag oder vorliegt, diesen einzelnen Fragen de'»
Charakter eines internationalen Konfliktes zu geben.
Unsere innere Lage, besonders die k o m m u n i ft t*
s ch e Bewegung, erfordert eine Polizei, die straffer als
vor dem Kriege organisiert ist, die Reichswehr ist in¬
folge ihrer starken Dislozierung nicht geeignet, dieser Ge¬
fahr zu begegnen. Bei vorurteilsfreier Behandlung ließe
sich.übcr diese Frage unschwer chtc Verständigung bcrb^
führen.
Herriot über die Anschlnßfrage.
Die Stell« in der Rede Herriöts, die Oesters
reich erwähnt, lautet nachdem stenographischen Protckoll
des Journal Officiel" in wortgetreuer Uebersetzuilg: Ich
spreche nicht nur für die französischen Deinokrateri, so-ndcru
auch für d i e e n g l i s ch e D e m o k r a t i e. Ich sprecht
für das große italienische Volk, das gleichfalls durch die
Unternehnmligeu der P a n g e r »n a u t st c »t und . ihren
heute kaum verhüllten Willen bedroht ist, Oesterreich an
Deutschla»»d arrgllschließen. (Beifall.) . . .
In der gleichen Rede gibt es noch einen zweircn.
O Österreich erwähnerrden Passus, der nach dem Journal
Ossieiel" lautet: „Diesen Männern der Rechten, die es ver¬
suchen, ein großes Land gegen uns aufzubringen und
vielleicht mehr als ein Land, denn es stelht das
ö -st e r r e i ch i s ch e P r o b l e m — vergessen Sie es nicht,
-meine Herren — hinter dem P r o b l e,n D e u ts ch-
land..." . .
WlnterRbumungtverkaufEsSieiSchiffmann
IL TaborstraSe 48
Tiieohnn
«N Qros ilMlltlil
%
u: