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DIE WAHRHEIT
Vorführungen der Schwank „Ihr Traum" sehr flott und
lustig gespielt wurde. Zu besonders großem Dank fühlt sich
der Verein dem Fräulein Rosl Berger für die tadellose
Leitung der Aufführungen verpflichtet. Auch Herrn Gustav
Singer gebührt herzlicher Dank für die schöne Dekoration
des Saales und der Bühne.
Chanukkafeier. Dienstag, den 7. d. M., 8 Uhr abends,
fand eine ebenso schöne wie gelungene Chanukkafeier im
Lehrlingsheim des Vereines „Zukunft" in der Grünen-
torgasse statt. Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkte
man den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Proi.
Dr. A. Pick, Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes, Rabbiner
Dr. Taglicht, Kultusvorsteher Kommerzialrat Markus,
Amtsdirektor Regierungsrat Dr. Adler, Hofrat Prof. Doktor
Frankfurter, Ministerialrat Dr. W e i n e r, Bezirksrat S.
Weiner mit Gemahlin, die Herren M. Oesterreicher,
I. Müller, S. Wassermann mit Gemahlin, S. Korn¬
mehl mit Gemahlin, S. Suchariter mit Gemahlin sowie
viele Mitglieder der Bne-Brith-Logen mit ihren Damen.
Nachdem der Präsident des Vereines „Zukunft" Kommerzial¬
rat K a r p e I e s die Anwesenden auf das herzlichste begrüßt
hatte, nahm Oberkantor S: P ö s 161 o w die feierliche Anzün-
dung der Chanukkalichter vor. Die hierbei von ihm unter
Assistenz eines vorzüglichen Quartetts des Müllnertem¬
pels in meisterhafter Weise zum Vortrage gebrachten Cha-
nukkagesänge würden von den Anwesenden mit Ergriffenheit
angehört. Die sodann folgenden Vorträge der Zöglinge und
einiger Gäste ernteten bei Jung und Alt lebhaften Beifall. Hier¬
auf wurden die Zöglinge des Lehrlingsheimes reichlich be¬
schenkt und zwar haben sich um die Aufbringung der vielen
schönen Gaben der rührige Präsident des Vereines Kommer¬
zialrat K a r p e 1 e s die größten Verdienste erworben. Herrn
Rozsa, dem Direktor der Anstalt, gebührt für das Arran¬
gement der schönen Feier besonderes Lob.
Chanukkafeier. Der Bund jüdischer Eltern im
IL Bezirke veranstaltete Mittwoch, den 8. Dezember, um
halb 4 Uhr nachmittags, im Festsaale des Hotels „Bayrischer
Hof" eine Chanukkafeier, die einen außerordentlich
schönen Verlauf nahm und sich dank der vorbildlichen Tätig¬
keit des Bundes und insbesondere seines rührigen Präsidenten
Postamtsdirektor Gustav K o 1 m i n zu einem wahren Freuden¬
fest der jüdischen Jugend gestaltete. Eine unübersehbare
Menge von Kindern füllte den Zuschauerraum und die Bühne, es
wimmelte wie in einem Ameisenhaufen. Es war ein herz¬
erfreuender Anblick, so viel Jugend, so viel Hoffnung und so
viel Anmut und kindliche Fröhlichkeit beisammenzusehen, und
auch die Alten, die zu diesem Feste der Jugend erschienen
waren, wurden Wieder jung in ihren Herzen, da sie sich mit
der Jugend freuen, mit ijir lachen und scherzen konnten. Unter
den Anwesenden bemerkte man den Protektor des Vereines
Herrn Rabb. Dr. Max Grunwald, den Präsidenten der Kul¬
tusgemeinde Prof. Dr. Alois Pick, Vizepräsident Dr. Jakob
O r n s t e i n, die Kultusyorsteher Dr. Bader und Dr. K1 a-
b e r, die Bethausvorsteher Berge r, Ernst, Figdor und
Planer, die Amtsdirektoren Regierungsrat Dr. Adler und
Regierungsrat Fuchsgelb, den Schulinspektor Prof. Doktor
Redisch, den Referenten des Jugendamtes der Kultus¬
gemeinde Ohler und eine Abordnung des Frauenwohltätig¬
keitsvereines für den II. Bezirk, bestehend aus Frau Doktor
Grunwald, Frau Fischer und Frau Hirschfeld. Der
Obmann des Elternbundes Gustav K o 1 m i n begrüßte die an¬
wesenden Honorationen, die zahlreichen Festgäste und vielen
Kinder, sprach dem Protektor des Bundes, Sr. Ehrw. Herrn
Rabb. Dr. Grunwald für sein ebenso rastloses und vor¬
bildliches, auch fruchtbringendes Schaffen, für seine tat¬
kräftige Unterstützung und Förderung, für seine geistige Lei¬
tung und Führung vom Anbeginn bis zum heutigen Tage den
herzlichsten Dank aus. Präsident Kol min dankte auch dem
Bethausvorsteher Herrn Siegmund Ernst für seine großen
Verdienste um den Verein, besonders um die Beschaffung der
zahlreichen Festspenden, und dem Lehrer Markus Pick für
sein Wirken als künstlerischer Leiter der Darbietungen, ferner
dem Herrn Musikprofessor Antscherl und dem Chordiri¬
genten Hei mann für ihre uneigennützige Mitwirkung an der
heutigen Feier, schließlich der Frau Lehrerin Reiss für ihre
liebenswürdige Uebernahme der Theaterregie sowie dem
JAC. MAYER
Schriftführer des Bundes Herrn Dr. Baumgar teil und
dessen Gemahlin Frau Beate Baumgarten, welche das
zur Aufführung gelangende Theaterstück eigens für die Feier
geschrieben und dem Elternbund gewidmet hat. Schließlich
dankte er auch seiner Gemahlin, die, wie gewohnt, ihr Bestes
in den Dienst der guten Sache gestellt habe und schloß seine
Rede, indem er den Kindern eine freudige Ueberraschung in
Aussicht stellte. Im Mittelpunkte der ganzen Feier stand selbst¬
verständlich das Anzünden der Chanukkalichter und war es
eine überaus glückliche Idee, die Menorah von Mädchen, von
welchen jedes eine Kerze in der Hand hielt, bilden und von
einem kleinen Knaben, Walter Degenstück, anzünden zu
lassen. Kultusrat Dr. Isidor K1 a b e r würdigte sodann in einer
Festrede die Bedeutung des Chanukkafestes, worauf der Mittel¬
schüler Berny Antscherl Josef Sulzers „Cavatine" und
David Poppers „Gavott" meisterhaft zum Vortrage brachte.
