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Gelehrten nicht nliZlich: Tälizkeit. sandern sittliche Lebens¬
aufgabe.)
f.. Eine solche Beurteilung der Wissenschaft ist im Über¬
lieferlen Judentum nicht einhalten. Sein ErKennlniHidral
ist religiöser Natur. Das Forschen in der Lehre ist PjUcht.
etne Verpflichtung zu wissenichajltichcr Weüerkenntt'.'.s
kennt die Überlieferung nicht. Alles profane Wissen ge¬
winnt vielmehr erst seinen Wert aus seiner Verwendbar¬
keit kür den G!a <b?n. Das moderne Auiiurbeivugljein.
das der selvstandlgen Forschung einen idealen Weil zu¬
erkennt, steht also un Äeuettsalj zuin überlicfcrlen Iuoen-
tum. Wenn dieser GegensaF heule kaum noch empfunden
wird, so oerrät sich hier die stlUich-veigende Anpassung
des Judentums an die moderne Liutlur. Die jüdische
Freude am Denken, die aus dem Studium der religiösen
Schriften geboren ist. hat das Bekennmisideal über das
Gebiet religiöser Probleme hinaus erivei ert. Aus der
Pflicht religiöser Erkenntnis ist die Pflicht denkrnder
Weltbctrachlung geworden. Damit ist die Fremdheit
zwischen dem Judentum und der Wissenschaft überwunden.
Solange die Forschung ungetrübt durch Hercschuflsgelüite
unbestechlich die Wahrheit sucht, wird iqr idealer Wert
vom Judentum anerkannt, ist sie nnt ihm durch das
gemeinsame Izeal sittlicher Lebensaufgabe verbunden.
ALS der G-schichle der GZlNZlnde.
Slinnerunzen an die ZubenMe.
Michael ZV. Zllainz.
- ^Wir freuen uns. unseren Leiern einige Iugcno-
erinnerungen des ehrlvü:d:gcn Perfasser-, «n der an¬
spruchslosen Form, wie sie von ihm niedergeschrieben
find, dielen zu können Schnfll.
. . Gehen wir der Bornheimerstrasze. t'A! Vörnestraije,
«nt'ang, so treffen wir am Eingang der alten ^udengajse auf zwei
Kaffeehäuser, die zugleich die Wirtshäuser der Gasse b ldcn. Her
entwickelte sich der Trödelhandel im g-osien Masze. Es war der
richtige Trödelmarkt, wo sich Käufer und Verkäufer trafen
Der Geschäftsgeist der Juden wurde ja durch die Intoleranz in
so enge schranken getrieben, das; der ganze Handel, soweit er
sich nach auszen ausbreite» konnte, nur nn Tro?eln bestand. An
die Pfosten des Ghettos pochte ja nur derjenige, der sür den Rest
seiner Habe del dem Juden m.ch den hochiien P.-is zu erhal!?-:
glaubte oder der kleine Handwerker, der für seine wenigen er¬
übrigten 5r.reu«er seine nötigsten Kleiduug-stiiche billig zu erwer¬
ben glaubte. D^sj im Gedränge des Handlls gar manche betrübte
Seele stand, weiche von zu Hause soitgeg nigen, um das Gluck
auf dem Marktplätze zu suchen, ist felbsloe stä»diich. und so fan¬
den sich unter denselben Leute, die als Gel,hrte der Nachwelt
mehr Stuften brachten, als sie vl-rnn>ch!tn sich die wenigen P ennige
zum Leoeusunlerhalt ihrer Zu»lie zu verichasscn. Wir sehen
täglich an dein Ease Hecht de» nun so berühmten sel. Wolf
HeidenhetlN sorgenvoll sirhrn, jenen Mann, der es verstan¬
den, die schönste Druckerschwarze zu dcre::e», den Lächern etne
angenehme zierliche »Form zu geben und die. jüdischen Gebet¬
bücher mit einem Kommentar zu versehen, dcji.cn Geiil heute noch
alle Andätztizen enzitckl Die «riie» H.loe»het>n'ichcn Gebet¬
bücher werden zu den höchsten Preise» immer »och gemaust, und
die fetzige Buchdrucderkunst bemüht sich erfolglos, »reg ihr zur
Persägung stehender .'Nafllnea dem nach ur,».»«. n^a^ de? ds:::a!i
«i.deachtele Mann mit seinen geringe» Mitieln sertiazusleUen
vermochte. Treten wir einige Schriite weller in d e Iudengajse,
so finden wir an den Häusern entlang Peikaus-läden mir Aus¬
lage« auf Tischen oder herunlergri »ssenen Lad n, ähnlich wie die
Melzduden un, solche zeigen v.teisien» Fr»»ur» l>e,0tg»n ds
da» Ladeaaeschäst, die en mit Kennerdli k alle» vermutlichen Käu¬
fern ihre Waren an. während sin die Männer de n H indlverk
hingeben. Wir sehen gleich am Eingang eine dekannte Ardeiter-
flaue, den allen Wolf Hahn, einen Onze oer Gründer der
Firmen L A Hahn und Z Z Weiller söhne. Troßdem
er sein Handwerk nicht in ter ersten Schuh-nacher-Akademie er¬
lerat Harle, wußte er es doch seh? Produkt,» zu gestallen. und
man schwor in der Gasse nicht dözer als auf Wolf Hahnen»
Stiesel. Gegenüber mundete das so genaniue Iudcnbruckchcn.
