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einer ethnographisch - anthropologischen Studie: Was sind
Juden? aufgestellt haben. Der letztere wendet sich gegen die
abenteuerlichen Hypothesen der modernen Rassentheoretiker,
die den ethnographischen und anthropologischen Standpunkt
nicht genügend kennen und deshalb den Juden nicht gerecht
werden. Er kommt zu dem beachtenswerten Ergebnis: „Die
Juden sind die Nachkommen eines alten Kulturvolks, das dem
südlichen Zweige der mittelländischen, weißen Rasse entstammt
und in Kleinasien und Nordafrika seine Sitze hatte. Die
dort lebenden Juden haben heute noch den ursprünglichen
südmittelländischen Rassencharakter bewahrt, während diejenigen,
die sich unter anderen Zweigen und Völkern ihre Rasse an¬
gesiedelt haben, entweder deren körperliche Eigenschaften mit
den eigenen verschmolzen, oder sich durch starke Inzucht zu
einem lebhaften individuell gefärbten Typus auf der Basis
ihrer Stammesrasse ausgebildet haben." Lesenswert sind
auch die kritischen Essays über moderne Rassentheorien von
Friedrich Hertz, der zugleich eine Schrift über Antisemitismus
und Wissenschaft publiziert hat.
Unsere Wanderung ist zu Ende. Aber wie der Wanderer
noch einmal das Gebiet überschaut, das sein Fuß durchzogen,
so wagen auch wir noch eine Rückschau auf das flüchtig durch-
messene Gebiet, um einen Ueberblick gewinnen zu können.
Mannigfache, oft wirr durcheinander fließende Strömungen be¬
gegnen uns in diesem Bilde, die die Uebersicht arg erschweren.
Gleichwohl empfangen wir den durch nichts zu erschütternden
Gesamteindruck, daß alle diese verschiedenartigen Strömungen
denn doch einem Ziele zufließen. Das ist unser Trost in
allem Ungemach, das ist unsere Hoffnung für die Zukunft.
Denn von Zion geht die Lehre aus und das Wort Gottes
von Jerusalem. Und dahin — gleichviel ob wir es bildlich
oder leiblich auffassen — müssen beide immer wieder zurückkehren.