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Adolf Zellinek
nach seiner geistigen und wissenschaftlichen Bedeutung.
Bon Philipp Bloch-
„Blumen sind an jedem Weg zu finden.
Doch nicht jeder weiß den Kranz zu winden,"
S uter den führenden Geistern der jüdischen Theologie,
welche in der zweiten Hälfte des vorigen Jahr¬
hunderts die in der ersten Hälfte desselben Jahrhunderts
begründete Wissenschaft des Judentums weiter auszu¬
bilden und auszubauen bestrebt waren, tritt als ein
besonders markanter und interessanter Charakterkopf
Adolf Jellinek, der Prediger von Wien, hervor. Schon
feine äußere Erscheinung, obschon sie nicht gerade einem
Schönheitsideal entsprach, machte einen ungewöhnlichen,
bedeutenden Eindruck; wenigstens hatte der Schreiber der
vorliegenden Skizze gleich beim ersten Anblick einen
solchen Eindruck empfangen, als er im Sommer 1865
bei einer Studienfahrt nach Wien dem berühmten Kanzel¬
redner seine Aufwartung machte.
Ein verhältnismäßig großer Kopf ruhte auf einer
mittelgroßen Figur und zeigte ein volles, rundes, fast
bartloses Gesicht/) das geradezu an den Beethovenschen
Gesichtstypus erinnerte; ein träunlerisches, dabei lebens-
heiteres Augenpaar forschte dem Beschauer entgegen und
wurde durch eine hervortretende, kräftige Stirn gekrönt,
J ) Er hat bis zuletzt große Sorgfalt auf seine äußere Er¬
scheinung verwandt.