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Saite 2
DIE STIMME
NY. 427 - tfl. Febrtiftr 1 m
In Schottland werden Juden
Wohnungen verweigert
London, 14. Februar. ß. T. A.)
Im U n i o r !i a u s fragte der Abgeord¬
nete G. H u c li a n a n den Staatssekretär für
Schottland. ob es ilmi bekannt sei. daß die
. Eigentümer des mit Hilfe einer
K ■' g i v r u n g s s u b v e n t i o n erbauten
.Kings Park-Wohnbaukornjilexes in G 1 a s-
g o \v vor kurzem ein M i e t g e s u e h
a b g e 1 e h n t h a b e n, w eil der Be-
w e r b e r d e r j fi d i s (■■ h e n Rasse a n-
g e h ö r t e. Her Abgeordnete fragte weiter,
ob der Staatssekretär Schritte unternehmen
w 11 1b■. mn sieteT/mstelien. daß bei der Ver-
.mietung von Häusern, die mit Regiernngs-
hiife i.-rbaut wurden, ausschließlich das
Staat-bürgerprinzip und nicht religiöse An¬
schauungen ntaßgelemd >eien.
Her Unterstaatssekrotär für Schottland.
A. X, S k e 1 t o n, erklärte, er sei dahin in-
’ formiert, daß Hie Eigentümer des bet reffen¬
den Hausbesitzc.s ihren Standpunkt revi¬
diert haben und bei der Vermietung ihrer
Häuser keine Unterscheidung auf Grund der
Rasse oder Religion des Bewerber- machen.
Rio von dem Abgeordneten angeregten
■Schritte zu tun. stehe nicht in seiner
Al a c h t.
dem beipflichten: wie er bereits erklärt
habe, h a b e e r j e d o e h n i c h t die
Macht, in diesem besonderen Falle etwas
zu veranlassen.
Auf eine Frage des Abgeordneten Rarnett
Jänner, ob der Minister mit Rücksicht auf
die durch derartige Fälle geschaffene sehr
ernste Lage feststellen wolle, ob es keine
Möglichkeit gebe, solche Vorkommnisse zu
vermeiden, erklärte Uiiterstnatssekretär
Skelton, er sei bereit, alle wichtigen Tat¬
sachen zu prüfen.
und wirtschaftlichen Selbstverwaltungen,
wie zum Beispiel in Handelskammern und
anderen wirtschaftlichen Körperschaften,
einführen: Juden werden in die Verwaltun¬
gen dieser Körperschaften oft übe*«
h a u p t. nie h t. z u g e 1 a s s e n.
Verantwortung des Völk erbundes für die Flüchtlinge
London, 14. Februar, ß. T. A.)
Da> Permanente Komitee des vom
Völkerbund eingesetzten Hoehkommissariats
für die deutschen Flüchtlinge hielt soeben
in London eine Sitzung ab. in der der Hoch¬
kommissar James G. MacDonald unter an¬
derem nasführte: Jede nationale Flücht-
liugsgruppe kompliziert die internationalen
Beziehungen. Und wenn, wie jetzt, mehrere
solcher nationalen Gruppen existieren, er¬
höhen die daraus resultierenden Kompli¬
kationen beträchtlich die Schwierigkeit
internationaler Zusammenarbeit zur Stär¬
kung- des Friedens. Es ist klar, daß hin¬
sichtlich der Betreuung und der Seßha.ft-
machung dieser verschiedenen Flüchtlings-
gruppen eine internationale Verantwortung
besteht, lind ebenso klar ist es, daß diese
V e r a n t, w o r t, u n g a u f <1 e m Volk e r-
h ii ml ruht. Nur der Völkerbund kann
diese Arbeit wirksam vollbringen. Ist nicht
endlich die Zeit gekommen für eine Neube-
stätigung der unumgänglichen Verantwor¬
tung des Völkerbundes in der ganzen
FlüchtlingsangelegenheitV Die Verantwor¬
tung bestellt in der unzweideutigsten
Weise.
Das Permanente Komitee billigte die
Pläne des Hochkommissars James G. Mac
Donald, in mehreren südamerikanischen
Ländern die Möglichkeit- der Einwanderung
einer beschränkten Zahl von Flüchtlingen
an Ort und Stelle zu studieren.
