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Wie der JTA-Vertreter erfährt, hielt der
Holländer ran Rees eine längere Rede, in
der er den Shaw-Bericht scharf kritisierte
und auch Luke nicht schonte.
Shiels erklärte, die Juden im Auslande, die eine
Einwanderung in weitem Maßstabe verlangen,
ziehen nicht die Schwierigkeiten in Betracht,
mit denen die Mandatarmacht zu kämpfen hat.
Der Permanenten Mandatskommission des
Völkerbundes lagen bei ihrem Zuoammentreten
die folgenden Memoranden vor:
1. Memorandum der britischen Regierung;
2. Bericht der von Sir Walter Shaw geführten
Palästina-Untersuchungekommission; 3. M e m o*
randum der Jewish Agency zum
S h a w-B ericht; 4. Kritische Betrach- f
tungen zum Shaw - Bericht von der
Union der Zioniste n-R evision sten;
5. Memorandum der ständigen syrisch-palästi¬
nensischen Delegation in Genf und, 6. Erklä¬
rung des Großmufti von Jerusalem auch in sei¬
ner Eigenschaft als Präsident des Obersten
Moslemitischen Rates in Palästina. Das Memo¬
randum der britischen Regierung enthält auch
den Bericht der Jewish Agency über die Ent¬
wicklung des jüdischen Nationalheims in Palä¬
stina im Jahre 1929.
Zur Kritik des Berichtes der Shaw-Kommis¬
sion sind von jüdischer Seite bisher drei Publi¬
kationen in englischer Sprache erschienen. Die
wichtigste dieser Publikationen ist zweifellos
das Memorandum der Jewish Agency. Einige
Tage früher sind noch zwei Broschüren er¬
schienen, und zwar eine Broschüre des Exeku-
i tivkomitees der Zionisten-Revisionisten (6, Upp.
I Bedford PI, London, W. C. 1, sh. 1.—) und eine
' private Arbeit von Horaoe B. Samuel „Die
i Reinwaschung“ (Verlag Leonard und Virginia
Woolf, Hogarth Press, London W. C. 1., Preise
sh. 1/6). Die Broschüre der Revisionisten, die
; auch den Mitgliedern des britischen Parlaments
| zugesandt wurde, befaßt sich mit den einzelnen
l Abschnitten des Shaw-Berichtes und übt an den
Feststellungen und Schlußfolgerungen der
Kommission von verschiedenen Gesichtspunkten
Kritik. Die Schrift von Horace Samuel, dem be-
i kannten, früher in Palästina ansässigen Rechts¬
anwalt, befaßt sich hauptsächlich mit der juristi¬
schen Analyse der Haltung der Shaw-Kommis¬
sion gegenüber ihrem engeren Aufgabengebiet,
nämlich der Untersuchung der Unruhen selbst
' und ihrer Gründe. Samuel zitiert aus dem Be¬
richt und aus den Zeugenaussagen verschiedene
Angaben und zeigt, daß die Kommission ihre
richterliche Funktion der Beurteilung dieses
Materials nicht sachgemäß erfüllt hat.
Der Bericht der Jewisw Agency
an die Ständige Mandatskommission des Völker¬
bundes über die Entwicklung des Jüdi¬
schen Nationalheims im Jahre 1929 ist
eingeleitet durch ein Schreiben des Präsidenten
der Jewish Agency, Dr. Chaim Weidmann, an
den High Commissioner für Palästina, Sir John
< hanoellor. Das Schreiben lautet:
An Seine Exzellenz den High Commissioner für
Palästina Jerusalem.
Eure Exzellenzl Im Namen der Exekutive der Je¬
wish Agency für Palästina, anerkannt unter Artikel 4
des Palästinamandates, habe ich die Ehre, Sie zu er¬
suchen, das beiliegende Memorandum über die Entwick¬
lung des jüdischen Nationalheims in Palästina im Ver¬
laufe des Jahres 1929 durch die geeigniten Kanäle dem
Generalsekretär des Völkerbundes zwecks Informierung
der Ständigen Mandatskommission zuzuleiten .
Die Unruhen in Palästina im August und Septem¬
ber 1929 werden in diesem Memorandum, welches den
Richtlinien in früheren Jahren überreichter ähnlicher
Memoranda folgt, nur gestreift. Die Unruhen und der
im März 1930 von der durch die Regierung Sr. Maje¬
stät ernannten Untersuchungskommission überreichte
Bericht erfordern jedoch eine erschöpfendere Behand¬
lung unsererseits; sie werden in einem getrennten Af«-
morandum behandelt.
