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geistvolle und lehrreiche Plaudereien, nicht aber wissen¬
schaftlich begründete oder gar philosophische Ausführun¬
gen. Dieser Schrift gegenüber fällt die Fortsetzung „Der
jüdische Stamm in nichtjüdischen Sprichwörtern" (drei
Serien) sehr ab; der Inhalt ist dürftig, der Verfasser
beherrscht das Feld nicht, und entschädigt auch nicht
durch Gedankenspiel. -
Der wissenschaftliche Ruhmestitel, den er in der jüdi¬
schen Gelehrtenwelt erlangt und behauptet hat, ruht in
seinen kabbalistischen Forschungen und Veröffentlichungen,
welche allerdings auch meist kurzatmig gehalten, zuweilen
kritischen Scharfblick vermissen lassen. Er debütierte auf
diesem Spezialgebiet mit der Übersetzung eines fran¬
zösischen Werkes von A. Franck: „Die Kabbala oder die
Religonsphilosophie der Hebräer" (Leipzig 1844), welches
er mit schätzenswerten Berichtigungen und Zusätzen ver¬
sah; aber in den Hauptfragen teilte er die Ansicht des
Verfassers, daß die Kabbala uralt, wahrscheinlich aus
dem Parsismus stamme, und daß der Sohar unmittelbar
durch Schüler auf R. Simeon ben Jochaj zurückgehe.
Infolge vertiefter Studien gab er diese Anschauung auf,
und wahrscheinlich - angeregt durch die in der Zeitschrift
„Orient" (Jahrg. 1846) erfolgten kabbalistischen Ver¬
öffentlichungen aus dem Nachlaß des leider allzufrüh
verstorbenen Landauer, lenkte er mit Nachdruck die Auf¬
merksamkeit auf einen Bericht des Historikers Abraham
Zakuto über die Entstehung des Sohars, der in der
ersten Druckausgabe-des Jochasin, Konstantinopel 1566, zu
lesen war, in den späteren Ausgaben, vielleicht auf Ver¬
anlassung des R. Mose Jsserles, gestrichen wurde. In
diesem Bericht erzählt Isaak von Akko, daß er Nach¬
forschungen über die Herkunft des Sohar 1305 angestellt
und zu diesem Zweck Mose ben Schemtob de Leon, der
in Avila (Spanien) seinen Wohnsitz hatte, aufgesucht habe,
da von dem genannten Mose de Leon zuerst der Sohar
als ein Werk des R. Simeon ben Jochaj stückweise aus¬
gegeben und vertrieben wurde. Inzwischen war Mose
de Leon gestorben; da erklärten Frau und Tochter, an
die man mit den größten Versprechungen herangetreten