jetzt Einhorngajsc. ein. und da h er der Perkehr vergrößert war.
so boren dorr aus kleinen Tischchen mehrere Perkäu'crlui-en ihre
gesottenen Erer, O->e»da t>er Wärsle. andere idre gcdra:ene Sül»e.
Salzgurke» oder Hartekuche, p'äk;chen feil. D,n lc5 en Artikel
roußt? man variüg.ich in lradlll. nellrr Weise zuzubcre len. und
Familienmitglieder des Hauses Äolhscht.o eriiulrneu sich be.m
Besuch de» alten Stammhauses gerne der köstlichen L-ch-rdissen.
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welche ihnen die gute Großmutter Gutle (Gudula) bei ihrem Be¬
suche aus dem kleinen Wandschrank im Zimmer herausholte. H er
sehen wir auch tätlich, wie der große Finanzmann Aase Im von
Rothschild beim Ein steigen in seinen Wazen. auf welchem
neben de n Kutscher ein stattlicher Jäger mit wallendem Feder»
i dusch als Diener safz. sich seldil die den Wagen umringenZen
^ armen Leute ansah, ignen die S^chsdätjnee zuwarf und mit seinen
! treuen ?iu^?-i K-u!i-?!--!°c> t?>s nrf tn s-e H^^»,-!'. scha'ate.
I Während er die E-nonnglinge zur Ruhe mahn.e, yrü'.e er oenau.
^ od er nicht wirklich rrir einigen Ge.dsiüchen ocm «inen cder dem
scine» KsmrrierSien:? in die Häüfer d-r Äru'-r?. um sich^z-: ü^-r-
! zeugen, ob er den Leuien nicht zu w-nig gegeben h.de. Eines
! Ta^es wurde dem Baron derichtet, dasz eine FamiUe. die bessere
j Tage gesehen, in Not geraten: es war kurz var ern-m Flicrlaze,
j svsur! jchi.»te er sr.-irn Ä2m:::erdi?n?r zu ter Familie, um idr
i einen Prad2Nter zu uocrgeheri. Aergertich kam der D-ener we.en
^ der unnon^en Aufregung des Laruns zurück und sagte: ,?>
I Leute sind nicht so arm. die haben sch^n ri-ie gebr.-.t^ne G ins
^ für die Feiertage bereit" »Eile Dich, dringe den L 'ule» »och
! einen Lradauker. den» Leure, die gewoznt wa?en so <u leben,
j komnen mit einem Pcabanter nicht aus,^ war die Antwort öe»
edlen Mannes
! An der Einnorn,asie t^udendrückchen) b?l.'»ete die Gasse eine
Ecke', liier hatte sich ein Trödler und Antiquar liiedrr.;el.ijsea
und bot in t lauter Zi: nüie seine Ware seil. Der M "in Kon,,-- nicht
> ahnen, das; "U?> u rhalllli^mafi!.! nitit ,u langer Ze.t d-'r ^iun k-
i sinn seiner Enkcl i^nen einr so einflußreiche, fast doimn --.e»de
! Siellu-iq fä? .^nnstgegeniiände und A.lenümcr an den rrsie» Mu¬
seen und groxten vosen der Well verschaffen wurde, w e es in
Wlrklichre:! geworden ist Liegen wir um den ?l<i,l!iel. den hier
die Judengaise machre. so sehen wir täg.'ich im E.kersensler des
ersten s ockes eine alle Matrane mit qrogrr garnierter H^ube
entweder das «pinnraZ drehen oder in frommer Andacht ein Ge¬
bet- oder ein Psalmcnduch studieren). Es war di>s die aus alter
Zeit übriggebliebene »Edel Post". Der Name P il war ihr im
Polksmuud noch beigegeben von der Zeit her. wo das LesteUaeld
jedes Briefes einen Kseuzer kostete, denn der Familie dieser
Matrone war ozm Funken Tburn und Taiis das R?cht zuge¬
sprochen, die Bricsc zur d-e Judcnaemeinde en bloc bei der Post
zu erheben und an die Emp?a »ger auszmiescrn. Ich erwähne de,
Spinnrads, welches unsere Edel sie szig sch vang, denn in der
ganzen Judengasse war es Brauch, dag die Frauen, welcve keinem
Geschä't oblagen, ihre ireie Zeit mit Spinnen verbrachten, jede
brave Frau wollte nachgerühmt haben, daß sie gl.ich der M»>ler-
srau im Hoden Lirde sich Wolle unb Flachs besorgte, um sie zu
verarbeiten und ihre Binder vor Kälte zu schützen. Geizen wir
nun weiter die .Gasse tnnab" wie der v^'l-rslu nliche Aufbruch
j laute», so fin?en wir So?zerei-, Garn-, E>sei>'. Topser:ä?cn in
j genügender Auswadl Auch ein Konditor Harle sich dar: n.cdcrge-
> ltissei». se-ne ^un>» ernrechre sich iedo>t» nur aus Zubereitung vi?»
