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Dr. Bloch's Wochenschrift
Tage erhalten hat — ist längst ausposaunt worden
und kann motzt nur noch Zum geringsten Teile im Ur¬
sprungslande selbst angetrosien werden. Das Aegyptische
Museum in Kairo mir seinen Funden würde kaum eine
solche Reise rechtfertigen. Die ungeheuren, spitzzulaufen¬
den Königsgräber, die Pyramiden und die an dieselben
angrenzenden, vom Wüpensande aufgezchrten Götter¬
häuser sind es, denen wir unsere ganze Aufmerksamkeit
widmen. Die schattenarmen Palmen mit ihrem jugend¬
lich schlanken, hoch, in die Lüfte ragend eit Wüchse und
den im Sommer noch gar unreifen Datteln und die
von kunstgerecht verschlungenen, mannshohen Wein¬
reben gebildeten Laubgänge vermögen uns kaum noch im
Gedächtnis zu verbleiben. Alles, die lärmenden Städte
mit der arabisch sprechenden Ortsbevölkerung und den
beinahe ausschließlich! italienisch sprechenden Franken —
denn das Französische und das Englische sind Luxus
und werden nur künstlich vermittelt, den höheren Schulen
(der Medresse) aufgepfropft, — selbst das Geklingel der
elektrischen Tramway, welche von Kairo bis zu in Be¬
ginn der Sandwüste, des Gefildes, wie es arabisch ge¬
nannt wird, der Sahara, bis zum Fuße der Pyramiden¬
hügel hinaufführt, alles schwmdet und verrinnt. Alles,
was dort gegenwärtig lebt, was ist, ist uns im Grunde
gleichgilrig, es ist alltäglich, und. interessiert uns nicht.
Rur das Tote, das Gewesene umgarnt uns mit
den mächtigen Fäden stimmungsvoller Andacht. In den
Strahlen der untergehenden Sonne gebadet, stehen wir
auf den Stufen des riesenhaften Gheopsgrabdenkmals
— das Gesicht nach dem Westen gewendet und tief sinnend
lauschen wir den ab sterbenden Tönen des schwindenden
Sonnenglanzes. Was vor kurzem gelebt und gewerkt,
verblaßt und stirbt. Vor unseren Augen nimmt die
Todesblässe zu. Von den schwarzen Schwingen der Heran¬
schleichlenden Nacht bedrückt, versiegt der letzte Helle Schim¬
mer, so gcht.ein Reich unter, dachten wir. -Srnist
ein Reich untergegangen, dieses Reich, auf dessen erhal¬
tenen Ueberbleibseln wir stehen. Wehmütige Gedanken
über die Unbeständigkeit irdischer Macht und irdischer
Wohlfahrt beschleichen uns. Es wird kühl. In uns ge¬
kehrt, von Erwägungen bestürmt, verlassen wir diese
Stadt, diese Stätte des Todes.
Literatur.
Kriegsgedeukblätter.
Das zweite Heft der vom Schriftsteller Moritz Frühling
berausgegebeneu, für die jüdische Geschichte so wertvollen „jüdischen
Kriegsgedeukblätter" ist soeben erschienen. Wie das erste
Heft ist auch das zweite prachtvoll ausaestattet, auf vierzig Seiten
Quartformat, auf Kunstdruckpapier, mit Titelbild „Ruhm und Ehre"
(Freskogemälde von Rahl).
DaS zweite Heft enthält zwanzig ausführlich und geradezu mit
Liebe behandelte Gedenkblätter mit den Porträts gefallener jüdischer
Offiziere und Aerzte. Unter anderen finden wir die Herren Doktor
Richard Subak, Dr. Leo Richard Grünfeld, Ernst Epstein,
BankdirektorSsohn in Prag, und Dr. Hugo Zuckermann, den
Autor der so berühmt gewordenen Soldatenlieder. Bei vier dekorierten
Offizieren stad die bezüglichen Orden abgebildet.
Unter dem Titel „Aus jüdischen Federn" ist ein stimmungsvoller
Artikel aus der Feder des Herausgebers abgedruckt. „Ein Kaiserin
Elisabeth-Kadifch am Schlachtfelde", ferner drei Tagebuchskizzen mit
Porträt vom Feldrabbiner Dr. Samuel Guttmann.
Es sind Zeitdokumente im wahrsten Sinne des Wortes und
bilden ein bleibendes Denkmal an dem Anteil der für Kaiser und
Vaterland gefallenen jüdischen Offiziere.
Preis Kr. 2.—. Zu beziehen vom Herausgeber Redakteur M.
