Page
274
Die erste Frucht des Vertrages
Sobald der Schreiber dieser Zeilen diese Bekanntmachung
sah, benahm er sich mit dem Mitherausgeber der „kvoninA nens^
(Abendzeitung), in der Absicht, seine Aufmerksamkeit auf die
Trüglichkeit dieses „auf dem Fuße wechselseitiger Gleich¬
heit" zn lenken, weil in der Schwei; „grnndgesetzliche und ge¬
setzliche Bestimmungen sowohl der Bundes-, als der Cantonal-
verfassung" eristinen uud noch cristiren, welche eine ganze Classe
amerikanischer Bürger — nämlich die Israeliten — von dem.Ge¬
nüsse der Wohlthaten jenes Vertrages ausschließen, wcßhalb n
null und nichtig erscheint, insofern er jene betrifft. In Fche
dieser unserer Besprechung erschien in deu N^'eiiinx nens^ vom
29. Tec. 1855» ein Leitartikel, um das Nichtvorhandensein der
,Mechselseirigkcit" in dem fraglichen Vertrage nachzuweisen. Wir
führen folgende Stelle jenes Artikels hier an: „Wir rnlnehmcn
dem Gesetze eines der Schweizer Camone (BaselstM und Basel,
tand^), welches 1851 herauskam, den ersten Satz, welcher erkläre
„„Keinem Juden, ohne Ausnahme, ist es erlaubt, sich niederzu¬
lassen, einen Handel, ein Handwerk, oder irgend ein Geschäft in
Baselland zu betreiben."" Die obersten Behörden von Basel haben
es, auf das Gesuch von dortigen 3000 Einwohnern, abgeschlagen,
jenes Gesetz zu widerrufen. Wenn nun der Vorbehalt eines Can-
tonälprivilegiums von sv gehässigen: Charakter einem Israeliten
entgegen gehalten werde» kann, wenn ihn Geschäfte nach dem
Canron Basel führen, wo ist da )ene „wechselseitige Gleichheit",
die in Worten versprochen, aber in der That verweigert wird?
es ist leeres Wortgeklingel!" —
Es dauerte nicht lange, bis man einen tatsächlichen Beweis,
eine ^LittOtiSti-atio aä luzminem" bekam, daß unsere Staats¬
männer von der Schweizer Regierung düpirt wurden und sich ni
Mitschuldigen an der Aechtung eines Thciles ihrer eigenen Mit¬
bürger, um der Religion willen, gemacht haben - eine Vcr,,aa>
lasflgunq, welche um so weniger sich rechtfertigen läßt, als die
Aufmerksamkeit des Senates und der zwei höchsten Vcrwaltu«a>
behörden unserer Republik auf die Gefährlichkeit und Trüglich¬
keit jenes Vertrages, während die Unterhandlungen noch in
Schwebe waren, von den Israeliten verschiedener, wenn nicht aller
Staaten unserer Union war gelenkt worden. Nein, der Untt'rzeia>
ner mußte die größte Schuld auf unsere höchste Behörde werfen,
daß sie Men Vertrag ratifieirte. nachdem Herr Marcy von dessen
Ungerechtigkeit und Fanatismus durch den Schreiber dieser Zeilen,
*i Muß wohl Baftlland allein heiße»; in Baselstadt wolmm
Juden. —-Red.