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DIB STIMMB
Nr. 523 — 11 Februar 11)86
Billige Reisen der
ORBIS - POLEN
Abfahrt: Alle 14 Tage
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Jüdischer Nationalrat gegen das Bodengesetz
Mitteilung des Zionistischen
Landesverbandes
Am 12. Februar fand eine Versammlung der
Obmänner sämtlicher Bezirkssektionen, der all¬
gemein-zionistischen Delegierten des Landes¬
verbandes und der allgemein-zionistischen Mit¬
glieder der Bezirkskommissionen der Kultus-
gemeinde statt, die einhellig folgende Be
Schlüsse faßten:
1. Die Versammlung drUckt dem Klub der
zionistischen Kultusmandatare des Kultusvor
Standes Dank und Vertrauen aus.
2. Die Versammlung begrüßt die Ernennung
des Herrn Dr. Josef Löwenherz zum Amtsdirek
tor und ersten Sekretär der Kultusgemeinde,
beglückwünscht ihn zu dieser Ernennung und
beschließt, ihn in Anerkennung seiner hervor¬
ragenden Leistungen für die jüdische Gemeinde
neuerlich in das goldene Buch des Keren Kaje
meth einzutragen.
Aus Jerusalem meldet Paleor: Der
W a a d Leu in i veröffentlicht eine Erklä¬
rung, in welcher gesagt wird: Dio in Aus¬
sicht genommenen Bodenverkaufsbestimmun¬
gen seieu unvereinbar mit dem Man¬
dat und den in MaeDonalde Brief an Weiz-
mann enthaltenen Zusicherungen. Die Re¬
gierung wird dringend gebeten, ihre Pläne
nochmals zu erwägen und weitere
Beschränkungen in der Einwanderung zu
vermeiden. Einwanderung nach Palästina
sei d i o e i n z i g e Hoffnung für die ver¬
zweifelten jüdischen Massen in der
Diaspora. Der Jisclmw werde mit aller
Macht gegen alle einwanderungsfeindlichen
Verordnungen opponieren. Der Wand Leumi
ruft den Jischuw auf, eine vereinigte
Fron t zu bilden.
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betlange 3 imt 92eht
SauerBntmt
Erklärung des Klubs der zlo
nfstischen Mandatare Im
Kultusvorstand
Die Union österreichischer Juden hat an die
Mitglieder der Gemeinde eine Flugschrift ver
sendet, die nach Schreibweise und Inhalt sich
als ein Exzeß entarteter Parteileidenschaft dar
stellt.
Dieses Pamphlet werden wir nicht unbeant
wortet lassen. Allerdings wollen wir hiebei nicht
auf das von der Union in ihrer Aussendung be¬
zogene Niveau herabsteigen. Wir werden viel¬
mehr an der Hand des konkreten, von jeder¬
mann überprüfbaren Tatsachenmaterials in
ruhiger und sachlicher Weise die Haltlosigkeit
der gegen uns mit beispielloser Skrupellosigkeit
vorgebrachten Anwürfe erweisen.
G. SzelinskI &Co.
Buchhandlung
u. Antiquariat
Wien, 1. Bezirk, Schottengasse Nr. 9
bietet dem interessierten Leser reichste Auswahl
in- und ausländischer Literatur.
Stiftung
Johann Kremenezky
Der vor einem Jahre den Erben des ver¬
ewigten Johann Kremenezky seitens des
österreichischen Keren Kajemeth gemachte
Vorschlag, einen Wohltätigkeits- und Kul¬
turzwecken zugedachten Betrag des Nach¬
lasses, dem KKL. als Stiftungskapital zu
übergeben, gegen die Verpflichtung des
KKL., dauernde Zinsen für die Stiftungs¬
zwecke zu zahlen, ist in den letzten Tagen
verwirklicht worden. Die Erben haben sich
mit der Verpflichtung des KKL. begnügt,
bloß durch 30 Jahre diese Zinsen zu ent¬
richten.
Um das Zustandekommen dieser
neuen Form der Anlage von
Stiftungsgeldern in Verbin¬
dung mit dem KKL. haben sich der
Leiter des österreichischen KKL., Dr. Chaim
Tartakower, und Dr. David Rothblum ver¬
dient gemacht.
