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Ur. 18 Wien. 19. September 1892. V. Jahrgang
Inhalt: Rückblick und Ausblick. — Zum zehnjährigen Jubiläum von Rischpn l'Zion. — Moritz Gottlieb. — Originsj-Korrcspondenzen: Wien,
Wien, Krakau, Lemberg, Peczenizhn, Magdeburg, Jerusalem, New-^ork. — Chronik. — Recensionen. Eingesendet. — (Korrespondenz
. der Redaction. — Correspondenz der Administration. — Inserate.
Rückblick und Rusblick
anlässlich des Jahreswechsels.
Das Jahr hat besser geendet als es begonnen. Unsere
Partei stand am Anfang von 5652 unter dem lähmenden
Eindrücke des von der Pforte gegen die russischen Juden er¬
lassenen Einwanderüngsverbotes. Wir eiferten freilich sofort
S ^ solche Kleinmütigkeit, und zeigten, wie es so halte
en müssen und wie es gut war, dass es so gekommen.
So haben sich denn auch wirklich am Schluffe des Jahres
die Dinge wieder zum Guten gewendet. Eine zweckmäßige,
besonnene Einwanderung nach Palaestina ist wieder ermöglicht,
das absolute Verbot ist aufgehoben. Jetzt gilt es, unsere
Aufgabe fürs kommende Jahr zu erfassen, über das Errungene
nicht zu viel zu jauchzen, bevor wir es nicht gesichert haben
— für alle Zeiten. Diese Sicherung kann nur dann erfolgen,
wenn die zionistische Gesinnung aus einer Parteisache ein
allgemeines Gut des jüdischen Volkes - geworden sein wird.
Nur auf breiter nationaler Grundlage sich aufbauend, kann
das Zionswerk die Garantien dauernden Bestandes sich er¬
werben. Nur vom Volkswillen getragen, kann die Zions¬
bewegung geschichtliche Wirkungen Hervorrufen. Für jetzt ist
das Verbot der Pforte aufgehoben, aber es muss auch eine
Lage geschaffen werden, welche eine Wiederholung desselben
oder das Eintreten noch peinlicherer Ereignisse unmöglich macht.
Dieses Ziel kann nur von einem begeisterten, die Welt durch
die Einmüthigkeit und Stärke seines Wunsches mit sich
reißenden Volkes erreicht werden.
Es sind bereits im verflossenen Jahre Schritte gemacht
worden, um die Zionsliebe auf weitere Kreise unseres Volkes
zu übertragen. Kleine Erfolge sind vorhanden, größere, die
auf diese Thätigkeit zurückzuführen wären, sind noch abzuwarten,
werden aber kaum ausbleiben. Es werden im kommenden
Jahre wohl noch größere Anstrengungen in dieser Richtung
zu machen sein, und man wird nun Mittel und Wege zu
suchen und zu finden haben, um die Wahrheiten des Zionis¬
mus der Intelligenz und den Massen, namentlich in Mittel¬
und Westeuropa, beizubringen. Es ist selbstverständlich, dass
hiebei jede Zersplitterung verhütet und ein einheitliches
Borgehen wird angestrebt werden müssen. Das Jahr 5653
wird wohl endlich das Jahr der Organisation der Zionisten
— wenigstens auf dem beschränkten Gebiete Oesterreichs und
Deutschlands, vielleicht auch darüber hinaus, — werden.
' Es ist kein Zweifel, dass sodann das Tempo unseres
Vorwärtskommens ein rascheres sein wird. Propaganda und
Erfolge bedingen sich ja gegenseitig. Von letzteren haben wir
bereits etwas aufzuweisen, das macht Propaganda, und
Propaganda hinwiederum macht neue Erfolge. Noch Hilst
uns.- bedauerlicherweise ein Drittes — das Wachsen des
-Antisemitismus: Das ablaufende Jahr hat dem Jndenhaffe
neue Gebiete eröffnet und ihn auf den altem Gebiete eine
intensivere. Thätigkeit entfalten lassen. Alles spricht leider
dafür, dass es im nächsten Jahre nicht besser, alles, dass es
noch schlechter kommen wird. Ins Unzählbare wachsen die
gegen die Inden heranziehenden Heerschaaren; damit wächst die
Enttäuschung im jüdischen Lager, das sich so lange in dem
schönen unberechtigten Friedenstraum gewiegt hatte. Die
Herzen und Köpfe der Söhne unseres Volkes werden von
den Thatsachen für die Aufnahme der zionistischen, der einzigen
Israel endgiltig rettenden Idee vorbereitet. Freilich treten die
Protzen und Bonzen des alten Systems nichts gutwillig von
ihrem Terrain ab, sie machen einen gewaltigen Lärm und
schleudern Verunglimpfungen und Verleumdungen gegen unser
Beginnen. Zum Theil sind sie zu böswillig, zum größeren
Theile aber bloß zu kurzsichtig, um die Erhabenheit- und
geschichtliche Notwendigkeit des Zionswerkes einzusehen. Wir
dürfen uns von ihrem Murren oder Toben ebensowenig ein-
schüchtern lassen, wie im vergangenen Jahre; sie werden im
kommenden Jahre wol noch weit mehr zettern, weil wir mehr
werden wettern müssen. Darüber dürfen wir nicht kaltes
Blut verlieren.
Die Posaunenklänge des Neujahrfestes sollen uns Weck¬
rufe zur Arbeit für unser Volk sein. Keinen Augenblick
dürfen wir da vergessen, dass es vorzuarbeiten gilt jenem großen
Augenblicke, von dem es heißt b'sobolar gadol jithaka, in
welchem die Erlösungs-Dromette unserem Volke schmettert.
Zum zehnjährigen Jitbümmt von
Risthon l'Zion.
1. Geschichte der Eolouie Risch-n l'Zion.
Es war am 15. Abh des Jahres der Welt 5642, des
Jahres des gjriß 1814, nach der europäischen Zeitrechnung