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Dr. MüH's Wochenschrift
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Hast Du keinen besseren Zweck gefunden, als Dein Geld
für körpcrirche Gemisse zu verschwenden?! Wer ich eigent-
iicr> jener Verrückte - in Ode; ich,, der nur immer ^innonen,
schieden hört? Datz er doch seihst in Stücke Zerrissen
werden möge! Fehlen ihm etwa. Kriege?! Wiegt doch
meine Mutter zu sagen: „Wenn sich jemand erwürgen
will, so soll er nur ruhig bei sich selbst beginnen!" Ia,
Du hach goldene Uhren und Armbänder in Odessa ge¬
sehen! So kann sich Deine Mutter darüber freuen! Was
habe ich, Mendel, von Deinen Geschenken, welche Du
in den Schaufenstern ausgestellt siehst? Wie meine
Mutter scherzweise zu sagen pflegt: „Wir haben Tafel
und Mehlspeise, allein keinen Mund dazu." Also höre,
gehe in ein Geschäft und kaufe mir ein Stück Leinen
für Wäsche und Webe für .Polster, zwei Wolldecken,
SLlbergeräLe und dergleichen. Schap doch, Mendel, wie
elend ich es bei Dir habe! Wehe mir, datz es nur so
öeschieden ist! Blume State prahlt mir gegenüber und
rümpft die Nase in die Höhe. Worauf sfolzierr sie denn
eigentlich? Sie hat sich eine Perlenschnur angeschafft.
Daß sie doch daran erwürgt werden möge! Ja, ^'ie
hat es bei ihrem Manne wirklich gut: Ia, es haben
fchvn so manche Weiber Glück! Bloh mir ergeht es so
schlecht! Jede Kleinigkeit mutz ich ihm mehreremal wie¬
derholen! Stelle Dir vor. Du hast noch einen „Schluß"
gemacht! Ich rate Dir vernünftig, verkaufe Deine Ware
rechtzeitig! Er kümmert, sich aber nicht darum und kauft
immerfort zu! Was ist denn Dir dort geschehen? Hattest
Du Angst, Lu würdest die Ware später nicht .mehr
bekommen?' Ich begreife schon, was für Geschäfte Du
dort machst, und Wie es sonst in Odessa ausschauen mutz,
WO man von Sabbaten und Feiertagen nichts mehr
weist, der Vvrbeter seinen Bart rasiert — datz doch
alle Leiden auf sein Haupt kommen mögen! Nach meiner
Ansicht mutzte man eine solche Stadt und solche Sünden
gleich einer Pest fliehen! Lr dagegen ist ganz in ihr
versenkt samt Händen und Fützen und hat gar nicht die
Absicht, von dort wegzukommen! Daher höre mal, was
Dir Dein Weib sagt: Bedenke und treibe Dich dpch nicht
soviel herum in diesem Odessa! Datz sich doch ein7Feuer
auf Dich hinunterlasse, wie es Wünscht Dein treues Weib
Scheine Scheindel.
V. Sage doch. . Wenachem Mendel, wer ist
denn eigentlich, diese „Fankoni"? Warum beschäftigst Du
Dich mit ihr soviel? Du schreibst mir so , viel von
ihr und scheint bri ihr Tag und Nacht zu sitzen. Ist
das ein Mann oder ein Weib? D. O."
(Fortsetzung folgt.)
Knefimsterr.
2>r. B. E. Den Aufsatz können Sie sich in der Redaktion aß*'
holen. Es ist ein schwerer Irrtum, anzunehmrn, daß das. rassische
Judeutum „eine Stütze des Bolschewismus" sei. Trotzky, Kamenew
luiö Hasse sind Täuflinge, vollständig affimrlierte Russen, die bei jeder
Gelegenheit erklären, „Internationalisten" zu sein. Bei sämtlichen
fitdijchen Gemeindewahlen in Rußland haben die Bolschewiken eine
flieh erläge erlitten. In der russischen Roten Garde' ist kein einziger
xZUöe, wohl aber zahlreiche in der Äetßen Garde. Ein Judenmädel
Dora Kaplan endete am Galgen, weil sie gegen Lenin ein
Änentat versucht hatte. Ein junger jüdischer Advokat Wilenken
gründete ein Komitee zur Bekäutpfung der Bolschewiken, er wurde er-
jchossen. Ebenso in Petersburg M ar g ulie s. Die Zahl der jüdischen
Opfer des Bolschewismus ist enorm. Daß man trotzdem bemüht ist, die
Juden für den Bolschewismus verantwortlich zu machen, entspricht der
traditionellen Politik aller reaktionären Parteien.
