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Dr, Blocks Wochenschrift ""= r f ? r ' Nr. 7
dyn Gürtel hinab'; er stützt, sich auf einen großen.
Knotenstock. Er tritt heran. Der Haufe schließt sich
hinter ihm; er tritt ans Lager, breitet die Hände
über des Knaben Haupt und spricht: „Sag’ deinen
Namensspruch her, mein Knabe!“ und den Lippen
des schlummernden Knaben entfließen einige, hebrä¬
ische Worte. „Wohl, mein Knabe; so sollst du
werden eins Säule der Synagoge, eine große Leuchte
in Israel, «die Krone der Lehre falle niemals' von dei¬
nem Haupte, werde immer größer durch dsin.s Schü¬
ler, aber von diesen werde keiner größer als du,
außer deinem Sohne!“.. Er trat zurück und heran
rauschte die Ahnfrau der Familie; o, eine stattliche
Frau, eine goldene Mütze mit breiten Spitzen um-
setzt, schloß eng um den schönen Kopf der Greisin,
der stolz auf dem Nacken sich hob, strenge Züge,
laber die Liebe wohnte unter der Strenge und ward
sichtbar dem tiefem Blick. Sie faßte prüfend die
Troddeln des Arba Kanfot, das auf dem Stuhl neben
dem Bette lag, und befand sie wohl richtig, denn sie
«nickte mit dem ,Kopfe. Sie legte die Hand auf d'e
Stirn des Knaben und sprach: „Segen sei auf dir,
für und für!“ Und als auch diese zurückwich, da
leihe sich der Haufe noch einmal, und aus der hin¬
tersten Reihe desselben trat schnell eine viel jüngere
Gestalt heran, ein Mann in der Blüte der Jahre, es
war der Vater des Knaben, dahingescliieden, als (‘er
Knabe noch Kindlein war, und er kannte das Antlitz
des Vaters gerade nur so viel, wie das des Urahns;
er wußte im Traum der Seele, wer es ist, aber er
kannte ihn nicht. Und siehe, der Knabe lächelte im
Schlafe und lispelte ein. Wort, ein Wort, das er
wachend noch nie gesprochen, o jenes heilige, zwei¬
silbige Wort, welches das Höchste, Ehrfurchtsvollste
bezeichnet in dieser Welt, denn im höchsten Schwünge
der Seele hast du auch für Gott nur dieses Wort -=-•
„Vater!“ Und der Schatten kämpfte mit sich selbst
eine lange Zeit, dann beugte er sich tief über den
Knaben, fast bis zur Berührung, und sprach: „Aus
allen Kämpfen, die dir bevorstehen, gehe siegreich
hervor, und die schwersten habe in deiner Jureid
!zu kämpften, Und alle deine Feinde sollen deine
Freunde werden!..“
Da streckte der Knabe die* Glieder, und die
Glocke schlug eins an, und der Vollmond ging vorüber
am Fensterchen, daß sein Strahl nicht mehr hinein¬
fiel. Niemand war mehr im Dachkämmerchen, außer
dem schlafenden Knaben.
Literatur.
Meiürfch Eluard Jakob. ,,Der Zwanzigjährige“, Ver¬
lag Georg Mull ^ M im h n.
Leicht li st man diesen Roman n ; cht. Dxrch?ch , :it < :s-
Publikum a so ausgeschlossen. Aber wer Sinn für Kunst-
kiQg« uni S iiaiuck tilcke der Sprache hat, wird langsam,
leicht das lfu<h genieß-*», Inhaltlich stoffich bUnnt <-s nichts
Neues iin Ganzen. F aubert. Keller, Goe:ho, ILsse, Heer und
Gott, weiß wer nach, htben sich mit dem Sei iUior» d r puber-
der Jugend, der Entw cklung. de» Reifens befaßt. Junge
Männer, die chchlcn und aiCihr« G.-f-GilchCt;, ihr.- Litt)-', ihr.3
Pläne ern -t und wichtig i « imeir, keimen wir zur GhuAh-». !>/ i,
noch macht die es Werk stellenweise ebn Eindruck de* OiL.iueli:;n
Jakob buchtet'zu weit *ina N ular.d iun^in, od-r v«r£t. hf weivg-
stens durch die Art der Aufmachung, duich verb'iffende V. oi-
veri'indun'jren, eislaunhcne (ileichni.^e u> d eigenartige {J-.lder,
dm Anschein des N^ucn zu erweck n. Nur ist er nicht deutlich
genug, und s.war nicht eiilsihieden in einer Jlim ichr, er betont
ai zwei od«r rlrei Stellen sein und seiner blutjunge» Geliebten
Judentum, verfällt aber frnlad^m in christliche Verzückungen.
