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KeWst-OmancipaLron.
Nr. 18
Jahresberichte sandten uns zu: 1. Das Schaar Zion
Hospital in Jaffa. Ans dem Berichte desselben entnehmen' wir, daß
dieses Institut sehr große Ausgaben hat, welche im'Interesse der
Leidenden nicht geschmälert ivcrdcn dürfe». Daher verdient die Bitte des
Vorstandes -um allgemeine Unterstützung die lebhafteste Würdigung.
2. Der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" in Köln am
Rhein. Wir ersehen - ans dem Berichte des Vereines, daß er in der
Wintersaison 1892/93 eine große Reihe von Borträgen veranstaltete,
und es freut uns, darunter auch solche wie „Die Entwicklungsgeschichte
der jüdischen Ackerbaucoloiiicn Palästinas (®r. raed. Apfel) und
„Indisch-deutsch und die russischen. Juden" (S. ^olsgohn) rn finden.
Personal,lachricht Unser Gefinnungsgeiioffc, Herr Dr. S
R. Landau, wurde zum Doccnteu der polnischen Sprache an dem
neu errichteten Wiener Nabbincr-Seniinar ernannt
Hl e c e n f i one n.
Jesch thikwah. (Es gibt Hoffming) Schauspiel in 3 Acten aus
dem jüdischen Leben in der'Gegenwart von I. L. L a » d a u. Krakau 1893.
Der Verfasser ist uns. bereits aus früheren hebräischen Dramen „Bar
Kochba", „Aeüaritü Jeruschalajim“ und „HerodcS" vonheilhast bekannt.
DaS neue Drama ist ein jüdisch-nationales Tcndenzstück. Die Sprache
ist gut, die Fabel nicht schlecht erfunden, die dramatische Technik läßt
viel zu ivüiijchen übrig. ..Jesch thikwali" wurde bereits einmal aufge-
führt und zwar ans der Stadtbiihne in Brodh.
AI admath ami. Eine Rc'sebcschrcibniig ans Palästina und seinen
jüdischen Colonieu von Jsak Hurwitz. Warschau 5633. Das in einem
schönen Hebräisch geschriebene Büchlein erfüllt vollends den Zweck, welchen
der Verfasser zu verfolgen im Vorworte erklärt. „Diese neue Reisebe-
jchrcibung", sagt er, „ist von allen anderen derartigen Büchern verschieden.
Denn ich will dir nicht erzählen, in welcher Stadt ich übernachtetet, wie
viele Stunden ich in diesem oder jenem Orte zubrachte, wieviel ich für
Schiss oder Wagen bezahlt habe und derglcichc > dem Leser Unnützes.
Bi-Imchr ist es blos meine Abficht, ein getreues Bild vom Lande unserer
Väter, seinen Städten und neuen Colonieu ohne Uebertreibuugen ilnd
Enistcllnugcn zu bieten".
Kea Ilajciariiin von I. So um er, Warschau 5652. Der
Verfasser, Religionslehrer in Jekatcriiwslaw (Rußland) hat mit diesem
Merkchen eine ganz vorzügliche hebräische Chresthomathie für jüdische
Kinder , clief.rt. Es ist ein gelungener Gerank:, an die tvichtigsten
religiösen Vorschristcn und nationale,, Ereignisse anknüpfcnd dem Kinde
Lesestücke in einer einfachen, leicht verständlichen Sprache vorznsühren,
und ebensosehr sein Interesse am jüdischen Bolksthnm, wie seine Empfindling
für die Eigenart und Schönheit des Hebräischen zn wecken. Die fromme
llcvnng des Elternhauses enveitert sich an der Hand dieses Buches
bestimmt zur Idee des jüdischen Volksganzcn, zu welchem auch die
hebräi'che Sprache gehört. ,
Israels Leiden und Lüge uud Wahrheit von Leopold
Landau. — Der Verfasser verwendet seine unzweifelhafte dichterische
Begabung zu einer poetischen Besprechung der Judcnfragc. Beide
Büchlein erfreuen den Leser durch die. ivirklich schöne Sprache und durch
das warme Gefühl sür das Judenlhum, das der Dichter verräth. DaS
erstgenannte Werkchrn ist eine Martyriologse des jüdischen Bolkis in
Form eines episch-lyrischen Gedichtes, das zivcitc ein Vorstoß gegen die
Antisemiten, welchen freilich wenig damit geschieht, wenn der Verfasser
anSrust: „Nicht Mörder seid Ihr, klägliche Skribenten, Die Finsteruiß
in einer Hellen Zeit, Nicht Blut, nur Tinte klebt an Euren Händen,
Dem Fluche nicht •— dem Spott, seid Ihr geweiht!''.
Dokument! ot papi, episkopi, universiteli, professori n. s. w.
