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DIB STIMME
Nr. 586 — Wien, Dienstag, 18. Oktober 1986
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(KARL SEIDNER
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Haine bei Tel Mond und die jüliscbe land¬
wirtschaftliche Schule auf dem Berge Tabor
wurden von Terroristen beschossen. Alle
Angriffe wurden von den jüdischen
Siedlern selbßt zurück geschla¬
gen. Menschenleben waren auf jüdischer
Seite nicht zu beklagen, aber einiges leben¬
des Inventar ging zugrunde.
Ein Bandenführer erschossen
Bei T u I k a r e m wurden Tanks von
Freischärlern beschossen. Die Kampfwagen
erwiderten das Feuer. Dabei wurden
15 Araber getötet.
In der Nähe von Bethlehem kam es
gestern zu einem Gefecht zwischen einer
britischen Militärpatrouille und arabischen
Freischärlern. Ein Araber wurde dabei ge¬
tötet. Unter den Arabern befand sich auch
ein Neffe des G r o ß m u f t i, der mit
leichten Verwundungen gefangen g c-
n o m m e n wurde. Da er mit der Waffe in
der Hand in Gefangenschaft geraten ist,
droht ihm die Todesstrafe.
In den Kämpfen wurde auch der berüch¬
tigte Führer der Aufständischen, Aaci, ge¬
tötet, der als öffentlicher Feind Nr. 2 be¬
zeichnet wurde. Aasi kam von der Grenze
Transjordaniens und gewann binnen kurzem
unter den Aufständischen fast die gleiche
Popularität wie Fauzi Bey el Kaukadyi, der
von den Engländern als öffentlicher Feind
Nr. 1 bezeichnet wird. Die Absicht Aasis
war es, einen Aufstand unten den
wilden Beduinenstämmen im Sü¬
den Palästinas hervorzurtifen. Aasi
nahm auch aktiv an dem Drusenaiifstand
vom Jahre 1926 teil und wurde damals von
den französischen Behörden aus Syrien aus¬
gewiesen.
Kommt Frieden in Palästina!
Die Auswirkung der Abwertung auf Palästina
Jerusalem, 11. Oktober. (JTA.) Die
Frankenabwertung und die in ihrem Gefolge
stattgefundenen anderen Abwertungen wer¬
den auch auf die Handelsbeziehungen Palä¬
stinas Einfluß haben. Dieser Einfluß wird
sich im Verhältnis Palästinas zur T s c h e-
cboeiowakei, das bisher an einem weit¬
gehenden Ausbau der Handelsbeziehungen
mit Palästina interessiert war, voraussicht¬
lich belebend auswirken. Er wird aber be¬
sondere im Hinblick auf die Beziehungen
Palästinas zu Syrien zu spüren sein. Pa¬
lästina war bisher der beste Kunde von
Syrien und Libanon. Die Abwertung des
Franken wird mm noch mehr als bisher eine
einschneidende Verminderung der
Ausfuhr von Palästina nach
Syrien herbeiführen. Auf der anderen
Seite kann die Abwertung Veranlassung da¬
für sein, daß sich die syrische Aus¬
fuhr nach Palästina in einem Maße
erhöht, daß die syrische Konkurrenz sich
in Palästina schädigend bemerkbar macht.
Eine Rückwirkung der Abwertung auf die
Zitrusausfuhr, deren Saison soeben
begonnen hat, ist noch nicht abzmsehen. Be¬
deutend wäre nur die Veränderung der
Währungslage in bezug auf Holland, das
größere Mengen Zitrusfrüchte bisher abge¬
nommen hat. Inwieweit die gesamte übrige
Ausfuhr Palästinas von den Veränderungen
der Währungen betroffen sein wird, steht
noch dahin.
Österreichs Juden an die Mandatarmadit
Das Präsidium des Zionistischen Landes¬
verbandes für Österreich hat dem Wiener
englischen Gesandten folgendes Schreiben
überreicht:
Eure Exzellenz!
Die Unterzeichneten Verbände und Kor¬
porationen als repräsentative Vertretung der
österreichischen Judenschaft gestatten sich
Eurer Exzellenz die Bitte zu unterbreiten,
die nachstehende von ihnen gefaßte Ent¬
schließung der Regierung Seiner Britischen
Majestät zur Kenntnis bringen zu wollen:
Seit mehr als fünf Monaten steht die jüdi¬
sche Bevölkerung Palästinas unter arabi¬
schem Terror, dem zahlreiche Juden, die
nichts anderes taten, als daß sie ihrer fried¬
lichen Aufbauarbeit nachgingen, zum Opfer
gefallen sind. Große jüdische Vermögens¬
werte wurden vernichtet. Trotz bisheriger An¬
strengungen der Mandatsverwaltung konnte
die Ruhe und Ordnung nicht hergeslellt
werden. Auch die englischen Truppen haben
Verluste an Menschenleben zu verzeichnen,
die von uns beklagt werden .