Vom Juden um m*>.rkt man nukt viel in den Charakti-rcn und
vom Coristc. xum »och wtu.iger. Ein lavieren ist es, etw*s Un¬
klares, (Jogez j-ccs, l ; n»©Mi>fc. Vir 1 e-ebt eben, weil i n r h'h rnii
Ewan^'Siährige handelt. ^YcholBtisrhe Fuzdrrubez sind d°m«
nach nicht zu-suchen, da^pgen wahre Goldgruben an Bildern,
Einfa'len. Freilich sohwücht sich ihre Wi r kun® dadurch ab, daß
sie einander jagen. Jahoh ist VOM Gei^t des Epheumismus be¬
sessen. als Jünger und Rchu'er Shakespeares und Jean Pauls.
Und f=ein Schmerz vo» damal 15 , als er zwanzig war? Ausge-
sch'os6en von Ritferberufen rnuß f en die Juden Geldraff r, gieri¬
ge, schwachblü'ige Richter wc r d<en, säet er auf S-ite 299. Beim
Makkabäus,. mußten sie nicht, ruft er gleich darauf stolz aus.
Die IT. Nummer der hebräischen Zeitschrift „Heawoda*
Or*an des Hapoel-Hazair in Wien, ist soeben erschienen; sie
enthält die folgenden 'eträore. Bruch dpr Oi=zinlin. 8awlan:
Eine Kolonie der S^lhstarb ite- d*n D. Si'herbnsch : Erinnerun¬
gen an P^rez S nol^nskm. Dr Ernst Miillor: In den Spuren
d s Sozialisten •. Waeh«mnnn: Hapoel-H»zrtir und d s Galuth-
w-oblem. N M. Leder: Zwei Larer. Ans der Bewegung;
Rrie 1 ei'eg C*aluz in Palästina an sei e Verbanden. Dia
Hachaluzkocferenz in Lemberg. Dr. Rnppin in Wien, etc.
Neue Bücher. . ;
Dinglcr, Kultur det Jad*n. Der Nou« Geilt, TarUf Leipsig,
Mark 7.—
Umsturz und Aufbau. Georg Herwegh! Reisst die Ereuse
au« der Erde! Ernst Rowohlt Verlag Berlin.»
Briefkasten!
J, N, Ein Freund unsergs JUnttes teilt Uns mit, daß die
„Groß« Gemeinschaftsküche des Vereins Nac- la.*s Ji-schurun für
den 7. und 8 Bezirk* (ihe die wir in r 4 dflf „Woclof'Scbrift*
berichtet. haben, Dicht „K"SCüer" geführt wild. Durch den jüdi¬
schen Vereimn>.men „Na blass Jeachurun* ulaubt man zur Aa-
nähme berechtigt zu sein, daß dort eine Koi'bert XiiciiC ge*
führt wird, was indes leider nicht der Fall ist.
L D e • Adresse unseres verantwort!. Redakteurs' Max
Schwager ist, II., Zirkus,ass^ 60.
8. Wer-den Sie sich »n d. n Leiter der MateTialverwsltnnf
der isr, Kultusgeuiemde Max Popper, I. SeitenstettengatSe 3,
Adas hrcel (Schiffischul)
Wien, %. ßrz. Grosge Scuiff^ais# Nr, 1
Gebetstunden in der Zeit vom 1. Adar bi« 8.
(20. bis 27. Februar)
Freitag’, den 1. Adar, Sabbat Eingang t 6 h 20 N.
Samstag, P Ternma, Morgengebet: 7 h und 9 h 80 M.
Mini ba 12 h 15 M und 3 h 30 M.
Sabbath-Ausgang: 6 h Uo M
An Wochenv,., Morgengebet: 6b 30M, Minchat 5h 15 IC.
Donnerstag, d«u 7. Adar Minche 4h46M,
»D^chliesaend H^sp«d.
Israel. Tempelverein für den I9. Biz.
: Dollinergasse Nr. 3 i . , u
sacht einca
Sekretär -as
der im Liturgischen und in Buchführung bewandert
ist. Derrdben bietet sich auch Gelegenheit, die Agen¬
den für die zionistische Bezirkssektion Döbling gleich¬
zeitig zu versehen. Gehalt und Amtsstunden, nach!
Uebereinkommen.
Nur schriftliche Offerte erbeten, ;
Herauf.; Qr. Jos. 8. Bloch V.erantw. Redakteur; Max Schwager.
Druck v, J, L Bendi & Wim TO,