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XiMtt. der Frühlingsmonat.
Und wir Israeliten, gleichfalls darmedergelegen in tausend¬
jährigen Bünden einer winterlichen nachtumhüllten Vergangenheit;
gleichfalls auferweckt von dem erquickenden Strahle lichtvoller Er-
kenmmn, inniger, allumfassender Menschenliebe; gleichfalls ange¬
langt bei einem Wendepunkte, wo daS Licht wieder zu uns kommt,
wo nur die Hüllen, die uns und unsere Religion gegen die furcht¬
bare Kälte draußen geschützt haben, mehr und mehr ablegen dür¬
fen, denn ein milder Hauch, der uns wohl that bis in's Innerste
des Herzens, ha! uns befreiend gegrüßt: wir sollten uns nicht
freuen des herrlichen N-san-MondS, der auch uns und ganz Is¬
rael und der gesummten Mensckheit aus leiblicher und geistiger
Sklaverei Erlösung verheißt?
Woblan, lassen wir uns in unseren Hoffnungen, daß das
Licht in Zsrael und in der Menschheit siegreich voranschreiten
werde, nicht stören! Bauen und vertrauen wir sicher darauf, daß
Wahrheit, Freiheit, Liebe und Frieden aus den Stürmen der
Erde hervorgehen werden wie ein klarer Frühlingstag; daß un¬
sere Zeil, gerade weil in ihr die Gegensatze von Alt und Neu,
Nacht und Tag. Starrheit und Leben, so gemischt erscheinen, be¬
stimmt sei- den Uebergang zu bilden, den erneuernden Wende¬
punkt zu einer schöneren Zukunft.
Je betrübender daher die Erscheinungen der Zeit, je mehr
Kampf und unversöhnte Gegensätze sich in ihr darstellen, desto
nölbiger, Israeliten, thuen uns Gottes heilige Feste, daß wir uns
erheben gleich den beschwingten Sängern in klare Höhen, von
wannen unser Festlied ertöne, der Zukunft der verjüngten Erde.
Darum höre die Botschaft des düsan-Monds, welcher zu dir
spricht: „mißfallen dir die Zustände um dich her, komm zu mir!
—' ^"N"1 N"Q „fliehe, mein Freund, und wende dich dem geflügel¬
ten Rehe gleich zu den würzigen Bergen der Religion! Dort
will ich dir zeigen die Freundlichkeit Gottes m den schöneren
Tagen, die da kommen werden!"
So möge euch denn der Xisan-Mond mit seinen erhebenden
Festtagen anempfohlen sein, daß ihr euch erquickt fühlet als Na¬
tu rwesen, daß ihr euch gehoben fühlet als Menschen, daß
ihr euch geheiligt fühlet als Israeliten, so oft wir, die Brust
voll LenzeSboffnung, uns hier vereinigen zur Anbetung GotteS.
Amen.