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Oll STIMMI
Nr. 582— Wten, Dienstag, 22. September 1936
Der Verzweiflungskampf des Mufti
Von M. Y. Bcn-gavriel
Jerusalem, 17. September. I wird, würden die andern sehr bereitwillig
Die Erklärung der englischen Regierung, folgen und ihnen, den Führern, würde die
mm mit allen Mitteln die Anarchie in Palii-: Niederlage erspart, bleiben, den Streik wegen
stina zu beenden, hat endlich eine Abwechs*! vollendeter Erfolglosigkeit abbrechen zu
lung in das tägliche Einerlei von Mord und ' müssen. Was abeT die Banden betrifft, die
Überfall gebracht. Die erste und auffallend- , *"‘ ref n?rtI,+ ma,u "
ßte Folge dieser Erklärung, die wohl die
letzte Warnung vor Verhängung des Kriegs¬
zustandes darstellt, ist die geradezu er¬
staunliche Verwirrung, die sie im
Lager der arabischen Führer angerichtet
hat. die anscheinend mit allem andern, als
mit eine Regierung der starken Hand gerech¬
net haben. Die Bemühungen Nuris schie¬
nen Aussicht auf Erfolg, wenn auch viel¬
leicht nur auf momentanen, gehabt zu
haben, man glaubte schon Siegesfeiern vor¬
bereiten zu können und fühlte sich quasi in
der Rolle einer unabhängigen Macht,
die Verhandlungen mit dem großen engli¬
schen Reich auf der Basis der Gleichberech¬
tigung führt — da fiel plötzlich über Nacht
alles in sich zusammen,
Nuri Pascha ließ nichts mehr von sich
hören und die Telegramme, die man ihm
nach Konstantinopel nachschickte, ka¬
men als unbestellbar zurück.
Nun stoßen die Gegensätze im Obersten
Nationalen Rat der Araber hart aufeinan¬
der: die Gemäßigten, die längst von Streik
und Terror genug haben, die, die überdies
für ihre vier Millionen Kisten Zitrusfrüchte
bangen, deren Saison unaufhaltsam heran¬
naht, beginnen Vorwürfe zu erheben.
Aber alle die Unterhandlungen des Obersten
Rates nach der Regierungserklärung dreh¬
ten sieh um die Fehler der Vergangen¬
heit; kein Wort wurde über die nächste
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Zukunft gesagt und keiner stellte den An¬
trag auf Abbruch des Streiks, der den mei¬
sten auf den Lippen lag, denn jeder fürch¬
tete für sein Leben.
Für die Fortsetzung des Kampfes ist,
abgesehen von den Banden, die nicht
wissen, was sie mit sich nach Abbruch
des Krieges anfangen sollen, e i g e n t-
lich nur der Mufti und sein
Anhang,
denn Hajd Ernin, der Hussein!, erkennt ge¬
nau, daß es jetzt um seine Stellung geht.
Überbietet er nicht alle andern an Radika¬
lität, dann weiß er, daß er nachher eine
lückenlose arabische Front gegen sieh
haben wird, wie er weiß, daß nach Einkehr
normaler Zeiten unweigerlich wieder die
Frage der Wahlen im Obersten
Muslimischen Rat auftauchen wird.
Und tatsächlich: als der High-Commissioner
den Mufti empfing, deutete er ihm an, daß
diese Wahlen wohl kaum zu umgehen sein
werden. Es ist nicht schwer zu erkennen,
daß diese Andeutung in das neue Programm
der starken Hand der Regierung gehört, die
jahrelang diesen Exponenten der radikalen
Politik vor diesen Wahlen schützte, weil sie
seiner bedurfte. Nun aber sieht sich der
Hadj Emin, der auf seine ewige Unentbehr¬
lichkeit vertraute, vor einer völlig geänder¬
ten Situation, mit der er auf Grund der Er¬
fahrungen der letzten Monate wahrlich nicht
rechnen konnte.
