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um.
Inhalt: Abonnements-Einladung. — Eine Polemik über die Judenfrage in Prensseu. — Zur Weltstellung de» israelitischen Volkes. — Weh
dem, dessen Gewissen schläft! — Soziale Fürsorge im alten Testamenr. — Aus der Knlrusgemeinde. — Josesiue Engel. — Die
KöiligSkrönnng im Kriege. — Spanien in Oesterre'ch. — Verschiedene Nachrichten. — Warnung.
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Die Administration
Eine Polemik über die Inden
frage in Prensten.
Eine Arbeit des bekannten Nationalökonomen Er¬
zellenz v. Schmoller, welche im letzten Band, seines Jahr¬
buches unter djem Titel „Obrigkeitssfaat und Völker-,
sfa.at" erschienen ist, hat nach einem Berliner Berichte dses
,M. Wr. Journal" in den letzten Tagen dort heftige
publizistische Auseinandersetzungen hervorgerufen. Smol-
ler hat dja aus Grund einer scharfen persönlichen Polemik
gegen djie bekannten Politiker Hugo Preuß und Hans
Delbrück die Judenfrage in Preußen angeschnitten und
geraden das Heranziehen einer jüdischen Gefahr konsta¬
tiert, indem er schrieb: Die Semiten haben ohnehin Heer,
Universitäten und hohes Beametnfach so unbedingt be¬
herrscht, wie das bezüglich, der Stadt Berlin der Fall -ist.
An 'anderer Stelle seines Aufsatzes führte er dann seine
Auffassung über diese jüdische Gefahr noch gründlicher
aus, indem er sagte:
„Es P nicht entfernt allgemein richtig, daß wir die
Rechtsgleichheit unserer Verfassung gröblich verletzen, weil
einzelne Aemter noch nicht jedjöin jüdischen ungetauften
Bewerber erreichbar sind», weil einzelne Regimenter das
ihnen zustehende freie Mahlrecht des Offizierskorps noch
zu dem Judenausschluß benutzen, weil an den Universi¬
täten noch nicht alle zahlreichen jüdischen Privatdozenten
so rasch Professoren werden, als pe persönlich glauben,
es nach ihrem Talent zu verdienen. Das große Ideal der
politischen und rechtlichen Gleichberechtigung läßt sich nur
in d-em Tempo durchsetzen, als das Volksbewußtsein sich
I dem Standpunkt des Gesetzes angepaßt hat. Seine
! Durchführung findet zeitweise natürliche Hemmungen, wo
I eine Minorität der Rasse, des Glaubens usw. sich bei
| freier Zulassung rasch zur intoleranten Herrscherin des
i Staates, bezw. der betreffenden Verwaltung, der ein¬
schlägigen Organe zu machen weiß. Wie rasch haben die
jüdischen Prioatdozenten und Professoren zugenommen!
Wie rasch haben die Juden es erreicht, daß an einzelnen
Kliniken jahrelang nur jüdische Assistenten angestellt wur¬
den, wie bewahrheitete sich in manchen Fakultäten die
Prophezeiung, baß' der erste jüdische Ordinarius in zehn
Jahren fünf oder mehr andere Juden nach sich ziehe!
Die Benachteiligung der Juden im preußischen Staats¬
leben ist heute fast schon dem Verschwinden nahe und
macht bereits dem Gegenteil da und dort Platz."
Soweit Gustav v. Schmoller.
Der bekannte politische Schriftsteller H. v. Gerlach er- :
greift nun zu diesen Ausführungen in der Berliner Mon-
tzigszeitung „Welt am Montag" das Wort, indem er
schreibt:
„Also die Juden wollen die Universitäten beherr¬
schen! Nun, wir leben f,a in der Zeit der konfessionellen
Statistiken. Herr v. Schmoller hat die besten Beziehun¬
gen in den akademischen Kreisen. Wir bitten ihn drin¬
gend um eine Statistik der preußischen Universitäten, aus
der hervorgeht, wieviel ordentliche Professoren israeliti-
schm Glaubens an ihnen vorhanden sind.
Die Juden wollen das Heer beherrschen! Herr von
Schmoller meint allerdings, einzelne Regimenter hätten
die Juden vom Offiziersdienst ausgeschlossen. Wir bit¬
ten ihn, uns ein einziges Regiment in Preußen zu nennen^
wo es vor dem Kriege einen jüdischen Offizier gab.
Die Juden wollen das hohe Beamtentum beherr¬
schen! Nun, wo ist denn der Anfang dazu gemacht? Ein
paar Juden im preußischen Beamtenkörper würden am
End>e noch nicht das unmittelbare Bevorstehen der jüdi¬
schen Herrschaft bauten. Aber kann Herr v. Schmoller