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Beilage: Pie Stimme der lüftend
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3. Jahrgang
Wien, 2. Jänner 1930 (2. Tebet 5690)
Nummer 107
„Wir kommen nach Palästina, gestützt auf unser
Recht und nichts wird uns davon abbringen, hin
zugehen“
Eine bedeutsame Rede Prof. Dr. Weizmanns auf dem Jenaer Delegiertentag
(Siehe im traiera des Blattes.)
Letzte Nachrichten
(Jüdische Telegraplien-Agentur.)
NaBuum Sbholow ln Polen einige
Mrofffen .
Nahum Sokolow ist zur Unterstützung der Keren-Hajessod-Aktion in Polen eingetroffen. Auf
seiner Reise von Rumänien wurde er auf allen Bahnstationen in Kleinpolen feierlich empfangen. Beson¬
ders warmherzig wurde er in Lemberg und Warschau, wo er längere Zeit verbleibt, begrüßt Am Tage
seiner Ankunft fand in Warschau ein großer Presseempfang statt
Ministerpräsident Bartel empfing am 31. Dezember Herrn Sokolow in einer Iägeren Audienz.
Außerdem erstattete Sokolow Besuche dem Sejmmarschall Daszynski sowie anderen führenden Staats¬
männern und Politikern.
Dr. Weizmann reis! nacH Amerika
Prof. Weizmann begibt sich am 22. Jänner nach Amerika.
BandUenliberfälle in PalüsDiia
In den letzten zwei Tagen fanden in Palästina zahlreiche Ueberfälle von Arabern statt die dies¬
mal nicht bloß gegen Juden, sondern auch gegen einzelne arabische und englische Personen gerichtet
waren.
Eftn2»ra«l» in die Jerasraleiner Uni-
versMiM
Unbekannte Täter sind 2d die Bibliothek des Mathematischen Instituts der Universität einge¬
brochen und haben Kleider sowie Geld geraubt. Eine strenge Untersuchung wurde bereits eingeleitet
Macdonald zu dem Balfour-Lloyd Georges-Smuts-
Schreibeu
London, 24. Dezember. (J. T. A.) In der Sitzung
des Unterhauses vom 23. Dezember fragte Major Sir
Archibal/d Sinclair den Ministerpräsidenten, ob er die
Absicht habe, eine Kommission zur Untersuchung der
Fragen höherer Politik, betreffend die künftige Verwal¬
tung des Palästinamandates, einzusetzen, insofern, als
diese Fragen außerhalb der Kompetenz der Shaw-
Kommission liegen. Der Premierminister antwortete:
Es ist mir bekannt, daß dieser Vorschlag in einem
Schreiben gemacht worden ist, unter dem die Unter¬
schriften einflußreicher Persönlichkeiten stehen, die mir
natürlich gebieten, den Vorschlag mit größter Sorgfalt
zu erwägen. Es gibt allerdings wichtige Ueberlegun-
gen, die sorgfältig abgewogen werden müssen, bevor
ich eine Entscheidung treffe. Der Fragenkomplex, das
muß ich sagen, liegt klar außerhalb des Kompetenz¬
bereiches der Shaw-Kommission und kann nicht zu
einem Teil ihres Berichtes gemacht werden.
Die palästinensischon Unruhen in der Aegyp¬
tendebatte des englischen Unterhauses
London, 24. Dezember. (J. T. A.) In der
Debatte über die Politik der Labour-Regierung
in Aegypten wurden von oppositionellen Red¬
nern in mehreren Fällen die palästinensischen
Unruhen als Argument gegen die Kolonialpoli-
tdk der Labour-Regderung ins Treffen geführt.
Der frühere Kolonialminister Wdnston Chur¬
chill, der Schöpfer des Weißbuches über die
palästinensische Politik meinte, die Erklärun¬
gen, daß die britischen Truppen Aegypten ver¬
lassen werden, seien von den unzufriedenen
palästinensischen Arabern als, ein Signal aufge¬
faßt worden, daß die Stunde gekommen sei,
loszusohlagen. Er warf der Regierung vor, daß
sie durch die Abberufung von Lord Lloyd allen
umstürzlerischen Elementen in Aegypten und
Palästina unseren bevorstehenden Rückzug an¬
gekündigt hat und daß die Entlassung von Lord
Lloyd und die Art und Weise, wie sie eich voll-
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zog, ein direkter Vorläufer der palästinensi¬
schen Massakers war, Daß die starke Hand,
welche Aegypten beherrschte und ihm vier,
Jahre ruhiger Regierung gab, plötzlich wegge¬
zogen wurde, mußte als ein Zeichen der
Schwäche der britischen Regierung gedeutet
werden. In ähnlicher Weise versuchten auch
noch andere Redner der konservativen Opposi¬
tion einen Zusammenhang zwischen der Orient¬
politik der Labourregierung und den palästi¬
nensischen Massakers herzustellen.
Pressekonferenz der palästinensischen Zionistischen
Exekutive
Jerusalem. (J. [T. A) Am 25. Dezember «fand in
Jerusalem eine Pressekonferenz statt, an der sämtliche
Mitglieder der Zionistischen Palästina-Exekutive teil-
nahmea Harry Sacher besprach die politische Lage
und Colonel Kisch das Sicherheitsproblem. Sacher
führte aus, daß seiner Meinung nach die Spannung ge¬
löst und die Gefahr neuer Ausbrüche beseitigt ist. Ge¬
legentliche kleine Ueberfälle können aber auch weiter
noch Vorkommen. Die Boykottagitafcion ist geringer ge¬
worden. Bevor er am 5. Jänner das Land verläßt, um
in Londom mit der Exekutive zu beraten, wird, so teilte
Sacher mit, die Zionistische Exekutive den Waad Leumi
und die in Palästina wohnhaften Mitglieder des Ak¬
tionskomitees noch zu einer besonderen Beratung ein¬
berufen, Auf die Angriffe zurüökücommend, die von
manchen Seiten gegen den während der Unruhen als
Stellvertreter der Exekutive fungierenden Dr. Braude
wegen seiner Aussage vor der Untersuchungskommis¬
sion erhoben worden sind, wies Sacher diese Angriffe
zurück und beglückwünschte Dr. Braude zu seiner Aus¬
sage die er sehr angemessen fand.
Rabbi Meir, Berlin, berichtete, daß die Leitung des
Hilfs- und Wiederaufbauwerkes von der Zionistischen
Exekutive auf ein Triumvirat Ubergegangen ist, wel¬
ches aus Dr. Hexter, Colonel Kisch und dem Präsi¬
denten des Waad Leumi, Rutenberg, besteht. Nicht ein
Pfennig ist für das reguläre Palästina-Budget oder für
irgendeinen mit dem regulären Werk der palästinen¬
sischen zionistischen Exekutive verbundenen Zweck
aufgewandt worden.