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Seite 2 §ewst-Gmcmcipation. Nr. 14
Die erste ordentUche Delegirten-
versammLuug desUerbündes „Zion".
Solange „Z i o u", „V c r b n u h b e r ö ft errei ch i s ch e n
Vereine für Co l on i sa t i o „ Palästinas und
Syriens" keine Centralstelle halte, lebte er eigentlich
noch nicht, umsoweniger konnte an ein Wachsen nnd Auf¬
blühen gedacht werden. Vornehmlich, um dem Perbande das
unumgänglich nothwendige Execntivcviüite zu geben, sowie
auch sonst die Grundzüge seiner Thäligkcit für die nächste ■
N Zeit festziistellen, beeilte man sich mit der Einberufung der
ersten ordentlichen Del'egirienversammlnng.
Dieselbe fand am, 4. und 5. d. M. im Locale des Wiener
. Einzelvereines statt. In den Persönlichkeiten der Delegirten
waren im letzten Angenblicke mehrere Blenderungen einge-
treten. Herr Tr. M. Sch stirer, der zum Delegirten des
Wiener Einzelvereines gewählt worden war, hatte einige.
Tage vor der Versammlung in dringenden Familien -
nngelegenheiten verreisen müssen; an seine Stelle trat der
Präsident des Einzelvereines Herr Löbl. Der Einzelverein
Horazdowitz ernannte, da Herr Dr. Birnbaum wegen
Zeitmangels ablchneu mußte, Herrn M. Moses aus Kat-
owitz, Mitglied des Krakauer Einzelvercius, zum Delegirten.
Der Einzclverci» Lemberg hatte sein Mitglied, HerrnA.
Korkis cntsendet. Derselbe mußte aber über telegraphische
Rückberufung in Privatangelegenheiten vom Wege nach
i Lemberg zurückkehren, worauf Herr M. Ehrenpreis,
ebenfalls Mitglied , des Lemberger Einz'clvereins, delegirt
würde. 'Hiedurch war wieder das.Mandat des Rzeszower
Einzelvereins, welches Herrn Ehrenpreis übertragen
worden war, freigeworden, und fiel Herrn Dr. S. R.
Land a li, Mitglied des Wiener Einzelvereines, zu. Der
Tanrower Einzelverein hatte Herrn Brvmberg delegirt,
doch erkrankte derselbe; für ihn wurde Herr Rüben B r a i n i n,
Mitglied des Wiener Einzelvereines, mit der Vertretung
des Tarnower Vereins betraut. Endlich erschien das Mit¬
glied des letzteren, Herr Dr. Ä. Salz, als Delcgirter des
Einzelvereines Krakau. Den Verhandlungen wohnte als
Gast Herr M.Dornbusch aus Budapest sowie eine Reihe
Wiener Zionisten als Zuhörer an.
Um 11 Uhr Vormittags des ersten Verhandlungs-
tages eröffnete der Alterspräsident, Herr Leopold Löbl
die Versammlung und begrüßte die erschienenen Delegirten
Wae itovbmt.*)
Man hat das Experiment gemacht, Hasen unter einem
Fasse zu züchten, und erfahren, das; die dritte Generation, nicht
. mehr nach Häsena'rt in dem Erdboden wühlt und gräbt.
Eist' ähnliches Experiment wollten unsere jüdischen und
christlichen Wohlthäter mit uns im Westen Europas machen.
Ihre Hoffnung war, daß wenn sie unsere Brüder in ein
ucncs Leben versetzen, in eine neue Gesellschaft verpflanzen, in
ihren Schulen und Clubs erziehen würden, die dritte Generation
vollkommen dem anderen Völkern sich angepaßt haben werde.
Sie hofften, daß .die assimilirten Juden ihre Eigenart
verlieren würden, und mau nicht mehr im Stande sein
werde, einen Inden von einem. Arier zn. unterscheiden. Aber
die,vergleichende Anatomie nnd Physiologie mag »ns über
vieles aufgeklärt, haben; eine vergleichende Psychologie gibt
uns. gar keine verwerthbaren Resultate, denn die menschliche
Gesellschaft'beruht auf anderen Gesetzen als die derThicrc.,
Alles dies siel mir ei», als ich N o r d au's neuestes Buch
*) Dieses Feuilleton ,ifi ans dein hebräischen' Lriginal-Mauu-
'script. übersetzt-.- ...... <- - - ,
und Gäste. Hierauf wurde das Bureau gewählt. Diese
Wahl ergab Herrn Dr. S a l z als Vorsitzenden, die Herren
M. Bkoses -und L. Löbl als V'orsitzenden-Stellvertreter,
die Herren M. E h rc u P re i s und R. B rain i n als
Schriftführer. Herr Dr. Salz übernahm den Vorsitz,
dankte für die Wahl und gedachte in warmen Worten des
dahingcschiedenen Dr. E l kan, welcher Mitglied des Wiener
Einzelvereines gewesen war. Die Anwesenden-erhoben sich
zur Ehrung des Verstorbenen von den Sitzen.
