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■Jung nur für ein Tag anberaumt war und man überdies die Discufsion i
nbbrechen musste, um korporativ an der Trauung des Rabbiner Dr. I
Schornstein aus Leitmeritz mit der Tochter des Vorstandsmitgliedes,
Herrn Direktor Simon, sich zu betheiligen, konnte manches nur flüchtig
behandelt werden. Oberrabbiner Dr. Güdemann entschuldigte seine
vorzeitige Entfernung aus diesem Grunde und markirte seinen Stand-
Punkt zu der auf der Tagesordnung stehenden Frage, b;w. zum Anträge
des Herrn Dr. Schorr aus Lemberg, es möge an den Vorstand der !
Cultusgemeinde das Ansuchen gerichtet werden, sich dafür einzusetzen, j
dass in der Organisation der jüdisch theologischen Lehranstalt mehr das j
Pädagogische Moment berücksichtigt werde, dahin, dass das Hauptgewicht !
daraus zu legen sei, dass der Religionslehrer durch seine Begeisterung j
'für die Sache, die cr vorträgt — auch auf die Jugend in gleichem !
Sinne einwirke. Ob der Rabbiner oder Religionslehrer auf höherem j
Niveau stehe, sei Nebensache, wenn nur jeder in seinem Berufe Pflicht |
eifrig und tüchtig sich erweise. Dieser Ansicht stimmte auch Landes- !
-schulrath Dr. Gustav Kohn bei. Ueber den weiteren Verlauf und den Thä- !
tigkeitsbericht des Verbandes werden wir nächstens ausführlicher berichten. I
Wien. Freitag, den 28. Deceniver d. I. um '/ 4 5 Uhr I
Nachmittags wird im Tempel X., Humboldgasse 7, anlässlich j
des 25jährigen Bestandes des ij>aelitischen Tempelvereines ein !
feierlicher Gottesdienst abgehai>>-n; weiters findet die XXV. :
ordentliche Generalversammlung >es israelitischen Tempelvereines j
für den X. Bezirk Wiens Sonntag, den 30. December d. I. !
nm 6 Uhr Abends im Restaurant Oczeret, X.. Keplergasse 7, !
statt. Anschließend hieran gemeinsames Abendessen der Vereins- j
Mitglieder. j
Hroß-Aecskerek. Kaum gibt es unter den Provinzstädten Ungarns !
eine Gemeinde, die solch große materielle Opfer dem Cultuszwecke :
bringen würde, als eben die israelitische Gemeinde zu Groß-Becskerek. !
Ueber l 8.000 fl. beträgt das Budget für das Jahr 1901 dieser kaum !
400 steuerzahlenden Mitglieder, welche alle gerne bereit sind, diese Opfer !
zu bringen, denn sie finden reichlichen Ersatz in den schön geordneten j
und geregelten Veriältnißen der blühenden Institutionen der Gemeinde.
Besonders lobenswerth muß der in dem prachtvoll schönen Tempel
versehene Gottesdienst hervorgehoben werden. Hier versieht der sehr
beliebte Obercantor Hermann L e w i n unter Orgelbegleitung und mit
Beihilfe eines tüchtigen gemischten Chores unter Leitung des musikalisch !
gebildeten Chordirigenten Samuel Narozoni den Gottesdienst. Der !
israelitische Tempel wird schon seit Jahren auch von Andersgläubigen I
fleißig besucht, denn Lewin's klangvolle und mächtige Baritonstimme j
und sein ergreifender und zur tiefen Andacht stimmender Gesang hält die j
lauschende Menge stets gefesselt. Dieser Umstand ist es besonders, i
welcher die Opfer, die die Gemeinde für den fortschreitenden Cultus !
darbringt, und das Budget so hoch bezifferte. Die israelitische Gemeinde war ,
eher bereit, huldigend dem Fortschritte, die konfessionelle Schule mit der !
Communalschule zu verschmelzen, als dass diese nur im Geringsten auch !
an den Cultusangelegenheiten gerüttelt hätte. Dies Verdienst ist Haupt- !
sächlich Lewin zuzuschreiben. Lobenswerth müssen wir auch hervorheben, >
dass trotzdem die Gemeinde keine konfessionelle Schule besitzt, sie für den i
religiösen Unterricht der Jugend recht große Summen opfert. — Die !
