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war, daß kein Sohar vorhanden war und Mose de Leon
alles aus eigenem Kopf herausgeschrieben habe. Jellinek
weist nun in seiner Schrift „Moses ben Schem—tob de
Leon und sein Verhältnis zum Sohar" (Leipzig 1851)
nach, daß diese Erzählung keine bloße Klatschgeschichte
sein könne, sondern daß der Sohar in seinen Gedanken
und Ausdeutungen mit einer von Mose de Leon in Druck
vorliegenden Schrift merkwürdig übereinstimme, und daß
der Anreiz zu mystischen Fälschungen in der Mentalität
der damaligen Judenschaft, welche von schweren Kata¬
strophen heimgesucht und nervös zerrüttet war, als be¬
gründet angesehen werden muß; er meint sogar, in Avila
eine Genossenschaft zur Fälschung mystischer Schriften
entdeckt zu haben. Diese Abhandlung über Mose de
Leon zählt wissenschaftlich zu den besten und wirkungs¬
vollsten unseres Autors. Die Beweise sind zwar nicht
von absolutem Zwang, aber sie haben durchgeschlagen
und in der jüdischen Gelehrtenwelt die Ueberzeugung ge¬
stärkt, daß das Grundbuch der Kabbala von Mose de Leon
herrührt, daß er jedenfalls an der Fälschung mitbeteiligt
gewesen. In den darauf folgenden „Beiträge zur Ge¬
schichte der Kabbala" (2 Hefte, Leipzig 1852) führt er
zum Teil die in der vorigen Schrift besprochenen Beleg¬
stellen weiter aus, giebt literar-historische Einzelheiten
von Wert und liefert Bausteine zu einer künftigen Ge¬
schichte der älteren Mystik, die freilich nachgeprüft werden
müssen, da er Bruchstücke von Werken anführt, die aus
der angeblichen Kabbalistenfamilie des Gaon Scherira her¬
stammen sollen und sicherlich nur Fälschungen sind. An
ähnlichen Uebelständen leiden die beiden Schriften „Aus¬
wahl kabbalistischer Mystik" (Erstes Heft Leipzig 1853)
und „Philosophie und Kabbala" (Erstes Heft Leipzig 1864);
es sind Vorarbeiten für eine Darstellung der Kabbala,
Material, das aus Handschriften oder schwer erreichbaren
Druckschriften der allgemeinen Benutzung zugeführt wird,
aber mit dem Vorwurf eines systemlosen Dilettantismus
belastet. Doch muß anerkannt werden, daß wir ihm in¬
teressante Aufschlüsse über die abenteuerlichen Lebens¬
schicksale eines der einflußreichsten Kabbalisten, des Abraham