Die WIZO-Gruppe XX veranstaltete am 8. d.
eine Charnisc-hab - Asaar-Feier, die sich eines
ausgezeichneten Besuches erfreute. Naeh einer
kurzen Begrüßung durch die Gruppenleiterin
Frau Regina Glaser hielt Prof. Dr. Menczer die
14. März 1936
AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER
STOBERLPREISE
Alt-Wien tm Grinzinger Keller. Täglich Musik der
Kapelle Auerbach. Konzert, Jazz, Stimmung. Mifwir.
kend: Stimmungssänger Hans Blaschek und Violinvirtuose R. Ohlenschläger
Weizmanns Europareise
Der Präsident der Zionistischen Organi¬
sation und der Jewish Agency Dr. Oliaim
Weizmann tritt am 14. d. die Reise nach
London an, um in England die aktive Füh¬
rung der Gegenbewegung gegen die
geplante Änderung der englischen Palästina-
Politik zu übernehmen.
Dr. Weizmann wird in London mit den
Führern der neuen Rettungsaktion zugun¬
sten der deutschen Juden, Sir Herbert S a-
muel mit Viscount Bearsted (Simon
Marks bleibt bekanntlich noch einige Zeit in
den Vereinigten Staaten), nac-h deren Rück¬
kehr aus Amerika Zusammentreffen und mit
ihnen über den Anteil Palästinas an der
Aktion zur Herausnahme von 100.000 Juden
aus Deutschland verhandeln. Das. Gelingen
dieser Aktion hängt bekanntlich sehr davon
ab, wie weit die Tore Palästinas den aus J
Deutschland kommenden Juden offen stehen.
Zwischen den beiden Aufgaben, die Weiz¬
mann in England dnrehzuführen hat, besteht
omit ein ursächlicher Zusammen¬
hang.
Es" wird:. 'angenommen, daß Weidmann
andere europäische Länder besiiöhefi-
Die antijüdische Unruhe
in Polen
auch
wird.
Die
Geltungsdauer der Ver-
wandtenzertiSikate
Die aus Palästina jetzt einlangenden
Verwandtenzertifikate der Kategorie D sind
nur vier Monate gültig, vom
Tage der Ausstellung in Palä¬
stina an gerechnet. Eine Verlängerung
der Gültigkeitsdauer eines solchen Zerti¬
fikats durch die englische Paßstelle in Wien
ist n i c h t möglich.
Personen, für die die Familienangehörigen
in Palästina um ein Verwandtenzertifikat
der Kategorie D bei der Palästinaregierung
angesucht haben, müssen bei Erteilung des
Zertifikats sich auf ihre baldige Aus¬
reise vorbereiten.
Das Palästinaamt empfiehlt den Zertifi
katsempfängem der Kategorie D, sich be¬
treffs Erledigung der Reiseformalitäten mit
dem Palästinaamt ins Einver¬
nehmen zu setzen.
Der neue Flüchtlings-
Kommissär
Aus Genf wird gemeldet: Genoralmajor
Sir Neil Malcolm, der während der
letzten Tagung des Völkerbundrates als der
aussichtsreichste Kandidat für die Über¬
nahme des nunmehr dem Völkerbund direkt
unterstellten Oberkommissariats für die
deutschen Flüchtlinge genannt wurde, hat
bereits mit dem Generalsekretär des Völker¬
bundes, A v e n o 1, Fühlung genommen. Von
gut informierter Seite wird mitgeteilt, daß
Sir Neil sich grundsätzlich bereit erklärt
habe, die Leitung der Angelegenheiten der
Flüchtlinge aus Deutschland zunächst bis
zu der im Herbst stattfindenden Völkerbund-
versammlung zu übernehmen. Der voraus-
Festrede, in der er in formvollendeter Weise
die Bedeutung der! Cbamischah-Asaar-b'schwath-
Fest.es erläuterte. Anschließend wickelte sich
unter der technischen Leitung Otto Knollers
das künstlerische Programm ab. Von den Dar¬
bietungen wären besonders zu erwähnen die
arabischen und jiddischen Gesangsvorträge
von Zw'i Sofer aus Palästina, das Trio der
Brüder Knollor, die Violinvorträge des Mit¬
gliedes der Wiener Philharmoniker Geringer
und die jiddischen humoristischen Lieder des
kleinen siebenjährigen Murnli Hausknecht, die
stürmischen Applaus auslöston. Die_ Klavier¬
begleitung' besorgte bei allen musikalischen
Darbietungen Otto. Knoiler,
Purimball
Aue Warschau, 10. d., wird gemeldet:
An dem letzten Markttag ist es in dem
Städtchen Goetyn im Kreise Posen zu
ernsten judenfeindlichen Ausschreitungen ge¬
kommen. Als die jüdischen Marktfahrer ihre
Waren auslegten, wurden sie von einer
Bande Exzedenten überfallen, die die Stände
zu plündern begann. Der Polizei setzten die
Aufrührer Widerstand entgegen. Zwei Po¬
lizisten und ein Gendarm wur¬
den getötet.