i Brenel. sog .Bolus', jenes von den Juden aus P^rt >gal und
j Spanien importierte Gebäck, sowie auf dania^s sehr dcuevte
> Zwiebel- und Hclde!becrklicr>en. Dicht neben dein Konditor ha:te
! sich ein Schuhpuner niedergelassen. Während jefll dieses G?»
! schä't höchstens an den freien Pläxen von verelnz^lien Dienst-
> männern gehandhadl wird, gab es f.üdcr eine ga"ze Ge»^ ss^n-
> scha't, die das edle und damals gar nicht einlache Hand rrrk de-
tr ed. Die Pun vichse war noch nicht rrsu> den. uno die Huden
j Schaftensliesel. die ein jeder Mann trug, mutzten mit K enru^t
angestrichen und mit Geld vom E: lackiert werden Es war eine
^ Kunst, einen Stiehl kunstgerecht schön blank zu drin en und
i nicht mrl w.-nia St 'lz ,ah un er Herr Schuhsuner au» die grosze»
! Stiesel, die er sor^fä.tig a-if einem döUernrn S:»hl als Reklame
aufgestellt halte An dieser Stelle hatte d e Gasse wieder eine
Einbiegung Während die lint-- Seile wegen des dahin:er gele¬
genen Piehmari-ls keine Hinlerhäuier haite. ko nmen wir auf der
i --ckt-n Serie auf vi l grönere Tiefe, die sich di» zur Daminüianer»
i gasie dinzoa: die B'egung sing an dem Sas sau, jenem s^ae»^»,»-
teu .ChainrlHoch;ei:Z,>aus' an. das ziemlich licf ging und
I wo noch Gewa.ve und ZlleSertagea verschiedener Waren waren,
i Auch ein Brunnen war in der Prrtie«!>na Es gad in dc? Gasse
nur zn?-; Pr?:r:r:-?- den ek>-n belaaten nnd einen fast am Ende
der Gasse. ?.e Wasierversorgung geschab durch die Zu> st de?
Wasserträger, d.e lagiäglich'.n gr. szcn B uten, die die Wasser-
j träger auf dem Rüchen trugen, die W.'h >u^en bis in die oberile»
? Stockwerke versorgten Froh ich übten sie ihr Hani>?e!k aus nn»
übernahmen auch, renitente Kinder, die nicht <ur Schule w.-v/err»
. in ihre Bällen zu iexen und de« Lez:cr ,u,u»ährrn Gerade am
! .Chasnohaus' hatlen sie auch ihren Ztanvyia» Da das Edle
i überall in der Ga?i.e aesflegt wurde, so Harle vre Wasserträger»
! kippe ihr- Kaffe. ro^ sie ersparte Pfennige Li-ein^egte, u.. solche
! an ihrem S:isr»n.?s'eil den Armen zu oerrei en. Ko-.rnen w.r
wieder z^ dem E'iafnohaus znrüch. we che- a >Ä eine k e:ne S.i >a»
! goae ha.:e. so wurden darin die Hoch;e:t-s.i:e sieden Tgge ge»
seicrr und B aal urd Bräa::gam erireur. I-der war a s <Zast
! wiäii.' n r-en und dadurch der B-iveis ge icse. :, daß es ein »rei^:d-
I ucher ^lacvdar war. aur den das Bräutpaar in Zcucn de? ?!st
' blichen durfte. Ern Jeder brachte ein kleines Geschenk mir, und
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