Eine im Bericht der Palästina-Untersuchungskom*
mission aufgeworfene Frage muß ich jedoch, da sie
fundamentale Prinzipien berührt, schon in diesem Man-
f clbrief erwähnen. Die angeblichen Befürchtungen der
\raber «bezüglich ihrer wirtschaftlichen Zukunft», ha-
’ cn drei der Kommissionsmitglieder veranlaßt, vurzu-
■ .hlagen, daß unsere Einwanderung beschnitten und un¬
tere Freiheit, Boden zu erwerben, beschränkt werden t
so//, I
Es kann aber ein Nationalheim ohne Menschen und
ohne Boden nicht geben* Eine Beschränkung un¬
serer Einwanderung aus politischen Gründen oder
eine Gesetzgebung , die uns der Möglichkeit be-
. .raubt, Boden für unsere Siedlungen zu erwerben,
würden dem Wesen nach für uns eine Aufhebung
der Politik des Mandates bedeuten.
Während wir mit Freuden von dem uns in dem Be¬
richt gemachten Zugeständnis Kenntnis nehmen, daß
unsere Arbeit in Palästina, infolge des ihr innewohnen¬
den Charakters, der arabischen Bevölkerung zum Se¬
gen gereicht — was auch ganz in unserer Absicht
liegt —
ist unser Nationalheim doch ein Ziel für sich und
als solches durch das Mandat anerkannt. Wäre
unser Recht, nach Palästina zu kommen, von den
Vorteilen abhängig, die seitens einer Mehrzahl der
jetzigen Landesbewohner daraus gezogen werden,
dann würde unsere Position im Lande sich ln kei¬
ner Weise von derjenigen unterscheiden, die in ein
fremdes Land kommende Einwanderer einnehmen;
die Bestimmungen des Mandates, die ein jüdisches
Nationalheim in Palästina vorsehen, würden dann be¬
deutungslos werden. Die gleiche Wirkung würde eine
unterschiedliche Behandlung gegen uns, die uns von
dem Boden Palästinas fernhält, haben ; die durch keine
Tatsachen begründete Behauptung, daß Boden für
jüdische Kolonisation in Palästina nicht verfügbar ist,
ist nur ein indirekter Versuch, die Politik des Jüdi¬
schen Nationalheims zu zerstören.
Die vom Premierminister Großbritanniens am
3. April abgegebene Erklärung, daß die Regierung
Sr. Majestät an der Politik des Mandates festhält —
eine Erklärung, die auch von den Führern der beiden
Oppositionsparteien gebilligt wurde — gibt uns die
Sicherheit, daß seitens derjenigen, die allein in Gro߬
britannien für Beschlüsse in Fragen höherer Politik
verantwortlich sind, keine der Politik des jüdischen
Nationalheims zuwiderlaufende Maßnahmen erwogen
werden.
Ich habe die Ehre zu sein Euer Exzellenz erge¬
benster gez. Ch. Weizmann, Präsident der Jewish
Agency für Palästina.
Den Bericht selbst über die Entwicklung
des jüdischen National heim es bringen wir in
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stark gekürzter Form, wozu wir infolge von
Platzmangel gezwungen sind, an anderer Stelle.
Ein Dokument von eminent politischer Bedeu¬
tung ist dagegen
die Antwort der Jewish Agency
auf den Bericht der Shaw-
Kommission
Das vom früheren politischen Sekretär der Zionisti¬
schen Organisation und jetzigen ehrenamtlichen Rechts¬
berater der Jewish Agency, Leonard J. Stein, ver¬
faßte Memorandum umfaßt mehr als 110 Seiten. In
der Einleitung wird zunächst festgestellt, daß die Un¬
tersuchungskommission sich entgegen ihren Instruktio¬
nen auch mit den Fragen der großen Politik beschäf¬
tigt hat. Die Einwendungen gegen die Kompetenz¬
überschreitungen werden deswegen gemacht, weil der
Kommission die nötigen Kenntnisse für eine Beschäfti¬
gung mit Fragen der großen Politik fehlen.