Die Judenschaft Österreichs und der gan¬
zen Welt ist durch diese Ereignisse tief be¬
sorgt. Wir richten daher in tiefer Besorgnis
und im Vertrauen auf die Deklaration der
Regierung Seiner Britischen Majestät vom
2. November 1917 zugunsten der Errichtung
einer nationalen Heimstätte für das jüdi¬
sche Volk in Palästina, und im Vertrauen
auf die im Palästinamandat von Seiner Bri¬
tischen Majestät als Mandatar für Palä¬
stina übernommene Verantwortung — in
Anerkennung der historischen Verknüpf t-
heit des jüdischen Volkes mit Palästina und
der Grundlagen für die Wiedererrichtung
seiner nationalen Heimstätte in diesem
Lande — Palästina unter solche politische,
administrative und wirtschaftliche Bedin¬
gungen zu stellen, welche die Errichtung
der jüdischen nationalen Heimstätte sichern,
insbesondere die jüdische Einwanderung
unter geeigneten Bedingungen zu erleichtern,
und im Vertrauen auf die bei wiederholten
Anlässen und mehrfach von den Regierungen
Seiner Britischen Majestät übgegebenen und
bestätigten Zusagen, von der in der Deklara¬
tion vom 2. November 1917 zum Ausdruck
gebrachten Politik nicht abzugehen, und in
Anbetracht der Verwüstung und Beschädi¬
gung des unter schwersten Opfern der
Judenschaft der Welt geschaffenen Aufbau¬
werkes Und der katastrophalen Lage, in der
sich gegenwärtig die Juden in vielen Län¬
dern befinden, die ihnen zur Rettung ihres
Lebens und ihrer bedrohten Existenz die Ein-
wanderung nach Palästina als letzte Hoff¬
nung erscheinen läßt, an die Regierung
Seiner Britischen Majestät den ernsten und
dringenden Appell, den arabischen Terror
raschest zu brechen und die Wiederher¬
stellung von Ruhe und Ordnung zu gewähr¬
leisten, das fundamentale Recht des jüdi¬
schen Volkes auf Errichtung einer nationalen
Heimstätte in Palästina vor jeder Schmäle¬
rung zu bewahren, das Vertrauen des jüdi¬
schen Volkes zu den in der Balfour-Deklara-
tioji und aus anderen Anlässen seitens der
Mandatarmacht in feierlicher Form gege¬
benen Zusagen nicht zu enttäuschen, jede Er¬
schwerung der jüdischen Einwanderung ab¬
zulehnen und mit allen Kräften die ernsten
Gefahren, die dem jüdischen Aufbauwerk bei
Fortbestand der gegenwärtigen Unruhen
drohen und die durch eine, loenn auch nur
vorübergehende Einschränkung oder Suspen¬
dierung der Einwanderung noch vergrößert
würden, abzuwehren
Genehmigen Eure Exzellenz den Ausdruck
unserer vorzüglichen Hochachtung, mit dem
wir zeichnen:
\
Dr Oskar Grünbaum ,
Präsident des Zionistischen Landesverbandes
für Österreich.
Dr. F. Pickholz,
SeJcretär des Zionistischen Landesverbandes
für Österreich.
Weiters sind unterzeichnet:
Das Präsidium der Israelitischen Kultus¬
gemeinde Wien, .Oberrabbiner Dr. Taglioht,
Verband der Judenstaatszionisten, Verband
der radikalen Zionisten, Misnachi, Binjan
Haarez, WIZO, Horzl-Klub, Ring dor Alto-
Herren-Verbände dor Zionistischen Verbin¬
dungen, Hakoah, Makkabi, Hochschul¬
ausschuß Judaea.
JUDEN WIENS!
Denkt an Erez Israel!
Wählet am 8. November
die Zionistische Liste!
Das Oberste arabische Komitee hat
am 11. Oktober einen Aufruf veröffent¬
licht, in welchem das Ende des Ausstan¬
des ausgesprochen wird. In diesem Auf¬
ruf wird ebenso wie in einer gleichzeitig
publizierten Kundgebung der arabischen
Herrscher erklärt, daß der Widerstand
beendigt wird im Vertrauen auf den
guten Willen der englischen Regierung,
die zugesagt habe, daß Gerechtigkeit
herrschen wird Es sei durch den Wider¬
stand der ganzen Welt bewiesen worden,
wie zwingend die Notwendigkeit für eine
Änderung der bisherigen Politik sei.
