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Frei« dieser Nummer 20 g
V. b. b.
Wegen de* JOM KIPPUR'
Festes entfällt die Dienstag-Aus*
gäbe. Die nächste Nummer der
„Stimme“ erscheint Freitag, den
11* Oktober.
JÜDISCHE ZEITUNG
Die großen, vorzüglichen Salonschiffe
„Galllca“. ,,PalcslIim“ und „Gerusalemme* 1
der direkten Eillinie
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TRIEST - JAFFA
des
LLOYD TRIESTINO
verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag / Fahrpreis in
der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich
bloß Lire 655'— < Auskünfte: Lloyd Triestino, I., Kärntnerring 6
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Nr.
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Wien, 4* Oktober 1935 I
Redaktion und Administration: Wien, I, Mirc-Aurel-StraBo 5.
To».: U 22-3-91 RedaktionssohluB Montag und Mittwoch vorm.
| (7. Tischri 5696) J 9« Jahrgang
Das Jüdische Neulahr im Dritten Reich
Der Weltverband der Völkerbund-
ligen und die Nürnberger Gesetze
Genf, BO. September.
Die holländische Völkerbundliga hat den
Weltverband der Völkerbimdligen ersucht,
die Frage der a n t i j ü d i s c h e n Gesetz-
gebunginDeutschland zum Gegen¬
stand einer Erwägung zu machen. Der dieser
Jage in Genf zusammentretende Große Rat
(Council) des Weltverbands der Völkerbund-
ligen wird sich mit dem Ansuchen beschäf¬
tigen.
Rund um Ostafrika
Boykott der Olympiade
New York, 30. September.
Die Harvard University in Boston hat —
wie der Sportdirektor der Universität Wil¬
liam J. B i n g h a m mitteilt — beschlossen,
an der Berliner Olympiade 1936 nicht
teilzunehmen, falls die deutsche Regierung
wirklich die deutschen Juden von der Teil¬
nahme an der Olympiade ausschließen sollte.
Bingham, der dem American Olympic Com¬
mittee angehört, erklärte weiter, daß falls
die Judenverfolgungen in Deutschland an¬
dauern, die Harvard University den üblichen
Beitrag von 10.000 Dollar an die Internatio¬
nalen Olympischen Spiele nicht mehr leisten
Wird.
Wien, VIII., Neudeggerg. 18 Telj B 46-5-72
: und Inxersdorf (N}eder;Ösie'rreich); .
, Prüfungserleichterung: durch-;,
UlaufcndcrAutoiin LchriaalH
4921 Juden im August nach
Palästina
Jerusalem, 27. September.
Wie offiziell mitgeteilt wird, sind im Mo¬
nat August 4921 Juden in Palästina einge-
wandert, davon 270 in der Kapitalisten¬
klasse (Mindestkapital 1000 Pfund) und 359,
die als Touristen ins Land kamen, und deren
Aufenthalt legalisiert wurde.
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0 R J. . H. K O' R. N. E R
WIEN I, KOHLMARKT 8 Ü-26-V2Ö'
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Der Völkerbundrat bat sich als Ausschuß
zur Beratung des italienisch-abessinischen
Konflikts konstituiert. Nur Italien ist in
diesem Ausschuß nicht vertreten. Weiters
hat der Rat sich selbst eine Frist von sechs
Monaten gesetzt, um zu einem Schlußbe
rieht zu kommen, wohl in der Hoffnung,
daß der Frieden wenigstens für dieses halbe
Jahr bis Anfang März geschützt werden
kann. Es bestehen aber nur geringfügige
Hoffnungen für diese Annahme. Musso¬
lini hat in einem vor zwei Wochen publi¬
zierten Interview den bisherigen Stand der
Mobilmachungskosten mit 2 Milliarden Lire
angegeben. Die innere Verschuldung Ita¬
liens wird mit 107 Milliarden Lire beziffert.
In diesen Beträgen liegt ein sehr starker
psychologischer Druck, die Dinge auf die
oder jene Weise, vor allem aber rasch vor¬
wärts zu bringen. Die Prozedur, die der
Völkerbundrat unter dem Zwang Englands
einschlägt, läuft dieser Tendenz entgegen
und es ist eine Frage der Nerven, ob.Ita¬
lien die Entscheidung des Völkerbundes ab-
warten oder die Entscheidung der Waffen
suchen wird. Anders ausgedrückt; es ist
abzuwarten, ob Italien, das nur ein Ziel ver¬
folgt, und allein steht, stärker ist als die
Genfer Versammlung, die auf den Frieden
Europas bedacht sein muß und sich im Zu-
I sannnenhang mit Abessinien vor einigen
'heiklen Problemen sieht, die aus dem Mi߬
lingen der Lokalisierung entstehen können.