Nun beginnt der Kampf um Sein oder
Nichtsein als höchster religiöser Wür¬
denträger und insbesondere als Verwal¬
ter der Wadgelder, ein Kampf, den
kein Kompromiß lösen kann. Ein Kampf,
der vielleicht nur durch die Ausweisung
des Muftis, von der man nicht nur in
der „Times“ in den letzten Tagen zu
munkeln beginnt, erleichtert werden
kann. Dies alles aber weiß nicht allein
der Mufti, sondern auch der Oberste
Arabische Rat,
eine Körperschaft, die, abgesehen, vielleicht
von Auni Bei Abdul Badi, keinen einzigen
Politiker von Format enthält: eine augon-
blicklteh völlig ratlose Gesellschaft von
Menschen, die keine Ahnung hat, wie sie die
Bewegung, die sie ins Rollen gebracht hat,
wieder zum Stehen bringt. Für sie gibt es
nur eine einzige Rettung, wenn die Regie¬
rung nicht auf der ganzen Linie nachgibt:
K. r i e g s z u«tan d. Wenn die Militärver¬
waltung ein paar Läden mit, Gewalt öffnen
längst nicht mehr hören, was man ihnen be¬
fiehlt -- möge die Regierung mit ihnen und
mit ihrem geistigen Vater, dem Mufti, fertig
werden! Diese Verzweiflungskalkulation be¬
deutet aber nicht allein die Rettung der
Orangenemte und die Möglichkeit, aus der
Sackgasse einer völlig verrückten Taktik
herauszukommen, sondern
auch den Anfang der Entscheidung im
jahrelangen Fanulienkampf. Eine Ent¬
scheidung zu ungunsten der Husseinis
und ihres Führers, des Muftis von Jeru¬
salem.
Man darf natürlich nicht glauben, daß die
Liquidation des Aufstandes ganz einfach
durch ein paar intensive militärische Aktio¬
nen vor sich gehen wird. Der Mufti und die
Intransigenten, die nur schießen können,
aber von hoher Politik keine Ahnung haben,
werden das Spiel nicht allzu schnell auf¬
geben; es ist zu befürchten, daß die Ruhe
in Palästina, nicht morgen schon
einkehren wird. Und noch etwa® an¬
deres, darf nicht, übersehen werden:
wenn auch Englands Politik augenblick¬
lich für uns anscheinend günstig Ist,
kann dadurch dennoch nicht die jüdisch¬
arabische Frage gelöst werden, denn
dieses Problem kann einzig und-'ailein
am runden Tisch beider Völker in Er¬
kenntnis der Notwendigkeit
friedlicher und konstrukti¬
ver Zusammenarbeit der beiden
Staatsvölker gelöst werden.
Mit dem Mufti aber möge, so können auch
wir sagen, England fertig werden und an¬
derseits die ihm gegnerischen arabischen
Parteien, denn diesem Mann ist der Kampf
gegen den Zionismus, wie aus seiner Taktik
im Obersten Arabischen Rat von Tag zu
Tag klarer wird, letzten Endes nur die
Basis um seine Stellung in der ara¬
bischen Welt, wie auch sein Kampf
gegen England einzig diesem Ziel dient.
Protest des Weltkongresses gegen Nürnberg
Das Exekutivkomitee des Jüdischen
Weltkongresses wendet sich mit fol¬
gendem Manifest an die Regierungen,
die Parlamente und den Völkerbund:
Das Exekutivkomitee des Jüdischen Welt¬
kongresses erhebt feierlichen Protest gegen die
methodisch organisierte Bedrohungs- und Ver¬
leumdungskampagne, die auf dem Nürnberger
Parteitag von höchsten Würdenträgern der
deutschen Regierung und der nationalsozialisti¬
schen Partei gegen das gesamte* Judentum
entfesselt worden ist.
Das Exekutivkomitee protestiert u. a. gegen
den Versuch, den politischen Kampf der
deutschen Regierung gegen einen anderen
europäischen Staat mit der widersinnigen Be¬
hauptung zu verquicken, daß Judentum und
Bolschewismus identisch seien.
Es genügt, an die geschichtliche Tatsache zu
erinnern, daß es nicht das „Weltjudentum“,
sondern der deutsche Militarismus war, der
während des Weltkrieges der bolschewistischen
Bewegung zur Macht verhalf.
