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Al»o«kne«ne»tts-Preife
tZusindunz inbegrissl»)
Für Oesterreich-Ungarn ganzj. st. 4
„ Deutschland ' „ Mk. S
„ Rußland „ Rbl. 4
„ Amerika „ Doll. 2
„ die übrigen Länder „ Frcs. 10
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Organ der Monisten.
Herausgeber und Chefredacteur:
K, Ar. Watyan Wirnbaum. ^
Erscheint Anfang mib Mitte eines jeden Akonatcs.
Redaktion
A d m i n i st v »»t i <t n
Wien, II./3, Micsbachgasse 12.
(Sprechstunde: Täglich nurvon 1 bis
2 Uhr Mittags.)
...isrankirte Briefe werden nicht
angenommen und Manuscriple nicht
retournirt. ■
Nr. 16 Wie», 15. Oktober 1893. VI. Jahrgang.
TSTYfirrPf • Mittheilung. — Jüdischer Verein „Niorgenröthe". — Alexander Zcderbamn. — Die Wahlreform und die Zionisten. — Von
(VUl)UU. der Theorie zur Praxis. — Ans Palästina: Die Bienenzucht in Palästina; Notiz.-' Original-Correspondenze»: Inland,
Deutsches Reich. — Notizen. — Recenstou — Correipondeu; der Aoiniinstralivn.— Inserate.
Unseren geehrten Abonnenten und Freunden beehren wir uns die Mittheilung
zu machen, daß die „Lelbst-Eniancipation" vom 1. Januar 1894 als
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erscheinen wird, ohne datz eine Erhöhung des Abormementspreises emtritt.
wir werden auch in Zukunft unseren Principien mit nnerschiitterlicher Treue
dienen, aber wir werden zugleich alle Ereignisse im Gebender Zudenheit aufmerk¬
sam verfolgen und berichten, sowie dem unterhaltenden Theil sorgfältige pflege
angedeihen lassen.
Die Administration.
Indischer Verein „Morgenröche".
Zur Gründung desselben.
Ost fragt man: Woher stammt derAntisemitismus?
Zumeist lautet dann die. Antwort: „Gewissenlose Hetzer
benutzen die traurige wirthschaftliche Lage der Leute, um
ihnen cinznredeii, das; die Inden daraii schuld seien; und
die Leute sind so gedankenlos, dies zu glauben". Diese
Antwort ist soviel wie keine, denn c§. lassen sich sofort
wieder folgende Fragen stellen: Warum suchen sich die
Hetzer gerade die Inden aus und warum thnn sie dies nicht
nur heute und nicht nur bei uns, sondern zu allen Zeiten
und in allen Ländern? Es mns; also doch hinter dein
Antisemitismus etwas mehr stecken. Wir dürfen uns nämlich
vor Allem nicht durch das neumodische Wort „ Antisemitismus"
irresi'ihreil lassen. Wir haben es da mit einem alten Bekannten
zu thnn, der blos; eine neue Maske vorgenomiilcil hat.
Ziehen wir diese weg, so grinst uns ein wohlbekanntes
Gesicht entgegen.- Wir seheil uns dein. „Judenhaß", oder,
wenn wir mit einem gnten alten hebräischen Wort das
Ding bezeichnen wollen, dem „Risciins" gegenüber. Wo¬
her kommt denn mm das ßisclms? Unnütze Frage! Ein
jüdisches Sprichwort sagt: „Es ist gleichgültig, ob Einen
der Weise oder der Narr schlügt". So bleibt es sich auch
gleich, ob uns unsere Mitbürger nicht leiden können, weil
angeblich unsere Vorfahren ihren Erlöser gekreuzigt haben.
oder weil ihnen unsere Nasen und Sitten nicht gefallen,
oder aus einfachem Brotneid.
Das Rischus ist einmal da und wir müssen mit ihm
rechnen; wenn wir aber etwas dagegen ansangen wolle»,
dann darf es nicht bloße Bekämpfung des. Ailtlsemitismils
sein. Den» der Aiitisemitismus ist nichts Anderes als ein
Schatten, wie ihn heute gerade das Rischus wirst. Wer ist
nun so nnklüg, nach dem Schatten des Feindes zu hauen,
statt nach dem Feinde selbst? Machen wir uns doch lieber
an das Rischus selbst heran. Das ist. freilich nicht so leicht
und wir werden sicher nicht die Methode anwenden können,
welche gegenüber dem Ailtisemitisiilns practirirt wird. Denn
der Antiseinitismns hat Führer und Agitatoren, welche wir
gedruckt zu lügen verstehen. Da klopft man nun den sauberen
Herren ein bischen auf die Finger und damit ist Alles ge¬
leistet. Aber das Rischus? Das ist ja keine Bewegung,
das hat keine Lueger und keine Schneider. Das ist ja
einfach ein Gefühl, welches tief drin im Herzen oft selbst
guter Menschen wohnt und sich von Geschlecht zu Geschlecht,
vererbt. Gegen Gefühle helfen die schönsten Beweise und
Leitartikel nicht. Wir müssen uns also nach einer ander»
Hilfe nmseheu.
Bevor wir dies aber thnn, schauen wir uns noch ein¬
mal den Feind ganz genau an. Da merken wir, daß das
Rischus, für sich selbst betrachtet, eigentlich gar nichts
Außergewöhnliches : ist. Der Haß ist in uilserer schönen-