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erhältlich): 18 kr.
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retournirt.
.Ur. 20 Wien. 23. Octoböer 1892. V. Jahrgang.
Inhalt: Wo und wie sollen wir agitiren? — Zum zehnjährigen Jubiäum von Rischon l'Zion. (Fortsetzung). — IVzyszJosz. — Origiual-
Correspondcnzen: Wien, Wien, Wien, Lemberg, Elisabethprad,Paris, Jerusalem. — Chronik. — Michael Erlanger. — Reccnsionen. —
Correspondcnz der Redaction. — Correspondenz der Administration. — Inserate.
Folgende Herren hatten die Güte, als unsere Lcrtvaucnomäilner'
unentgeltlich unsere Vertretung in ihren rcspcctiven Wohnorten zu über¬
nehmen : Für
Kialqstoflr (Russland,Grodn.-Gouv.), Herr Herz Rosenthal.
Czernowitz (Bukowina) Herr Leon Äöutg, Kaufmann, Ringplatz.
Dorrtslhliröd (Böhmen) Herr Albert Freud, Bahnbeamter.
Drohobyc; (Galizien) Herr Moses Pächtmann, Advocaturs-
Concipient.
Diinaburg (Russland) Herr S. I. Sachs.
Zorazdomih : (Böhmen) Herr M. Friedmann, Canwr. , . .
Irrnsalem ' (Palästmch-Herr W. Jawrtz, Schriftsteller.'-
Iungbunrlau (Böhmen) Herr vr. Moriz Grünwald, Bezirks-
Rabbiner.
Kattowitz (Oberschlesien) Herr Moritz Moses, Kaufmann.
Krakau ' (Galizien) Herr Benjamin Spira, Kaufmann,-
Wolnica Nr. 5.
Lemberg (Galizien) Herr Efraim Leissner, Holzhändler.
London (England) Herw M. Leibowitz, 37. Le»ian-Str., E.
Lubliu (Russland, Polen) Herr Moses Ehrlich, Dampf-
mühle auf Piaski.
Magdeburg (Preußen, Provinz Sachsen) Herr Engen Bo sch¬
witz, Geurickestraße 2.
Odessa (Russland) Herr vr. jnris Gregor A. Biel-
kowsky, Ecke Chersonskaja und Konnaja, Nr. 11.
Petersburg (Russland) Herr Rechtsanwalt W. Behrmann,
Jsmailowsky Prospect Nr. 7, Telephon Nr. 693.
Pilsen (Böhmen) Herr Gustav Beck, Kaufmann.
Podwolorzyska (Galizien) Herr Isidor Preczep.
Padautz ~ ‘ '
(Bukowina) Herr Simon Schapira, Religions-
(Bulgaricn) Herr Jonas Willheimer, Lehrer an
der Allianzschnle.
(Galizien) Herr Abraham Reischer, Uhnnacher.
(Galizien) Herr vr. g'uris A. Salz.
(Bulgarien) Herr S. Refetofs, Director der isr.
Schule.
Diese Herren sind ermächtigt, Bestellungen und Reclamationen
entgegenzunchmen, sowie Gelder in Encpfang zu nehncen und zu quittiren.
Stanialau
Tarnonr
Middiu
In Odessa sind Einzel-Exemplare in der Buchhandlung
Scher mann (Ecke Richelieustraße und Troitzkystraße) zu bekommen, wo¬
selbst auch pränumerirt werden kann.
Mo und wie muffen wir agitieren?
Der Verfasser vorliegenden Artikels möchte die hier
ausgesprochenen Gedanken keineswegs nur als die seinigen
betrachtet wissen. Er hat vielmehr ähnliches schon von allen
ihm bekannten Gesinnungsgenossen aus dem deutschen Reiche,
die überhaupt über die Aussichten unserer Partei nachgedacht
haben, gehört. Mögen deshalb die österreichischen Zionisten
die folgenden Ausführungen als eine Stimine der reichsdentschen
Parteigenossen überhaupt betrachten!
Es ist eine allbekannte Thatsache, dass, wer Erfolge
erringen will, seine Kräfte nicht zersplittern darf. Besonders
gilt dies vom Parteileben und zumal von jungen Parteien.
Es, ist klar, dass eine Partei ihre Kräfte dorthin zuerst
Konzentrieren muss,, wo sie am leichtesten Fortschritte zu,
machen imstande ist. Die deutschen Antisemiten haben in
dieser Beziehung ein Geschick entwickelt, das ebenso wie ihr-
Eifer einer besseren Sache würdig wäre und uns wahrlich
zum Muster dienen könnte. Gerade der anscheinend unge-
schicklichsto aller Antiseinitenführer, Böckel. hat auf dem
letzten Parteitage seiner „antisemitischen Volkspartei" die
Konzentraction aller Kräfte für Hessen gefordert, wo er
mindestens einer Anzahl von 15 Reichstagsinandaten für
seine Anhänger sicher zu sein glaubt. Böckel weiß eben ganz
genau, in welch' hohem Maße gerade die hessischen Bauern,
mit denen er in seinem „Reichsherold" und in unzähligen
Volksversammlungen trefflich nach Bauernweise zu plaudern
versteht, für den Judenhass empfänglich sind. Hessen ist ihm
Fels und Centrum seiner Partei: von dort aus will und
wird er leider wahrscheinlich weitere Eroberungen machen.
Auch unsere junge Partei sollte ihre Kräfte zunächst
auf ein engeres Gebiet konzentrieren. Sie sollte das um so
mehr, als sie sich ganz besonders hohe Ziele gesteckt hat,
ganz besonders schwierige Aufgaben zu lösen gedenkt. Wir
haben den Plan, die westeuropäischen Juden für die Zionssache
zu gewinnen. Unter diesen bilden die reichsdentschen und die
deutsch-österreichischen bei weitem die überwiegende ülnzahl.
Im deutschen Reiche aber würde eine starke 'Agitation unserer
Partei vorläufig deshalb nicht zu dem gewünschten Resultate
führen, weil man in unserem Nativnalstaate Deutschnatio-
nalismus und Deutschpatriotismus als untrennbare^ Dinge
betrachtet, weil man hier in dem Glauben befangen ist, dass/
wer kein Deutscher sei, auch sein deutsches Vaterland nicht
lieben könne. Ganz andees im Nationalitätenstaate Oesterreich.
Wem — außer etwa einem Antisemiten, der eben den Juden
alles zum Vorwurfe macht, sollte es dort einfallen, den Juden
deshalb, weil sie eine eigene Nation sein wollen, vorzmverfcn,
dass sie keinen österreichischen Patriotismus besäßen? Können
die Jildcn nicht dort neben den gleichberechtigten Deutschen,
Polen, Czechen, Slovcnen, Ruthenen, Serbcroaten, Rumänen