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März 1857.
RS. ZSs'. Ludwig Merzbacher und die Gmanuel«
Gemeinde zu New-Uork.
Die religiösen Bewegungen unter den Israeliten Nordame¬
rikas beanspruchen unsere Aufmerksamkeit und Theilnahme in so
hohem Grade, daß wir voraussetzen dürfen, es werde unsere Leser
mteressiren, den Lebensgang des Mannes, der in Wahrheit als
der Vater der Reform in Nordamerika zu betrachten ist, ken¬
nen zu lernen. Zugleich lernen sie dadurch den Bildungsgang ie-
ner trefflichen Gemeinde kennen und würdigen, deren wir in d.
Bl. schon so oft rühmlich erwähnt haben, und die uns, durch
die Aufnahme eines wackeren Rabbiners aus unserer Nähe, noch
näher getreten ist. Wir entnehmen daher einem Nekrolog von vr.
Lilienthal, in der „Deborah." Nr. 3>, über Or. Merz¬
bach er's Leben und die Entstehung der Emanuel-Gemeinde Fol¬
gendes: „vr. Ludwig Merzbacher war in Fürth, Bayern, 1810
von unbemittelten, frommen Eltern geboren. Die Ieschiba, die
damals noch in voller Blüthe in jener Stadt war und Talmu-
disten ersten Ranges unter ihren Koryphäen zahlte, bestimmte
den Vater, der alle seine Kinder überlebt hat, Ludwig dem Rab-
binerstande zu widmen. Nachdem er nach der Methode jener Zeit
ziemliche Fortschritte im Talmud gemacht, schickte ihn sein Vater
nach Preßburg, um die gerühmten Vortrage des Rabbi Moscheh
Sopher zu hören. Er endigte dort seine rabbinischen Studien,
und kam mit der Morenu zurück.
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