Und hinter diesen Problemen steht Hitler,
der in seiner Reichstagsrede in Nürnberg
gesagt hat; „Die deutsche Reichsregierung
trifft ihre Entschlüsse nicht aus irgendwel¬
cher Einstellung, sondern ausschließlich aus
ihrer Verantwortung gegenüber Deutsch
land.“ Das sieht nicht nach Friedensbereit-
schaft aus, sondern ist die alte Zweideutig¬
keit. Wenn jemand finden wird, daß ein
Putsch nach Osten oder Süden ans der
„Verantwortung gegenüber Deutschland“
abgeleitet werden kann, dann wird der
Putsch zumindest versucht werden, zumal
ja gegen Litauen bereits die Kriegstrommel
geschlagen wurde. Diese Gefahr könnte
nur eine britisch-französische Entente be¬
schwören. Aber England bat sieh bisher
nur dahin vernehmen lassen, daß es den
Pakt, aber nicht mehr erfüllen wolle. Wird
es also eine vollendete Tatsache anerken¬
nen, ob sie nun in Litauen oder in Öster¬
reich geschehen ist? Die Entscheidung liegt
in diesen beiden Fragen bei England, nicht
beim Völkerbund, der nur vorgeschoben
worden ist.
Alle englischen Politiker, die namens der
Regierung zu sprechen das Recht haben,
betonen ihre Treue zum Völkerbundpakt.
Der ostafrikanische Konflikt sei ein Streit
zwischen zwei Völkerbundstaaten und hie-f
für biete das Statut alle Möglichkeiten zur
Austragung ohne Krieg. Es ist, nicht nur
Deutschland und Danzig
Der lärmende Verlauf des Nürnberger
Parteitages und die Reichstagsabstimmung
über die Rassengesetze haben doch nicht
den pessimistischen Unterton der Reden be¬
einflussen können, in denen die wachsende
Wirtschaftsnot wenigstens erwähnt werden
mußte. In Verbindung mit den hochtraben¬
den Ankündigungen und Versprechungen ist
auch diese Erwähnung von großer Bedeu¬
tung gewesen, weil sie einfach die Folgen
der miserablen Verwaltung, der außen¬
politischen Fehler und der Verschleuderung
der öffentlichen Mittel darstellt, ohne aller- j
dings die volle Wahrheit zu sagen. Das ist'
wahrscheinlich für das Volk nicht notwen¬
dig, das ja selbst die Zustände sieht, sich
um Fleisch, Butter und Fett anstellen muß, I
dabei aber merkt, wie die Führer in Saus
und Braus leben, sich luxuriöse Autos und
Villen bauen. So wird die Maxime „Ge¬
meinnutz geht vor Eigennutz“
eingehalten. Die neuerliche Judenhetze hat
schon ihre Bedeutung. Die Einzeläktionen
sind zwar durch den Führer selbst verboten
worden, aber sie können nicht abgestellt
werden, weil sonst das Volk seine Peiniger
direkt fassen und seinen Zerstörungstrieb an
ihnen befriedigen würde.
Während sich dies im Reich begibt, doku¬
mentiert sich die nationalsozialistische Ver¬
waltungskunst im Danziger Freistaat in
einer abschreckenden Deutlichkeit. Dieses
Land ist so weit zugrundegerichtet worden,
daß eben jetzt nicht weniger als 4000 Pen¬
sionistenfamilien nach Deutschland ab¬
wandern müssen. Es sind insgesamt
15.000 Menschen, die die Heimat ver¬
lassen und der öffentlichen Wohltätigkeit
überantwortet werden.
In Danzig ist dies bereits eingetreten,
daß der Zusammenbruch der nationalsoziali¬
stischen Wirtschaft nur mehr durch Preis¬
gabe wichtiger Rechte an Polen aufgehalten
werden kann. Aus der Saar weiß man,
daß auch dort der große Raubzug auf die
Taschen des Volkes eingesetzt hat; auch
dort zeigt sich ein erschreckender Rück¬
gang des Volksvermögens; Handel und Ge¬
werbe sind im Sterben.
Man muß in Österreich diese Vor¬
gänge aufmerksam im Auge behalten. Man
lernt sehr viel aus dieser Entwicklung, die
mit Roheit und Terror innig verbunden
sein muß, weil sie sonst sofort zum Bruch
führen müßte.
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von Italien, sondern fast von allen Oppo-i
nenten auf das Beispiel Japans hingewiesen
worden und auch der Gran-Chaco-Krieg
wurde zitiert. Das wichtigste Argument;
aber, der Fall des deutschen Vertragsbru¬
ches, ist nicht herangezogen worden. Als
Hitler die allgemeine Wehrpflicht prokla¬
mierte, war Deutschland noch trotz seiner
Austrittserklärung Mitglied des Völkerbun¬
des und alle Welt hatte erwartet, daß sich!
die Apparatur zum Schutze der Vertrags¬
treue in Bewegung setzen werde. England
hat dies verhindert und darin lag und liegt
noch jetzt die moralische Rechtfertigung für
Italien, das seinen Streit austragen will,
ohne ihn dem Einspruch Dritter zu unter¬
werfen. Daß England just jetzt und so
temperamentvoll die Sache des .Völkerbund
des führt, hat mit Völkerbund und Frieden
nicht das geringste zu tun. Für England
handelt es sich lim Gibraltar—Malta—Suez
—Aden. Der Völkerbund und der Pakt sind
nur dazu da, die öffentliche Meinung zu ge¬
winnen, die nun einmal für den Frieden ist.
Es treffen da zwei Dinge zusammen, die im
Wesen einander widersprechen, aber durch
die Fügung der Zeit kongruent sind, etwa
wie zwei Geleise, die parallel laufen, aber
in entgegengesetzter Richtung. Nicht zuni
Schutze des Paktes oder des mit goldener
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