(Docnmente von Päpsten, Bischöfen, Patriarchen, Metropolieui,
Universitäten, Professoren und andere» christlichen Gelehrte» und großen
Männern gegen die traurige Beschuldigung, daß die Juden Christcnbiut
benöthige») von Dr. M. G r st » w a l d, Sofia 1893. — Der neue
Großrabbinrr von Bulgarien, ein unmn'ndlichcr und äußerst fruchtbarer
Schriftsteller, hat sich mit der Herausgabe dieser Schrift, welche de»
Geschworenen vor der Verhandlung in Rahowo gegeben wurde, ein
rohes Verdienst erworben. ES ist die erste Schrift gegen dir Blnt-
eschilldigung in bulgarischer Sprache, und sie ist so'exact gearbeitet,
daß sie wohl auch dauernd ihrem Zweck genügen und keine unnöthigrn
Nachfolger erhalten tvird.
Corresponden; der Admmistralion.
Herr 1.31.3)1 ela in m e d, Lehrer in D w i n S k, Rußland hatte
die Güte die unentgeltliche Vertretung unseres Blatt in der genannten
Stadt zn iibernehincn.
3lbo»„emeut per 5 Rubel wird hicmit Herrn Eh. Mvzkin in
Browarn dankend bestätigt.
Herrn Hoch m a n h in Totis wird der Empfang von 66 kr.
nr den-Jordan 565: dankend bestätigt.
Gingesendet.
Eine Nalastittn-Kodenknusgenoffen-
schast in Oesterreich.
' In Rußland und Amerika gibt cs bekanntlich Genossen¬
schaften, welche auf dem Principe beruhen, daß eine be¬
stimmte Anzahl von Personen, gewöhnlich 500 bis 1000,
durch einen bestimmten Zeitraum jährlich einen gewissen
Betrag zahlen, sobald eine hinreichende Summe vorhanden
ist, Land in Palästina kaufen, dieses mit dcn weiters ein-
sließenden Geldern bewirthschaften, den sich ergebenden Ge¬
winn zn neuem Kaufe lind dann zur Bewirthschastung des
neu gekauften Bodens verwenden. Ein Beispiel wird dies
veranschaulichen. Die „8hove Zion“ in Nord-Amerika be¬
stehen aus 500 Theilnchmern, von welchen jeder jährlich
40 Dollars in Jahres-, oder Monatsraten bezahlt. Die
Einzahlungen erfolgen durch fünf Jahre, so daß sie zusammen
100.000 Dollars, d. i. eine Viertel Million Gulden aus¬
machen. Nach circa einem Jahrzehnt von der'Gründung ab,
wird der gemeinsam gekaufte m\b durch eine Verwaltung
bewirthschaftete Grnndcomplex zwischen den Theiliiehmeril
nach den hiesiir bestehenden statutarischen Bcstinnnnngen
aufgetheilt. Die „Arove Zion“ haben, wie wir dies iir
den letzten Nummern berichteten, bereits den ersten Boden¬
kauf durch Vermittlung des Pariser „Palcisiina-Comites"
vollzogene
Schon längst haben sich in O e st c r r e i ch-U n g a r n
Stammesgenosscn gefunden, welche eine solche Bodenkanf-
Genossenschast bilden möchten, und es ist kein. Zweifel, daß
sich die hinreichende Mitgliederanzahl finden wird. Die
Situation wird sich'vielleicht auch dadurch günstiger gestalten
lassen, daß cs gelingen wird, bei dem obgedachten Palästina-
Comite, welches Boden verkauft, erleichternde Äbzahlungs-
bedingmrgen zn erwirken. Jedenfalls wird ein jeder Thcil-
nehmer durch mehrere Jahre hindurch 5 bis 10 Gulden
monatlich einzahlen müssen. Es wird gebeten, daß sich solche
melden, welche theilnehmen wollen, denn, ist es möglich,
das „Palästina-Cvmite" darauf zu verweisen, daß die noth-
wendigc Theklnchmerzahl erreichbar ist, so werden' die
günstigsten Kalifcoiiditioncn zu erlangen sein. Und dann
werden auch die Statuten der Genossenschaft fixirt werden.
Stamiiicsgenossen, meldet Euch zur Theilnahme an einem
vorthcilhaftcn, praktischen Unternehmen, welches Euch nach
einigen Jahren zu Grundbesitzern im Lande Eurer Väter
macht! '
Das vorbereitende Comitc.
Die Parteiblättcr werden um Nachdruck gebeten.
„Jesch thikwah“
Hebräisches Drama von. .
J. Ii. Landan
Ein Exemplar 20 kr. (10 Exemplare billiger); erhältlich
beim Verfasser I. L. Landau -in Brody oder bei Herrn
Leon Pilpel in Brodp und durch die Buchhandlung Jaust
in Krakau. -
Hörer der Vssüosoplsie
unterrichtet in den Gegenständen der Normalschule, und. des-
Gymnasiums, sowie in alt- und neu - hebräischer
Literatur.
Auskunft in der Nedaction.
Für die Redaction verantwortlich: Dr. Nathan Birnbaum^.— Druckerei I. Dux, („Wiener Allgemeine Zeitung") IX., Hahngasse 12.