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Selbst- Gmancipalron.
Redartro,»
Hrgan der Monisten. .. ;; k „ t ,,,
——— Wien, II./3, Miesbachgasse 12.
he"usgebcr und Lhefredacteur - (Sprechstunde: T^h nur von I bis
K Ar. Nathan Birnbaum. ^ 2 uc^Mittags.)
- Ilnfraiikirte Briefe werden nicht
migenominen und Manuscriple »ich
Lrschciut Anfang und Mitte eines jeden Monates. rewurmrk.
Nr. 19 Wien, 1. Deremder 1893. VI. Jahrgang.
TiltRrrIf • Nkatkabäerjeste. — Ein Beitrag zur corrcctcn Lösung der Eoloiiiiationsjragc in Palästina. — Bon der Theorie zur Praxis. II. —
(VllljUtl. Original-Correipondenzen: Inland, Deutsches gleich, Türkei.—Slotijcit. — Corporarivuen und Bersaininlungen.— Eingejendet. —
Correipondeiiz der Redaction. — Belletristisches: Die Todtcn von Beth-Chvron. — Inserate.
Unseren geehrten Abonnenten und freunden beehren wir uns die Mittheilung
zu machen, daß die „Lelbst-Lmancipation" vom 1. Januar 1894 als
zu machen, daß die „Lelbst-Lmancipation" vom 1. Januar 1894 ab
o cljcti tt lull
erscheinen wird, ohne daß eine Erhöhung des Abormerneutspreises eintritt.
wir werden auch in Zukunft unseren princixien mit unerschütterlicher Treue
dienen, aber wir werdet: zugleich alle Ereignisse im Leben der Zudenheit aufmerk¬
sam- verfolgen und berichten, sowie dem unterhaltenden Theil sorgfältige pflege
angedeihen lassen.
Die Administration.
Alkonnemrnts-Vreise
(Zusendunz inbrgrifle»)
Für Oesterreich-Ungarn ganzj. sl. 4
„ Deutschland „ - Mk. 8
„ Rußland „ Rbl. 4
„ Amerika „ Doll. 2
„ die übrigen Länder „ Frcs. 10
Halb- n. vierteljähriges Abonnement
zu den entsprechenden Theilbeträgen.
Das Abonnement kann mit jeder
Nummer beginnen.
Einzelne Exemplare 18 kr.
Znm WaKKalmerfeste.
Unsere Gesimmngsgenosscn in allen Ländern rüsten
sich zur Begehung des Makkabäersestes, das ihnen Jahr
für Jahr Gelegenheit gibt vor allem Volk die nationale
Gesinnung zu bekennen und allein Volk die Liebe zu Zion
zn verkünden. Viel Arbeit wäre ihnen erspart geblieben,
wäre die Kenntniß der jüdischen Geschichte nicht so gesun¬
ken, als sie cs thatsächlich ist. Dann wären nicht so viele
Generationen, mit dem Stumpfsinn, welchen Unwissenheit
erzeugt, an dem Channkahfeste vorübergegangen ; dann würde
dieses auch heute dem jüdischen Volke mehr als eine unver¬
standene Ccremonie sein. Dann wäre es ihm die Bürgschaft
einer besseren Zukunft, der Wegweiser zur einzig mögli¬
chen Rettung.
Doch wozu die Klage über Geschehenes? Das Verlorene
läßt sich nicht mehr nachholen, aber für die Zukunft läßt
sich der Schaden bessern. Es hätte anders sein können, aber
nachdem es nicht anders geworden, soll es lvenigstens anders
werden! Das muß unsere Sorge sein. Die Kenntniß der jüdi¬
schen Geschichte ist ein nie oft und stark genug betontes Erfor¬
dernis einer nationalen Regeneration unseres Volkes. Denn
wer diese Geschichte, diesen langen Leidensweg mit seinen
traurigen Erfahrungen und noch traurigeren Enttäuschungen
nachgelesen und auf sich hat wirken lassen, der kann die
gleißende Spielmarke der Assimilation nie mehr als baare
Münze nehmen; wer den wandelnden Juden in den ver¬
schiedensten Nationaltrachten die Tragicomödie des Golns
hat mitmachen seheir, der ist gefeit gegen die Anwandlung,
den Mummenschanz um eine Figur zu bereichern. Wer
jüdische Geschichte stndirt hat, der sieht sein Volk, wie es
dasteht, ohne wahren Freund, in den Zeiten der Roth ver¬
lassen von den- feurigsten Hnmanitätspredigern und Gleich-
hcitsaposteln, der sieht, wie diesem Volke das Gespenst des
Judenhasses durch die Geschichte folgt, und der ist bewahrt
vor unbesonnenem Vertrauen auf die Zeit, da nur mehr der
Mensch, nicht mehr der Jude in ihm gesehen werden wird; ist
beschützt vor dem Jrrthum, daß europäische sociale Formeln
auch Israel erlösen werden. Wer das jüdische Volk auf
seinem ganzen Werdegang begleitet hat, dem wird aber auch
anderseits die hohe sociale Begabung, die Gleichheits- und
Freiheitsbegeisterüng desselben auffallen, der wird es als
das Volk bewundern lernen, welches nach vorwärts dringt,
unaufhaltsam, furchtlos, vorurtheilslos, dem Gesellschajts-
lcben neue Bahnen vorzeichnend. Und er wird wieder behütet
davor sein, in die engherzige Einseitigkeit zu verfallen, in
welche die Nationalen anderer Völker so gerne verfallen; in
schön drapirtem Eigennutz aus den europäischen Wörter¬
büchern der socialen und politischen Reaction Phrasen
herauszufischen.
Jüdische Geschichte ist also gewiß nicht so unnützes
Zeug, wie solche, die sie nicht kennen, behaupten mögen.