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Selbst - Emancijmtion.
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Für Oesterreich-Ungarn ganzj. st. 4
„ Deutschland „ Mk. 8
„ üiußland „ ilibl. 4
„ Amerika „ Doll. 2
„ die übrigen Länder „ Frcs. 10
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Nummer beginnen.
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erhältlich): 18 kr.
't'giig i(ct[ jriulisc(i-l|ntiai!a[ti|,
Herausgeber und Chefredactcur:
Erscheint zweimal int Monate.
Nedaction:
Wien, IX./1., D'Lrjaygasse 7.
^Sprechstunde: Täglich nur von « bis
7 Uhr Abends.)
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Wien, XlX. Döbling, Hauptstraste 3».
Expedition:
Wien, IX./I., D'Orsaygasse 7.
Nnfraiikirte Briefe werde» nicht
angenommen und Mannscripte nicht
retonrnirt.
Ur. 21 Wien, 15. November 1892. V. Jahrgang.
Inhalt: Der gegenwärtige Stand unserer Sache in Oesterreich. — An die Zionisten Galiziens. — Das Land Gilead. (Fortsetzung.) — Der
Nationaljude. (Schluss.) — Die Heilung des indischen Volkes. (Schluss.) — Original-Correspondenzen: Wien, Wien, Tarnoiv, Radautz,
Elisabethgrad, Jerusalem. — Chronik. — Reccnsionen. — Belletristisches. — Correspondenz der tliedaction. — Correjpondenz der
Administration. — Inserate.
Fortab befindet sich die Uedartion «nd
Expedition unseres Klattes
Wien, IX/1., D'Orsaygaffe Nr. 7.
An die freunde unseres Blattes!
Unser Aufruf an der Spitze der Nr. (6—(7 der
„S.-E." hat einigen Erfolg gehabt. Spenden und
Abonnements flößen reichlicher. N)er da aber glaubt, —
und es wurden derlei Stimmen laut, — dass wir jenseits
aller Schwierigkeiten und Verlegenheiten sind, der irrt
gewaltig. Unsere Lage ist kaum gebessert. 2Nan
berücksichtige, dass monate lange der Eingang der
Abonnements fast ganz stille stand, man berücksichtige
ferner, dass der erwähnte reichlichere Zufluss wieder zu
versiegen beginnt, und man berücksichtige schließlich, dass
unsere Ausgaben für Druck, Zeitungs- und Briefporti,
sowie Honorare verhältnismäßig hohe sind. U)ir fordern
daher alle Freunde und Gönner auf, durch Gewinnung
neuer Abonnenten, durch Spenden und Begleichung der
Rückstände auszuhelfen. Auch auf die Sammlung und
Zusendung gebrauchter Briefmarken erlauben wir uns
wieder die Aufmerksamkeit aller unserer Leser zu lenken,
da sich thatsächlich hiedurch einigermaßen beträchtliche
Einnahmen erzielen lassen.
Die Administration.
Der gegenwärtige Stand unserer
Sache in Oesterreich.
Im Leitartikel der vorigen Nummer hat ein Gesinnungs¬
genosse aus dem deutschen Reiche einen Ruf an die österreichischen
Zionisten ergehen lassen, sie mögen doch einsehen, wie gerade
sie auf den wichtigsten Posten hingestellt sind, und dass daher
gerade für sie die heiligste Pflicht besteht, den an sie gestellten
Anforderungen gerecht zu werden. In trefflicher, übersichtlicher
Weise hat er mit fast durchwegs richtigem Blicke das
zusammengestellt, was notthut, um unsere Parteisache in
Oesterreich zu fördern. Er hat dabei nicht vergesse», gerade
die hervorragende Bedeutung Wiens als Agitationsfeldes
hervorzuheben.
Alkgesichts dieser Aiifimiiiteruiig von außen wird es
wohl ani Platze sein, die heutige Situation unserer Partei in
Oesterreich überhaupt uild speciell in Wien zu beleuchten und
daran manche nützliche Betrachtung zu knüpfen.
Was die Provinz betrifft, so käme hier zunächst Galizien
in Betracht. Dort ist ergiebiger Boden. Die Partei hat in
Galizien schon eine Gegenwart, ein Umstand, der die Hoffnungen
ans eine Zukunft vergrößert. Was kamt sich eine ntzne Partei
mehr verlangen, als ein Menschenmateriale, welches für ihre
Ideen empfänglicher ist, als jedes andere, als eine öffentliche
Meinung, die sie nicht tvdtschweigt? Alls diesem Standpunkte
stehen die Zionisten tu Galizien jetzt und sie müssten Fehler
auf Fehler machen, wenn sie unter solchen Umständen nicht
von Erfolg zu Erfolg schreiten sollten.
Anders stehen die Dinge in den anderen österreichischen
Kronländern, soweit sie eine nennenswerte jüdische Bevölkerung
aufweisen. Wir müssten schönfärben, wollten wir lellgnen,
dass dort mit Ausnahme eines leisen Ansatzes in Böhmen
keine Spur von beivusstem Zionismus besteht. Namentlich
durch die Kämpfe der Deutschen mit den Slaven, in welche
die Juden mit verivickelt sind, ist in die letzteren ein so hoher
Grad von Entfremdung gegenüber der eigenen Nationalität
getragen worden, dass es eine fast überiikeuschliche Arbeit
scheint, hier Wandel zu schaffen.
Wieder anders stellt sich die Lage in Wien dar. Wiens
Judenschaft ist der Schlüssel zu der Judenheit Oesterreichs.
Das Wort Wien hat einen guten Klang bei den österreichischen
Juden, man muss ihn daher den Leuten Vorspielen können.
Selbst bis nach Galizien dringt der Zauber dieses Wortes
und kann den dortigen Zionisten bei ihrer Arbeit Helsen. Doch,
wie stehen wir in diesem Wien, der Stadt, die mehr jüdische
Einwohner hat, als z. B. ganz Frankreich? Nun, viel haben
wir noch nicht erreicht. Wir sind, wie wir dies in voriger
Nummer ausdrückten, in Wien eine „Privatpartei" geblieben,
auf ziemlich enge Kreise beschränkt und von der sogenannten
„Judenpreffe" tvdtgeschiviegeu. Und doch sind wir schon etwas
in der Stadt, ein Ding der Aufmerksamkeit, und zwar einer