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Äaatner, Stahl, die Juden
liche Gelüste, soweit diese gegen ihre Glaubensgenossen gerichtet
sein möchten, zu befriedigen. Auch soll „eine permanente rabbi»
nische Behörde. alS höchste Religionsbehörde für ganz Preußen"
errichtet werden. So würden dann die Juden, ihrer alttestamem-
lichen Aufgabe, welche nach Herrn Wagener, die ist, als Symbol
für das Christentbum zu dienen, vortrefflich entsprechen. Sie wür¬
den die beiden großen Menschheitsaufgabeu der KreuzzeitungS-
Partti: den Gefammtftaat in ein buntes 'Allerlei von Corporaüv:
nen. Kasten und Svnderbunden aufzulösen, die alle gleich unfrei
doch übereinander herrschen, und dieses ganze mittelalterliche
Sammelsurium unter eine geisttövteude Hierarchie zu stelle», welcke
im Dienste des neuen katholischen Protestantismus waltete, vor¬
trefflich, und zwar wie gesagt "symbolisch" erfüllen. Auch sonst
gönnt der menschenfreundliche Herr Verfasser den lieben Juden, sei«
nen Halbgenossen im Glauben an eine zukünftige Erscheinung des
Messias, alles Liebe und Gute. Sie sollen, mindestes bis auf Wei¬
teres.—denn eine kleine resLrvntia mentalis ist bekanntlich, nmui
nur zu Ehren Gottes sin nnrjor«zm Ooi Kloriam), keine Todsünde
—Weiler Handel, Wandel und Gewerbe treiben, auch Privatbür-
ger bleiben, ja zu Professoren der orientalischen Sprachen und
der Medicin. selbst zu Officierstellen gelangen können, aber — und
daS ist des Pudels eigentlicher Kern — weg muß der atheistische,
unchristllche, revolutionäre Artikel 12, der durch freies königliches
Wort ertheilten und beschwornen preußischen Verfassungsur-
kunde, und namentlich der darin enthaltene gottlose Satz:
„der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerliche« Rechte
„ist unabhängig von dem religiösen Bekenntnisse. Den
„bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechten darf durch
„die Ausübung der Religionsfreiheit kein Abbruch ge¬
schehen."
Durch dieses abscheuliche Theorem wurden bekanntlich Bel¬
gien, Holland, Amerika, (von Frankreich gar nicht zn reden) zu
völlig unchrtstlicheu Staaten. Auch England, in welchem die Re¬
gierung, angestachelt durch daö ebenfalls ganz nnchristliche Volk,
eben jetzt einen Gesetzesvorschlag vorgelegt hat, der den Juden
die Pforten deZ Parlements öffnen soll, ist auf dem Wege, sich zwar
nicht von dem Christenthnm des Evangeliums, aber doch von dem
Christenthum deS Herrn Stahl loszusagen, welcher entdeckt hat,
daß „das Christentum als die Religion der Intoleranz in die
Welt getreten sei, deren Keim die Ercluslvita't ist" (Stahl: über
christliche Toleranz') darf also die Verfassung des Staates, der
seine Weltstellung Friedrich dem Großen verdankt, nicht länger
verunzieren. Auch hierin sind die Juden zum symbolischen Opfer