Wohlthätigkeits-Anstalten sind ebenfalls mit größeren Summen genannt, j
und wenn^wir noch bemerken, dass die Penstonssummen ebenfalls einen j
uicht unbedeutenden Betrag ausmachen, so müssen wir dieser Gemeinde !
unser volles Lob zollen. Lobend sei noch die schöne Harmonie, welche !
in der Gemeinde herrscht, hervorgehoben, und jedes einzelne Mitglied
zollt den Gemeindebeamten die größte Verehrung und Hochachtung. So
wünschen wir sämmtiiche Geineinden unserer Monarchie, denn nur in
diesem Falle erfüllen wir ganz die Ausgabe, die das Judenthum zu j
erfüllen verpflichtet ist. _ j
verschiedene Nachrichten.
Wie« Mittwoch, den 19. d., fand die Chanuka-Feier des „Theresien
Kreuzer-Vereines" im Tereinshause, II., Untere Augartcnstraße, unter zahl¬
reicher Betbeiligung statt, wobei etwa 800 Kinder mit Winterkleidern,
Schuh- und Backw-rk beschenkt wurden. Nach Vollziehung der religiösen
Ceremonie durw verrn Lehrer Stern wurde ein weihevolles Lied ge¬
sungen — die Harmonium-Begleitung versah Herr Khuner — und zum
Schluffe hielt das Vorstandsmitglied, Herr Dr. Gotthilf Meyer, eine j
höchst sinnige Ansprache an die Schuljugend. Die gemeinnützige und !
opferwillige Bemühung der Damen und Herren des Vorstandes must
besonders rühmlichst hervorgehoben werden? Während der Betheilung
besichtigten die Gäste die kunstvollen Mädchenarbeiten, wie auch die des
Knabenhort, der seit circa 2 Jahren unter Leitung des Herrn Kämmerer
steht und schöne Resultate erzielte.
Wien. In Anwesenheit vieler Gemeinde-, Bezirks- und Armen-
räthe, sowie zahlreicher Deputationen humanitärer Vereine und eines
überaus großen Freundeskreises fand Dienstag, den 25. d., im Leopold¬
städter Tempel die Trauung des Fräulein Hansi M ensch, Tochter des
im 2. Bezirke außerordentlich beliebten Bezirksrathes Jacob Mensch, mit
Herrn Richard Kraith, Beamten des Wiener Bankvereines, statt. Die
Trauungs-Ceremonie vollzogen Rabbiner Dr. Schmiedl und Obercantor
Gutlmann.
Wien. Am 22. d. fand im Beihause des Vereines zur Unter¬
stützung jüd. Kleingewcrbetreider die feierliche Einweihung eines Seser
statt, welcher viele Mitglieder, Vorstände der verschiedenen Vereine,
sowie der Vorstand des Vereines und des Bethauses, die Herren I.
Schnee und S. Klausner, beiwohnten. Die Feier wurde mit einer dem
Feste entsprechenden Ansprache des Ehrenpräsidenten, Herrn Dr. R.
Rappaport, eröffnet, woraus Obercantor M. Schorr mit Chorbegleitung einen
weihevollen Psalm execurirte. Die Festpredigt hielt Rabbiner Mayersohn.
Wien. Im Bethausverein „Chewra-Bne Bris" fand am ersten
Tag Chanuka die Einweihung eines neuen Sefer-Thora statt, welches
von Herrn Kokos gespendet wurde. Dem feierlichen Acte wohnte ein
zahlreiches Publikuni, sowie der Vorstand des Vereines, mit dem ver¬
dienstvollen Obmann, Herrn Ober und dem Vorsteher Herrn Krug, bei.
Nach Vortrag eines Psalmes durch Cantor Seifert mit seinem Chore,
hielt Lector Friedmann die Festrede, welche allgemeinen Beifall fand.
Dann wurde der übliche Umzug mit den Thorarollen gemacht und zum
Schluffe trug Cantor Seifert das „Mismor Schir Chanukas" vor, wofür
ihm allgemeine Anerkennung ausgesprochen wurde.
Aeu-est. Die hiesige Cultusgemeinde hat durch das Ableben des
Herrn Ignaz Glück eines ihrer angesehensten Mitglieder verloren. Derselbe
war im Kreise seiner zahlreichen Bekanntschaft sehr geliebt und geschätzt.
