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Nr. 165 — 2(>. FebFi •
Der Widerhall des Mac Donald-Briefes
Was die hebräische Presse
Palästinas sagt
Die hebräische Presse Palästinas befaßt sich aus¬
führlich mit der neuen Regierungserklärung.
Die Tageszeitung «Haarez» faßt die Verbesse¬
rungen gegenüber dem Weißbuch vom Oktober 1930
zusammen, drückt aber ihr Bedauern darüber aus, daß
die Kontrolle über Landtransaktionen zeitweilig in den
Händen des High Commissioners verbleibt Im allge¬
meinen teilt das Blatt die Anschauung Dr. Welzmanns,
daß die Basis für eine Kooperation mit der Regierung
durch den Brief MacDonalds wieder hergestellt wird.
«Dawar» erklärt, das neue Dokument unter¬
scheide sich vorteilhaft vom Weißbuch, doch werde
erst der zweite Teil der Verhandlungen zwischen Je-
wish Agency und Regierung den Wert der bezüglich
der Probleme der Einwanderung, des Status der Je¬
wish Agency und konstitutioneller Acnderungen er¬
reichten Konzessionen erweisen.
Auch «Doar Hayom» gibt zu, daß durch die
neue Regierungserklärung der antizionistische Geist des
neuen Weißbuches beseitigt wurde, doch bilde der
Brief MacDonalds keine ausreichende Kompensation
für den von England den Juden durch das Weißbuch
zugefügten Schlag. Der Regierungsbrief biete im Hin¬
blick darauf, daß die Fragen der Einwanderung, des
Bodens und der Arbeit auch weiterhin auf Grund des
Weißbuches geregelt werden sollen, keine Gewähr für
die Erfüllung der Balfour-Deklaration.
Stimmen der eng isclien Presse
«Sunday Observer» befaßt sich in einem
Leitartikel mit dem Briefe des Ministerpräsidenten
MacDonald an Dr. Welzmann und erklärt, durch dieses
Schreiben sei ein unglückliches Mißverständnis in be¬
friedigender Weise aus der Welt geschaffen worden.
Die Lösung der Frage mache dem Ministerpräsidenten
ebensoviel Ehre, wie dem Vertreter der Zionisten.
Dr. Weizmann erklärte, die Basis für eine Kooperation
sei nunmehr wieder hergestellt. Mehr und Besseres
könnte von keiner Seite gewünscht werden. Was ver¬
nünftigerweise von jüdischer und arabischer Seite ge-
..fordert werden kann, läßt sich auf dieser Basis ver-
pwirklichen. Die Lösung befriedigt uns in jeder Hinsicht
«Manchester Guardian» erklärt in seinem
• Artikel vom 14. Februar, das Weißbuch müsse von nun
an im Lichte des Briefes MacDonalds gelesen werden.
Dieser Brief stelle z. B. bezüglich der kritischen Frage
der Emigration fest, daß «in jedem einzelnen Fall Ar¬
beiteranforderungen berücksichtigt werden sollen für
solche Arbeiten, die von jüdischem oder hauptsächlich
jüdischem Kapital abhängig sind und die nicht vorhan¬
den wären, oder nicht unternommen worden wären,
wenn nicht jüdische Arbeiter zur Verfügung stehen
würden.» Dieses Prinzip wird auch auf die öffentlichen
Arbeiten ausgedehnt. Es ist zwar klar, schreibt «Man¬
chester Guardian» weiter, daß zwischen dem Wei߬
buch und dem Briefe des Ministerpräsidenten kein ab¬
soluter Gegensatz besteht. Der Unterschied ist aber
doch überraschend. Während das Weißbuch Erwägun¬
gen Raum gibt, die auf eine Hemmung der Entwicklung
des jüdischen Nationalheims abzielen, sind die in dem
Brief MacDonalds angcstelltcn Ueberlegungen von
einem Geiste des Wohlwollens gegenüber den Juden
erfüllt.
Amerikanisclie Pressestimmen
In einem Leitartikel erklärt der Herausgeber des
«Jewish Morning Journal», Jacob Fishman,
durch die neue Regierungserklärung werde das Wei߬
buch völlig aufgehoben. Fishman gibt der Hoffnung
Ausdruck, daß der zweite Teil der Verhandlungen zwi¬
schen Jewish Agency und englischer Regierung ebenso
erfolgreich sein werde wie der erste. In diesem Falle
würden die Juden wenig Grund zur Klage haben.
Der «Tog» findet, daß durch die neue Regie¬
rungserklärung den Juden ln bezug auf Einwanderung,
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Landkauf und andere Fragen bedeutende Konzessionen
gemacht wurden, und daß aus dem Inhalt des Schrei¬
bens das Wohlwollen der englischen Regierung zu er¬
kennen sei. Man habe beim Lesen des MacDonalds-
Briefes den Eindruck, daß sowohl MacDonald als auch
Dr. Weizmann der jüdischen Welt sagen wollen: «Un¬
sere Zunge ist gefesselt. Wir können nicht r ,r sagen.