Es folgt zunächst die Verlesung der Delegirtenvoll -
-machten und Verisicirung der Mandate. Nach Erledigung
dieses. Punktes erstatteten die Delegirten Bericht über ihre
respectiven Einzelvereine. Da vier der bisher bestehenden
sechs Einzelvereine erst seit allcrjüngster Zeit bestehen, so
war von denselben zumeist nur soviel zu berichten, daß , sie
zii guten Hoffnungen berechtigen. Namentlich war dies
bezüglich Lembergs und Horazdowitz' der Fall, welche die
letztgcgründeten und noch gar nicht in Thütigkeit übcrgc-
tretenen Vereine sind. Von Rzeszow wußte dessen Dclegirter
.schon einen Mitgliederstand von 200 zu melden, von Krakau -
dessen Vertreter das Zusammenwirken der verschiedenen
religiösen Parteien im Vereine. Die übrigen zwei Einzel- ,
vereine, Wien und Tarnow, Haben schon eine längere un¬
unterbrochene Existenz. Wien hat 136 Mitglieder, und nach-,
dem cs knapp vor Gründung des Verbandes eine größere
Summe sür die palästinensischen Lohnarbeiter gespendet
und seit Jahr und Tag viele Auswanderer unterstützt, hat,
gegenwärtig 'nur ein geringfügiges Vermögen. Tarnow hat
150 Mitglieder, und nachdem der Verein auch seit längerer
Zeit, Unterstützungen an Auswanderer gewährt hat, einen
Cassästand von 200 fl.
, , Den vierten Punkt der. Tagesordnung bildet die Vor¬
besprechung zur Wahl des . Exeentivcstmites. Es werden
verschiedene Candidaten nominirt. Herr Ehrenpreis weist
darauf hin, -daß nur dann vom ' Executivcomite eine gedeih¬
liche Leitung der Geschäfte zu erwarten-ist, wenn ein eigener
Verbandssekretür bestellt wird. Als solchen beantragt Redner
Herrn Dr. Birnbaum, welcher auch wegen seiner vielen
Verdienste, reichen Erfahrungen und seines Organisations¬
talentes ins Executivcomite gewählt werden solle, woselbst
er das Schriftführeramt übernehmen könne. Der Antrag des
Herrn Ehrenpreis, Herrn Dr. Birnbaum als Verba nds-
, secrctär anznstellen, wurde angenommen.
Der fünfte Punkt der Tagesordnung, Propaganda,
ruft eine längere Debatte, hervor. Herr Dr. Salz verlangt
„En t a r t u n g e n" las. Der Jude Max N o r d au ist
stolz auf sein Deutschthum. Nord an ist in Deutschland
geboren und stammt von asiimilirten Eltern und Großeltern-—
wenigstens läßt er uns dies glauben. Nord an hat das
deutsche Wissen in sich aufgenommen und hat bei deutschen
Philosophen und Gelehrten seine Lehrjahre durchgemacht.
Nord au weiß, wie aus allen seinen Büchern und
Schriften hervorgeht, nichts von: Judenthum nnd seiner
Literatur. Nord au verschweigt absichtlich seine Abkunft.
Und doch — erkennt ihn der aufmerksame Leser seiner
Werke als Juden, und zwar als einen solchen, der euro¬
päische Bildung genossen, ohne seine'.semitische Eigenart
einznbüßcii. N ord a n ist eine fremde Pflanze im Garten
der dentschen Literatur. Unsere Propheten gossen die Lauge
ihres Spottes über die fremden Thorheiten. die Ausgeburten
des alten Orients. . Unsere Talmudweisen ironisirten die römisch-
griechische Welt und hatten die Empfindung der Mängel
und Lücken derselben. H eine nnd B ör n e lehnten sich mit aller
Macht gegen die Richtung der deutschen Literatur ihrer Zeit
auf. Las falle und Marx'wandten sich gegen die bis
zu ihren Tagen herrschenden Anschauungen in der Social-
ökonoinie. Max N ö r d a u empört' sich' gegen die europäische