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April 1857.
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ein Wort zu seiner Zeit an die Führer und an die
Geführten.
I. Einleitung.
Wir lesen allmonatlich eine auf hohem Cothurn einher-
schreitende Betrachtung über die Herrlichkeit des altrabbinischen
Ceremoniells; mit einem Ueberguß von Floskeln wird uns die
harte Kruste des „LelmlLlian-^ruok-Judenthums" aufgetischt, als
wären eS „Naaöane klelven«, Leckerbissen von der königlichen
Tafel unserer göttlichen Religion. Auf das Reformjuden--
thum wird dabei mit aller nur möglichen Geringschätzung herab¬
gesehen, ihm alle und jede Berechtigung abgesprochen und auch
das Minimum von Bessergestaltung, und beträfe es nur die Aus¬
merzung von, in unserem Munde längst zu Lügen gewordenen,
mittelalterlichen Klaggebeten, mit einer eisernen Stirne als Abfall
vom „rechten Glauben" deSavouirt; die Bedeutung des öffent¬
lichen Gottesdienstes, worauf wenigstens bisher die alt-
jüdische Praxis so ungemein viel gehalten, daß sie „fleißig
Schulengehen" mit jüdischer Frömmigkeit nahezu für gleichbe¬
deutend hielt, wird absichtlich unterschätzt, um dafür, nicht etwa
das ganze sittliche Leben des Israeliten als höheren und eigent¬
lichen Gottesdienst hinzustellen, sondern vorzüglich und vorwaltend
den ewigen Ceremoniendienft zu betonen und zu überschätzen,
ihn, der in Wahrheit als die Kette erscheint, welche das rab--
binische Iudenthum nachschleift — um den Israeliten nicht als
einen durch Gott Befreieten, sondern als einen dem Sklavenhause
Entsprungenen, das Zeichen der Knechtschaft unaSlbsbar Nach¬
schleppenden zu bezeichnen und zu kennzeichnen.
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