Hochkommissar James G. MacDonald
wird voraussichtlich anfangs März in Süd¬
amerika eintreffen.
Auf allen Gebieten, wo die jüdische Be¬
völkerung auf Hilfe und Erleichterungen
seitens der Regierung angewiesen ist.,
wie zum Beispiel auf dem ausgedehnten
Gebiet unseres a/ns privaten Mitteln erhal¬
tenen nationalen S c hu 1 w e s e n s, macht,
sich die Aktivität der Regierung eher
störend bemerkbar, ja oft macht sie unsere
Arbeit einfach unmöglich.
Die j ii d i s e h e Be v ü 1 k e r u n g
b rieht, buchs t ä b I i c h u n t e r d e r
L a s t der S t e u e r n zus a m m e n. Da¬
bei entzieht sie sicli keiner Leistung zu¬
gunsten des Staates. Die jüdische Bevölke¬
rung glaubt, daß sie das Recht auf Schutz
und Hilfe .seitens der Regierung gleich
jedem Bürger eines freien Staates hat und
sie »teilt fest, daß sie von der Regierung
stiefmütterlich behandelt wird. Es ist darum
auch kein Wunder, daß unter solchen Um¬
ständen die V e r b i t, t c r u n g unter den
Juden steigt und sicli in einen Zustand
hoffnungsloser Verzweiflung
wandelt.
D*t Abgeordnete fragt weiter, ob dein
Minister bekannt sei, daß jetzt ein Ver¬
mietungsangebot in noch beleidigenderer
Form gestellt wurde: es sei vorgeschlagen
worden, eine Anzahl von Häusern für die
Y e r m i e t u ii g a n J u d e n zu rese r-
vieren. Er frage, ob der Minister dafür
Sorge tragen wolle, daß die mit Regierungs-
geld gebauten Häuser nur unter Berück¬
sichtigung der Staatsbürgerschaft vermietet
werden und daß das Religionsbekenntnis
kein Hindernis für die Erlangung eines Miet¬
objektes bilde.
Unterstaatssekrelür Skelton erklärte,
dies sei ihm neu. Was den Rechtsstaiulpunkt
betreffe, so gebe die Gewährung von Sub¬
ventionen für Häuserbau dem Regierungs-
departement keine Kontrolle über die Art
-der Vermietung. .Jetzt habe man aufgehört,
Privatbauten durch Subventionen zu fördern.
Die Frage der Erlassung rii ck wirke n-
J er Bestimmungen werde sorgfäl-
tigst erwogen werden.
Sir Percv Harris fragte den Minister,
ob er nicht der Ansicht sei, daß Diskri¬
minierung aus religiösen Gründen uner¬
wünscht ist.
Der Minister antwortete, jedermann werde
Kinoprogramme der Woche
mtmmmmmmmmmmmmmamamgumBsmmmaamaamammmt
KREUZ-KINO
Vom 10. bis 21. Februar 1035
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leopoldslfidter Volkskino 11 TN ep hon'ß” 49-^23* °
Vom 19. bis 21. Februar 1935
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SCHAFFER-KINO ^Telephon 1 bIo-SOÜ ^
Vom 10. bis 21. Februar 1035
Beginn : %4, */*6, ‘/ 4 8, %10 Uhr
Helm nt-Kino ,x - porzeua ”s as9 ? 19
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Vom 19. bis 21. Februar 1035
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Wochentag: 5, 7, 9 Uhr, Sonn- u. Feiert, ab 3 Uhr
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Vom 10. bis 21. Februar 1035
Sehnsucht
mit ioan Crawford und Clark Gable
Täglich; 4, 7*6, 7-A V4Q Uhr
Judenhaß und jüdische Not in Polen
Vor der Abstimmung über da. 1
mit großer Mehrheit angenommen
Sejmiklubs, Dr. Üsias Thon, die
Warschau, 17. Februar.
i Sta atsbudget, welches auch in dritter Lesung
wurde, gab der Vorsitzende des jüdischen
folge nde Erklärung ab:
Erklärung des jüdischen Klubs
Im Namen des jüdischen Klubs
erkläre ich im Angesicht, des Sejm, der Re¬
gierung und des ganzen Landes mit vollem
Nachdruck, daß die wirtschaftliche Lage
der Juden in Polen bereits einen kata¬
strophalen Charakter angenom¬
men hat und daß faktisch etwa die Hälfte
der jüdischen Bevölkerung Polens in
Hunger und Not lebt.
