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Die Wahrheit
Nr. 8.'
w a n g und Vereiusprediger Dr. F r a n 1 f u r t e r, sowie
Direktor kais. Rat Heller. Sohin hält der Vorsitzende
den Kriegsopfern der Döblinger Gemeinde einen warm-
empfundenen Nacbrnf und bringt den Bericht des Vorstandes
über dessen Tätigkeit im verflossenen Vereinsjahre zur Kenntnis
der Versammlung.
Herr Direktor Mautner fragt an wie es kommt,
daß die Fortführung der Bibelschnle, welche wegen Ein¬
rückung der Lehrkräfte geschlossen wurde, nicht veranlaßt
worden ist. Redner selbst hätte sich gerne selbstlos zur Ver¬
fügung gestellt.
Der Schriftführer Dr. Jakob K o h n führt aus, die Bibel¬
schnle werde ausschließlich von der Kultnsgemeinde geführt. Ein
Schulkomitee, dessen Obmann der Sprecher ist, habe lediglich
die Aufsicht hierüber. Trotz Anzeige von der Schulsperrung habe
die Kultnsgemeinde nichts veranlaßt. Es muß als bedeutungs¬
voll bezeichnet werden, daß die Tätigkeitsgebiete, welche unter
Mitwirkung autonomer Faktoren von der Gemeinde ver¬
waltet werden im großen und ganzen befriedigend versorgt
erscheinen. Dies gilt vom Kultus und von der Wühltätigkeit,
in welchen beiden Richtungen sich die Kultnsgemeinde ans
die Vereine stützt. Nur das Feld, welches der Gemeinde
vollständig überlassen ist, nämlich der Religionsunterricht
und die jüdische Erziehung der Jugend sei nichts weniger
als gut bestellt, wie dies auch in der letzten Plenarsitzung
von Kultusvorstehern mit großen Bedauern hervorgehoben
worden ist. Da müßten eben andere Faktoren, vielleicht die
Bezirkskommissionen mit Unterstützung von Elteru-Versamm-
lungen zur Mitwirkung herangezogen werden,
Bei den hierauf folgenden Wahlen wurden in den
Vorstand als turnusmäßig ausscheidend wiedergewählt die
Herren: Adler Adolf, K o h n Emanuel, K o t a n y i Johann,
Pekarek Ludwig und Spira Ludwig; neugewählt Herr
Mayer Max. Die Vereinsleitnng konstituierte sich wie folgt:
Obmann: Müller Moriz. Stellvertreter: Lion Rudolf,
Tempelvorsteher: Philipp Simon, Stellvertreter: P e k a-
r e k Ludwig und Beck Max, Schriftführer: Dr. K o h n
Jakob, Kassier: B a l l i n t Jakob, Ersatzmänner: K o h n
Emanuel und Spira Ludwig.
„Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und
Arbeiterinueu-Heiw.
Am 28. Februar l. I. fand die diesjährige ordentliche
Generalversammlung des „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und
Arbeitermuen-Heim" statt. Die zahlreich erschienenen Mitglieder und
Gäste gaben ein beredtes Zeugnis für das lebhafte Interesse und die
großen Sympathien, welche sich dieser um die Jugend- und Kriegs-
fürsorge hochverdiente Verein in allen Kreisen der Bevölkerung erworben
hat. Unter den erschienenen Gästen bemerkten wir: Herrn Dr. Heinrich
Schreiber als Delegierten der Kultnsgemeinde, Herrn Bezirksrat
Edmund H o f m a u n als Delegierten des Zweigvereines Wieu-Leopold-
stadt des patriotischen Hilfsvereines vom „Roten Kreuze", Herrn Doktor
Armand K a m i u k a in Vertretung der ifrael. Allianz, Herrn Bernhard
H o f b a u e r, Präsident des Vereines „Einheit", Georg Friedländer
Zentral-Zuspektor, Herrn Dr. I. Bloch, Herausgeber der österr.