Diese Beliebtheit verdankte er zum großen Theile seiner unverfälschten
Religiosität und seiner wahrhaslen Menschenliebe, die er bei jeder Gele¬
genheit stets bekundete. Und ein solche bot sich ihm oft dar, nachdem er
mehrere Gemeinde-Ehrenämter hier bekleidete, zu deren Ausfüllung ein
religiöses Gemüth und ein wahrhaft jüdisches Herz noth thnn. Zwei¬
undzwanzig Jahre hindurch wirkte er mit voller Hingebung und be¬
sonderem Eifer als Tempelvorsteher, so dass er zu den fleißigsten Be¬
suchern dieses Gotteshau,es zählte. Auch als Repräsentant der Chewra
Kadischa hatte er bedeutende Erfolge aufzuweisen, indem er diese von
ihm übernommene Pflicht, für die Ausübung von Wohlthärigkeit und
und „Chesed schel Emes" Sorge zu tragen, im vollen Sinne des Wortes
ernst genommen hat. Seinem eifrigen Werben verdankte dieser Verein
den Beitritt vieler Mitglieder. Auch als Kranken-Jnspector des „Bikur-
Choliin-Vereines" bat sich dieser fromme Mann bewährt. Sein rastloser
Geist, der stets im Interesse der nothleidenden Menschheit thätig war,
hat auch den „Gevater-Verein" ins Leben gerufen, welcher bis nun so
vielen hilfsbedürftigen Wöchuerinnen seine Unterstützung angedeihen
ließ. Sein goldenes Herz, welches die ganze Menschheit in Liebe um¬
fasste, erschloß sich auch den armen Religionsbrüdern vom heiligen
Lande. Er ließ keine Veranlassung, kein freudiges Familienereigius vor¬
übergehen, ohne die armen Juden Palästinas mit einer Geldsammlung
zu bedenken. Es ist daher kein Wunder, dass sich an dein Leichenbe¬
gängnis dieses Philantropen, welches am 16. d. stattsand, so zu sagen,
die ganze Stadt betheiligte, dass sich Jeder, von Groß bis Klein, ver¬
anlasst sah, diesem verdienstvollen Manne die letzte Ehre 311 erweisen.
Herr Dr. Venetianer hat daher dem Volke aus der Seele gesprochen,
als er dem Verblichenen einen schwungvollen Rachruf widmete.
L. A.-Ztjyety. Am 16. d. wurde im hiesigen isr. Schulgebäude
für den Begründer desselben, Rafael Kästenbaum s. A., der im Jahre
1836 zu diesem Zwecke 40.000 fl. W. W. testierte, ein Requiem in
.olenner Weise abgehalten. Nachdem die Schuljugend ein Trauerlied
gesungen hatte, sprachen der Schuldirector, Herr Dr. Med. Bern. Rosen-
berg und Herr Lehrer Jacob Schneider. Hieraus recitirre Cantor
Eibenschitz mit seinem Chor das El mole raohamim zur sichtbaren
Rührung der Anwesenden. Mit der Recitirung eines Gelegenheits¬
gedichtes durch ein Schulkind und Absingung der ungarischen Volks-
Hymne wurde die erhebende Feier geschloffen. Von den andersgläubigen
Festgästen sind zu nennen die Herren: Beregszazi Jstvan, k. Schulinspector ;
Matolay Etele, Bicegespan; Dokos Gyula, Comitats-Obernotar, k. k.
Kämmerer; Dongo Gyarfas Geza, Comitats-Oberrechnungssührer und
Redacteur des hier erscheinenden Blattes „Zemplen". Herr Dokos be¬
schenkte das Schulkind, welches das Gelegenheitsgedicht vorgetragen
hatte, und spendete überdies 10 Kronen für die im Schulhaus bestehende
jüd. Volksküche, in welcher in den Wintermonaten täglich 50—60 Schul¬
kinder gesunde Mittagskost erhalten. Auch von anderen christlichen
Philanthropen hier sind ihr bereits Spenden zugekommen. Diese Volks¬
küche ist 1897 von dem um die hiesige Gemeinde und Schule verdienst¬
vollen Herrn Dr. Schön Vilmos, Oberarzt am Comitat und im israel.
Krankenhause, mit einer Spende von 400 Kr. gegründet worden. Wenn
überall, so wie hier, die Bekenner der verschiedenen Consessionen so
friedlich Zusammenleben würden, dann würde der sittlich corrumpirenve
und wirthschasllich ruinirende, fluchbeladene Antisemitismusbald ein Ende
haben.