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(Predigt), in der Synagoge zu Barcelona gehalten",
(Wien 1872), „R. Salomo Alamis Sittenlehren üsw."
(Wien 1872), Bücher, die durch ihren Inhalt wie durch
ihre Verfasser Bedeutung haben und den Kulturstand
ihres zeitgenössischen Judentums beleuchten.
Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, alle seine
Abhandlungen aufzuzählen, zumal dies bereits vielfach
von anderen geschehen ist. Nicht übergangen oder gar
unterschätzt dürfen jedoch die sechs Sammelbände werden,
welche er unter dem Titel „Bet ha Midrasch" (1853—
1877) zusammengesaßt hat. In den sechs Teilen des
„Bet ha Midrasch" ist ein buntes Allerlei der nachtal-
mudischen Literatur, meist fragmentarische Stücke aus
Handschriften oder aus seltenen, kaum erreichbaren Bü¬
chern zusammengestellt; volkstümliche Erzählungen, Sagen,
Legenden, Kuriosa, spätere Midraschim u. dergl., alles
in regellosem Durcheinander, aber als Material zu
einer Kulturgeschichte des Judentums noch heute wichtig
und unentbehrlich. Einleitungen am Anfänge jedes
Teils verbreiten sich über die Herkunft und möglichst
über den Autor jedes einzelnen Stückes, aber sie drin¬
gen nicht in die Tiefe und süßen oft auf schwammigen
Hypothesen, wenn sie es auch an anregenden, zur Ver¬
tiefung und Verarbeitung reizenden Bemerkungen und
Angaben nicht fehlen lassen; zum Schluß pflegen sich
noch Berichtigungen und Zusätze zu Stücken früherer
Teile einzustellen. Von besonderer Wichtigkeit ist Teil III
des „Bet ha Midrasch", weil dort das mystische Buch
„Die großen Hechaloth" zum ersten Mal abgedruckt ist,
auch die seltene Apokalypse des R. Simeon ben Jochaj
sich daselbst findet; ebenso Teil IV, der eine andere be¬
deutsame Version derselben Apokalypse aus einer Hand¬
schrift wiedergibt. (Vgl. Grätz, Gesch. der Juden, Fünfter
Band, Note 16.)
Die gleiche Arbeitsmethode kehrt in den mannig¬
fachen Broschüren wieder, von denen jede einzelne als
DltMtj? „Skizze" oder „Abhandlung" bezeichnet ist. In
einem solchen „Kuntres" (1853) wird zum ersten Mal
von ihm aus die bekannten Kreuzzugsberichte hingewiesen,