Frühling, Wien, Il/1, Taborstraße Nr. 4/5.
Lamm's Jüdische Feldbücherei. Nr. 2—3: Die Psalmen in
deutscher llebertragung von Dr. Michael Sachs. — Nr. 4:
MaÜabäa Jüdisch-literarische Sammlung von Louis Lamm. Verlag
Louis Lamm, Berlin C. 2.
Nr. 15
Notiz.
Union-Bank.
Die fünfundvierzigsie ordentliche Generalversammlung der Ak¬
tionäre der Union-Bank findet Montag, den 19. April 1915,
um 11 Uhr vormittags, im Anstaltsgebäude, I., Renngasse rN. 1,
statt.
Tagesordnung: 1. Bericht des Verwaltungsrates und
Vorlage des Bilanzabschlusses pro 1914; 2. Bericht des Reoi-
sionsausschussss und Beschlußfassung hierüber,- 3. Beschlußfassung
über die Verwendung des Reingewinnes; 4. Antrag des Verwal¬
tungsrates auf eventuelle Heranziehung des Kapitals-Reserve-
fondes im Sinne des § 38 der Statuten und Beschlußfassung
hierüber; 5. Wahl in den Verwaltungsrat; 6. Wahl des Reoi-
sionsausschusses für das Jahr 1915.
Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der General¬
versammlung teilzunehmen wünschen, wollen ihre Aktien in Gemä߬
heit des § 27 der Statuten spätestens am 12. April d. I.
deponieren, und zwar: in Wien bei der Liquidatur der Union-
Bank, in Triest bei der Filiale der Union-Bank, in Berlin
bei der Dresdner Bank, in Frankfurt a. M bei der Deutschen
Effekten- und Wechsel-Bank oder bei der Dresdner Bank in Frank¬
furt a. M., in M ü n ch e n bei der Bayerischen Hypotheken-
und Wechsel-Bank oder bei der Dresdner Bank, Filiale München,
in Nürnberg bei der Dresdner Bank, Filiale Nürnberg, in
Basel, Genf, St. Gallen und Zürich bei dem Schwei¬
zerischen Bankverein oder bei der Eidgenössischen Bank <A-G ).
Die Aktien sind unter Anschluß von Konsignationen zu er¬
legen, welche vom Einreicher eigenhändig zu unterzeichnen und
für Wien in zwei Eremplaren, für die anderen Erlagsteilen in drei
Eremplaren auszufert'gen sind. Ein Exemplar der Konsignationen
erhält der Deponent mit der Empfangsbestätigung versehen zurück;
nach abgehaltener Generalversammlung werden die Aktien gegen
Rückstellung dieser Konsignationen ausgefolgt. Das Stimmrecht kann
vom Aktionär oder von dessen gesetzlichem Vertreter persönlich oder
durch Bevollmächtigung eines anderen stimmberechtigten Aktionärs
ausgeübt werden. (§ 28 der Statuten.)
Wien, 2. April 1915.
Union-Bank.
Zur gefälligen Beachtung!
Wir er fach LN unsere gesüistzlen Abonnenten
um rechtzeitige Einsendung der lausenden Abon-
nemrntsgebühr, damit die Zusendung des Blattes
keine Unterbrechung erleide.
Zur Einsendung der Beträge wolle man stck
des der vorigen Nummer beigelegten Posteriag-
scheine» bedienen.
Die Administration.
Intelligentes Fräulein,
tüchtig, sucht als Gesellschafterin oder Wirtschafterin unterzu¬
kommen. Auch für Auswärts. Gefällige Zuschriften an »A. 8 «
II., Schmelzgasse 7, 3. Stock, Tür 16. G.
Ausgelernte Weissnäherin,
auch Kinder gern, sucht Stellung in nur gutem Hause. Beste Re¬
ferenz steht zur Verfügung. Zuschriften erbeten unter »Treu« an
die Administration des Blattes. G.
pnri/1 "py,41 gewandter und geübter Redner, sucht bis
^dilxlA* AT1A11. zum i Mai oder 1. Juni 1915 eine Stelle
als Lehrer in einer Gemeinde, ev. als Hauslehrer, Sekretär, Vor¬
leser. Vorgezogen wird eine Stelle in einer Gemeinde. Gehalt
nach Übereinkommen. Gefl. Anträge an »M. Spitzer« Baden bei
Wien, Grabengasse 15, G.
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Radiumkurort St. Joachimstal bei Karlsbad.
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Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck L Sohn, Wien, VII,