Wochenschrift, Herrn Dr. L ö w y, Sekretär derZentralstelle für das jüdische
Acmeuwesen. Herrn und Frau Alex. Steiner, Delegierte des Vereines
„Zur Unterstützung armer alter Frauen", Frau Anna Brau dt, Frau
Dr. Frank. Frau B e r u f e l d, als Delegierte des Hietzinger Frauen-
vereines, Frau Direktorin U l l m a u u für den „Mädchen-Uuterstützungs-
Bereiu", Frau Dr. David, Frau Dr. F l e s ch, Frau Bertha Käs,
Ehrenmitglied des Vereines. Ihr Fernbleiben harten entschuldigt:
Frau Baronin Königswarter und Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner
Dr. Grün Wald und Gemahlin.
Nach Begrüßung der Erschienenen durch den Präsidenten kais. Rat
Dr. S. Krüger, gedachte derselbe in ehrender Weise der dahin¬
geschiedenen Borstandsmitglieder des Vereines: der Herren Edmund
G r o a g, Jaques R e n y l. Salomon Stein nnd Moritz W i l h e i m ;
des Kaffaverwalters, Herrn Ferdinand L ö w y, sowie des um den
Verein hochverdienten Vize-Präsidenten der israel. Kultusgemeinde,
Herrn Dr. Gustav K o h u. und der Frau Betti Frankl, welch' letztere
nicht nur bei Lebzeiten jederzeit die Interessen des Vereines tatkräftigst
förderte, sondern auch in ihren letztwilligen Anordnungen den Verein
in reichlicher Weise bedachte.
Sodann erstattete die Schriftführerin des Vereines Frau Dr. Lina
W e l ß den mit lebhaftem Beifalle ailsgenommeneil Bericht über die
Vereinstätigkeit während der abgelaufeneiiLbeiden Bereinsjahre.
*. Im Anschlüsse hieran erwähnte der Präsident, daß der Verein
im heurigen Jahre seinen 20 jährigen Bestand feiert; von einer festlichen
Begehung dieser Feier sei aber mit Rücksicht auf die Kriegsereignisse
Abstand genommen worden. In seinen weiteren Ausführungen wies
der Präsident darauf hin, daß ungeachtet der Umwandlung des
Heimes in das Kriegsspital die Fürsorge um die Heinischützlinge
keinerlei Beeinträchtigung erfahren hat, indem dieselben in ge¬
mieteten, entsprechend adaptierten Wohnränmen untergebracht
wurden, woselbst sie, unter ständiger Aufsicht des Vorstandes nnd
der Helmoberin stehend, nach wie vor ihren gewerblichen Berufen
nachgehen. Auch der körperlichen und geistigen Entwicklung der Schützlinge
wurde das sorgsamste Augenmerk zugewendet.
Der Präsident besprach sodann die erfolgreiche Tätigkeit des im
Heime untergebrachten Spitales und die außerordentlichen in demselben
erzielten Erfolge. Der Vereinsvorstand hat sich aber mit der
Fürsorge für seine Schützlinge und der Pflege der verwundeten und
erkrankten Krieger nicht begnügr, sondern sein Angenmerk auch ans die
durch die Kriegsereignisse dringend notwendig gewordene Fürsorge für
die Kriegswaiseu gerichtet. Zur Verwirklichung dieser patriotischen
Aufgabe hat der Vereinsvorstand in jüngster Zeil den Beschluß gefaßt,
das an das jetztige Heim II., Leopoldsgasse 15 angrenzende Hans
Leopoldsgasse 13 anzukaufen und dasselbe zur Unterbringung von
80 weiblichen Kriegswaiseu im Alter von 8 bis 14 Jahren einznrlchren.
Der Kauf des Hauses ist bereits dnrchgeführt und werden demnächst
die erforderlichen Adaprierungsarbeiten vorgenommen lverdeir. Der
Präsident dankt zum Schlüsse allen Vorstandsmitgliedern für ihre
unermüdliche Tätigkeit im Interesse des Vereines und erklärte, daß es
nur durch die hingebungsvolle Mitwirkung aller Vorstandsmitglieder
und das rege Interesse der Mitglieder und Gönner des Vereines möglich
geworden ist, die bedentende» Ersolge ans den mannigfachen Gebieten
charitaliver Tätigkeit zu erzielen.