Die hierauf von der Bürgerschülerin Lotte Paschkes unü
dem Mittelschüler Franz Kol min vorgetragenen Festge¬
dichte wurden lebhaft akklamiert. Ein aus Jünglingen und
Mädchen bestehendes und von Musikprofessor Heinrich
Antscherl geleitetes Symphonieorchester spielte
den 3. Satz aus der III. Symphonie von Mendelssohn una
den „Krönungsmarsch" aus der Oper „Der Prophet" von
Meyerbeer und erntete für seine ausgezeichneten Dar¬
bietungen reichen Beifall. Das von der Schriftstellerin Beate
Baumgarten verfaßte Festspiel „Die Hasmonäer" fand bei
Jung und Alt großen Gefallen und trug der Verfasserin unu
den jugendlichen Darstellern und Darstellerinnen sowie der
Spielleitung Frau Religionslehrerin Rosa Reiss ungeteilten
Beifall ein. Es folgten nun Gesangs- und Gedichtvorträge,
unter welchen wir besonders die lustigen Lieder der Lizzi
Timan vom Deutschen Volkstheater anerkennend hervor¬
heben möchten. Schließlich kam die angekündigte Chanukka-
Ueberraschung, welche von den Kindern mit Spannung erwar¬
tet wurde und lebhafteste Freude bei allen Kindern auslöste.
Gibt es einen herzerquickenderen Anblick als fröhliche Kinder?
Barmizwahfeier. Samstag, den 4. Dezember, ist der
Student Felix H u b e r, Sohn des Herrn Alfred H u b e r una
seiner Gattin Rosa geb. Hoffmann, im Großen
Leopoldter Tempel als Barmizwant vor der Thora
erschienen. Hierbei brachte Oberkantor Fische;
einen feierlichen Segensspruch zum Vortrage, worauf Rabb.
Dr. Max Grunwald an den Konfirmanten eine eindrucks¬
volle Ansprache hielt, in der er den zum ersten Male vor der
Thora Erschienenen ermahnte, den Traditionen seiner Familie
treu zu bleiben und dem edlen Beispiele seiner Eltern und
Großeltern nachzueifern. Dann werde er sich dieselbe Achtung
und Wertschätzung erringen, welche diese wegen ihres vor¬
bildlichen Lebenswandels allgemein genießen. Der Konfirmand
und seine Eltern wurden nach Schluß des Gottesdienstes von
den zahlreichen erschenenen Freunden und Bekannten herz¬
lichst beglückwünscht.
Enthüllung einer Gedenktafel für jüdische Soldaten in
London. In der großen Synagoge in Ost-London wurde
eine Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen jüdischen
Soldaten Ost-Londons angebracht, welche 674 Namen enthält.
Die feierliche Enthüllung dieser Gedenktafel, der auch Feld¬
marschall Lord Allenby beiwohnte, gestaltete sich zu einer
eindrucksvollen Trauerkundgebung für die jüdischen Gefalle¬
nen. Lord Allenby hielt vor dem zahlreich versammelten Pub r
likum eine ergreifende Ansprache, in welcher er darauf hin¬
wies, daß die jüdischen Soldaten im Weltkriege ihre Pflicht
voll und ganz erfüllt haben. Er sagte wörtlich: „Unter allen
Söhnen Großbritanniens fand ich keinen tapferem Kämpfer
als den Juden. Die Gestalt des Judas Maccabäus beweist, daß
die Juden für jede gute Sache zu kämpfen wissen. In Palästina
kämpften die jüdischen Bataillone in einer Weise, daß kein
Lob für sie zu hoch ist." Die Gedenkrede hielt hierauf Chief
Rabbi Dr. Hertz.
H Diese Nummer ist zwanzig Seiten 5
■ stark. Die nächste Nummer erscheint wegen 5
■ der durch die Umänderung des Blattes bedingten tech-" ■
2 nischen Schwierigkeiten. ■
■ Freitag, den 31. Dezember 1926, . ■
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