Auch in anderen Ortschaften, insbesondere
in der Gegend von Czenstochau, fan
den judenfeindliche Ausschreitungen statt
Die Untersuchung der Vorfälle in Trusko
1 as hat zu der Verhaftung eines Mannes ge¬
führt, der in die dortige Synagoge eine
Bombe geworfen hatte. Außerdem wurden
siebzehn Nationaldemokraten verhaftet. Vier
Nationaldemokraten wurden festgenommen
weil sie, als sie von den Unruhen in Trusko
las erfuhren, an dem gleichen Tage juden
feindliche Ausschreitungen in KI o b u c k
jisrvprriefen. . . ,
Während der p o g r o m a r t i g e n , A u s
schreitungen in Pszystan bei Czen-
stöchau wurden der Händler Herechel
Szumbrowicz und die Händlerin Rachel
Rubin von Huligans niedergeschlagen und
erheblich verletzt, ihre Stände wurden zer
stört. Auch die Stände anderer jüdischer
Händler wurden teils zerstört, teils ausge
. raubt. Die Polizei verhaftete 21 Personen,
die beim Wareuraub ertappt wurden. Die
Huligans zogen durch die Straßen und schlu¬
gen die Fenster in den jüdischen Häusern
ein.
In Z a g o r o w bei Lodz fiel die von Agi¬
tatoren aufgehetzte Bauernschaft während
des Jahrmarkts über die Juden her und miß
handelte mehrere von ihnen. Die Exzedenten
plünderten alle jüdischen Ge¬
schäftsläden aus. Die Polizei ver¬
folgte die Plünderer in die umliegenden Ort¬
schaften. Im Dorf Szetlewek wurde die Po¬
lizei aus dem Hinterhalte von einer großen
Bauernmenge angegriffen, die versuchte, ver¬
haftete Plünderer zu befreien. Die Polizisten
sahen eich gezwungen, von der Schuß
waffe Gebrauch zu machen. Drei der
Angreifer wurden getötot, acht
verletzt.
In S o c h a c z o w (Kreis Warschau) wurde
der Laden von Mendel Walfisch durch Born
b e n w u r f vollkommen zerstört.
Schiffskarten
für olle Linien via Triest und Conitanxa nach
Palästina
und allen anderenOrienthäien tu niedrigen Örigfnalpreiscn Im
Reisebüro „IRUT", I., Karisplatz 1 Tel. U 44-5-79
Erbitterung der gesamten polnischen
Judenheit wegen des versuchten Attentats
auf ihre Gewissensfreiheit und auf ihr physi¬
sches Wohlergehen Ausdruck.
Vizeminister Gezybo wski erklärte der
Abordnung, er habe vom Ministerpräsidenten
Auftrag, sie zu empfangen, und werde dem¬
selben das ihm überreichte Memorandum
unterbreiten.
Unter dem Vorsitz des Präsidenten Ma-
z u r fand eine gemeinsame Sitzung des Vor¬
stands der Jüdischen Gemeinde mit Vertre¬
tern anderer jüdischer Gemeinden und der
Rabbinerschaft statt. Rabbi Guczo wie«
darauf hin, daß die polnische Regierung sich
bei der deutschen Regierung für die Schächt-
freiheit in Deutsch Oberschlesien eingesetzt
hat. Es wuirde eine Resolution angenommen,
in der erklärt wird, daß die Schcehita eino
der Grundgebote der jüdischen Religion sei;
daß ein Verbot der polnischen Verfassung
direkt widersprechen würde; daß die Unmög¬
lichkeit für clie drei Millionen Juden in Po¬
len, sich Koscherfleisch zu beschaffen, zum
schnellen physischen Verfall dieser Menschen
führen müsse.