Die Juden leiden unter der allgemeinen
Krisis, außerdem aber besonders an den
Folgen der verschiedenen Verordnungen
und der gegen säe geübten Praxis der ad¬
ministrativen Organe. Mit sieben Schlössern
verschließt man den Juden den Zutritt zu
allen Ämtern und zai den Einkommens¬
quellen. die sich unter der Kon¬
trolle der Regierung befinden. Auf
der anderen Seite stößt man die Juden
systematisch und wie nach einem vorge¬
faßten Plane aus allen wichtigen Positionen,
in denen sie sich noch bis jetzt halten
konnten. Bei jeder Gelegenheit greift die
Administration in das Handelswesen
der Juden — das einzige den Juden
noch verbliebene Gebiet — störend ein
oder macht es den Juden ganz unmöglich,
ihre Existenz auf dem Handel zu gründen.
Alle Bemühungen, die jüdischen Massen
umzusohichten und sie der Produktion zu-
zufüliren, stoßen auf ungeheure Schwierig¬
keiten. Ein in die Augen springendes Bei¬
spiel dieeer Praxis, für deren Bezeichnung
man schwerlich einen parlamentarischen
Ausdruck finden kann, war die Art der Zu¬
teilung der Import-Kontingente.
Wir sind stark beunruhigt und betroffen
dadurch, daß die Regierung sich nach kei¬
ner Richtung hin bemüht, auch nur in
dem mindesten Maße die Not der jüdi¬
schen Bevölkerung zu lindern und daß
sie dieser Bevölkerung — wenn nicht
schon überhaupt feindlich — so doch mit
großem Unwillen gegenübertritt. Diese
negative Beziehung drückt sich auch
darin aus, daß die Regierung es
schweigend geschehen läßt,
daß man die Juden auf die
gemeinste Weise öffentlich
beschmutzt und beleidigt; die
Schuldigen bleiben 11 n g e-
s t r a f t.
Die jüdische Bevölkerung ist au der
Überzeugung gelangt, daß die Regierung
sich nur dann in jüdische Angelegenheiten
einmischt, wenn es sich darum handelt,
die letzten Reste der Autono¬
mie der jüdischen Gemeinden
zu vernichten. Ohne jeden Grund wer¬
den Verwaltungen jüdischer Gemeinden
aufgelöst. Niemand kann e#> verstehen,
warum die Regierung die Autonomie be¬
schneidet und verstümmelt und welche
Ziele sie damit verfolgt, wenn sie die
Leitung von Gemeinden in die Hände un-
orieatierter Kommissare gibt.
Hin gewiesen werden soll auch auf die
eigentliche Tendenz der Regierungskreise,
die eine Art Prozentnorm für die
jüdische Vertreterschaft in den territorialen
Aun diiesem Grunde ist. der jüdische
Klub nicht in der Lage, für das B u d g e t
zu stimmen und wird sich der Stimme ent¬
halten.
Die Aguda für das Budget!
Bei der Abstimmung über das Budget
stimmten die der Regierungsfront an ge¬
schlossenen orthodoxen jüdischen
Deputierten f ü r d a s B u d g e t, die
Mitglieder de« jüdischen KLub.s enthielten
sich der Stimme.
WIR BERATEN SIE IN ALLEN
BAU- uhd GRUNDSTÜCK-
ANGELEGENHEITEN FOR PALÄSTINA DURCH UNSER BORO IN
WIEN UND HÄiFA
AUSKUNFT UNTER „ARCHITEKTUR-BOR Q*
AN DIE REDAKTION DER „STIMME*
Graf Raczynski dementiert alles
Der polnische Botschafter in London.
Graf Eduard Raczynski, gewährte dem
Vertreter des „Jewish Chroniele“ ein
Interview, in welchem er erklärte, es sei
nicht richtig, wie dies vielfach behauptet
werde, daß die Juden Polens von Staats
wegen Beisclirämkuiigeii unterworfen sind,
die ihnen das Leben unerträglich machen.
Es gebe keinerlei Beschränkung der Be¬
schäftigung von Juden im Staatsdienst,
in den verschiedenen Ämtern oder in
irgend einem Beruf. Er sehe nicht ein,
warum die Vorfassungsreform zu einer
solchen Konsequenz führen sollte. Er sei
überzeugt, daß die Juden eine angemessene
Vertretung auf Grund einer Verständigung
mit der Regierungspartei erlangen werden.