Das Exekutivkomitee lenkt die Aufmerksam¬
keit der Weltöffentlichkeit auf die Leiden und
Gefahren, die für Hunderttausende unschul¬
diger jüdischer. Männer, Frauen und Kinder in
Deutschland aus der erneuten zügellosen Ent¬
fesselung der antisemitischen Leidenschaften
erwachsen.
Das Exekutivkomitee richtet an die Staats¬
männer und an die Presse aller Kulturstaaten
den feierlichen Appell, den von den höchsten
Stellen des Deutschen Reiche® und der natio¬
nalsozialistischen Partei ausgehenden Verleum¬
dungen, die sich gegen die Juden in allen Län¬
dern richten und die in allen Staaten Kon¬
flikte und Krisen heraufbeschwören wollen,
nachdrücklich entgegenzutreten.
Das Exekutivkomitee des Jüdischen Welt¬
kongresses übermittelt diese Erklärung im
Namen der vielen Millionen Juden, die es ver¬
tritt, den einzelnen Regierungen und Parla¬
menten, dem Völkerbund und der Weltpresse,
Terror, Enteignung, Vernichtung
Prag, 16. September. (Z. T. A.) Der soeben mann genossen hätte und daran gestorben
TVai.^onV.lnn/l T3 ^U i- Q/-v cd? Ti! O CrOCO m t O "Wa Tl-Moil t.O Orh r»V> Olli OTft.
ausgegebene Deutschland-Bericht der So-
pade, der die Lage in Deutschland im August
1936 auf Grund von aus allen Teilen
Deutschlands eingegangenen objektiven Be¬
obachtungen danstellt, enthält ein sehr aus¬
führliches Kapitel „Der Terror gegen die
Juden“, in dem u. a. erzählt wird:
In der Weltöffentlichkeit herrschte die
Auffassung, daß vor und während der
Olympiade den Juden aus Propagandagrün-
den eine Atempause gewährt worden sei.
Selbst diese bescheidene Hoffnung hat ge¬
trogen. Es ist zwar vor lind während der
Olympiade zu keiner sensationell wirkenden
Großaktion gekommen, der tagtägliche
Kleinkrieg gegen die Juden ist aber keinen
Augenblick lang vermindert oder gar ein¬
gestellt worden.
Der Kampf gegen die Juden hat alle Ge¬
biete ergriffen. Aus jedem Zweig des inner¬
deutschen Lebens werden die Juden nach
und nach unbarmherzig hinausgestoßen. Die
Hinausdrängung der Juden aus dem Wirt¬
schaftsleben hat in den letzten Monaten, also
auch währender Olympiade einen
außerordentlichen Umfang angenommen. Es
mehren sich jetzt die Fälle nackterEnt-
e i g n u n g. Dabei werden die Inhaber so
gequält, daß es zu Selbstmorden und
Irrsinnsanfällen kommt.
Der Terror gegen die Juden wird von
den deutschen Gerichten teils auf Grund der
Nürnberger Gesetze, teils unter Berufung
auf das „Volksempfinden“, nach- Kräften
unterstützt.
Viele Seiten des Berichtes füllen „Einzel-
aktionen“ gegen die Juden aus, die die da¬
von betroffenen Juden oft zwingen, ihre
ganze Habe zurückzulassen und zu fliehen.
In Kassel wurden iu der Nacht zum
17. August die Auslagenfenster aller jüdi¬
schen Geschäfte zerschlagen und die Häuser,
in denen Juden wohnen, mit antisemitischen
Aufschriften beschmiert. In ganz Hessen
wütet der Terror gegen die Juden.
Meist werden soicho jüdischen Geschäfte
behördlich geschlossen, die eine größere
Zahl jüdischer Angestellter beschäftigen.
So wurde z. B. in Leipzig das große Kauf¬
haus Brühl mit fast 1000 Beschäftigten ge¬
schlossen. Dagegen wird gegen solche jüdi¬
schen Geschäfte, die nur arische Kräfto be¬
schäftigen, meist nichts unternommen.