Nach fast sechs Monaten unaufhör¬
licher Unruhen zeigt sich jetzt wenigstens
ein Ansatz der Rückkehr zu normalen
Zuständen. Ob das Ende des Streiks auch
das Ende des Aufruhrs mit sich bringt,
wird sich noch zeigen. Wiederholt hat
das arabische Komitee zu erkennen ge¬
geben, daß es die Kontrolle über die
Geister, die es gerufen hat, nicht besitzt,
imd die Intervention der Könige war von
dem Großmufti veranlaßt worden, der
seine Autorität verloren hatte und den
„deus ex machina“ zitieren mußte, um
aus der Sackgasse herauszukommen.
Und weil sich in dieser Enge auch die
Mandatsregierung befand, die sich selbst
alle Wege verrammelt hatte, so fand
auch England sich zu dem gefährlichen
Experiment bereit, einen Schiedsspruch
auswärtiger arabischer Stellen herbei¬
zuführen. Die Maxime des Zuschauens
und Abwartens hat sich hier nicht be¬
währt. Der Streik und der Aufstand
hätten ohne besondere Anstrengung
wenige Tage nach dem Ausbruch ihr
Ende finden können. Daß die Mandats¬
regierung fast ein halbes Jahr verzettelte,
hat ungeheuerliche wirtschaftliche Schä¬
den verursacht und fast 400 Menschen
das Leben gekostet. Das ist das einst¬
weilige Ergebnis einer Politik, die auf
sämtlichen verfügbaren Sesseln sitzen
will und schließlich zusammenbricht.
Nicht die Staatskunst der Mandatsregie-
nlng hat das Ende des Streiks herbei¬
geführt, sondern die Ratlosigkeit des
arabischen Komitees und demgemäß ist
auch nur sehr geringer Grund vorhan¬
den, an eine baldige Stabilisierung der
Verhältnisse zu glauben.
Der Kampf der Araber war gegen die
jüdische Position geführt worden. In
dieser Beziehung hat er sein Ziel nicht
erreicht. Die Stellung der Juden hat sich
als fester erwiesen, als der Feind ge¬
glaubt hatte. Hinter den rebellierenden
Arabern und ihren Heckenschützen
standen starke europäische Kräfte, die
teils die Juden teils England zu treffen
die Absicht hatten. Dieser Plan, der sich
rasch genug hatte erkennen lassen, hätte
zu einem festen englisch-jüdischen Bünd¬
nis den Anlaß geben müssen. Aber in
London ist diese Realität der Umstände
nicht eingesehen worden. Die mohamme¬
danischen Interessen Englands, die
Rücksichten auf das Irak-Petroleum, auf
Ägypten, auf die indischen Schwierig¬
keiten, auf den Suezkanal und das
Mittelmeer, überkreuzten sich zu einem
fast unübersichtlichen Gewirr, das nur
ein klares und eindeutiges Festhalten
an der Mandatspflicht ordnen konnte.
Die englische Regierung hat dies im
Parlament und in den Briefen an Weiz-
mann erklärt; aber ihr Tun und noch
mehr ihr Unterlassen lief dieser Absicht
zuwider. Juden und Araber kamen zu
der Meinung, daß England ein Kompro¬
miß sucht, in dem alle Lasten auf die
Juden gewälzt werden. Die Unter¬
brechung der jüdischen Einwanderung,
ja sogar ihre unbefristete Sperrung,
wurde in dio Diskussion geschoben. Die
Besorgnisse, die diese Sondierung er¬
weckt haben, bestehen weiter. England
wird wahrscheinlich eine solche Ma߬
regel nicht proklamieren. Aber es bestellt
die Gefahr, daß bis zu dem Augenblick,
wo die königliche Kommission ihren Be¬
richt erstatten wird, dio Einwanderung
via facti unterbrochen wird — trotz der
Stellungnahme der Mandatskommission,
t rötz der Einrede der polnischen Regie¬
rung. . Von jüdischer Seite muß auf das
dringlichste vor einer solchen Verfügung
gewarnt werden. Palästina ist die Sache
des ganzen jüdischen Volkes, das dort
seine Zukunft in Frage gestellt sieht und
das sein Recht mit allen sich bielenden
Mitteln zu wahren wissen wird, auch
wenn die königliche Kommission zu Emp¬
fehlungen kommen sollte, die die Grund¬
lage unserer Stellung im Lande an¬
greifen.
Es wird in arabischen Kreisen einor
Aussprache mit den Juden das Wort ge¬
redet. Viel mag dazu die maßvolle Art
beigetrngen haben, in der Nuri Pascha in
Genf zu der Frage Stellung genommen
hat. Mehr aber noch die Einsicht, daß
der Jischuw die sechs Monate der Un¬
ruhen unerschfittert überstanden hat.