Er sei überzeugt, daß nicht der geringste
Wunsch nach einer Verdrängung der jüdi¬
schen Vertretung aus dem Sejm besteht.
Daß unter den Juden Polens schreckliche
Not herrscht, bemerkte der Botschafter,
sei ihm durchaus bewußt. Die Regierung
versuche durch Subventionierung von Not¬
standsarbeiten und Neubauten der allge¬
meinen Not zu steuern.
Die polnische Regierung, erklärte Graf
Raczyinski zum Schluß, steht der Errich¬
tung eines jüdischen National-
h e i in s in Palästina mit großem Wohl¬
wollen gegenüber.
*
„Jewihs Chroniele“ befaßt sich mit diesen
Äußerungen.
Das Blatt schreibt: Wir müssen unsere
Enttäuschung darüber Ausdruck ge¬
ben, daß der neue polnische Botschafter
das Bestehen irgend welcher Beschränkun¬
gen gegenüber den Juden in Polen glatt¬
weg bestreitet. Diese Ansicht steht
im Widerspruch zu allem, was wir bis jetzt
erfahren haben. Es mag wahr sein, daß
eine gewisse Zahl Juden in hohen polnischen
Regierungsämtern angestellt ist, es würde
uns aber mehr befriedigen, zu wissen, daß
den dem Verhungern nahen jüdischen
Massen in dem Kampf um ihre Existenz
verständnisvolle Behandlung seitens der
Regierung zuteil wird. Der jüdische Depu¬
tierte Dr. Rosmarin hat unlängst im
Sejm erklärt, da^ 6Q Prozent der polni¬
schen Judenheit auf öffentliche Hilfe ange¬
wiesen sind. In den neugeschaffenen Hand¬
werksschulen, die von über 95.000 Nicht¬
juden besucht werden, machen die Juden
kaum 3 bis 4 Prozent der Schülerzahl aus,
dies obwohl seinerzeit die Hälfte aller
Handwerker in Polen der jüdischen Gemein¬
schaft angehörte. Die Regierung hat
auch die Handelskam m er p o Io¬
nisiert und den jüdischen Anteil von
50 Prozent auf 30 Prozent reduziert, obwohl
die Juden zu den 10 Millionen Zloty, die
jährlich für Handelspatente eingezahlt wer¬
den, 9 Millionen beisteuern. Von den hohen
Saatssubsidien erhalten die Juden kaum
einen Bettelpfennig. Die monopolisierten
Betriebe werden von Juden gereinigt. Es
mag richtig sein, daß die heutige polnische
Regierung nicht so antisemitisch sei wie
ihre Vorgängerinnen. Das ist aber e i n
schwacher Trost für das polnische
Judentum und für die um ihre Lage besorg¬
ten Juden der ganzen Welt. Wir glauben,
daß wenn die polnischen Minister so gute
Absichten mit Bezug auf die Juden haben,
sie auch den Mut zur Verwirkli¬
chung ihrer Absichten aufbringon
Der neue Botschafter kann sicher sein,
daß das, was wir ausdrückten, der Stim¬
mung im englischen Judentum entspricht.
Wir verlangen f a i r p I a y für die J u-
den in einem Lande, wo sie seit vielen
Jahrhunderten wohnen lind zu dessen Wohl¬
ergehen sie so unendlich viel beigotragen
haben. Eine neue Wendung könnte auch
ointreten, wenn die polnischen Parteien
aufhören sollten, die Judo «frage als Fähn¬
lein in ihrem politischen Spiel zu ver¬
wenden.
Der polnisch-palästinensische
Handel
Haifa, 15. Fobruar. (Palnews.)
Wie aus Warschau berichtet wird, hat sich
nach den Ziffern der polnischen Handels¬
statistik der Export Polens nach Palästina
von 5,752.000 Zloty im Jahre 1933 auf
9,103.000 Zloty im Jaliro 1934 erhöht. Der
polnische Import, aus Palästina stieg von
578.000 Zloty im Jaliro 1933 auf 1,052.000
Zloty im Jahre 1934 und macht nur wenig
mehr als 10 Prozent des Exportes aus.