Nach den mit allseitigem lebhaftem Beifalle anfgenommenen
Ausführungen des Präsidenten machten die Schriftführerin Frau Doktor
Weiß und Herr Hofrat Dr. S ch l a g der Geueralversammlnng die
Mitteilung, daß der Vereinsvorstand in Annerkennung der ganz
besonderen Verdienste, welche sich der Präsident, kais. Rat Dr. Krüger,
um den Verein seit seinem Bestände erworben hat, sowie in Würdigung
seiner unermüdlichen Tätigkeit im Interesse des Vereines Herrn kais. Rat
Dr. Krüger, zum Ehrenmitgliede des Vereines ernannt hat, welche
Mitteilung die Generalversammlung mit großem Beifalle und lebhafter
Shmpathie-Knndgebung für den Präsidenten zur Kenntnis nahm. Hierauf
erstaltere der Kassaverwalter, Her Ingenieur Ervin A b e l e s, den
Kassaberichl, gemäß welchem das Vereinsvermögen in den beiden
abgelaufenen Vereinsjahren eine nicht unerhebliche Vermehrung erfahren
hat, was umso erfreulicher und notwendiger sei. als durch die Ausdehnung
der Vereinstätigkeit ans die Fürsorge für Kriegswaiseu dem Vereine
nene Lasten erwachsen werden.
Nach diesem beifälligst aufgenommenen Berichte wurde ans Antrag
des Herrn Revisors Professor Steif dem Vorstande einstimmig
das Absolntorium erteilt.
Der in der Versammlung erschienene Vertreter der israel. Knltns-
gemeinde, Herr Kultusvorsteher Dr. Schreiber, würdigte in eingehender
Weise die überaus segensreiche Tätigkeit des Vereines und erklärte,
daß die Kultusgemeinde die Bestrebungen des Vereines mit größtem
Interesse verfolge nnd dieselben jederzeit nach besten Kräften fördern wolle.
Der Delegierte des Zweigvereines des „Roten Kreuzes". Herr
Bezirksrat Hofmann, dankre dem Vereine für seine außerordentliche
humanitäre Wirksamkeit und teilte mit, daß der Zweigverem dem Kaiserin
Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiteriililen-Heime als Mitglied mit
einem JähreSbetrag von K 20 beitrete.
Hierauf erstattete das Vorstandsmitglied, Herr Emil B a r d a ch,
daS Referat über die infolge der Fürsorge um die Kriegswaisen notwendig
gewordene Statutenänderung.
Die vom Vorstande vorgeschlageue Statiiteiländerung, insbesondere
die Aendernng des Namens des Vereines in „Kaiserin Elisabeth-Heim
für Kriegswaisen. Lehrmädchen und Arbeiterinnen" wurde einstimmig
genehmigt.
Bor der sohin zu vollziehenden Neuwahl des Vorstandes ergriff
Herr Dr. S. Bloch das Wort. Er erörterte die großen Verdienste,
welche sich der Verein seit seinem 20 jährigen Bestände auf dem Gebiete
der charitativ-sozialen Tätigkeit erworben hat und beantragte in Aner¬
kennung und Würdigug dieser Verdienste, sowie, als Zeichen deS
ungeschmälerten Vertrauens zur Vereinsleitung die Wiederwahl des
bisherigen Vorstandes, welchem Anträge die Generalversammlung
einmütig zustimmte.
In der Generalversammlung wurden für das zu gründende Waisen-
heim bereits namhafte Beträge gespendet und es wäre nur zu wünschen^
daß die äußerst segensreiche Tätigkeit des „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen-
und Arbeiterinnen-Heim" allseits ans das tatkräftigste gefördert werden
möge.