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Dr. Bkochs WochMfchkist
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unserer Ahnen war im grossen und ganzen in sämtlichen »Kehi'las«
Mährens und Böhmens gleich. Durch seine von fast jugendlichem
Temperament durchglühten und von einer umfassenden Kenntnis
der jüdischen und deutschen Literatur zeugenden Schilderungen
dieses Lebens und Treibens hat der greise Verfasser einen
dankenswerten Beitrag für die Kulturgeschichte der Juden im
vier en Dezennium des 19. Jahrhunderts, also knapp bevor diese
die Gleichberechtigung mit den übrigen Staatsbürgern erhielten,
gegeben.
Dass das Buch grosses lokales Inter sse finden wird, ist
begreiflich; es hat aber auch Anspruch auf allgemeines Interesse,
namentlich die Beschreibung des von der Chewra-Kadischa ver¬
anstalteten Brude mahles (Kap. I), einer Familianten- und Emi¬
grantentrauung (Kap. 11), des Wochenplanes einer jüdischen
Familie (Kap. XII), der besteh* nden Gebräuche, der Leipniker
Jescbiba (Kap. XIV) u. a. Aus der Schilderung des Rosch-Haschonoh
und des Jaumkipur sei hier folgende drollige Erzählung wieder¬
gegeben:
Am Rosch-Haschonoh und - Jaumkipur konnte der Chasan
schon aus physisch, n Gründen das Vorbeten alle n nicht besorgen.
Da behalf man sich, indem man stimmbegabte, würdige Balbatim,
denen Noten eine »terra incognita« waren, mit dem Vor¬
beten der drei Musafim — zwei am Rosch - Haschonoh und
einen am Jaumkipur — betraute. Ein derartiges Vorbeten
galt für den Betreffenden als eine grosse Ehrung und Aus¬
zeichnung und es gab iele Intriguen, um solcher Auszeichnung
würdig bezw. teilhaftig zu werden. Da die »gottbegnadeten
Sänger«, als solche mieten sie sich, schon mehrere Wochen vor¬
her wussten, welches Mussaf sie vorbeten werden, so hatten sie
genügend Zeit, steh gesanglich vorzubereiten. Die Vorbereitung
bestand darin, dass sie während dieser Zeit dem Spiel der christ¬
lichen Musikanten und den Leierkästen mit Aufmerksamkeit zu-
hörlen. Infolgedessen geschah es nicht selten, dass sie den
»Mechalkel-chajim« mit einer Me odie aus den »Lustigen Weibern
yon Windsor« oder aus »Dm Juan«, den »ILmezane Ta kef« nach
der Melodie des Krönungsmarsches im »Propheten« od* r der
»Zauberflöte« und die »Keduscha« mit der Arie aus »Rigoletto«
oder nach dem Scherzo aus dem »Sommprnachtstraum« vortrugen.
Die Familiengeschichte des Verfassers ist gleichzeitig die
Geschichte einer vornehmen jüdischen GhePolämilie. Dass sich
vie e der mitgeteilten Er ähiungen dun h Tradition erhalten haben,
weiss ich am besten, da ich sie heute noch von meiner Gross-
mutb*r, der Gattin des auf S. 33 des besproch nen Buches ei-
wähnten jüdischen Bäckers, bei dem »trotz der Ab/eichen auf den
Geschirren Verwechslungen des Schalet Vornamen«, zu hören
bekomme.
Der Wunsch des Verfassers, »auch das Interesse weiterer
Kreise für sein Buch zu erw cken«, wird hoffentlich in Erfüllung
gehen. Es sei noch darauf hingewiesen, dass der Reiner.rag des
Buches für die Chewra-Kadischa in Olmütz bestimmt ist.
Josef Bonfils (Tobh Elem) und sein Werk Sophnath Pane ah.
Ein Beitrag zur Peutatenctiexe^ese des Mittelalters Vom Unive -
sitäts Dozenten Dr. D. Herzog, Rabbiner für Steiermark, Kärnten
un i Kram in Graz. Erster Halbband. Herausgegeben mit Unter¬
stützung der „Gesellschaft zur Pördarung deutscher Wissenschaft,
Kunst und Literatur in Böhmen“. Hei >elberg 1911. Carl Winters
Universitätsbuchhaudlung. Preis Mark 15.
giruflmfttttt
Dr. S. M Humpoletz. Wenden Sie sich an Dr. P. Heinrich
(Friedhotam ), Wien, 1, Scitrimettrngasse 4.
Dr. S. M. Die Ja-gonzeitung „Die Stimme" ist ein be¬
kanntes Miisionsolatt und iollte in keinem jüd schen Hruse geduldet
werden. Die geschäftige Judenmission, von deren Geld, wie viele
andere seeleniängeriiche P eßprodukte, auch „D»e Stimme" er¬
halte« wird, hängt bloß ew palästinafreundliches Mäntelchen um, weil
sie glaubt, auf diese W-nse dte Idealist sche jüdische Jugend leicöfer in
ihr N tz emfangen su tonnen. Da . der amenkani'che Pastor Russell
feinen N imn zur P opaganda für „Die Stimme' hergibt, ift nur etn
neueihctjer Beweis dafür, daß er selbst B'-nifsmiisionär ist. Sie tun
also gut daran, wenn Sie sich von dem E > fl ff dufer B älter und
Traktätchen fe'nhalteu und auch m Ihrem Kiene in dieser Richtung
aufklännd w rkeu.
