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Selbst-Emancipation
Nr. 23.
dies nöthig wird, z. B. jetzt in den Colonien Gadrah und Mischmar-
Hajarden. Dieses schöne Institut wurde im Jahre 5651 (1891) durch den
Ingenieur Temkin unter Beihilse der wackersten Zionsfreunde gegründet
und Anfangs von Herrn Friedmann geleitet. Vor ungefähr einem
halben Jahre übertrug derselbe die Leitung gütigst und mit Erlaubnis
des Leiters des Executivcomites auf den Unterfertigten.
Die materielle Lage der Bibliothek war Anfangs eine sehr un¬
günstige. Die Einnahmen aus den Entlehnungsgebühren find naturgemäß
sehr geringe, während ihnen bei aller Sparsamkeit sehr große Ausgaben
gegenübcrstehen. Erst, als durch die Bemühungen des gegenwärtigen
Leiters des Executivcomites, Herrn Bienstock, der Vorstand des „Ver¬
eines zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien
und Palästina" eine jährliche Subvention von 1500 Francs der
Bibliochek bewilligte, wurde die Lage derselben eine feste und gesicherte.
Trotzdem ist sic nicht im Stande, alle neuen Erscheinungen der Literatur
anzukausen; sie kann den älteren Büchern nicht die neuen zugesellen, und
die Mitglieder schmachten nach neuer Lectüre wie der Durstende vor
einer intermittirenden Quelle nach dem Wicderkommen des Wasiers. Es
ist doch nur recht und billig, dass sich in einem Institute, das der
Mittelpunkt von Bildung und Wißen im Mittelpunkte der wahrlich an
Männern von Geist nicht armen neuen Ansiedlung sein soll, alle Bücher
unseres Volkes finden, vom Buch der Bücher, der heiligen Schrift, ange¬
fangen,, bis zu den Erscheinungen des laufenden Jahres, ebenso, wie in
diesem Zelte Sems die Geistesschönhcit Japhets einen Platz erhalten
muss. Das ist aber leider Alles nicht der Fall. Die jüdischen Bücher
erreichen die'Zahl 1285, kaum ein Zwanzigstel unserer Literatur; die¬
jenigen anderer VMer 1056. Diese Ziffern zeigen, wie arm die Biblio¬
thek ist. Es ist eine Schmach, eingestehen zu müssen, dass Bücher, wie
„Medial", die „Concordanz", „vor vor v'äorsohav“, „Üearued
haschalem“ gar nicht, die anderen nur unvollständig, bruchstückweise
vorhanden sind.
Indem wir das Vorstehende veröffentlichen, hoffen wir, dass die
2 ne des ältesten Culturvolles der Erde, welchen außer der Liebe zur
ung auch noch Liebe zu Zion innewohnt, das Beste ihres Bücher¬
besitzes für unsere Bibliothek spenden, dass sie uns das Borwärtsschrciten
ermöglichen und uns helfen werden, ähnliche Anstalten in allen Städten
und Ansiedelungen unseres heiligen Landes anzulegen. Wir hoffen auch,
dass die geehrten Auwren und Zeitungsherausgcber, wie dies schon viele
von ihnen früher gethan haben, ihre Bücher und Zeitungen uns zu¬
kommen laßen, ebenso, dass sich Männer der That finden werden, welche
Bücher für unsere Bibliothek, namentlich bei den Reichen unseres Volkes,
sammeln. In diesen Erwartungen danken wir den bisherigen Gönnern
unserer Bibliothek ebensowohl, als den künftigen und schließen mit dem
Wunsche, dass es ihnen vergönnt sei, die Tröstung Zions und ihres
Volles zu • erleben.
Im Namen der Bibliothek „Lchnar Zion“ und vieler Wisscns-
durstiger im heiligen Lande. Josua E i s e n st a d t,
Jaffa, 27; Cheschwae 5653. Bibliothekslcitcr.
Adresse für Büchersendungen: Bibliothek „Schaar
Zion“, Jaffa, Palästina. — Spender in Russland wollen jedoch die
Adreffe: I. CH. Rawnitzky, Odessa, benützen.