Nachstehend ein Beispiel des Terrors: ln
Adorf, Sachsen, starb plötzlich ein 6jähri-
ges Kind. Der Vater behauptete, daß das
Kjpd L Wursfc vcw jüdischen Kaufhaus Hey-!
sei. Die gesamte Nazi-JMeute erhob ein gro¬
ßes Geschrei, der Staatsanwalt griff ein, die
Leiche wurde geöffnet. Die ärztliche Ge¬
richtskommission stellte als Todesursache
Lungengrippe und Unterernährung fest.
Trotzdem wurde Heymann gezwungen, das
Kaufhaus für einen kleinen Bruchteil des
Wertes Ariern zu übergeben.
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be) lerdienfelderstraße Telephon: A 21-5-31
Arische Demonstration gegen
Terror
Wo nur irgend möglich, kommt es zu
einer Auflehnung der Bevölke¬
rung gegen den antijüdischen
Terror. Der Leiter der schlesischen Phil¬
harmonie v. Heßlin wurde zum Verlassen
seiner Stellung gezwungen, weil er mit einer
Jüdin verheiratet ist. Im Breslauer Konzert¬
haus gab er ein Abschiedskonzert, das un¬
geheuer überfüllt war. Dem Scheidenden
wurden stürmische Ovationen bereitet. Im¬
mer wieder riefen clie Leute im Sprechohor
„Heßlin wiederkommen!“ Die Nazikreise
waren gegen diesen Sturm machtlos. Heßlin
wurde durch die Stadt zum Hotel Monopol
getragen. Dort wiederholten sich
die Manifestationen einer nach
Tausenden zählenden Menschenmenge. Es
waren unmißverständliche Manifestationen
gegen dio Judonpolihik der jetzigen Macht¬
haber.
Enteignung des Jüdischen Haus¬
besitzes
Paris, 20. September. Der Berliner Korre¬
spondent des „Intransigeant“ erfährt von einer
der deutschen Reichsführung sehr nahe stehen¬
den Persönlichkeit^ daß in der nächsten Zeit
eine gründliche Umgestaltung des politischen
und sozialen Lebens Deutschlands vor sich
gehen soll; diese Umgestaltung soll umfassen:
1. Abschaffung des Reichstages; 2. Aufteilung
des Großgrundbesitzes; 3. Enteignung.des
jüdischen Hausbesitzes; 4. Neue
Steuern. Während die Aufteilung des Gro߬
grundbesitzes — erfährt der Korrespondent —
sehr wenig radikal durchgeführt werden soll,
soll die Enteignung des jüdischen Immobilien¬
besitzes legal auf folgende Welse erzwungen
werden: Alle Hausbesitzer sollen verhalten
werden, dem Bunde der Hauseigentümer beizu¬
treten, Da jedoch dort nur arische Mitglied«
atifgeitommen werden, sollen die Juden
sich des Hausbesitzes begeben. Auf
dem Berliner Immobilien- und Realitätenmarkt
werden übrigens Häuser aus jüdischem Besitz
schon seit mehreren Wochen zu jedem annehm¬
baren Preis ausgeboten.
Strafe für Menschlichkeit
Wie die „Frankfurter Zeitung“ meldet, ver¬
urteilte ein Darmstädter Gericht einen 60jäH-
rlgen Jaden zu 50 Mark Geldstrafe wegen
„Rassenschande“, weil er einem bei ihm bis
zum Erlaß der Nürnberger Gesetze bedienstet
gewesenen arischen Hausmädchen, das noch
keinen neuen Posten hatte und darum obdach¬
los war, in seiner Wohnung Unterkunft ge¬
währte; er ließ es das Zimmer mit seinen bei¬
den Töchtern teilen. Das Mädchen, als Zeugin
vernommen, gab seiner Dankbarkeit für die
Tat des alten Juden Ausdruck. Das Gericht
würdigte das menschenfreundliche Motiv, er¬
klärte aber in der Begründung, das Rassen¬
gesetz sei verletzt worden und müsse, wenn
auch mit einer milden Strafe, gesühnt werden.
„Pathologisches Manlakentum”
Die große internationale Presse hat nach
dem Nürnberger Parteitag über eine Rede
berichtet, die Julius Streicher in einem en¬
geren Kreis während des Parteitages in An¬
wesenheit von Antisemiten außerdeutseheir
Länder gehalten hat. In dieser Rede forderte
Streicher die b 1 u t i g e Ausrottung
aller Juden. Er sagte:
„Es gibt manche, die glauben, die Juden-
frage könne ohne Blut gelöst werden.