Nirgends ist die jüdische Bevölkerung
zuriickgewichen. Sie hat die defensive
Haltung nicht aufgegeben, da es sonst
zu unübersehbaren Ereignissen gekom¬
men wäre. Aber sie hat deutlich gezeigt,
daß sie keine Einschränkung ihres
Rechtes duldet und sie hat jeden Angriff
abgeschlagen. 90 Juden sind gefallen, an
300 mehr oder minder schwer verletzt.
Die Früchte von Jahren emsigster Tätig¬
keit sind verloren. Aber die Schäden
dieser Art sind zu heilen. Voraussetzung
bleibt, daß es zu einem gesunden Ver¬
hältnis zu den Arabern kommt. Wir
geben nichts auf, wir bedrohen niemand
und kränken kein arabisches Recht. Aber
wir bleiben in Palästina. Wenn die Un¬
ruhen aufhören, wenn das Trümmerfeld
zu übersehen sein wird, dann wird
hoffentlich auch den Arabern die Ein¬
sicht kommen, daß sie von Europa mi߬
braucht und in eine Angelegenheit hin¬
eingehetzt worden sind, die die Juden
wohl schädigen, aber nicht in Panik
treiben kann. Und dann wird die Zeit zur
Aussprache da sein. Kein Wort des Dan¬
kes kann aber ausreichen, um die Treue
und Festigkeit der jüdischen Männer und
Frauen zu preisen, die sechs lange Mo¬
nate auf der Wacht gestanden sind, die
ein ganzes Volk verteidigt haben und
nicht irre geworden sind in dem festen
Glauben an dieses Volk und an sich.
Katholische antisemitische
Atif der Jahrestagung des Diözesanverbandes
der katholischen Reichshundjugend stellte in
einer Ftihrersitzung der Diözesanfübrer Zink in
seiner programmatischen Erklärung übsr „Weg
und Ziel des Reichsbundes im Arbeitsjahr
1936/37“ an die Spitze seiner Ausführungen die
Kampfansage des Reichsbundes an den Staats¬
feind Nr. 1: den Bolschewismus. „Aber nicht
allein dem Bolschewismu s“, führte der
Redner aus, „stellen wir uns zum Kampf, son¬
dern allen seinen Schrittmachern, zu denen wir
alle Scheinchristen zählen, und al’e jene, die mit
unserem religiösen Gefühle Handel treiben, fer¬
ner alle jene, die die herrschenden sozialen Zu¬
stände gutheißen, insbesondere auch den zer¬
setzenden Einfluß eines gewissen Judentums.
Wir sprechen nicht dem Antisemitismus das
Wort, wohl aber dem Christenschutz, der sich
«regen den überhandnehmenden
jüdischen Einfluß zur Wehr setzen
w i r d.“
Wiener Zünfte
Bürgermeister Schmitz hat einen neuen
Vorstand der Zunft der Wiener Handelsvertre¬
ter und reisenden KauTleute, bestehend aus
lauter Christen, ernannt, obwohl die überwie¬
gende Mehrzahl der reisenden Kaufleute und
Agenten in Wien sich aus Juden rekrutiert.
Diese Maßnahme liegt in der Richtung der
systematischen Ausschaltung der Juden aus den
Gewerbe- und Handesvertretungen.
Hitlers „Mein Kampf" arabisch
Dem Tschechoslowakischen Preßbüro wird
aus Tel-Aviv geschrieben: Hitlers „Mein Kampf“
ist in Bagdad in arabischer Übersetzung mit
einem Vorwort, das den Lebenslauf Hitlers
schildert und dessen Kampf gegen das Juden¬
tum betont, erschienen. Das deutsche Original
des Buches ist in Palästina verboten.
11 Tage unschuldig in Haft
Berlin, 7. Oktober. (J. T. A.) Die zionistischen
Führer Dr. Franz Meyer und Dr. Benno
Cohn, die in Haft der Gestapo genommen wur¬
den, sind nun nach eiftügiger Haft ent¬
lassen worden. Die Untersuchung hat nichts
Belastendes gegen sie ergeben, so daß
keine Anklage gegen sie erhoben werden
wird.
Das Ca!6 Buchsbaum, II., Kleine Pfarrgasse
Nr. 21, veranstaltet Dienstag, den 18. d., um
8 Uhr abends, eine Simchas-Thora-Feier, ver¬
bunden mit einor Akademie. Es wirken mit Max
Brod, _ Laura Glüoksmann, Leopold
Jungwirth und die beliebto Radio¬
kapelle Max Goiger unter persönlicher
Leitung Geigers. Ein Teil des Reingewinnes
Hießt wohltätigen Zwecken zu.