Eldorado. Wrr w ff-n es, daß man über den Wert der Ver¬
öffentlichung rer U bertriiteitfte nicht übercü de,selben Meinung ist.
S-e nennen Wien das „Eldo ado der Tanflastigen". Dies ist nur
insoferne richtig, als W en eine Großstadt ist. in welcher der F emde
leicht unbemerkt bleibt u> d die über ies wwobl für Galizien a.S auch
für Rußland und Rumänien die nächstlieg nde G oßstodt ist, in welcher
ausländische Juden sich ungestö t auftmlie» können. D sbalb kommen
so viele Juden aus anderen Städten und Ländern, d e sich unai ffäll'g
aus dem Judentum schleichen wollen, nah Wien, um die Liste der
Tiufluige zu vergrößern. Dies auf das Ko,to der Wien rJrioenichnft
zu setzen, wä e sicherlich u'gerecht. Uebeidies wü de eine g ünouche
Statistik, deren Veröffentlichung allerdings erwünscht wäre, sicherlich
ergeben, daß die „Austritte" zum verhältnismäßig großen Teil „Rück¬
tritte zum Christentum" sind. Die betreffenden Personen, die seinerzeit»
w-'il es ihnen wahischeinuch nicht so angenehm als nützlich erschien,
zum Judentum üZertraten und nun, da die Utilitätsgtüade wegflelen»
wieder zum Chrlstentum zmücktreten.
Notiz.
Jüdische Bühne. Direktion: M. Siegler. „Hotel Stefanie*,
II., Tavorurnße 12 Ab Freitag den 12. Männer und täglich: Neu!
„Tante Z l p o j r e". Neu! — Sonntag den 14. Jänner, nach¬
mittag halb 4 llyr: „Das Tojrale", Operette von I. Peer.
— Dienstag den irt. Jänner: „D er Ieschiwe Bocher", Lebens¬
bild von N. Rakow. — Mittwoch den 17. Jänner: „Opferung
I f a k s vo A. Goldfaden. — Donnerstag den 18. Jänner (Wodl-
tätigk irsvorsfillung) : „Der Jüdische Hamlet" von Salo-
torcwski.
Theodor Herzl, Feuilletons Soeben erschienen die berühmten
Herzl'iche» Feu lLtons ,u zweiter Äuflige und verweisen wir unsere
Leser auf den beiliegenden Prospekt der bestbekanmen Buchhandlung
R. Lowrt, Wien. I., Rstenturmst aße 22.
Au unsere geehrten Aholluellten!
Wir bittei um rechtzeitige Erneuerung
ds* Abonnements, damit in der Zusendung d.s Blattes
keine Verzögerung eintrete. Die geehrten
A o inenten wardm enucht, bei Einsendung des Abon¬
nementsbetrages den zugesandten Posterlagschein
zu benützen.
Bezugspreise r
Für Oesterreich-Ungarn: Ganzjährig K 16.—, halbjährig
K 8 —, vierteljährig K 4.—. Für Deut chland und alle
übrigen Länder: Ganzjährjq K 21.—, halbjährig K 10.—,
vierteljährig K 5.—.
IMe Administration.
Vorstand der israelrtisrhen KuituSgemernde Wie».
Auf Grund des Statutes der israelitischen Kultusgemeinde
Wien hat in der Plenarsitzung vom 7. Jänner 1912 die Wahl
der B'ze.Präfidenten und der Vertreter stattgefunden. Das Ber¬
it eter-KoÜegium besteht nunmehr aus nachbenannte» Herren:
Präsident Dr. Alfred Stern (gewählt in der Plenar¬
sitzung vom 6. Jänner 1910 für eine 3 jähcige Funktionsdauer).
I. Vize-Präsident Dr. Gustav Kohn;
II. Vrze-Präfident k. k. Hofrat Dr. Benjamin Rappaport;
Vertreter: Salo Cohn,
Mox Frank,
Dr. Leopold Kohn,
kais. Rat Siegmund K a u d e r s,
Wilhelm K u f f n e r,
Univ.'Prof. Dr. Josef Pollak,
Dr. Markus Spitzer,
Dr. Maximilian Steiner.
Dr. Theodor Lieben Der Präsident:
Ester Sekretär. Dr. Alfred Stern.
KONKURS.
Der israelitische Tempelverein in Witkowitz sacht einen
Kantor and Schochet
der auch die Eignung besitzt, als Religionsieht er an den unteren
Volkssc mlklatseu zu uuterricuten.
Musikalische Bewerber, welche einen Chor leiten können,
werden t-evorzngt.
Offerte mit Photograph'e und Gehaltsausprachen sind bis
znm 15. Febmar 1912 zu richten an den israelitischen Tempel¬
verein in Witkowitz (Mähren).
Für den Vorstand des israel. Tempelvereines Witkowitz (Mähren):
Eme.-ich Rosen!)er g. Singer Latzi.
TnnrrOT» Monvi absolvierter Mittelschüler, der dent-
lu.dillll »cueu, polnischen und englischen
Sprache in Wo t und Schrift vollkommen mächtig, bittet nm
passende Beschäftigung. — Gell. Zuschriften an Pb. Keifer, XX.,
Treustrasse 47/17. G.