Für die Art, ln der sich der Bericht mit den poli¬
tischen Fragen beschäftigt, werden einige Beispiele
angeführt, und zum Schluß fest gestellt, daß die Auf¬
fassungen der Araber, die der Kommission und die
Auffassungen der Kommission über die Auffassungen
der Araber fortwährend durcheinandergeschoben wer¬
den, ohne daß sichtbar wird, wie weit sich nun die
Kommission durch die offensichtlich falschen Auffas¬
sungen der Araber doch beeinflußt fühlt. An mehre¬
ren Beispielen wird diese Oberflächlichkeit der Dar¬
stellung gezeigt.
Die falschen geographischen und historischen
Betrachtungen der Shaw-Kommission
Gegenüber den «geographischen und historischen
Betrachtungen » im Kapitel II des Shaw-Berichtes wird
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in dem Memorandum der jewish Agency festgestelll:
Dieses Kapitel des Berichtes, obwohl nur theoretischen
Inhalts, ist deshalb lehrreich, weil hier die Kommission
die Dinge in einer Weise darstellt, die ihre Unvorein¬
genommenheit stark in Zweifel stellt.
Im historischen Teil fehlt jede Beziehung auf die
Verbundenheit des jüdischen Volkes mit dem Land,
von der die Präambel der Balf our-Deklaration .
spricht.
Die Zahl der Juden bei Ausbruch des Krieges wird mit
60.000 angegeben, während nach dem amtlichen Hand¬
buch für Syrien allein die Einwanderung von Juden
zwischen 1830 und 1914 60.000 betragen hat, die Ge¬
samtzahl der jüdischen Einwohner vor dem Kriege aber
mindestens 85.000 war. Bei Erwähnung der Balfour -
Deklaration erzählt der Bericht, sie sei von « mehre¬
ren der alliierten Regierungen » bestätigt
worden, während dies in der Tat alle alliierten.
Regierungen und die der Vereinigten
Staaten getan haben.
Die Finanzwirtschaft der Verwaltung wird sehr
gelobt, aber mit keinem Wort wird darauf verwiesen,
daß sie nur durch den starken Zustrom
jüdischen Geldes diese Erfolge haben
konnte.
Art und Ursachen der Unruhen <■
Auf Kapitel III des Shaw-Berichtes über «Art und
Ursachen der Unruhen » wird in dem Agency-Memo¬
randum u. a. erwidert:
Während die arabische Exekutive am 1. Septem¬
ber dem High Commissioner versicherte, eine unpar¬
teiische Prüfung würde die alleinige Schuld der Juden
feststellen, sagt der Bericht, die Unruhen
entstanden durch einen Angriff der
Araber, für den keinerlei Entschuldigung durch frü¬
here Mordtaten seitens der Juden erbracht werden kann .
Die Versuche der Araber, ihre Anklagen.zu
beweisen, brachen völlig zusammen und
mehrere Offiziere und Beamte sagten aus, daß die An¬
greifer, ausgerüstet mit modernen Feuerwaffen deut¬
scher oder britischer Provenienz, aus reiner Piiindc-
rungslust herbeigekommen waren. Von diesen für die
Ermittlung der unmittelbaren Ursachen eminent wichti¬
gen Aussagen sachverständiger Zeugen sagt der Be¬
richt nichts.
Dagegen spricht er von einem jüdischen Angriff
auf die Okasha-Moschee in Jerusalem, verschweigt
aber, daß diesem ein arabischer Angriff auf die
Georgische Synagoge vorausgegangen war . den er
vielmehr parallel mit dem auf die Moschee er¬
wähnt.
Der Bericht läßt die Vermutung auf kommen, daß
die Beziehungen zwischen Juden und. Arabern schon so
verschärft waren, daß die Zwischenfälle an der Klage¬
mauer nur der Funken für das Pulverfaß waren.
Dagegen Ist zweifellos richtig, daß durch die
Klagemauerzwischenfälle die Verhältnisse sehr ver¬
schärft worden sind. Es kann aber bewiesen werden ,
daß. die arabische antijüdische Propaganda diese
Streitigkeiten bewußt heraufbesch waren
hat, um den Frieden zu stören. Diesem Zwecke diente
zunächst ein Bild der Felsenmoschee «oder eines ähn¬
lichen Gebäudes » (ein Geschenk der Jcschiwa Torat
Chajim, lange vor dem kriege gedruckt). Dieses Bild
sollte als Beweis dafür dienen, daß die Juden die Omar-
Moschee erobern wollten und auch der Mufti sagte aus,
er habe atis diesem Bild ersehen, welche Absichten die
l J lugendvereln ,Er<e* Israel*, II. Zirlcusäams«;
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Gesellschaftsreise der Wiener
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