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Selbst - Einancipation.
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Herausgeber und Chefredakteur:
DS. Uerlh»« gifnbatttn.
Erscheint zu Anfang und Mitte eines jeden Monates.
Redartion:
Wien, II./3., Malzgasse 4.
(Sprechstunde: Täglich von 1—2 Uhr
Nachmittags.)
Administration:
Wien, XIX. Döbling, Hauptstraße 30.
Expedition:
Wien, Ik/3., Malzgaffe 4.
Unfrankirtc Briefe werden nicht
angenoinmen und Manuskripte nicht
retournirt.
u. 17.
Wien, 29. August ^892.
V. Jahrgang.
Inhalt: An unsere P. T. ?lbonnenten. — Zehn Jahre. — „Disciplin." — Die Tallisweber von Kolomea. — Das Land Gilead (Fortsetzung). —
Home rule und die Juden in England. — Ter Nationaljudc (Fortsetzung). — Die Heilung des jüdischen Volkes (Fortsetzung). —
Original-Correspondcnzen: Wien, Krakau, Czernowitz, Heidelberg. Berlin. Au- der Provinz Posen. Paris. Paris. Kischineff. Jerusalem. —
Chronik. — Miscellen. — Eingesendet. — Eorrespondenz der Redaction. — Inserate.
GeknnMMM5m! Verbreitet die SrN-EmnäPtion!
An rmsere U. T. Abonnenten!
jm Gegensätze zu den erfreulichen Fortschritten der
Zionssache im Allgemeinen, Hachen wir leider über uns
selbst keine freudigen Acitteilungen zu inachen. Durch
die Unpünktlichkeit der meisten unserer p. T. Abon¬
nenten, sowie durch den geringen Propagationseifer
derselben ist unser Unternehmen financiell derart geschwächt
worden, dass es sich genöthigt sieht, statt an die geplante
umfassende Vergrößerung des Blattes an eine Verkleinerung
desselben zu gehen. Fortab wird zu unserem größten
Leidwesen die „Selbst-Lmaneipation" in kleinerem Umfange
erscheinen müssen und mag daher die vorliegende wegen
Uebersiedlung der Buchdruckerei verspätet erscheinende
Nummer, welchedie gewöhnliche Stärke aufweist,als Doppel
nummer (für Witte August und Anfang Sep¬
tember) gelten. Aber selbst in so reducirter Form wird
das Blatt nicht gehalten werden können, wenn sich unsere
p. T. Abonnenten ihrer Pflicht gegen ihre heiligsten
Ueberzeugungen nicht besser bewusst werden.
Wir haben ja das Blatt nicht als Geschäfts¬
unternehmen ins Leben gerufen, sondern es in uneigen¬
nützigster Weise mit eigenen Dpfern an Geld, Blühe und
Zeit gegründet, weil wir hofften, dass nran uns mannhaft
zur Seite stehen werde. Wir sehen von vorneherein in
den Abonnenten keine Aunden, sondern Mitherausgeber
einer für die Verbreitung der Zionsidee unentbehrlichen
Zeitschrift. Uns stehen keine große Unternehmercapitalieu
zur Verfügung; jede Abonnementsgebühr ist in Rechnung
gezogen, und wenn sie nicht pünktlich eintrifft, so mangelt
sie uns eben.
Wir erwarten, dass diese Mahnung nicht ungehört
verhallen wird, dass sich unsere Gesinnungsgenossen die
Wichtigkeit des Bestandes, der Ausbreitung und der all-
mäligen Vergrößerung eines zionistischen Grgans in der
den Juden geläufigsten europäischen Sprache vor Augen
halten und denrgemSss vorgehen werden.
Wollen unsere geehrten Leser, dass die „Selbst-
Gmancipation" sich erhalte, wieder zu ihrem alten Um-
fange zurückkehre oder gar sich vergrößere, so mögen sie
t dessen eingedenk sein, dass das. Schicksal des Blattes in
ihren Händen" liegt, dann mögen'sie Abonnements¬
rückstände und fällige Abonnementsgebühren um¬
gehend einsenden und neue Abonnenten mit allen Eifer zu
gewinnen trachten; gesinnungsgenössische Vereine aber und
reiche Zionisten mögen regelmäßige Zuschüsse zur Gr-
haltung und zur Vergrößerung des Blattes leisten.
Wien, im August ( 892 .
Die Ndministrutivn.
Zehn Jahre.
Zur Zeit da wir noch ein selbstständiges, unabhängiges
Volk auf unserem eigenen Boden waren, war der 15. Äbh
ein Fest- und Ferialtag, den das Volk in jauchzender Lust
und in Hellem Jubel begieng. Der Tag diente der Freude, dem
heiteren Genüsse. Heute ist er nur ein Schatten seiner einstigen
Herrlichkeit, ein kaum hervorgehobenes Datum im jüdischen
Kalender. Viele wissen gar nichts von seiner Vornehmheit
und lassen ihn ungekannt und unbeachtet vorüberziehen; dort,
wo noch jüdische Traditionen leben, ist er zu einer Art Er¬
holungspause, zwischen der Nationaltrauer der „drei Wochen"
und des 9. Abh einerseits und dem religiösen Ernste der Monate
Ellul und Tischri andererseits geworden.
Eine umso größere Bedeutung hat der 15. Abh
für die Zionsfrennde und damit für das wahre jüdische
Volksinteresse neuerdings gewonnen. Au diesem Tage vor
jetzt 10 Jahren betraten die Gründer der Colonie liischon
l’Zion zum erstenmal ihren Grund und Boden und stellten
daselbst ihre Zelte auf. An diesem Tage verdichtete sich also
die moderne, nationale Zionsbewegung zu ihrem
ersten realen Unternehmen auf dem geheiligten Boden
des Landes Israels.