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Herausgeber und lLhefredacteur:
^ Ar. Matyan Wrrnöaum. ^
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A d m f n I ft v «11 o u
Wien, II./3, Miesbachgasse 12.
(Sprechstunde .'Täglich nur von J bis
2 Uhr Mittags.)
Unfrankirte Briese iverden nicht
angenoininen und Manuscriple nicht
retoilmirt.
Nr. 14
Wie», 15. September 1893.
VI. Jahrgang.
. Alexander Zederbaum gestorben. — Die erste Delegirlciiverstunmluug des Verbandes ,
. I,, Judäa. I. — Origiiial-Correjpondenze»: .Inland, Deutsches Reich, Türkei.—Notizen.
Zion". — Max Norda» (Feuilleton.) —
— Correspondenz der Rcdaction. — Anserale.
Alexander Zederbaum.
Der Tod hält unerbittliche Lese unter den Ve¬
teranen des Zionismus. Alexander Zedcrbaum ist
nicht mehr! Am 7. d. Al. früh 7 Uhr verschied der
77jührrge Mann: zwei Stunden , früher um 5 Uhr
Morgens hatte er noch den „Eamoliz'-' redigirt. Der
„Haraeliz“ war Zederbaums eigenstes Werk, bitrcf)
ihn bewies er seine unglaubliche Thatkraft und Aus¬
dauer. Vor 33 Jahren gründete er das Blatt, das
erste hebräische in ganz Rußland. Damals erschien es
einmal in der Woche in Odessa. Nach achzehnjährigein
Bestände wurde cs nach Petersburg übertragen. Bald
erschien es zweimal in der Woche und seit sieben Jahren als
Tagblatt. Was der „Hameliz" einerseits für die
cultnrellc Hebung der jüdischen Massen, anderererseitS
für die Verbreitung der zionistischen Ideen bedeutete,
läßt sich kaum mit Worten schildern. An und im
„Hameliz“ erzogen sich alle hebräischen Schriftsteller
und Dichter des letzten Menschenalters, durch welche
sich ; das russische Jndenthum ein unverwelkliches
Blatt in der jüdischen Literatur- und Culturgeschichte
gesichert hat. Alte die Träger jener Namen, welche,
wenn - das jüdische Volk seine volle Wiedergeburt
schon durchgemacht hätte, am Himmel der Welt¬
literatur als die hellsten Sterne leuchten würden, sich
in Wirklichkeit aber damit bescheiden müssen, von sechs
Millionen Stanunesgenossen mit Daukgefühl und
Ehrfurcht genannt zu werden, tauchten zum ersten-
male im „Hameliz“ auf. Der „Hameliz“ war es
auch, der die Ideale Palästina, hebräische Sprach-
belebung und jüdisches Nationalbewußtsein dem Volke
mit Erfolg verständlich machte, der es lehrte, in
seiner eigenen Seele zu lesen. 'Seit dem ersten Auf¬
treten der Zionsidee verfocht der „Hameliz“ mit nn-
erschüttlicher Standhaftigkeit den zionistischen Stand¬
punkt,- wiewohl er dadurch auf viele Abonnenten,
welche das Wort Aufklärung in der plattesten Weise
auslegten und es Assimilation lasen, verzichten mußte.
So führte er auch vor Jahresfrist mit aller
Entschiedenheit den Kampf für Palästina gegen
Argentinien. Wenn wir aber „Hameliz“ sagen, so
meinen wir den Schöpfer und. die Seele der Zeitung,
den unermüdlichen, energischen, nie verzagenden Z ed er-
banm, der auch sonst so Bedeutendes für sein Volk
leistete. Unvergessen bleibt eine seiner Hauptlcistungen,
durch welche er stch den Anspruch auf ewige Dank¬
barkeit der Zionisten erworben hat. Er war es, des
vor vier Jahren die Genehmigung der Statuten des
großen Odessaer „Vereines zur Unterstützung
jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und
Palästina" durch die russische Regierung durchsetzte.
Kein kleines Werk, wie. vielleicht der westeuropäische
Leser glauben mag! Zederbanm arbeitete zwei
Jahre seines Lebens daran, und nur seiner Ausdauer,
seiner Gewandtheit und seinein Einflüsse ist es znzn-
schreiben, daß das nnmöglich Scheinende gelang.
Z e d e r b a u m war ei» rastloser Arbeiter für
sein Volk; es ist fast unglaublich, was er bewältigte.
Neben dem „Hameliz“ gab er eine Jargonzeitung
„das jüdische Volksblatt" — ebenfalls mit zionistischer
Tendenz —heraus, in den Achtziger Jahren auch
noch sechs Jahre lang deu„WjestnikNnßkichJewrejich"
(Boten der russischen Juden) in russischer Sprache.
Doch die detaillirte Aufzählung alles dessen, was er
geleistet, die genaue liebevolle Schilderung dessen,
wa er gewesen, wollen wir in der nächsten Nummer
der Feder Eines, der ihm nahe gestanden, überlasten.
Wir wollen heute nur die Bedeutung des Verblichenen
hervorgchobeii, und das Unglück, das sein Hingang
für die jüdische Sache ist, gewürdigt haben.
Alexander Zederbanm ist dahin! Das
Israel, das sich noch mit Stolz Israel nennt — sechs
Millionen Juden — trauert an seiner Bahre. Secher
zaddik libhracliali.