Aber wenn Ihr wirklich das jüdische Heim erstrebt,
dann geht von Protesten zu Taten über. Gehet hin und
bauet auf!»
Von den Aeußerungen der allgemeinen amerikani¬
schen Presse sind die Bemerkungen In der Sonntags¬
ausgabe der «New York Herald Tribüne» her¬
vorzuheben. Das Blatt erklärt, die neue Regierungs¬
erklärung offenbare eine durchgreifende Aenderung des
Tones der britischen Politik in bezug auf das Jüdische
Nationalhelm. Die Erklärung werde natürlich weder
alle Zionisten, noch die Führer der Araber befriedigen,
doch erscheine nunmehr, wie Dr. Weizmann gesagt
habe, die Basis für eine Kooperation wlederhergestellt.
«New York Times» veröffentlicht unter der
Uebersclirift «Klärung der Palästina-Frage» einen Leit¬
artikel, in dem festgestellt wird, daß die Grundprinzi¬
pien der nationaljüdischen Unternehmungen ln Palä¬
stina nunmehr neuerlich bekräftigt wurden. Der jüdi¬
schen Landanslediung und der jüdischen Einwande¬
rung nach Palästina werden keine Schranken gesetzt.
Im allgemeinen kann man sagen, heißt es am Schlüße
des Artikels, daß im Gegensatz zu Lord Passfield, der
in den bestehenden Hindernissen ein Argument für die
Notwendigkeit einer Hemmung des jüdischen Aufbau¬
werkes ln Palästina sieht, Ramsay MacDonald bemüht
Ist, diese Hindernisse zu beseitigen.
Die radikalen Zionisten und die
neue Situation
Ein Interview mit Dr« Nahum Go’dmann
Anläßlich der Veröffentlichung des Briefes MacDonalds
an Dr. Weizmann hat sich die J. T. A. an Dr. Nahum Gold¬
mann, der als Vertreter der radikalen Gruppe der politischen
Kommission angehört, mit der Bitte um ein Interview ge¬
wandt, um seine Beurteilung des Briefes des englischen
Premierministers und der durch ihn geschaffenen Lage fest-
zustellen. Dr. Goldmann beantwortete die Fragen wie folgt:
Frage: Welche Bedeutung schreiben Sie dem Briefe
Mac Donalds zu? • -v
Antwort: Der Brief stellt, was zunächst seine legale
Kraft betrifft, die authentische Interpretation des Weißbuches
dar, so daß in allen Fragen, mit denen «*r sich beschäftigt,
die in ihm dargelegten Auffassungen die nilein gültigen und
für die englische Regierung und die palästinensische Admini¬
stration verpflichtenden sind. Der Brief stellt in vielen
wesentlichen Punkten eine grundsätzliche Korrektur des
Weißbuches vom Oktober 1930 dar, und zwar in einem für
uns im großen und ganzen befriedigenden Sinne. Die durch
den Bericht John Hope Simpsons und das Weißbuch akut
gewordene Gefahr, daß die Regierung beginnen werde,
lausende von Arabern zu kolonisieren, ist jetzt beseitigt
worden, durch die sehr einschränkende und klare Inter¬
pretation des Begriffes der «landlosen Araber». Die Kritik,
die im Weißbuche in vielfach übelwollender Welse an unserer
Arbeit in Palästina, an der Tätigkeit der Histadruth, an der
politischen Haltung der Jewish Agency geübt wurde, ist im
neuen Dokument ausdrücklich zurückgezogen worden. Der
Grundgedanke des Mandates, daß der Aufbau des jüdischen
nationalen Heims eine Verpflichtung gegenüber dem ge¬
samten jüdischen Volke sei, ist von der englischen Regierung
wieder feierlich bekräftigt worden. Alles in allem glaube ich,
daß wir Grund haben, mit dem Brief MacDonalds, der das
Ergebnis schwieriger und mühevoller Verhandlungen war,
zufrieden zu sein. Worauf wir jetzt noch dringen müssen, ist
die Vorlage dieses Briefes als offizielles Weißbuch beim
Parlament.
Frage: Wie beurteilen Sie die jetzige, durch den Brief
geschaffene Lage und die daraus resultierende politische
Einstellung der Jewish Agency gegenüber der Mandatar¬
macht? *
Antwort: Sicherlich ist in den Beziehungen zwischen
der Jewish Agency und der Mandatarmachx eine wesentliche
Entspannung eingetreten. Hingegen wäre es, glaube ich,
falsch, unsere grundsätzliche und definitive Einstellung zur
englischen Politik auf Orund dieses Briefes von MacDonald
schon fcstlegen zu wollen. Eine ganze Reihe von sehr
wichtigen Fragen, die für die Klärung unserer Einstellung
zur Mandatarmacht wesentlich sind, ist bisner außerhalb des
Rahmens der Verhandlungen geblieben. Ich denke ins¬
besondere an die Bestimmung der Richtlinien der neuen
Kolonisationspolitik, die die Regierung auf Grund der be¬
absichtigten Anleihe von zweieinhalb Millionen Pfund in
Palästina in die Wege leiten will. Diese Politik kann für uns
sehr günstig, sie kann auch störend sein. Ihre Beurteilung
wird von der Festlegung ihrer Ziele und Methoden abhängen.