Den Schriftstellern, welche ihre Bücher schicken, wird-das am!
Jahresschluss erscheinende Sammelbuch, in welchem die Ereignisse in der
Colonisationssache verzeichnet sein werden, zugehen. Die Namen der
Spender werden in den Zeitungen veröffentlicht werden.
Nachbemerkung der Redaktion. Es ist selbst¬
redend, dass wir den vorstehenden Aufruf allen unseren Lesern'
zur möglichsten Berücksichtigung empfehlen müssen. Die Pion--
niere unserer Ideale in Palästina, sowie die dortige jüdische
Bevölkerung überhaupt, müssen auf einem hohen Cultnrniveau
erhalten bleiben, resp. auf dasselbe gehoben werden, wenn die
zionistische Idee siegen soll. Darum, Gesinnungsgenossen, eilet
der Bibliothek „Schaar Zion“ zu Hilfe! Aber vergesset dabei
auch nicht des neugegründeten hebräischen Sprache- und Sprech¬
vereines „Safah berurah“ in Wien, dessen Aufruf unten folgt
und der ebenfalls Eurer Unterstützung würdig ist. .
Arrfrnf!
Zur Pflege und Verbreitung hebräischer Sprache und
hebräischen Sprechens hat sich in Wien ein Verein namens
„Safah berurah“ gebildet, welcher durch eben diesen seinen
Zweck berufen ist, ein mächtiger Damm gegen alle nivellirenden
Bestrebungen im Judenthum zu werden. Er will den west¬
europäischen Juden die Möglichkeit, die hebräische Sprache
als Umgangssprache zu gebrauchen, beweisen, und sir dadurch
für das Hebräische und ihre snationalen Güter begeistern.
Durch Unterrichtscnrse, Vorträge, eine Bibliothek
und gesellige Zusammenkünfte will er seine Aufgabe zu er¬
füllen trachten. Der Besuch der Unterrichtsstunden, deren in
jedem Curse wöchentlich zwei abgehalten werden, ist für
ordentliche Mitglieder obligatorisch.
Jeder Wiener Jude, der das ehrliche und standhafte
Verlangen trägt, die Sprache seiner Väter zu erlernen und
sprechen zu können, konnne und trete dem Vereine als ordent¬
liches Mitglied bei. Er wird hier außer geistiger auch die
sittliche Förderung finden, welche in dem. freundschaftlichen
Umgänge mit nach gleichem, hohen Ziele Ringenden besteht.
Jene für die Entwicklung und gänzliche Wiederbelebung der
hebräischen Sprache begeisterten Stammesgenossen jedoch, die
entweder uicht in Wien wohnen, oder durch unbehebbaren
Zeitmangel am regelmäßigen Besuche der Unterrichtscurse
verhindert sind, ersuchen wir, dem Vereine als fördernde
Mitglieder, Stifter oder Unterstützer beizutreten. Wir
bitten auch alle Gesinnungsgenossen der Vereinsbibliothek he¬
bräische oder solche Bücher, swelche sich mit der hebräischen
Sprache befassen, zu spenden, und bitten die hebräischen
Schriftsteller, uns ihre Werke, die Herausgeber hebräischer
Zeitungen, uns diese uNentgelttich einzusenden. Alle, die
uns auf die eine oder andere Weise fördern, werden nebst
unserem innigen Danke auch noch das angenehme Bewusstsein
besitzen, eine gute Sache, eine Volkssache unterstützt zu haben.
Für den Vorstand des Vereines „8atah berurah“:
Dr. Nathan Birnbaum, S. I. Vierer,
Präsident. Secretär f. d. deulsche Sprache.
Bücher- und Zeitung-, sowie Briefe und Geldsendungen
wolle, man an den Cassier des Vereines, Herrn Josef Sachs,
Men, IX.fi', D'Orsaygasse-7, adressiren.