Aus Z a g o r o w wird gemeldet, daß die
Judenschaft mit dem Rabbiner an der Spitze
den Ort verlassen hat, weil weitere Unruhen
befürchtet werden. Eine lebhafte judenfeind¬
liche Propaganda geht auch in der Gegond
von Wilna vor sich.
Schächtverbot in Polen?
Warschau, 10. Februar. (Z. T. A.)
Die von zahlreichen Sejmdoputierton unter
Führung der Gattin des Sejmmarschalls,
P r y s t o r, geführte Propaganda zwecks An¬
nahme eines Gesetzes, das das Schlachten
nach jüdischem Ritus verbietet, hat die
Bei Neurasthenikern, deren Schwäche auf
Unterleibsstörungeu beruht, bewirkt das
natürliche ,,Franz-Josef“-Bitterwasser — täg¬
lich mehrmals einige Eßlöffel voll genommen
— oft wahrhaft überraschende Resultate.
„UIegalen“-Prozeß in Lodz
Wie aus Warschau berichtet wird, bat
in Lodz ein Prozeß gegen eine Reibe von
Personen begonnen, die beschuldigt sind,
einen systematischen Schmuggel illega¬
ler Einwanderer nach Palästina orga¬
nisiert zu haben. Die Angeklagten sind zum
größten Teil Revisionisten, unter ihnen be¬
findet sich auch der aus dem Arlosoroff-
Prozeß bekannte Abraham Stavsky.
In der Anklageschrift wird den Beschul¬
digten vorgeworfen, sie hätten von über
vierzig Juden größere Geldsummen unter
dem Versprechen entgegengenommen, die
Betreffenden nach Palästina zu bringen. Die
Auswanderer wurden zunächst nach dem
polnischen Hafen Gdingen und dann auf das
kleine Motorschiff „Wanda“ gebracht. Nach
dreitägigem. Manövrieren in den Ktisten-
gewässern kehrte das für eine längere See¬
reise untaugliche Schiff jedoch nach Gdin¬
gen zurück. Zu dem Prozeß, der voraussicht¬
lich acht Tage dauern wird, sind ungefähr
hundert Zeugen geladen.
Das Urteil
Aus London wird vom 12. d. noch ge¬
meldet: Chasanovicz wurde zu drei
J a h r c n Gefängnis verurteilt, Stavsky
wurde frei gesprochen.
Die ZionistischeBezirkssektionundWIZO
Prater gratulieren
Herrn Samuel und Frau Antonie Locker
anläßlich der Feier ihrer silbernen
Hochzeit aufs herzlichste
sichtliche neue
67. Lebensjahre.
Oberkommissär steht im
Hur Akademl Tvrl (des Gesamtvorbandee
Uldi-scner Hochschüler Österreichs „Judäa“).
Freitag, den 14. <L. M., spricht im Chajessaale,
IX., Alsersfcraßo 26, um 8 Uhr abends, Kollege
Glenn über „Das Geschehene in Davos“,
Gäste willkommen!
Eine Kocht inTel-Avlv
Jüdisches Volksbiidungshelm Blallk. Montag,
den 17. Februar, um 8 Uhr abends: Semina/r-
vortrag Heilige Schriften, Buch Ijob. Referent
Dr. Benjamin Klar. — Donnerstag, den
20. Februar, um 7.30 Uhr abends: Somimirvor-
trag Talmud Traktat, Bawa Mozia, Referent
Dr. O. J. Glaser. — Donnerstag, den 20. Fe¬
bruar, um 8.30 Uhr abonds: Vortrag über
Ethik in Bibel und Talmud“. Roferent Dok¬
tor Benjamin Doll. — II o b r ä i s c h k u r s e:
Montag, 6.30 Uhr abends, für Erwachsen« (An¬
fänger); Mittwoch, 4.30 Uhr nachmittags, für
Kinder (Anfänger); Donnorstag, 7 Uhr abonds,
für Erwachsene; Dienstag, 6.30 Uhr abends,
für Fortgeschrittene; Donnerstag, 8 Uhr abends,
für Fortgeschrittene. — Freitag, 8 Uhr abends,
Onegg Sabbatb mit Vortrag. — Samstag,
6 Uhr abends, Versammlung der Jugend.
Judenheit in Polen in tiefe Unruhe versetzt.
Sämtliche jüdisch on Deputier¬
ton und Senatoren erschienen im
Ministerratspräsidktm und gaben der tiefe n
Sofiensäle