Diese Leute täuschen sich gründlich. Wenn
eine radikale Lösung erzielt werden soll,
dann müsse man einen blutigen Weg gehen.
Solche Maßnahmen sind schon darum berech¬
tigt, weil ja die Juden immer ihre Ziele durch
Massenmord erreicht haben und für Kriege
und alle möglichen Ausschreitungen verant¬
wortlich zu machen sind. Um die Sicherheit
der ganzen Welt zu gewährleisten, müssen
die Juden ausgerottet werden.“
Das „Neue Wiener Tagblatt“ schreibt zu
diesem Tobsuchtsaufall:
„Streichers blutrünstiger Erguß, der auf
ein pathologisches Manlakentum schließen
läßt, könnte mit einem mitleidigen Lächeln
abgetan werden, wenn nicht dieses Subjekt
wiederholt und noch in den letzten Tagen
von den führenden Männern des Reiches
ostentativ ausgezeichnet worden wäre. Es
bleibt abzuwarten, ob man es an leitender
Stelle jetzt endlich für geboten erachten
wird, von dem Manne, der einen behördlichen
Massenmord fordert, deutlich abzurücken.
Geschieht dies nicht, dann werden sich die
führenden Männer im Dritten Reich nicht
wundern können, wenn sie, wie gerade die
letzten Tage wieder gezeigt haben, im abend¬
ländischen Kulturkreis allenthalben kalten
Schultern begegnen.“
Lloyd George ist begeistert
London, 20. September. • Lloyd George,
der soeben von seinem Besuch in Deuts ch-
land, wo er zweimal mit Hitler zaisammen-
karn, nach England zurückgekehrt ist, gilbt
im „Daily Telegraph“ und im „Daily
Expreß“ seine Eindrücke ■wieder. Er führt
unter anderem aus:
Deutschland ist jetzt voller Hoffnung und
Vertrauen und mit einem neuen Gefühl der
Entschlossenheit erfüllt, sein eigenes Leben
ohne Einmischung irgend eines äußeren Ein¬
flusses zu führen. Es ist ein glücklicheres
Deutschland. Ein Mann hat dieses Wunder
vollbracht; er ist ein geborener Memschcn-
fiihrer, eine magnetische, dynamische Per¬
sönlichkeit mit einem entschlossenen Willen
und einem furchtlosen Herzen.
Lloyd George zweifelt nicht an Hitlers
aufrichtigem Friedenswillen. Die Deutschen,
schreibt er, wollen nicht gegen die Eng¬
länder kämpfen und haben auch keine
Rachegefühle gegenüber den Franzosen,
aber es herrscht ein wirklicher Haß gegen
den Bolschewismus. Der heftige anti¬
deutsche Feldzug in der russischen Presse'
und im Moskauer Radio hat in Deutschland
den Verdacht Wiederaufleben lassen, daß
die Sowjetregierung Unheil gegen Deutsch¬
land, plane. Leider — so fährt Lloyd George
fort — fahren die deutschen Führer dies
auf den Einfluß prominenter russischer
Juden zurück, und so wird dio Stimmung
gegen die Juden, die gerade in Gleich¬
gültigkeit eich aufziulöson im Begriffe war,
noch einmal aufgerährt.
„Daily Expreß “ leitet den Artikel von
Lloyd George mit ironischen Bemerkungen
ein und schreibt: „Lloyd George erklärt die
Judenhetze, indem er die Russen für sie
verantwortlich macht. Herr Lloyd George,
der immer von den Juden in England
unterstützt wurde, wird diese seim Be¬
hauptung seinen alten Anhängern gegen¬
über zu erklären und zu entschuldigen
hohen. Wie schade , daß manche unserer
ausgezeichneten Reisenden, wenn sie ins
Ausland kommen, nichts von der dort sieh
abspielenden Unterdrückung sehen . ln ihrer
Heimat die Freiheit genießend , vergessen
sie, diese als die größte Wohltat, zu preisen,
die, ein Mensch empfangen kam»*