Ordentliche Mitglieder zahlen eine Eintrittsgebühr
von mindestens 50 kr., einen monatlichen Mitgliedsbeitrag
von mindestens 30 kr.: förd ernde Mitglieder eine Eintritts-
gebühr von mindestens 1 fl., einen monatlichen Mitglieds¬
beitrag von mindestens 50 kr. Wer dem Vereine eine ein¬
malige Spende von mindestens 200 fl. ö. W. zuwendet, ist
Stifter, wer ihm eine solche von mindestens 50 fl.^zu-
wendet, Unterstütz er des Vereines.
Korrespondenz der Htedaction.
Herrn Dr. R. in Frrlburg Im Srrrsgaü. Sie wenden sich
mit Ihren neuerlichen, an unseren Chestcdacteur gerichteten Ermahnungen
an die unrichtige Adreffe. Däselbe hat zwar den Entwurf der Statuten
für den Verband ausgearbeitct, selbst die Vervielfältigung desselben nach
der in einigen Sitzungen der Statutenausarbeitungs-Cvmmission erfolgten
geringfügigen Abänderungen durchgeführt, die einzelnen Exemplare an die
verschiedenen. Localvercine und Gründungscomites versandt, hierauf die
auf die Gründung der Ortsgruppen bezügliche Correfpondenz geführt, hat
also sämmtliche Vorarbeiten der Verbandsgründung geleitet. Dies Alles
hat derselbe aber, ohne Ausschussmitglied des „Admath Jeschurun“ zu
fein, nur auf feine Mitgliedschaft in der Statutenausarbeitungs-Commifsion
sich stützend, gethan. Nachdem nun das letztangeführte Mandat erloschen
ist, bedauert er, keine rechtliche Handhabe zur Fortführung der Verbands-
gründungsarbeitcn zu besitzen, und muss dieselben gänzlich dem Ausschüße
des „Admath Jeschurun“ überlaßen, der sie übrigens zweifellos zu einem
gedeihlichen Ende sichren wird.
Löbl. Redacttorr des „PrMlosr" in Lemberg. Bezüglich
Ihrer gütigen Aufforderung wegen Ortsgruppe Lemberg gilt ebenfalls
Vorstehendes.
Herrn Elias Gumplowic; in podgorrre. Wir erlauben uns,
Ihnen wiederholt zu erklären, dass wir in diesem Jahre mit der Versen¬
dung des „Jordan" nicht betraut sind.
Herrn Het. Kal; in Tarnow. Auch für Sie gilt die höfliche
Bitte, sich mit Ihren fteundlichen Ermahnungen an eine andere Adresse
zu wenden. '
Herrn M. Friedmann in Horaxdowib Es freut uns sehr,
dass die Anregung unseres Chefredacteurs auf fruchtbaren Boden gefallen
ist und der dortige Localverein nunmehr gesichert ist. Ihr geschätzter Brief
wird den Ausschüße des Vereines „Ädmath Jeschurun“ zur Erledigung
übergeben werden.
Korrespondenz der Administration.
bestätigt)
.. Herr I, Milcheimer und L. Radbil, beide in
Sofia, je 5 Frcs.; Herrn P. Wassermann,.Turn-Severin, 20Frcs.; Herr,
Prilucky, Krcmenetz, 2 Rbl.- Herrn B. Facksteiu, Zytomir, 1 Rbl.; Herr
Dr L.. Plaskoff, Simfcropol, 4 Rbl.; Herr M. Rosenstein und L. Aisensiein,
Simfcropol, je 2 Rbl.; Herr M. Ehrlich, Lublin, 4 Rbl.; Herr Dr. I.
Jmelcs, Wie», 16 fl.; Herr M. Freiherr von Manteuffel, Weichselstetten,
4 fl.; Herr I. Pinsker, Odeffa, 4 Rbl.; Herr B. Gruder. Wien, 1 fl.;
.Hxrr^L. Eumplowicz, Podgürze, 2 fl.
3ri!(f?j?oh IWwjqand Drück & Söhne, Wien,
F"r die Äedaction verantwortlich: g)r. Uatharr Sirubaum. -
VII., Neubaugaffe 59