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tt,'bev die gegenseitige Stellung
junge) Geschlecht, ist auf eine in ihrer veredelnden Tendenz der
(s. h. den) Inden ins allgemeine Volksleben verpflanzenden Zeit
unmöglich sott zu vererben; darüber täusche sich Niemand! Alle
dahin zielenden Bestrebungen sind vergeblich: denn sie sind gegen
die Natur."
„Mit diesen Ansichten und Grundsätzen des Herausgebers
welche den neuesten Bestrebungen in den verschiedenen christlichen
Kirchen gegenüber nnr um so emvfehlenslvenher erscheinen, bin
ich vollkommen einverstanden, glanbe aber auch, das? das Juden-
chum ans diesem Wege von selbst dem — natürlich nicht kirchlich
dogmatischen, sondern in seinem ursprünglichen Geist und Prm?
cip aufgefaßten Chnstenthnme sich immer mehr nähern und seine
Vereinigung mit demselben anbahnen werde. Schon der Drang,
das tief gefühlte Bedürfniß nnd das lant ansgesprochene Ver¬
langen nach Reform und nach Verjüngung ist ein Beweis, daß
das Iudenthum seinen alten Charakter, der, wie der Verfasser
selbst zugesteht, ans Abschließung ausging, abgelegt hat; daß
eö seiner Fesseln sich zu entledigen und über sich selbst hinaus¬
zukommen strcbc. Das Prineip der Reform und des Fortschrittes
ist aber ein christliches Princip. Wir begrüßen darnm freudig
das junge, vorwärts strebende Judenthum; es wird dnrch Fort-
bildnng auf seinem eigenen Grund und Boden weit eher und
sicherer zu dem auch von uns gewünschten Ziele kommen, als
durch die zudringlichen und bekehrungssüchtigen Iudenmissioneii,
mitreist welcher man den Inden das Christenthum als Lehre
und Dogma aufnöthigen will, während man den Judendruck im
Leben fortbestehen laßt, den Vekennern des inosaischen Glaubens
hartnäckig das Slaatsbnrgcrrecht verweigert und durch diese Eng¬
herzigkeit das Christenthum bei denjenigen verdächtigt, die man
zu demselben zu bekehren beabsichtigt. — Unter dem Einflüsse dtt.
trotz der theologischen Erclusioität (Absonderung), die christliche
Gemeinschaft durchströmenden liberalen Geistes, von welchem es
fortwährend angeweht wird, und durch die allmä'lige Aneignung
christlicher Grundsätze muß das Jndenthum, ohne Abfall von sict
selbst und ohne vermittelten Uebertritt zu Christenthum, aus sich
selbst heraus sich vervollkommnen und sich so, ohne es zu wissen