Frau M E. Wir geben gern ihrer Anregung Raum, daß doch
die Stunden, in denen die Gemeinde-Mikweh geöffnet ist, öffentlich
kundgegeven, jedenfalls aber nicht von einem Tag aus den andern
bedeutend geändert werden sollten. Wenn es sich bestätigt,
Boiksbäder bis in den Abend benützt werden dürfen, jo so
gleiche für die Mikweh geltcn.
Dr. R. Heiutteyrer finden sofort bei jüdischen Oekono
stellung. sie wollen sich um nähere Auskunft mi Herrn.Jsidor
11. FerdinLndsstraße 28, welchen.
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: D'
. , Notiz.
Der vorigen Nummer unseres Blattes ist ein Prospekt
der Ceutral-Wechselftubeu Actien-Gesellschaft in Wien,
Bauernmarkt 10, zugelegen, welches Institut wir unseren
Lesern auf dach allerwärmste empfehlen. Die Central-Wechselstuben
Actien-Gesellschast übernimmt jede Art der Vermögensver¬
waltung »spesenfrei und erteilt alle Auskünfte kostenlos. .
ÜC&siiki&ars^
Bei der israel. Kultiisgemeinde in Waagneustadtl,
ehedem Vägujhely, jetzt Nove Mesto nad Vakom, ist die
stelle eines Gemeindesekretärs (Notars) zu besetzen, der
korrekt deutsch und tschechisch, eventuell in einem
anderem Idiom der tschecho-slowakischen Republik (slo¬
wakisch) konzipieren kann, Kenntnisse im Hebräischen
in solchem Maße besitzt, um die einschlägigen Ausdrücke
in Wort und Schrift zu * benützen. Bevorzugt werden
Bewerber, welche von anerkannten Rabbinaten Schäch-
tungsbefugnisse besitzen, oder welche bereits in Ungarn
gewirkt und die ungarische Sprache. einigermaßen be¬
herrschen.
Anerbieten unter Angabe des Alters, Familie und
bisherigen Lebenslauf nebst Gehaltsansprüche erbeten
an die Israelitische Kultiisgemeinde in Nove Mesto n. V.
(Vägujhely) via Ung.-Hradisch—Vlara - Treuem.
KoifeMS-Aisseiimlrang.
Bei der Israel. Kultusgemeinde in Pohrlitz gelangt die Stelle des
, Sclioclaet Bodek
weicher auch die Dienste des Schames zu versehen hat und
Ivoreh sein muß, sofort zur Besetzung.
Gehalt nach Übereinkommen und freie Wohnung.
Bewerber, unter 40 Jahre alt, wollen ihre Offerte m. Eabolo, Ge¬
burtszeugnis, genauen Nachweis des^Familienstandes wie auch der
bisherigen Verwendung bis spätestens 15. Jänner 1919 beim ge¬
fertigten Vorstande einbringeu.
Fohrlitz, 22. Dezember 1918.
Der. Kultusvorsteher:
Hermann Schnabl.
Hörtlefarer e * nen gesucht. Schriftliche
stration dieses Blattes.
Offerte unter »Knabenhort* an die Admini-
G.
rrr
Zionistischer Zentralerem in Wien.
Eissladtmg'
zu der am 28. Dezember 1918 um y a 6 Uhr abends in den
Hernalser Brauhaus-Sälen, XVII. Frauengasse Nr. 27, stattfindenden
Massen versassa m iMiig.
Thema: Aktuelle jüdischeJFragen.
Redner: Frau Anitta Müller, Ing. Robert Stricker, Dr. Isidor SchaliU
Dr. Fritz Löhner.
Prima geschmolzen® Gansfett
'koscli’er)' zai;^erka’iitein«
Tragen bei „Wienea“ ti, Ob. Donaustr. 91.
Druck von L. Beck & Sohn Wier, ¥11.