Hierbei wird auch die Frage der Einbeziehung Trans¬
jordaniens in die neue Kolonisationspolitik aktuell werden.
Völlig in der Schwebe ist auch das ganze Problem des
Legislative Council, dem gegenüber jetzt wieder die neu¬
gewählte Assefath Haniwcharim ihre ablehnende Stellung
neu bestätigt hat. Ferner ist das große und entscheidende
Problem der Umgestaltung der Administration in Palästina
noch nicht geklärt. Sicherlich ist, wie es Herr Dr. Weizmann
in seinem Statement gesagt hat, durch die neue Regierungs¬
erklärung die Basis einer Kooperation mit der Mandatar¬
macht geschaffen worden, und niemand wird heute etwa
den Abbruch unserer Beziehungen zu ihr ernsthaft in Er¬
wägung ziehen können. Aber gerade diese Kooperation, das
heißt die Verhandlungen, die noch in den nächsten Monaten
über all die erwähnten Probleme zu führen sein werden,
werden Klarheit schaffen über die Intentionen der englischen
Politik in allen diesen Kardinaipunkten und damit auch Über
unsere Einstellung zur englischen Politik. Wir haben Grund,
mit dem erzielten Teilerfolg zufrieden zu sein.
Die Revisionisten sind unzu-
lueiien
London. (J. T. A.) Am Mittwoch, den 18. Februar, fand
in London unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten der Welt-
union der Zionisten-Revisionisten, Herrn Meer Großman, eine
vom Exekutivkomitee der revisionistischen Weltunion veran¬
staltete Pressekonferenz statt, in der ein Kommuniquce der
revisionistischen Exekutive über ihre Stellungnahme zur
neuen Palästina-Erklärung der englischen Regierung zur Aus¬
gabe gelangte. In dem Kommumquee wird u. a. ausgeführt:
Der Brief des Ministerpräsidenten, in dem das Weißbuch
vom Oktober 1930 erklärt und interpretiert ist, wird von
uns als enttäuschend und für die Zukunft des Zionismus
höchst schädlich betrachtet. Wenn auch der Brief des Mi¬
nisterpräsidenten eine Anzahl der am meisten beanständeten
Abschnitte des Weißbuches außer Kraft setzt, so befriedigt
er doch nicht die jüdischen Ansprüche und Beschwerden in
bezug auf die britische Politik in Palästina. Er läßt die politi¬
sche Situation unverändert, trägt aber anderseits dazu bei,
die jüdische Öffentlichkeit irrezuführen und einen ungerecht¬
fertigten Optimismus zu erwecken.
Der Brief des Ministerpräsidenten muß im Lichte der
Antworten betrachtet werden, die er auf die am 11. Februar
im Unterhaus gestellten Fragen erteilt hat. Diese Antworten
lassen klar erkennen, daß die britische Regierung nicht geneigt
war, dem Brief den gleichen «Status wie dem dominierenden
Dokument» — dem Weißbuch vom Oktober 1930 — zu
geben.
Nunmehr gibt es zwei Statements: Das Weißbuch vom
Oktober 1930 und den Brief des Ministerpräsidenten. Inner¬
halb weniger Wochen wird ein Autoritätswettstreit zwischen
diesen beiden Dokumenten entbrennen und ihre verschiedenen
Sätze und Paragraphen werden ein polemisches Kampffeld
bilden.
In bezug auf die im Brief des Ministerpräsidenten ent¬
haltene Ankündigung einer demnächst vorzunchmenden
Untersuchung über die für eine gesch ossene Ansiedlung von
Juden verfügbaren Staatsländercien und sonstigen Böden
wird inr revisionistischen Kommuniquee erklärt, daß von einer
Untersuchung, die das äußerst spärlich bevölkerte Terri¬
torium von Transjordanien nicht mit einbezieht, i-rgendweche
brauchbaren Resultate nicht erwartet werden können. Def
Brief bietet auch keine grundsätzliche Verbesserung der Ein¬
wanderungsbedingungen. Die Regierung besteht darauf, die
vollständige Kontrolle der Einwanderung weiterhin selbst
auszuüben,
Wichtige durch das Weißbuch aufgeworfene Fragen, wie
der Vorschlag auf Einsetzung eines Legislative Council, der
Status der Jewish Agency und die Schaffung eines Landent¬
wicklungsfonds, werden in dem Briefe des Ministerpräsidenten
nicht einmal erwähnt. Es muß daher angenommen werden,
daß in diesen Fragen ohne jede neue Interpretation der Geist
und die Tendenz des Weißbuches aufrechterhalten werden
sollen. *
Sodann wird die Aufmerksamkeit auf jenen Passus Im
Briefe MacDonalds gelenkt, der besagt, die vollständig«
Lösung des Problems der Po'itik sei abhängig von einer Ver*
Juden ?
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